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Ausgabe 1/01


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Telegramm

Fairplay in Europa

 

 

Unter dem Titel „Fairplay in Europa“ beteiligt sich Gedenkdienst erstmals an einer internationalen Jugendbegegnung, an der Jugendliche aus elf europäischen Ländern teilnehmen werden. Auf Initiative des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks (IBB) werden die Jugendlichen von 10. bis 17. Juni 2001 in Frankfurt/Main zusammenkommen, um gemeinsam, über nationale Grenzen hinweg, Strategien und Möglichkeiten für ein tolerantes Europa zu entwickeln. Einerseits geht es um die konkrete Auseinandersetzung mit extremen gesellschaftlichen Entwicklungen – Ausländerfeindlichkeit, Diskriminierung von Minderheiten, Rechtsextremismus oder Antisemitismus. Andererseits sollen mit Workshops, Diskussionen und Zivilcourage-Trainings Möglichkeiten des aktiven Handelns für ein gleichberechtigtes Europa auch über die Grenzen der Europäischen Union hinaus entwickelt werden. Österreich wird mit zehn TeilnehmerInnen an der Jugendbegegnung vertreten sein. InteressentInnen (Alterslimit 25 Jahre) können sich bis Mitte Mai bei Gedenkdienst melden. (sk)

 

 

Ausbildung der "Neuen"

 

 

Einen nahezu unersetzbaren Erfahrungshintergrund für zukünftige Gedenkdienstleistende bietet die alljährliche Studienfahrt nach Auschwitz-Birkenau. An der sechstägigen Studienfahrt unter Leitung von Thomas Strasser, ehem. Gedenkdienstleistender an der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, und Martina Kolanoski, EVS-Freiwillige bei Gedenkdienst, nahmen 30 TeilnehmerInnen teil. Den Anfang machte Ceija Stojka, die noch in Wien für ein Zeitzeuginnengespräch zur Verfügung stand. Sie erzählte von ihren Erlebnissen als Roma in Österreich und der Verfolgung während des Dritten Reichs. An den folgenden Tagen wurden das ehemalige Stammlager Auschwitz sowie das Vernichtungslager Birkenau besichtigt. Ein Stadtrundgang sowie der Besuch der wiedererrichteten Synagoge in Oswiecim (Auschwitz), ein weiteres Zeitzeugengespräch, Videofilme und Workshops sowie Diskussionen und Feedback gaben den TeilnehmerInnen die Möglichkeit, ein umfassendes Bild zu bekommen sowie die gewonnenen Eindrücke zu verarbeiten. Den Abschluss bildete ein Tagesausflug nach Krakau mit einer Führung u.a. durch das jüdische Krakau. (sk)

 

 

Sprachen der Hoffnung

 

 

Das Bildungshaus St.Virgil/Salzburg, langjähriger Partner von Gedenkdienst, feierte am 5. Mai sein 25-jähriges Bestehen. Unter dem Titel „Sprachen der Hoffnung wiederfinden“ präsentierten sich den ganzen Tag über gemeinnützige Organisationen, darunter auch Gedenkdienst, auf einem „Markt der Hoffnungsinitiativen“. Das umfangreiche Festprogramm bot Musik, Theater und Kabarett im Haus und in den Parkanlagen. (sk)

 

 

Vertreibung aus Wolfsburg

 

 

Über 60 Jahre nach ihrer Vertreibung wird erstmals offiziell der jüdischen BewohnerInnen Wolfsbergs gedacht. Auf Initiative der Historikerin Andrea Lauritsch wurde im Beisein von Angehörigen der Opfer, VertreterInnen der Stadtgemeinde und der Israelitischen Kultusgemeinde Graz am 9. April 2001 neben dem Rathaus eine Gedenktafel enthüllt. Sie trägt die Namen der Vertriebenen oder Ermordeten. Begleitend zur Veranstaltung präsentierte Andrea Lauritsch ihre Forschungsarbeit „Die Juden in Wolfsberg. Die nationalsozialistische Judenverfolgung am Beispiel Wolfsbergs“. Diese ist in Form einer Broschüre erhältlich: tel/fax +43/463/23 95 79. (sk)

 

 

"Tanzcafé Treblinka"

 

 

Das Stadttheater Klagenfurt präsentiert von 12. bis 25. Mai 2001 das Theaterstück „Tanzcafé Treblinka“ von Werner Kofler. Erinnern und Vergessen, Nicht-gewusst-haben und Nicht-wissen-wollen stehen im Zentrum des „Sprechstücks mit Musik“ – mit eminent lokalen Bezügen und überregionaler Reichweite. Parallel dazu findet auf Initiative des Historikers Walter Manoschek ein Wissenschaftssymposium statt. Zahlreiche ReferentInnen, Podiumsdiskussionen sowie einzelne Projekte versuchen der Frage nachzugehen, welche Verantwortung Österreich als ein Land der Täter trägt und welchen Umgang man bisher mit den NS-Opfern gepflegt hat. (sk)

 

 

Videoprojekt aus Steyr/Oö.

 

 

Im Steyrer Stadtteil Münichholz wurde im Jänner 1942 ein Nebenlager des KZ Mauthausen errichtet. Die Häftlinge sollten in der Produktion der Steyr-Daimler-Puch AG arbeiten – bemerkenswert insofern, dass dies das erste KZ-Nebenlager war, dessen Häftlinge direkt in der Rüstungsproduktion arbeiten sollten. Die Existenz dieses Nebenlagers ist selbst unmittelbar in Steyr – vor allem den Jüngeren – weitgehend unbekannt. Die Steyrer Gruppe des Vereins „Mauthausen aktiv“ plante seit längerem ein Video, um besonders Jugendlichen der Region das Wissen um diesem Teil der Stadtgeschichte zu vermitteln. Zentraler Teil sind Interviews mit ZeitzeugInnen. Bei der Befreiungsfeier in Mauthausen im Mai 2000 wurden ein spanischer und ein französischer ehem. Häftling interviewet. Um die Präsenz des Lagers in Steyr zur NS-Zeit deutlich zu machen, wurden eine Steyrerin, die als Jugendliche in unmittelbarer Nähe des Lagers gelebt hatte, und ein ehem. Werksarbeiter in Steyr, der 1942 wegen Unterstützung von Opfern des Regimes verurteilt wurde, interviewt. Stellvertretend für hunderttausende ZwangsarbeiterInnen in der Rüstungsindustrie spricht eine tschechische ehem. Zwangsarbeiterin. Weiters wurden Original-Filmaufnahmen, vorwiegend Propagandamaterial der Steyr-Werke, aber auch Aufnahmen von KZ-Häftlingen bei Aufräumungsarbeiten in Steyr selbst verwendet. Das Fehlen von Filmmaterial oder Fotos vom Lager wird durch die Erzählungen der Überlebenden und durch Pläne und Skizzen aufgewogen. (Ruth Gutermann, Brita Pohl, Leonhard Weidinger)