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Ausgabe 2/01


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Ein herzliches Danke!

Das Faktische wirkt bekanntlich normativ, nahezu selbstverständlich, als müsste es so sein: Gedenkdienst ist im Jahr 2001 ein funktionierender Verein mit einer funktionierenden Infrastruktur, geprägt von vielen interessanten Menschen, eine Zivildienstalternative, deren Aktualität täglich aufs Neue nachvollziehbar ist.

 

Meine ersten Kontakte zu Gedenkdienst hinterließen ein völlig anderes Bild: eine sehr sinnvolle Idee, geprägt und zum Wahnwitz verzerrt von einem Innsbrucker Politologen, der leider auch der Leiter des Vereines war. Die Kommunikation im Verein schwemmte trübe Erinnerungen an die Art und Weise, wie SchülerInnen in autoritär geführten Schulklassen miteinander sprechen, in mein Bewußtsein. Ich traf interessante Menschen, aber ihr Gesprächsthema bei den Treffen war diese paranoide Vereinsstruktur. Trotzdem, ich begann die Leute zu mögen, das Thema interessierte mich, also der Versuch einer Annäherung.

In dieser schwer zu beschreibenden Atmosphäre begann es Ende 1996 zu brodeln: es gab Menschen wie mich, die sich in Distanz arrangierten, und es gab Leute wie Sina und Sascha (und einige mehr), die auf Tuchfühlung mit der Autorität die Revolution planten. Es war tatsächlich eine Revolution, die alle negativen Strukturen in Frage stellte. Die entscheidende Generalversammlung im Mai 1997 demonstrierte dann auch die Zähigkeit und Suggestionskraft der alten Struktur. Eindrucksvoll war für mich in diesen Momenten Sascha, der nicht nur eine klare Vorstellung von der Zukunft des Vereines präsentierte, sondern sie auch durch die Wirrheit dieser Generalversammlung brachte.

Der Übergang war geprägt von Unsicherheit: das ökonomische Vermächtnis war eine Katastrophe, das Image von Gedenkdienst beim Innenministerium ramponiert, die Fäden, die der Politologe weiter zog, ein weiteres Hindernis. Heute ist Gedenkdienst finanziell saniert, die Organisation der Entsendung der Gedenkdienstleistenden funktioniert reibungslos, es gibt Vorbereitungsseminare, Studienfahrten, eine Tagung, die Zeitung. Sascha als Obmann des Vereines und Sina als Schriftführerin prägten diese Entwicklungen entscheidend mit.

Sascha widmete die letzten drei Jahre völlig der Entwicklung des Vereines (den größten Teil der Zeit unentgeltlich!). Ich habe mich des öfteren und ihn manchmal gefragt, warum er das tue, und weiß es eigentlich bis heute nicht. Tatsache ist allerdings, dass sein souveräner Stil und seine klaren Vorstellungen die heutige Situation des Vereins ermöglichten, eigentlich bedingten. Ich bleibe fasziniert von seiner Präzision im Ersinnen von Zukunftsstrategien, die realisierbar sind, und von seiner Fähigkeit zu Kommunikation mit sehr verschiedenen Menschen unterschiedlicher Temperamente.

Sina begann sich in den letzten drei Jahren immer stärker und unermüdlicher für die Arbeit bei Gedenkdienst zu engagieren, wenn auch neben dieser größtenteils ehrenamtlichen Tätigkeit immer andere Betätigungen blieben. Vieles, was an Ideen in den Vorstandssitzungen der letzten drei Jahre diskutiert wurde, konnte von ihr umgesetzt werden – Gedenkdienst wurde so von einer Ideenschmiede zu einem professionellen Verein. Für viele InteressentInnen an Gedenkdienst war sie erste Ansprechpartnerin, für einige blieb sie die wichtigste.

Der vorletzte demokratische Wechsel in der Geschichte des Vereins war eine klare Ablehnung. Der letzteWechsel ist geprägt von der Möglichkeit, auf den tragfähigen Strukturen, die geschaffen worden sind, mit neuen Ideen weiterzubauen. Dafür möchte ich Sina und Sascha danken.

 

Josef Teichmann, langjähriger Mitarbeiter bei Gedenkdienst