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Ausgabe 3/99


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„Zeitzeugen machen uns Mut mit ihrem Überlebenswillen ..."

Generationenvertrag von Schülerinnen mit Überlebenden

 

„Jeder, der sich nicht aktiv und ständig mit der Erinnerung beschäftigt und an­dere mahnt, ist ein Helfershelfer des Mordens. Und umgekehrt, wer auch im­mer dem Verbrechen widersteht, muß sich auf die Seite der Opfer stellen, muß ihre Berichte verbreiten, ihre Berichte über Einsamkeit und Verzweiflung, über Stille und Trotz." Dieses Zitat des Ausch-witz-Überlebenden Elie Wiesel ist das Leitmotiv eines bemerkenswerten Pro­jektes am Klagenfurter Ingeborg Bach­mann Gymnasium.

Begonnen hatte es mit der Lektüre ei­nes Romans über ein Außenlager von Mauthausen. Pädagogikprofessor Peter Gstettner machte sich damals mit seinen Studierenden sogleich erfolgreich auf die Suche nach Ruinen und Fundamenten des damaligen Lagers am Loibelpaß. Zeitzeugen, die damals für den Bau des Loibeltunnels interniert waren, wurden kontaktiert, Interviews geführt, histori­sches Material gesichert. Schließlich fand nach 50 Jahren Vergessen 1995 erstmals eine Gedenkveranstaltung am Jahrestag der Befreiung statt.

An der letzten Feier am 12. Juni 1999 waren auch die Schülerinnen des oben erwähnten Gymnasiums beteiligt. Dabei waren sie nicht nur als Zuhörende an diesem einen Tag anwesend, sondern arbeiteten schon im Vorfeld bei der Or­ganisation der Veranstaltung aktiv mit. Im Unterricht wurde Inhaltliches in

Workshops erarbeitet und die Geschich­te der eigenen Region studiert. Inter­views mit Zeitzeugen wurden im Sprach­unterricht in italienisch und französisch vorbereitet um die Gespräche mit den damaligen Gefangenen in deren Spra­che zu ermöglichen. Schülerinnen be­fragten Vertreter der Republik wie etwa Parlamentspräsidenten Fischer zur Auf­arbeitung des Holocaust in Österreich.

Zentraler Bestandteil des Projektes, das in mehreren Sprachen dokumentiert wurde, ist ein Generationenvertrag, der anläßlich der Feierlichkeiten überreicht wurde. Sein Zweck soll nicht morali­sches Urteil über die Vergangenheit sein, sondern ein Auftrag für die nächste Generation: „. . . die hier versammelten Zeitzeugen haben uns durch ihren Über­lebenswillen Mut gemacht, das Gesche­hene in Erinnerung zu halten und wach­sam zu sein, daß sich solche Un­menschlichkeiten nicht wiederholen. Die gemeinsame Aufgabe der Generation besteht nun in der Schaffung und der Si­cherung einer besseren Welt für die nachkommende Generation und dies soll durch unseren Vertrag besiegelt wer­den . .."

 

Literatur: Zausnig, J.: Der Loibl-Tunnel. Das ver­gessene KZ an der Südgrenze Österreichs.

Verlag Drava, Klagenfurt/Celovec 1995.

 

Roland Winkler

studiert Politikwissenschaften , Mitarbeiter von GDENKDIENST, Wien