AuslandseinsatzHolocaust-EducationStudienfahrtenVereinLinks
Augabe 2/98


2016
2015
2014
2013
2012
2011
2010
2009
2008
2007
2006
2005
2004
2003
2002
2001
2000
1999
1998

Schuldgeschichte

Zur Jahrtausendwende be­müht sich die römisch-katholi­sche Kirche, sich mit ihren Ver­fehlungen gegenüber dem jüdi­schen Volk useinanderzusetzen. Alle diese Schuldbekenntnisse sind von Ernsthaftigkeit und Bemühen getragen. Heute ist ganz klar: Jede Form von Juden­feindschaft wird von der Kirche verurteilt. Dennoch kommt die­sen Erklärungen stets wieder die eigene Theologie in die Quere, wodurch diese Aussagen biswei­len zu kurz gegriffen erscheinen. Zwar ist klar, daß die Kirche stets der Buße und Erneuerung be­darf, doch kennt etwa der Ka­techismus Schuld und Sünde nur als individuelles Fehlverhalten. Johannes Paul II. nahm vergan­genen Herbst ausdrücklich die „Kirche als solche" aus der Ver­antwortung in diesem Zusam­menhang heraus. Er sprach von einzelnen Christen, die das Neue Testament judenfeindlich ver­standen hätten.

Unser Wirtschaftssystem, das Armut und Ausgrenzung produ­ziert, ist mehr als die Summe unmoralischer Handlungen. Im Be­reich der Wirtschaft spricht der Papst von „Strukturen der Sün­de". Aber auch Judenfeindschaft, von der Predigt bis zu gewalttäti­gen Exzessen, ist mehr als nur Verfehlungen einzelner irregeleieteter Christen. Die Veränderungen seit dem 2. Vatikanischen Konzil sind epochal. Aber im Vergleich zur Schuldgeschichte davor ist es eine kurze Zeitspan­ für    ne. Wir dürfen gespannt sein,wie sich diese Auseinandersetzung, auf theologische Reflexion und praktische Durchführung von Riten der Reue, des Gedenkens bei struktureller Schuld auswirken.

 

Dr. Markus Himmelbauer, Pädag. Mitarbeiter des Koordinierungsauschusses für Christlich-jüdische Zusammenareit