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Ausgabe 2/99


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Otto Werberg

Ein Wort von Otto Werberg

Ich will in meinen Beitrag nicht mit einer Diskussion über den Nationalsozialismus verfallen, sondern nur zeigen, daß ich Wien und Österreich noch genauso liebe wie je zuvor. Auch nach 60 Jahren in Buenos Aires bin ich nie Argentinier geworden, sondern meinem lieben Wien, wo ich vor dem „Anschluß" herrliche Zeiten und große künstlerische Erfolge hatte, bis heute treu geblieben.

Nachrichten aus Österreich zeigen aber leider, daß die Ideologie des Nationalsozialismus nicht ganz ausgerottet ist, sondern neue Triebe aufweist. Ich hoffe aber, daß die Mehrheit dieselbe Ansicht wie ich hat: Nie zu vergessen, was geschehen ist! Denn meistens sprechen immer nur jene von Vergessen, die selbst nichts zu vergeben haben.

Argentinien ist mir zur zweiten Heimat geworden, wohin ich meine Familie retten konnte und einen großen künstlerischen Aufschwung genommen habe. Dafür bin ich diesem Land auf ewig dankbar. Leider muß ich es heute mit meinen 90 Jahren beweinen, daß ich krankheitshalber nie wieder nach Wien kommen werde, wo ich meine Jugend, meine erste Liebe und den ersten großen Applaus erlebte. Ich wünsche mir aber, daß Österreich wieder seinen alten Platz nicht nur in der Kunst, sondern auch in der Menschlichkeit einnimmt. Markus und Jordi vom Gedenkdienst haben mich geistig wieder nach Wien versetzt und ich weiß, daß es dort sehr viele liebe und gute Menschen gibt.

Mit herzlichen Grüßen und besten Wünschen

 

Otto Werberg wurde 1909 in Wien geboren. Er kam im August 1939 nach Buenos Aires, nachdem er in Belgien in einem Flüchtlingslager kurz vor der Abschiebung ins Deutsche Reich gestanden war. Er wurde vom Teatro Colon in Buenos Aires als Tänzer engagiert, was ihm ermöglichte seine Familie nach Buenos Aires zu bringen. Er gilt in Argentinien als „Maestro" des Modernen Ausdruckstanzes. Er unterhält heute noch, im Alter von 90 Jahren, eine Tanzschule und hat 16 Bücher über Kultur und Humor geschrieben. Derzeit arbeitet er an seiner Autobiographie.