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Ausgabe 2/99


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Telegramm

Mauthausen - schöne Gegend

 

So lautete der Titel einer gutbesuchten Veranstaltung der Regionalgruppe Steiermark zum A/S - Opfergedenktag am 5. Mai d. J. im Meerscheinschlössl in Graz. Der Literat Robert Schindel las dabei ausgewählte Stellen seines Erstromans „Gebürtig" und beantwortete anschließend Fragen des Auditoriums. Der Roman, dessen Entstehung laut Schindel vier Jahre dauerte, behandelt die problematische Koexistenz von Juden und Österreichern bzw. Deutschen in der Nachkriegszeit. Schindel konstatierte in diesem Zusammenhang ein radikaleres, selbstbewußteres Auftreten der dritten jüdischen Generation seit dem Holocaust.

Auf die „Historisierung von Auschwitz" angesprochen meinte er, die Shoah sei nicht in den Genen der Menschen verankert und unter bestimmten Voraussetzungen jederzeit wiederholbar. Die Vorgänge im Kosovo würden zum Beispiel die Rückkehr der ethnischen Säuberungen nach Europa beweisen. Eine große Gefahr stelle die tendenziöse Gleichgültigkeit gegenüber der Vergangenheit dar, die sich in Österreich u.a. in der Bagatellisierung von NS - Verbrechen in Prozessen gegenüber Tätern manifestierte. „Man muß immer dagegen kämpfen!", meinte Schindel.

 

Fahrt nach Theresienstadt

 

Von 22. bis 25. Mai 1999 veranstaltete Gedenkdienst mit Unterstützung der österreichischen Hochschülerschaft eine Studien fahrt nach Theresienstadt, Tschechien.

25 Studentinnen und Gedenkdienst-interessierte der verschiedensten Studienrichtungen verbrachten drei     l interessante Tage in der Jugendbegegnungsstätte Terezin. Das Programm wurde vom dort tätigen Gedenkdienst-leistenden Rene Wintereder koordiniert. Es umfaßte umfangreiche Führungen im ehemaligen Ghetto und in der Kleinen Festung, Museumsbesuche, Zeitzeuginnengespräche und lebhafte Diskussionen. Besonders das Zeitzeuginnengespräch mit Frau Lieblova, der Vorsitzenden der Theresienstädter Initiative, wird vielen Teilnehmerinnen noch lange in Erinnerung bleiben.

Abgeschlossen wurde die Fahrt mit der Besichtigung der Gedenkstätte Lidice, jenem Ort, der von den Nationalsozialisten als Vergeltung für das Attentat auf den stellvertretenden Reichsprotektor Heydrich dem Erdboden gleichgemacht wurde.

 

„Hausbesetzung"

 

Das Anne Frank Haus wurde am I.März für zwei Stunden von „illegal" in den Niederlanden lebenden Menschen besetzt, die damit auf die Lebens-umstände von Personen ohne Aufenthaltsgenehmigung aufmerksam machen wollten. Das Haus distanzierte sich zwar vom Vergleich der Aktionist-Innen zwischen der Situation der Juden während des Nationalsozialismus und der „Illegalen" heute, zeigte aber Verständnis für die Probleme der Betroffenen, (rw)