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Ausgabe 4/99


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Telegramm

Lernen im Altersheim

 

Einen sehr positiven Bericht von seiner Tätigkeit am Anita Muetler Cohen Elternheim bekamen wir vom aktuellen Gedenkdienstmitarbeiter vor Ort, Lorenz Potocnik. Das Altersheim in der Nähe von Tel Aviv wurde 1936 gegründet und betreut heute circa 100 unmittelbare Opfer des Holocaust aus Österreich. Lorenz Potocnik füllt die Lücke zwischen Sozialarbeiterin, Privatpflegerin und Familienangehörigen. Er assistiert bei Computerkursen im Heim, betreut drei Patienten, die Hilfe bei alltäglichen Verrichtungen wie Waschen, Ankleiden und Essen brauchen und ist für zehn weitere alte Menschen Ansprechpartner und Bezugsperson.

Eine dieser zehn Personen ist die in Prag aufgewachsene Frau Turbowitsch. Sie überlebte während der Zeit des Nationalsozialismus das Ghetto von Theresienstadt, die Konzentrationslager Auschwitz und Bergen-Belsen sowie ein Arbeitslager in Hamburg. Über die Spuren, die diese Zeit hinterlassen hat, aber auch über ihr Leben heute sprechen die beiden bei ihren täglichen Treffen. Dieser persönliche Kontakt mit Zeitzeugen wie „seiner Lotte Turbowitsch" bieten eine unvergleichliche Möglichkeit, sich mit dieser Zeit auseinanderzusetzen. Im Haus wird die Arbeit des Gedenkdienst-leistenden sehr geschätzt. Es ist eine wichtige Verbindung zu Österreich, denn von offizieller Seite wurde bereits vor rund 20 Jahren die finanzielle Unterstützung eingestellt, (rw)

 

Pressestimmen aus den USA

 

Die deutschsprachige New Yorker Zeitung „Aufbau" brachte im November einen ausführlichen Artikel über die Arbeit der beiden Gedenkdienstmitarbeiter Thomas Geisler und Hermann Zwanz-ger am Leo Baeck Institute (LBI). Nicole beschreibt darin ausführlich die Arbeit der Austrian Heritage Collec

tion, die in Zusammenarbeit zwischen dem LBI und dem Österreichischen Kulturinstitut seit 1996 die Erinnerungen vertriebener Juden in der USA aufzeichnet und wichtige persönliche Dokumente archiviert. Für die Emigranten seien die beiden jungen Österreicher dabei oft nach Jahrzehnten die erste Gelegenheit zum Dialog mit ihrer ehemaligen Heimat. Auch „die Wahlerfolge der rechten Partei FPÖ' wurden thematisiert: „Leider ist es aufgrund der aktuellen politischen Situation in Österreich schwer, den jüdischen Emigranten von neuen, positiven Denkansätzen zu berichten" so Thomas Geister in einer kritischen Stellungnahme aus dem Interview, (rw)

Pädagogik und Holocaust

Die Gedenkstätte Theresienstadt bietet vom 15.-19. Jänner ein Seminar für Pädagogen an, das sich mit der Umsetzung des sensiblen Themas Holocaust im Unterricht beschäftigt. Neben dem Erfahrungsaustausch mit der Aufarbeitung an Schulen wird versucht, unterschiedliche Wege aufzuzeigen, junge Menschen an das Thema heranzuführen. Der Umstand, daß in absehbarer Zeit keine Zeitzeugen mehr für Gespräche zur Verfügung stehen werden und daher ausschließlich mit Dokumenten, Büchern und Videos gearbeitet werden kann, wird ein wichtiger Teil der Veranstaltung sein. Auch an konkreten Tips und Vorschlägen für den Unterricht wird es nicht fehlen. Sprachen des Se­minars sind Deutsch und Tschechisch mit Simultanübersetzung. Der Beitrag ist 1050 ATS inklusive Kost und Logis, Restplätze sind noch vorhanden. Interessierte wenden sich an das Büro der freiwilligen Mitarbeiter Theresienstadt, Tel. 0042/0416/78 21 42 oder an den Verein Gedenkdienst in Wien, (rw)

Mit Engagement in Polen

 

Das Österreichische Kulturinstitut Warschau (ÖKI) stellte unter dem neuen Direktor Andreas Stadier am 27. 11. 1999 das Engagement von Gedenkdienst in Polen in den Mittelpunkt des Interesses. An diesem „Tag der offenen Tür" informierten sich ca. 150 Besucher über das Angebot des OKI. Zum Auftakt des für das Jahr 2000 geplanten thematischen Schwerpunktes „ Österreichs Umgang mit der Vergangenheit" stellten 12 Gedenkdienstleistende, die momentan an verschiedenen polnischen Gedenkstätten arbeiten, in einer beeindruckenden Präsentation ihre Tätigkeiten vor. Sascha Kellner, Obmann des Verein Gedenkdienst, verwies zuvor in seiner allgemeinen Einleitung auf die historischen und politischen Hintergründe, die Gedenkdienst in Österreich haben entstehen lassen. Zahlreiche polnische Besucher zeigten sich von dem Engagement der jungen Österreicher sowie der selbstkritischen Auseindersetzung mit der Geschiche Österreichs tief beeindruckt. Die Präsentation wurde von einem Filmteam aus Wien begleitet, das an einer Dokumentation über Gedenkdienst in Polen arbeitet, (sk)

 

Gedenkdienst 2000/2001

 

Das von 19.-21. 11. 1999 abgehalte­ne Gedenkdienst-Seminar im Bildungshaus St. Virgil, Salzburg, war vor allem von der Auswahl der 23 Mitarbeiter für einen Gedenkdienst ab Sommer 2000 bestimmt. Dafür wurden die 21 momentanen Gedenkdienstleistenden aus aller Welt nach Salzburg eingeladen, um voi ca. 80 Bewerbern ihre Arbeit zu präsentieren. Neben den zahlreichen Bewerbungsgesprächen zur Auswahl der zukünftigen Gedenkdienstleistenden gab es ein umfangreiches inhaltliches Programm. Dokumentarfilme, Diskussionsrunden und nicht zuletzt eine Zeitzeugengespräch mit Frau Helga Kinsky gaben reichlich Gelegenheit zur thematischen Auseinandersetzung. Unsere neuen Mitarbeiter werden wir Ihnen in einer der nächsten Ausgaben ausführlich vorstellen, (sk)

 

 

Rede ohne Konsequenzen?

 

Bis 17. 10. 1999 war im Jüdischen Museum Hohenems die Ausstellung „Ecclesia und Synagoga"zu sehen, die sich der Verwendung der beiden allegorischen Frauengestalten in der sakralen Kunst des Mittelalters widmete. Der Wandel von ebenbürtigen Gegnerinnen zu feindlichen Schwestern ist ein Symbol für das konfliktreiche Verhältnis zwischen Christen und Juden und, laut Organisator Herbert Jochum, „eine Geschichte der Ausgrenzung von Minderheiten" und zugleich „Vorgeschichte für den späteren Völkermord". Nach Aus-stellungsende meldet sich der Hohe-nemser Bürgermeister Christian Nieder-stetter (ÖVP) zu Wort. Er will nicht, daß Hohenems zu „einem Streitplatz jüdischer Belange" wird. Der Glaubensstreit zwischen Christen und Juden sei für ihn, gerade in Zeiten, in denen Jüdische Forderungen auf der ganzen Welt" gestellt werden, ein zu problematisches Thema, (ps)