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Ausgabe 4/98


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Das „Vorzeigeghetto" der Nazis

Ideologie und Propaganda der NS-Zeit am Beispiel Theresienstadts

 

Erstmals organisierte GEDENK­DIENST eine Studienfahrt nach Terezin. Die Betreuung vor Ort über­nahm der Gedenkdienstleistende Rene Wintereder.

 

In Wien begann das Programm mit einer Führung durch den 2.Wiener Gemeindebezirk, vorbei an Litfaßsäulen der Ausstellung „Zerstörte Kulturen", die das Schicksal der Wiener jüdischen Gemeinde vor ihrer Emigration, Deportation und Ermordung aufzeigt. Abends trafen wir Helga Kinsky, die als Kind nach Theresienstadt deportiert wurde. Keine stumme Gedenktafel, sondern ein Mensch, den man fragen kann, und der es auf faszinierende Weise versteht, Antworten zu geben.

Das Programm in Theresienstadt begann mit einer Einführung über die Geschichte Theresienstadts von Herrn Doc. Vojtech Blodig, stv. Direktor der Gedenkstätte. Führungen durch die „große Festung" (Ghetto), die „kleine Festung". (Polizeigefängnis der GESTA­PO) und das Ghetto-Museums machten die Gruppe mit dem Ort vertraut.

Im Film „Bahnsteig nach Auschwitz" erinnern sich Überlebende an ihre Kindheit in Theresienstadt, die viele von ihnen überraschenderweise als „glückli­che Zeit" betrachten. Hervorragende Lehrerinnen und ein enges Zusammenhaltsgefühl überlagern oft die Erinnerungen an das Schreckliche, das vor den Kindern so gut wie möglich ferngehalten wurde. Dazu kommt, daß die Kinder vor ihrer Deportation nach Theresienstadt in ihren Heimatorten, bedingt durch die antijüdischen Geset­ze, sich in einer angstvollen Isolation befanden, sodaß ihnen das Leben in den Theresienstädter Kinderheimen als Verbesserung ihrer Situation vorkam. Ein Dokument der Strategie der Nazis ist der Propagandafilm „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt", der angefertigt wurde, um die Welt über die Vernichtung der Juden in Europa hin­wegzutäuschen. Es entstand eine rege Diskussion darüber, ob und wie Filme wie diese im pädagogischen Bereich einsetzbar sind.

Markus Pape sprach über den Holocaust an Roma, die in Lety im sog. „Zigeunerlager" Zwangsarbeit verrich­ten mußten. Eine Exkursion führte nach Lidice, jenen Ort, der am 10.Juni 1942 als Vergeltung für das Attentat auf Rein­hard Heydrich zerstört wurde. Den Ab­schluß der Studienreise bildete die Füh­rung durch das jüdische Viertel in Prag. Der hektische Touristinnenstrom, der sich durch diese Sehenswürdigkeiten durchpreßte, zeugt vom regen Interesse an der verloschenen jüdischen Kultur, stimmte aber nach der Verlassenheit Theresienstadts nachdenklich. Gm