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Ausgabe 1/99


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Telegramm

Geteilte Leben

 

„Österreich ist in bestimmten Dingen meine Heimat geblieben, aber ich kann mich nicht mehr als Österreicher begreifen. " So der österreichische Emigrant Josef Eisinger im Film „Continental divide - Geteilte Leben", der Grazer Zeithistorikern Andrea Strutz und Manfred Lechner.

Der Film entstand in New York und wurde am 18. Jänner 1999 in einer gemeinsamen Veranstaltung der „Exilbibliothek im Literaturhaus Wien" und GEDENKDIENST zum ersten Mal in Wien gezeigt. Der Titel bezieht sich auf die Lebenssituation österreichischer Emigrantinnen, ihr Leben im Wien vor 1938, die Flucht und den Neubeginn im Exilland. Mehr als 20 Personen kommen zu Wort und erzählen sehr eindringlich von ihrem Verhältnis zum heu­tigen Österreich und dem Österreich, das sie in die Emigration mitgenommen haben.

Der Film ist zu beziehen bei Andrea Strutz, Institut für Zeitgeschichte Uni Graz, Elisabethstr. 27/2, 8010 Graz, e-mail: andrea.strutz@kfunigraz.ac.at

 

 

Herbergssuche in Litauen

 

Die Planung der Anne-Frank Ausstellung in Litauen schreitet voran. Die GEDENKDIENST Mitarbeiter Wolfhart Freinbichler und Norbert Hinterleitner waren in den letzten Monaten damit beschäftigt adäquate Räumlichkeiten für die einzelnen Stationen zu finden. Die erste Station wird am 23. September, dem Gedenktag des Holocaust, das Parlament in Vilnius sein. Nach einer Woche wird sie dann in das alte Rathaus übersiedeln. Die weiteren Stationen bis Juni 2000 sind Panevezys, Kedainiai, Klaipeda, Siauliai, Mazeikiai und Utena.

Mancherorts scheint die Auseinandersetzung mit dem Holocaust noch

Schwierigkeiten zu bereiten: das Photographische Museum in Kaunas etwa beendete die Zusammenarbeit ohne Angabe von Gründen in letzter Minute. Ersatz könnte ein altes Fort bieten, das von den Nationalsozialisten für Insassen aus dem Ghetto Kaunas als Wartelager bis zur Exekution verwendet wurde. In den letzten Jahrzehnten wurde dort aus diesem Grund ein Museum bzw. eine Gedenkstätte eingerichtet.

Eine weitere Möglichkeit würde die Bücherei bieten, wobei die Betreiber aber sehr skeptisch auf das Ansuchen reagierten. Keine von beiden Institutionen kann die Ausstellung allerdings die geplanten 6 Wochen beherbergen.

 

„Ich kam als Kind"

 

Am 15. Dezember 1998 konnten die Mitarbeiterinnen der GEDENKDIENST Gruppe Wien auf Vermittlung des derzeitigen Gedenkdienstleistenden am Spiro Institute, Beppo Spieckermann, Frau Martha Blend und ihren Mann im Literaturhaus Wien zu einem Diskussionsabend begrüßen. Martha Blend konnte als 9-jährige mit einem Kindertransport 1939 von Wien nach England flüchten und lebt heute in London. Frau Blend schilderte uns ihre Erlebnisse in Wien nach dem Anschluß, die näheren Umstände ihrer Flucht nach England und erzählte vom Schicksal ihrer Eltern, die während des Holocaust ermordet wurden.

Seit einigen Jahren ist sie im Zeitzeuginnenprogramm des Spiro-Institute London aktiv und erzählt in englischen Schulen über ihr Leben. 1995 erschienen ihre Lebenserinnerungen, die nun auch in einer deutschen Übersetzung im Picus-Verlag unter dem Titel „Ich kam als Kind" erhältlich sind.

 

Der Preis der Sorgfalt

 

Der vierte Band des Theresienstädter Gedenkbuches, der sich mit den Deportationen aus Österreich beschäftigt (vgl. GD 4/98) wird später als erwartet erscheinen. In Prag arbeitet man zur Zeit noch intensiv am dritten Band über die Transporte aus dem Deutschen Reich. Nach der Übernahme neuer Dokumente entdeckte man durch Stichproben einige Fehler bei Geburtsund Sterbedaten. Rudolf Staribacher ist nun damit beschäftigt, die rund 15.000 Datensätze zu überprüfen. Währenddessen recherchiert Helmut Wartlik die Namen jener ehemaligen KZ-Häftlinge, die in andere Lager weiterdeportiert wurden und dort die Befreiung erlebten. Außerdem kontroliert er die Transportlisten aus Deutschland, wodurch sich weitere Korrekturen ergeben. Die Verbindung zur GEDENKDIENST-Stelle am US Holocaust Memorial Museum in Washington erweist sich bei der Überprüfung als hilfreich. Gleichzeitig schreitet aber schon die Arbeit am vierten Band voran. Im Moment ist Rudolf Staribacher damit beschäftigt, Datensätze verschiedener Archive zu vernetzen. Die dabei auftretenden Probleme wie etwa die unterschiedliche Schreibweise der Namen lassen sich allerdings nicht auf elektronischem Weg beheben und erfordern zeitintensive manuelle Arbeit.

 

Hilfe für NS-Opfer

 

An der Fundacion Memoria del Holocausto in Buenos Aires, Argentinien hat sich GEDENKDIENST zu „dem" Ansprechpartner bei der Unterstützung für Entschädigungsanträge im Rahmen der Claims Conference in New York entwickelt. Bisher wurden gut 20 Überlebende beim Verfassen der Leidensgeschichte und dem Ausfüllen der Formulare unterstüzt. Weiters wurden 50 Anträge für den Sozialfonds der Schweizer Banken bearbeitet, insgesamt werden 236.000 US$ verteilt. Auch bei sonstigen bürokratischen Schwierigkeiten wie etwa Anfragen an österreichische Pensionsanstalten sind die Gedenkdienstleistenden Jordi Kuhs und Markus Broer behilflich. Anfragen über Verwandte werden entweder per offiziellem Antrag an das Survivors Registry in Washington oder, an das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands oder- wie so oft-mit Hilfe des GEDENKDIENST-Netzwerks recherchiert

Leserinnenbriefe

Hi, liebe Leute der „Gedenkdienst"-Redaktion!

Wollte Euch einfach nur mitteilen, wie begeistert ich bin von der Qualität der neuen „Gedenkdienst'-Ausgabe. Vor allem die wissenschaftliche Fundiertheit und der Informationsgehalt hat sich, man muß fast sagen: potenziert! Sehr gut fand ich die breite Gestreutheit der Themen, da ich selbst weiß, wie schwierig es ist, über die weniger bekannten Opfergruppen des Nationalsozialismus brauchbare Informationen zu sammeln. Ihr habt wirklich viel Arbeit geleistet, vielen Dank! Insbesondere die Artikel über die Ostarbeiterinnen, Schwule und Lesben und die Verfolgung der Burgenland-Roma kann ich selbst gut gebrauchen und weiterverwenden.

Alles Gute und viel Erfolg für dieses Jahr!

Markus Gaug, Berlin