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Ausgabe 4/00


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E. S. – Zwangsarbeit auf einem Kärntner Bauernhof

Elf Jahre war E. S. alt (Name der Red. bekannt), als er am 22. September 1943 gemeinsam mit seinen Eltern, seinen beiden jüngeren Geschwistern und anderen BewohnerInnen von Narol/Polen verschleppt wurde. E. glaubt, dass die deutsche Armee mit dieser Aktion die Absicht verfolgte, die Bevölkerung zu bestrafen, weil sich junge Männer von Narol den Partisanen angeschlossen hatten. In Güterwaggons transportierte man die Opfer der Entführung ab, die schließlich mit großer Erleichterung feststellten, dass sie nicht in eines der Konzentrationslager auf polnischem Boden gebracht wurden. Die unfreiwillige Reise endete für E. und seine Familie in Kärnten.

Hier wurde er von seinen Eltern getrennt und musste auf einem Bauernhof in der Nähe des Ortes Haimburg arbeiten. Schließlich verlegte man ihn auf einen großen Hof bei Dix (Schreibweise unklar) , wo auch sein Vater Zwangsarbeit leistete. Ihr neuer „Dienstgeber“ hieß Napecnik. Ein Foto zeigt ihn im Kreise seiner Untergebenen. Auffälligstes Merkmal ist wohl jenes modische Oberlippenbärtchen, mit dem schon der Führer des Reiches Furore machte. Mit seiner Gattin sprach Herr Napecnik übrigens nur Windisch, ebenso wie mit seinen russischen und polnischen ZwangsarbeiterInnen. E. arbeitete im Haus mit, hackte Brennholz, hütete Schafe, etc. Er sei nicht misshandelt worden, doch habe man allen Befehlen widerspruchslos gehorchen müssen. Die Drohung, der Polizei als arbeitsunwillig gemeldet zu werden, sei stets im Raum gestanden.

Nach der Befreiung 1945 wanderte E. mit seiner Familie nach Argentinien aus, wo er bis zu seiner Pensionierung in einer Metallfabrik arbeitete. Auf die nun versprochene Entschädigung aus Österreich angesprochen, meint E., dass er sehr darauf hoffe, diese zu erhalten. Man verlange ja nichts Unverschämtes. Nur Bezahlung für die geleistete Arbeit.

 

(ok)