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Ausgabe 4/98


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Telegramm

Wiedergeburt des Computers

 

 

Der Arbeit an manchen Stellen würde sogar Mac Gyver Respekt zollen. Clemens Prinz etwa schraubte im Holocaust Dokumentationszentrum in Budapest die Innereien mehrerer toter Computer derart trickreich zusammen, daß ein funktionierendes Gerät daraus entstand. Normalerweise hat er mit der Übersetzung englischer oder französischer Briefe ins Ungarische zu tun - wenn er nicht gerade das im entstehen begriffene Archiv mit Schlagwörtern versieht oder sich um die Publikationen der Ungarischen Auschwitz Stiftung kümmert. Für das Buch „Weg aus der Hölle", das die Todesmärsche der ungarischen Juden und Jüdinnen dokumentiert, mußten graphische Beilagen und Ortsverzeichnisse erstellt werden, das monatliche „hirlevels" verlangte nach einem Layout. Mit dem österreichischen Osteuropainstitut und der KulturKontakt Austria wird eine Lehrerinnenfortbildung für Ungarn entwickelt. Das bedeutet Programm erstellen, Teilnehmerinnen betreuen und Fundraising. Es ist gut zu wissen, daß die großen Universalgelehrten noch nicht ausgestorben sind.

 

Gedenkdienst goes Hollywood

 

 

Daß Spielberg sich auf seine besondere Weise mit dem Holocaust beschäftigt hat, ist hinlänglich bekannt. Nun drehte auch der ORF für die Sendung Orientierung einen Beitrag über das jüdische Leben in Vilnius. Das dortige Museum spielte dabei eine wichtige Rolle. Es hält die Erinnerung an das ehemalige Wilna als das „Jerusalem des Ostens" aufrecht und setzt sich mit der Geschichte des Ghettos auseinander. Auch das Wirken Wolfhardt Freinbichlers findet Beachtung. Bei dieser Gelegenheit wurde ihm Einblick in das anstrengende Leben eines Filmsstars gewährt, Hollywood zeigt Interesse an dem jungen Talent. Seine Karriere in Übersee wird ihn hoffentlich nicht davon abhal­ten, den Museums führungen oder der Korrespondenz nachzugehen. Und der bevorstehende Besuch der Anne-Frank-Ausstellung will ebenfalls gewissenhaft vorbereitet sein. Sie soll schon im nächsten Jahr samt Fortbildung für Lehrerinnen und Kulturprogramm in Litauen präsentiert werden.

 

Export in die USA steigt

 

 

25 junge Österreicherinnen mehr werden von nun an New York bevölkern. Der Stolz der Nation sind allerdings nicht Gedenkdienstleistende sondern Lehrerinnen, die seit kurzem in dieser Stadt ihre Arbeit verrichten. Während eines Treffens am österreichischen Konsulat bekundeten diese aber reges Interesse an der Arbeit von Nikolaus Wahl am Leo Baeck Institute. Bei dieser Gelegenheit neu geknüpfte Kontakte mit der österreichischen Außenhandelsvertretung waren außerdem dabei behilflich, neue Teilnehmerinnen für die Austrian Heritage Collection zu finden. Diese Dokumentation der Geschichte ehemaliger Emigrantinnen schreitet zügig voran. In letzter Zeit wurden besonders viele zeitgeschichtliche Dokumente gesammelt. Die im Moment befragten über-90jährigen zeigen offen­bar mehr Bereitschaft, sich von ihren teils sehr persönlichen Unterlagen zu trennen als das bei jüngeren Altersgruppen bisher der Fall war.

Wer mehr über das Leo Baeck Institute in New York erfahren will, kann seinen/ihren Wissensdurst mit Hilfe der neuen Homepage stillen: www.lbi.org

 

Teenager auf Spurensuche

 

 

Zusammen mit dem italienischen Institut Istorico bereitet die Anne Frank Stiftung Amsterdam eine Jugendfahrt für 1999 vor. In diesem Jahr wäre Anne Frank 70 Jahre alt geworden. Teenager aus acht verschiedenen Ländern Europas werden aus diesem Anlaß eine Sternfahrt zu den wichtig­sten Stationen in ihrem Leben unter­nehmen. Treffpunkt ist Frankfurt, der Geburtsort von Anne Frank. Von dort aus geht es in verschiedenen Gruppen entweder nach Amsterdam, Annes erstem Fluchtpunkt, nach Auschwitz, wo sie interniert war, oder nach Bergen-Belsen, wo sie schließlich an Typhus starb.

Die einzelnen Gruppen der Jugendlichen treffen sich anschließend wieder in Frankfurt, berichten von ihren Erfahrungen und geben das Erlernte weiter. Eine weitere Kooperation hat sich mit dem Beth Shalom Holocaust Memorial Museum in Nottinghamshire ergeben. Dort hat man unter anderem eine Ausstellung über den Holocaust in Litauen geschaffen, die auch in die Landessprache übersetzt wurde. Damit wird die geplante Tour der Anne Frank Ausstellung durch Litauen sinnvoll ergänzt.

 

 

Die Namen der Menschen

 

 

Prag und Wien rücken für eine zukünftige Publikation näher zu­sammen. Der vierte Band des Gedenkbuchs der Theresienstädter Initiative in Prag soll die Deportation von ca. 15.000 Juden und Jüdinnen in das Ghetto Theresienstadt dokumen­tieren. Bei der Beschaffung und Verwaltung der enormen Menge an Daten ist das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) in Wien behilflich. Auch das

Netz der Gedenkdienstleistenden  an den über den ganzen Globus verteilten Stellen sollen dabei benutzt werden.

Die vorangegangenen drei Bände befaßten sich mit ehemaligen Ghettoinsassen aus den Protektoraten Böhmen und Mähren sowie aus Deutschland. Auf tausenden Seiten wurde damit schon bisher das Schicksal von beinahe Hunderttausend Menschen dokumentiert. Hinter­bliebenen, die sich auch heute noch mit ihren Fragen an die Theresienstädter Initiative wenden, kann dadurch Auskunft über den Verbleib ihrer Angehörigen gegeben werden. Die Bücher übernehmen quasi die Funktion eines geistigen Friedhofs und gedenken jener, für die nirgends ein Grab steht.