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Ausgabe 3/01


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Studienfahrt Theresienstadt / Terezín und Lídice

24. bis 27. Oktober

 

19 Teilnehmer zählte die diesjährige Studienfahrt vom 24. bis 27. Oktober nach Theresienstadt. Wir trafen uns bereits am 23. Oktober abends, um die letzten Details der Studienfahrt zu besprechen.

Es gab einen Vortrag von Stefan Roth vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes über Deportationen aus Wien nach Theresienstadt und über das Projekt „Namentliche Erfassung“.

Am Mittwoch Morgen fuhren wir dann mit dem Zug nach Prag, wo wir in den Bus nach Theresienstadt umstiegen. Dort wurden wir am Nachmittag von Florian, einem ehemaligen Gedenkdienstleistenden in Theresienstadt und Mitorganisator der Studienfahrt, durch die große Festung, dem ehemaligen Ghetto, geführt.

Erschreckend dabei war vor allem, daß an diesem Platz, wo so viele Menschen gestorben sind, heute ein ganz normaler Ort existiert. Bereits kurz nach dem Ende des Krieges, sind die Menschen in die Häuser, wo zuvor Tausende Juden zusammengepfercht lebten und unterdrückt wurden, zurückgekehrt. Für mich ist es einfach unvorstellbar, an einem Schauplatz von NS-Verbrechen ein normales Leben zu führen.

Man muss dabei allerdings beachten, daß die tschechische Bevölkerung aus Theresienstadt vertrieben wurde und somit ebenfalls zu den Opfern des Nationalsozialismus zählte. Ihre Rückkehr nach dem Krieg hatte somit auch symbolischen Charakter.

Am folgenden Tag besuchten wir das ehemalige Gestapo Gefängnis Kleine Festung Theresienstadt. An diesem Ort bekämpfte das NS-Regime vor allem Menschen, die dem System aktiv Widerstand entgegensetzten.

Etwa 2500 Menschen starben in der Kleinen Festung.

Am Nachmittag bildeten wir dann Arbeitsgruppen zu Themen, die uns interessierten: Propaganda, Kultur im Ghetto, Kinder im Ghetto und Täter in Theresienstadt. Besonders in Erinnerung bleiben wird uns allen sicher der NS-Propagandfilm „Theresienstadt – Ein Dokumentarfilm aus dem jüdischen Siedlungsgebiet“.

Er ist gemacht wie ein Heimatfilm, der das idyllische Leben im Ghetto präsentiert und verachtet durch seine Lügen das Leiden der Opfer der NS-Zeit. Dieses Leiden wurde uns am Freitag durch die Zeitzeugin Frau Lieblova anschaulich geschildert, die als Kind in Thersienstadt war. Anschließend beantwortete sie bereitwillig die vielen Fragen, die sich uns aufdrängten.

Den Abschluß bildete eine Fahrt nach Lidice, einem Dorf, daß 1942 im Zuge einer Vergeltungsaktion nach einem Attentat auf Reinhard Heydrich dem Erdboden gleichgemacht wurde.

Die gesamte männliche Bevölkerung über 15 Jahre wurde dabei an Ort und Stelle hingerichtet, die Frauen ins KZ geschickt, die Kinder vergast oder – falls sie den rassischen Vorgaben der Nazis entsprachen – zu deutschen Familien zwecks „Umerziehung“ geschickt.

 

Die Bedeutung einer solchen Studienfahrt ist meiner Meinung nach sehr hoch einzuschätzen: Die intensive Auseinandersetzung mit der Thematik über mehrer Tage hinweg bewirkt, daß sich das Gehörte und Besprochene ins Gedächtnis einprägen und mehr Eindruck hinterlassen, als z. B. das Lesen einschlägiger Literatur über den Holocaust.

Beeindrucken für mich war auch, daß die Diskussionen auch außerhalb des „offiziellen Programms“ weitergeführt wurden, ein Zeichen dafür, muß alle Teilnehmer mit großem Interesse bei der Sache waren.

Und schlußendlich war es eine einzigartige Gelegenheit, die anderen künftigen Gedenkdienstleistenden kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen und mit ihnen ein paar interessante Tage zu verbringen.

 

(ckö)