AuslandseinsatzHolocaust-EducationStudienfahrtenVereinLinks
Ausgabe 3/01


2016
2015
2014
2013
2012
2011
2010
2009
2008
2007
2006
2005
2004
2003
2002
2001
2000
1999
1998

Rechte der Roma in Österreich

Fragt man Menschen in unserem Lande nach ihrer Meinung über Roma, muß man sich  oft anhören, daß sich die „Zigeuner“ doch so verhalten sollten wie alle anderen, wenn sie hier leben wollen. Kaum einer fragt nach der leidvollen Geschichte, die das Verhalten dieses Volkes geprägt hat, seit es im 9. oder 10. Jahrhundert Indien verlassen hat.

 „Lustig ist das Zigeunerleben“ kommt vielen auch heute noch in den Sinn, wenn sie sich der Wohnwagen erinnern, die bis zum 2. Weltkrieg auch durch unser Land gezogen sind. Sie bedenken nicht wie hart das Leben Sommer wie Winter in der freien Natur war und nicht, daß Roma dauernde Bleibe nicht gestattet war und sie schon im Mittelalter brutal verfolgt und immer wieder verjagt wurden. Auch daß viele Tausende  in der Nazizeit in KZs gefoltert und umgebracht wurden, hat wenig an der Meinung über sie geändert.Auch bei uns ist es nicht lange her, und in unseren Nachbarländern bis heute üblich, daß Roma Lokale nicht betreten dürfen und von Arbeitgebern von vornherein abgelehnt werden, nur weil sie Roma sind. In Österreich leben heute etwa 25.000 Roma. Höchstens ein Viertel davon sind autochtone Einwohner, das sind die wenigen Burgenland-Roma, Lovara und Sinti, die die Nazizeit überlebt haben und ihre Kinder. Alle anderen sind, meist als Gastarbeiter oder als Flüchtlinge, seit dem 2. Weltkrieg zugewandert. Viele von ihnen sind längst österreichische Staatsbürger, halten sich aber nicht von ungefähr selbst für „ausländische Österreicher“. Daß sie die selben Rechte haben wie jeder andere Österreicher, können sie kaum glauben. Dieselben Chancen haben sie bestimmt nicht.

Im Dezember 1993 wurden Roma als Volksgruppe anerkannt. Die Anerkennung setzt voraus, daß eine Ethnie seit mindestens drei Generationen oder 90 Jahren in Österreich ansässig ist. Die Mehrzahl der österreichischen Roma ist das nicht. Es bedurfte denn auch einiger Überzeugungsarbeit um klar zu machen, daß nach der Anerkennung auch jene Staatsbürger Mitglieder der Volksgruppe sind, die die selbe Sprache sprechen und in Österreich leben. Jetzt sind im Volksgruppen-Beirat Roma- und Sinti - Vereine, Parteien und die Kirche vertreten um den Bundeskanzler zu beraten. Die Tätigkeit der fünf Vereine wird vom Bundeskanzleramt gefördert und in Oberwart können die Kinder der Burgenland-  Roma in der Schule sogar Romanes lernen. Voraussetzung für die Förderung ist, daß in den Vereinen wirklich etwas geschieht.

Auch die Kinder der Gastarbeiter, die noch keine Staatsbürgerschaft haben, gehen in die Schule, wagen aber oft nicht zuzugeben, daß sie Roma sind. Viele haben Lernschwierigkeiten. Ihre Mütter arbeiten, die Großmütter nehmen sich der Kinder an, können aber oft selbst kaum Lesen und Schreiben und halten wenig von dem, was ihren Enkeln von den Gadsche (Nichtroma) in der Schule beigebracht wird. Die LehrerInnen können mit den ganz anderen Voraussetzungen, mit denen die kleinen Roma in die Schule kommen, schwer umgehen. Romano Centro bietet daher Vorträge in Schulen und Jugendämtern an, schildert die Geschichte der Roma und erklärt, daß und warum diese Kinder ganz anders aufwachsen als ihre Gadsche-Kollegen.

Romano Centro hat vor 4 Jahren begonnen, den Kindern zu Hause zu helfen, ihre Mitteilungshefte anzuschauen und mit den LehrerInnen Kontakt aufzunehmen. Derzeit betreuen etwa 40 Studenten 60 Romakinder in der Stadt, schließen oft Freundschaft mit der Familie und helfen, daß sich deren Noten und damit das Ansehen in der Klasse bessert. In drei Schulen arbeiten mit großem Erfolg nun auch drei Roma-Assistentinnen, die zwischen Lehrern, Eltern und Schülern vermitteln. Die Finanzierung hat bisher der Wiener Integrationsfonds übernommen. Von allen zuständigen Stellen erntet Romano Centro für diese Projekte großes Lob, die zukünftige Finanzierung ist derzeit aber völlig ungesichert. Rechte auf besondere Betreuung haben diese Kinder nicht.

 

Renata M. Erich, Romano Centro

Editorial

Liebe Leserin!

Lieber Leser!

 

Die vorliegende Ausgabe von GEDENKDIENST ist diesmal der Verfolgung von Roma und Sinti im Dritten Reich gewidmet. Wir freuen uns, daß wir die beiden renommierten Zeithistoriker Florian Freund und Gerhard Baumgartner, die unter anderem auch für die österreichische Historikerkommission arbeiten, für einen Beitrag für diese Ausgabe gewinnen konnten. Ein Bericht über das ehemalige ‚Zigeunerlager’ Weyer (Oberösterreich) über das der Schriftsteller Ludwig Laher in seinem Buch „Herzfleischentartung“ geschrieben hat, ergänzt diesen Teil. Seit mittlerweile 10 Jahren sind die 25.000 Roma und Sinti, die in Österreich leben, als eigene Volksgruppe anerkannt. Der richtige Zeitpunkt, eine Bilanz über diese Zeit aus der Sicht einiger AktivistInnen zu ziehen. Renata Erich vom Romano Centro hat dazu einen Kommentar aus ihrer Sicht verfasst. Der Gedenkdienst-Mitarbeiter Paul Schiefer interviewte Frau Rosa Martl und Herrn Richard Kugler, vom Linzer Verein Kétani, der sich für die Rechte der Roma und Sinti in Oberösterreich einsetzt.

Der Rotstift der Regierung hat nun auch die Zivilersatzdienste im Ausland erfasst. Zwar konnte nach langen Verhandlungen mit dem vom Bundesministerium für Inneres initiierten Förderverein für Auslandsdienste endlich sichergestellt werden, dass nun alle 23 Zivilersatzdienstleistende, die heuer einen Gedenkdienst an einer der 18 internat. Holocaust-Gedenkstätten ableisten, mit einer Subvention von € 10.000 unterstützt werden. Im nächsten Jahr werden wir jedoch nur Geld für 17 Zivilersatzdienstleistende bekommen. Es fehlen uns daher € 60.000 (ATS 825.000)! Verglichen mit anderen Budgetposten ein lächerlicher Betrag, doch viel, wenn offensichtlich andere Prioritäten gesetzt werden. Wir werden nun versuchen, andere Finanzmittel für die wichtige und von allen Seiten hochgeschätzte Arbeit unserer Freiwilligen zu bekommen. Es wäre schade, wenn die 10-jährige Aufbauarbeit, die vielen internat. Kontakte und insbesondere die persönlichen Freundschaften mit den Menschen, die an den internat. Holocaust-Gedenkstätten arbeiten, auf diese Art abrupt zu Ende gehen würde. Deswegen bitten wir Sie auch um Nachsicht, wenn wir die Euro-Umstellung dafür nützen, ganz offen und ehrlich aufzurunden und Sie nun für ein Abo um € 15 und für ein Förder-Abo um € 45 bitten.

 

Herzlichst Ihr,

Christian Klösch, Obmann Verein GEDENKDIENST

 

PS: Gerade jetzt brauchen wir Ihre Unterstützung für unsere Arbeit. Bitte nutzen Sie den beiliegenden Zahlschein auch für Ihre Spende! Herzlichen Dank!