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Ausgabe 3/01


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Das London Jewish Cultural Centre

Das „Spiro Institute for the Study of Jewish History and Culture” wurde 1978 von Robin Spiro als Erziehungs- und Bildungseinrichtung gegründet, um jüdische Zeitgeschichte für den Schulunterricht aufzubereiten sowie Lehrer im Bereich der Holocaust-Erziehung auszubilden. Aufgrund der positiven Erfahrungen mit der Arbeit im Erziehungsbereich machte es sich das Spiro Institute in der Folge außerdem zur Aufgabe, Wissen und Verständnis jüdischer Kultur und Lebensart der interessierten Öffentlichkeit näherzubringen. In Zusammenarbeit mit der Hebrew University in Jerusalem wurde damit begonnen, öffentlich zugängliche Vorlesungen abzuhalten. Das Lehrveranstaltungsprogramm wurde im Laufe der ersten Jahre auf verschiedenste Aspekte jüdischen Lebens, Hebräisch und Jiddisch ausgedehnt.

Da es in Großbritannien keine unabhängige jüdische Kultureinrichtung gab, die nicht auf eine bestimmte Kunstsparte beschränkt war, kam Ende der 90er Jahre die Idee auf, das Spiro Institute in ein neu zu gründendes jüdisches Kulturzentrum zu integrieren. Im Jahr 2000 konnte dieses Vorhaben schließlich mit der Gründung des „London Jewish Cultural Centre (LJCC) – Incorporating the Work of the Spiro Institute” umgesetzt werden.

Unter der Gesamtleitung von Trudy Gold, LLB, hat das LJCC neben einem umfangreichen Vorlesungsprogramm seinen Tätigkeitsbereich auf soziale und kulturelle Aktivitäten ausgedehnt:

Es gibt eine Reihe von Klubs und Vereinen, die sich in regelmäßigen Abständen in den Räumlichkeiten des LJCC in Hampstead treffen; zu diesen gehören ein Literatur-, ein Theater-, ein Film- und ein Schachklub, eine Yogagruppe sowie eine Diskussionsgruppe zu aktuellen Themen.

Das London Jewish Cultural Centre hat Kontakte zu einer Reihe von staatlichen und nicht-staatlichen, jüdischen und nicht-jüdischen Organisationen aufgebaut. In Zusammenarbeit mit Einrichtungen wie dem britischen Außenministerium, der International Task Force on Holocaust Education, Botschaften und Kulturinstituten in London, dem Imperial War Museum, dem Jewish Board of Deputies, dem British Film Institute, dem Anne Frank Haus in Amsterdam, dem Holocaust Institut in Warschau und vielen anderen werden Kulturfestivals, Ausstellungen, Konzerte, Studienfahrten und Seminare angeboten.

Das Holocaust Centre am LJCC, in dem österreichische Gedenkdienstleistende seit 1997 tätig sind, steht seit Beginn des Jahres 2001 unter der Leitung von Stephanie Rose. Ich bin nach Rado Lipus (1997/1998, Betriebswirt aus Kärnten), Nikolaus Spieckermann (1998/1999, Betriebswirt aus Wien) und Manfred Wiesner (1999/2000, Betriebswirt aus Salzburg) bereits der vierte Gedenkdienstleistende am Spiro Institute bzw. LJCC. Im Sommer 2001 geht das „Austrian Gedenkdienst Programme” mit Bernhard Kopf (2001/2002, Betriebswirt aus Oberösterreich) bereits in sein fünftes Jahr.

Als Hauptaufgabe obliegt den Gedenkdienstleistenden die Koordination des sog. „Holocaust Survivor Programmes”. Das Überlebenden-Programm wird seit ungefähr 10 Jahren betrieben und muß aufgrund der immer größer werdenden Nachfrage ständig ausgebaut werden. Ca. 90 Holocaust-Überlebende, die ursprünglich in ganz Europa zuhause waren und heute in Großbritannien beheimatet sind, haben sich dazu bereit erklärt, im Rahmen dieses Programmes ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Holocaust und der Zeit des Nationalsozialismus in Schulen und Universitäten in Vorträgen weiterzugeben. Bisher haben mehr als 200 Schulen und andere Bildungseinrichtungen von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, durch AugenzeugenFassung vor. Es umfaßt neben einem Video, das durch Pausen zwischen den einzelnen Beiträgen gut im Unterricht eingesetzt werden kann, ein Lehrerhandbuch, Arbeitstexte für die Schüler, Landkarten, Schautafeln, reproduzierte Originaldokumente sowie Poster. Das Informationspaket wird vom britischen Unterrichtsministerium als Unterstützungsmaterial für den Holocaust-Unterricht empfohlen.

Aufgrund des erfolgreichen Beitrages des Spiro Institutes zur Entwicklung des Holocaust Teaching Packs wurde das LJCC als Nachfolgeorganisation des Spiro Institutes auch in die Erstellung des „Holocaust Memorial Day Education Packs” anläßlich des ersten offiziellen Holocaust Memorial Days in Großbritannien, am 27. Jänner 2001, eingebunden. In diesem Informationspaket sind außer dem nationalsozialistischen Holocaust unter anderem auch der Völkermord im ehemaligen Jugoslawien und Ruanda erfaßt.

Die vergangenen 12 Monate meines Zivilersatzdienstes am London Jewish Cultural Centre waren eine äußerst wertvolle Erfahrung für mich. Aufgrund der vielfältigen Tätigkeitsbereiche des LJCC konnte ich einen umfassenden Einblick in jüdische Geschichte, Kultur und Lebensart gewinnen. Im besonderen die persönlichen Kontakte mit Holocaust-Überlebenden im Zuge des Holocaust Survivor Programmes waren eine unersetzliche Erfahrung für mich. Die ausschließlich positiven Reaktionen und Rückmeldungen, die ich auf meinen Einsatz als Gedenkdienstleistender von seiten der Holocaust-Überlebenden erhalten habe, bestätigten für mich erneut, wie wichtig und sinnvoll ein Gedenkdienst an einer Holocaust-Einrichtung ist.

 

Mario Vielgrader, ehemaliger Gedenkdienstleistender am LJCC

 

 

 

Aufgaben des Gedenkdienstleistenden am LJCC

Holocaust Survivor Programme: Betreuung der Holocaust-Überlebenden, Koordination, Organisation und Administration von Survivor-Besuchen an Schulen und Universitäten

 

Übersetzungsarbeiten: Deutsch <-> Englisch

 

Planung und Organisation von kulturellen Veranstaltungen, Konferenzen und Seminaren zum Thema Holocaust in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Kulturinstitut in London und anderen Einrichtungen

 

Telefonische Nachforschungen in Deutschland und Österreich

 

Forschungsarbeiten in der Wiener Library

 

Administrative Tätigkeiten

London Jewish Cultural Centre - LJCC

Erwachsenenbildung: Kurse und Lehrveranstaltungen u.a. zu den Themen Grundzüge jüdischer Geschichte, Jüdische Künstler 1800-1920, Jüdische Zeitgeschichte, Jüdisches Leben unter den Habsburgern, Das Bild des Juden in der westlichen Kunst, Holocaust, Anti-Semitismus und Film, Jüdische Genealogie, Hebräische Kalligraphie, u.v.m.

 

Holocaust-Erziehung: Holocaust Centre, Holocaust Survivor Programme, Lehrerausbildung in Holocaust- und Anti-Rassismus-Erziehung, Lessons of the Holocaust Pack, Holocaust Memorial Day Education Pack, Lehrer- und Schülerkonferenzen

 

Kunst und Kultur: Literatur-, Theater- und Filmclub, Konzerte, Ausstellungen, Kulturfestivals, Studienfahrten, Konferenzen und Seminare in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Kulturinstitut in London und anderen Einrichtungen

 

Hebräisch: Sprachkurse für jeden Kenntnisstand, Sommerintensivkurse, Studienfahrten nach Israel