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Ausgabe 4/99


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Thema "Holocaust" im Unterrichtl

 Das Thema der Shoa stellt Pädagogen auf der ganzen Welt vor ein schwieriges Problem. Bereits in absehbarer Zeit kann nur mehr mit Dokumenten, Büchern und Videos gearbeitet werden. Für den einzelnen Schüler geht dadurch allerdings zu oft der Zusammenhang zur unmittelbaren Gegenwart verloren - das Thema entrückt in eine nur noch schwer verständliche Ferne. Mögliche Antworten verspricht ein Seminar mit dem Titel „Holocaust im Unterricht", das von 15.1. bis 19. 1. 2000 in Theresienstadt stattfinden wird. Bereits seit einigen Monaten sind die freiwilligen Mitarbeiter der Gedenkstätte intensiv mit den Vorbereitungen zu diesem Projekt beschäftigt.

Zuerst galt es, geeignete Referenten einzuladen. Um die nötige Vielfalt zu gewährleisten, wurden Fachleute aus Tschechien, Deutschland und Österreich angeschrieben, die großes Interesse an einer Teilnahme zeigten. Gerade die Geschichte des Holocaust verbindet und trennt die Wege bzw. Schicksale dieser drei Länder auf nahezu paradoxe Weise. Der nächste Schritt bestand darin, die Kosten des Seminars mit Fördergeldern zu decken. Hier erwies sich auch die Gedenkstätte als durchaus kooperativ, die die Unterkunft, Eintrittskarten und Räumlichkeiten zur Verfügung stellen wird. Den Großteil der nötigen Gelder stellt allerdings der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds. Diese Organisation wurde gegründet, um die oftmals schwierigen Beziehungen dieser beiden Länder durch gemeinsame Projekte zu verbessern. Aber auch andere Institution wie das österreichische Kulturinstitut Prag, das Goethe-Institut Prag und die Friedrich Ebert Stiftung zeigten Interesse an dem Projekt und trugen so dazu bei, daß die Kosten bereits größtenteils gedeckt sind.

 

Schwerpunkt neue Unterrichtsmethoden

 

Im Mittelpunkt des fünftägigen Seminars sollen vor allem Methoden und Wege stehen, die Pädagogen beschreiten können, um gerade junge Menschen im schulischen bzw. außerschulischen Bereich an das intellektuell und emotional so schwierige Thema Holocaust heranzuführen. Dabei sollen durch fachkundige Referenten auch moderne Arbeitsmethoden wie Internet bzw. CD-ROM vorgestellt und diskutiert werden. Außerdem sollen Lehrer zu Wort kommen, die bereits konkrete Erfahrungen in diesem Bereich gesammelt haben und diese weitergeben möchten. Auch die Gedenkstätte Theresienstadt wird ihr

pädagogisches Konzept vorstellen und den Teilnehmern des Seminars erläutern, wie mit Schülern in einer Gedenkstätte zu diesem Thema gearbeitet werden kann. Referate zum Thema der bisherigen Holocaust-Education von Matthias Hayl, Leiter des Instituts „Forschungs- und Arbeitsstelle nach/über Auschwitz", Hamburg, weiters von OR. Dr. Gustav Spann vom Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien und schließlich von Ph.Dr. Miroslav Kryl von der Pädagogischen Fakultät der Universität Üsti nad Laben sollen eine passende Einführung in das Seminar bieten. Zahlreiche andere Vorträge werden sich vor allem neuen Methoden wie Musik und Rollenspielen widmen. Als Rahmenprogramm wird den Teilnehmern des Seminars von Mitarbeitern der Gedenkstätte die Geschichte des Ortes Theresienstadt vermittelt werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der rege Austausch an Erfahrungen zwischen den Pädagogen, die aus drei verschiedenen Ländern und somit auch mit ganz unterschiedlichen Hintergründen anreisen werden. Wir, die Organisatoren des Projektes, erwarten uns vom Seminar neue Erkenntnisse, wie Pädagogen mit Hilfe von verschiedenen Ansätzen das so wichtige Thema Holocaust mit ihren Schülern in Zukunft besser nahebringen können. In dieser Weise hoffen wir dazu beizutragen, daß neofaschistischen und rechtsradikalen Strömungen gerade unter Jugendlichen allgemein wirksamer entgegengetreten werden kann.

Jakob Racek

Gedenkdienstleistender in Terezln