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Ausgabe 1/99


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Ein Wegweiser für die Zukunft?

Wegweiser für die Zukunft?

 

Thomas Huber berichtet von der Washington Conference on Holocaust-Era Assets

 

Delegationen aus 45 Ländern und ein Dutzend nichtstaatlicher Organisationen trafen sich von 30. November bis 3. Dezember 1998 in der US-Hauptstadt, um an der „Washington Conference on Holocaust-Era Assets", so der offizielle Titel, anstehende Fragen im Bereich Nazi-Raubgut zu diskutieren. Was kann man sich nun von einem derartigen Großereignis erwarten?

 

Themen: Kunst, Gemeindebesitz und Versicherungen

 

Nach der im Sommer erfolgten Einigung mit den Schweizer Banken und der abgeschlossenen Arbeit der „Tripartite Gold Commission" im Bereich Raubgold, beschäftigte sich die Konferenz vor allem mit den Themen Kunst, Gemeindebesitz und Versicherungen.

Im zuletzt genannten Bereich hatte man schon im Vorfeld entscheidende Fortschritte erzielt: Sechs große Versicherungsgesellschaften trafen sich mit Vertretern von Klägern sowie anderen in dieser Frage involvierten Parteien und beschlossen die Einsetzung einer Komission samt dazugehörendem Fonds (mit 90 Mio. Dollar ausgestattet), um bestehende Ansprüche zu regeln. Die beteiligten Gesellschaften repräsentieren derzeit 25% des Vorkriegs-geschäftes in Mittel- und Osteuropa. Durch die Einigung wurde zweierlei erreicht: Einerseits vermied man langwierige Gerichtsverfahren, so daß rascher Geld ausbezahlt werden kann; andererseits sparte das rasche Handeln teure Prozeßkosten. Auf der Washingtoner Konferenz wurde bekräftigt, daß auch jene Versicherungsunternehmen, die sich nicht an der Initiative beteiligt hatten, zur Annahme dieses Lösungsmodells bewegt werden sollen.

Komplizierter gestaltete sich der Bereich Kunst. Zwar wurden auf der Konferenz elf „Leitprinzipien" verabschiedet, welche bei der gerechten Rückerstattung und Wiedergutmachung von legitimen Ansprüchen zu Hilfe genommen werden können. Allerdings handelt es sich dabei um keine rechtsverbindlichen Regelungen. Beobachter Innen gehen aber bereits davon aus, daß dies den weltweiten Kunstmarkt radikal ändern wird, da „rechtmäßiger Besitz" nun ein Kriterium bei Verkauf und Ausstellung von Kunstwerken sein wird.

 

Unverzügliche Öffnung internationaler Archive gefordert

 

Von entscheidender Bedeutung bei der Klärung von Ansprüchen ist der Zugang zu Archivmaterial. Deswegen wurde diesem Punkt auch ein Hauptaugenmerk in den Diskussionen gewidmet. Privat- und Firmenarchive stellen zwar keine Raubgüter im eigentlichen Sinne dar, sind aber unverzichtbare Hilfsmittel bei der Bestimmung der Eigentümerinnenschaft von Vermögensgütern. Von den USA wurde deshalb auch eine unverzügliche Öffnung internationaler Archive gefordert.

Ein weiteres Haupthindernis bei der Klärung ungeklärter Ansprüche sind die enormen Prozeßkosten internationaler Rechtsverfahren. Nach Wegen und Möglichkeiten, wie man diese Kosten vermeiden könnte, suchte die Konferenz jedoch nicht. Das Problem der Entschädigung von Zwangsarbeit-(erlnnen) wurde aufgrund der Komplexität des Themas ebenfalls auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Positiv hervorheben sollte man auf jeden Fall eine neu gestartete Initiative auf dem Gebiet der Holocaust-Erziehung. Ziel ist die öffentliche Wahrnehmung des Holocaust auf internationaler Ebene zu verstärken. Erwähnenswert im Bereich der historischen Forschung ist, daß nun bereits 17 Länder Historikerlnnenkomissionen eingesetzt haben, welche sich mit unterschiedlichen Aspekten beschäftigen.

Insgesamt war es ein Ziel der Konferenz, moralische und verfahrenstechnische Präzedenzfälle zu schaffen. Und tatsächlich brachte sie mehr Ergebnisse als vielleicht ursprünglich erwartet.

 

 

 

Versteckte Beute des NS-Regimes: säckeweise Geld, Kunstgegenstände und andere Wertsachen, entdeckt von US-amerikanischen Truppen.