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Geh Denken!

 

Geh Denken! ist eine Veranstaltungsreihe des Vereins GEDENKDIENST.

Während des akademischen Jahres finden monatlich wissenschaftliche Vorträge, Podiumsdiskussionen und Gespräche mit ZeitzeugInnen statt.

 

Die interdisziplinäre Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus bildet dabei den Ausgangspunkt für eine Beschäftigung mit unterschied­lichen historischen Themen, deren Bedeutung im vergangenheitspolitischen Diskurs sowie Fragen der Geschichtsvermittlung.      

Geh Denken! versteht sich als Beitrag zu einer lebendigen Gedächtniskultur. Im Zentrum sollen die offene Reflexion und Diskussion kontroverser Themen stehen. Alle Interessierten sind herzlich dazu eingeladen!

 

Die öffentlichen Veranstaltungen finden bei freiem Eintritt jeweils um 19 Uhr im Veranstaltungslokal Depot statt (1070 Wien, Breite Gasse 3, www.depot.or.at).

 

Konzept und Organisation:

Linda Erker, Nikolina Franjkic, Jutta Fuchshuber, Ina Markova, Agnes Meisinger und Lukas Meissel

 

Mit Unterstützung von:
ZukunftsFonds der Republik Österreich, Studienrichtungsvertretung
Geschichte an der Universität Wien, InstitutsGruppe Geschichte

 

 

 

 


Nächste Geh Denken! Veranstaltungen:


Semesterschwerpunkt: BürgerInnenkrieg – Faschismus – Erinnerungspolitik

Der Verein GEDENKDIENST setzt sich dieses Semester aus Anlass des 80. Jahrestags des Beginns der spanischen Guerra Civil mit BürgerInnenkriegen vor dem Hintergrund faschistischer Systeme und Entwicklungen auseinander. Der Fokus liegt vor allem auf geschichtspolitischen Folgen dieser Ereignisse, d.h. auf Auseinandersetzungen mit den Konflikten sowie deren Deutungen und Instrumentalisierungen. Die thematische Achse der Vorträge bilden die drei Begriffe BürgerInnenkrieg – Faschismus – Erinnerungspolitik im jeweiligen gesellschaftspolitischen und historischen Kontext. Ljiljana Radonić macht den Auftakt der Veranstaltungsreihe und kontextualisiert die (BürgerInnen-) kriege in Jugoslawien gegen Ende des 20. Jahrhunderts. Mit den geschichtspolitischen Entwicklungen nach Ende des Pinochet-Regimes in Chile befasst sich Stephan Ruderer in seinem Vortrag, während Natalie Soursos den vergessenen BürgerInnenkrieg in Griechenland beleuchtet. Georg Pichler thematisiert den Semesterschwerpunkt anhand von Spanien und rundet damit das Programm ab.

 

 

 

 


(BürgerInnen-)Krieg um die Erinnerung im post-jugoslawischen Raum

WANN: Mittwoch, 19. Oktober 2016, 19 Uhr

WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Ausgehend von einem Überblick über den im Zweiten Weltkrieg herrschenden BürgerInnenkrieg in Jugoslawien und die sozialistische Vergangenheitspolitik fokussiert der Vortrag den seit den späten 1980ern tobenden Krieg um die Erinnerung: Jahrelang beherrschte der Streit um die Opferzahlen des kroatischen KZ Jasenovac die Tageszeitungen und in den Kriegen der 1990er-Jahre wurden Symbole der kroatischen Ustaša sowie der serbischen Četnik-Bewegung reaktiviert. In Kroatien betrachtete man die Ereignisse um Bleiburg 1945, insbesondere die Ermordung von Ustaša durch PartisanInnen, als kroatischen Holocaust, während in Serbien das Ustaša-KZ Jasenovac 1941–1945 als die Stätte der jüdischen und serbischen Shoah begriffen wurde. Der in Serbien von den Nationalsozialisten begangene Holocaust interessiert(e) nicht, also fehlt gegenwärtig eine Gedenkstätte auf dem Gelände des KZ Sajmište in Belgrad, in dem vor allem Jüdinnen und Juden ermordet wurden. Viele wähnen sich als die Juden von heute: In Kroatien werden die Serben als die neuen Faschisten bezeichnet, während in Bosnien beteuert wird, in den 1990ern von serbischen und kroatischen Nationalsozialisten und Faschisten angegriffen worden zu sein.

 

Ljiljana Radonić, Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

 

 

 

 


Demokratie, Diktatur, Aufarbeitung. Chiles Umgang mit der Vergangenheit

WANN: Mittwoch, 16. November 2016, 19 Uhr

WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Der blutige Putsch vom 11. september 1973 in Chile beendete das sozialistische Experiment des demokratisch gewählten Präsidenten Salvador Allende. Sowohl die Regierungszeit Allendes als auch die siebzehn Jahre dauernde Militärdiktatur unter Augusto Pinochet erfuhren internationale Aufmerksamkeit. Politische Gewalt auf der Straße und eine starke gesellschaftliche Polarisierung gingen dem Putsch voraus. Diese Polarisierung bestimmte auch die Zeit nach der Diktatur ab 1990 und die politischen Versuche, die Vergangenheit Chiles aufzuarbeiten. Der Vortrag wird einen Schwerpunkt auf die unterschiedlichen Etappen der offiziellen Vergangenheitsaufarbeitung in Chile seit 1990 bis in die Gegenwart legen. Es werden die zentralen Maßnahmen (wie Wahrheitskommissionen, Verfahren, Erinnerungspolitiken) angesprochen sowie die politischen Interpretationen der Vergangenheit untersucht. Die Zeit der Regierung Allendes, der Putsch und die Militärdiktatur werden in den Blick genommen, um den historischen Hintergrund für Vergangenheits- und Erinnerungspolitik in Chile herauszuarbeiten.

 

Stephan Ruderer, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Sonderforschungsbereich 1150 „Kulturen des Entscheidens“ an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Promotion über Vergangenheitspolitik und Demokratisierung in Chile an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.

 

 

 


Der Faschismus in Griechenland. Die Metaxas- Diktatur, ihre Vorgänger und Vorbilder

WANN: Montag, 12. Dezember 2016, 19 Uhr

WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Die griechische Zwischenkriegszeit war geprägt von einem Wechsel der Regierungsform von der Monarchie zur Republik (1924) und wieder zurück (1935), von acht Staatsstreichen und drei Diktaturen. Am 4. August 1936 etablierte der ehemalige General Ioannis Metaxas sein Regime des Vierten August. Unterstützt von König Georg II., dem Sicherheitsapparat und der von ihm gegründeten Jugendgruppe Nationale Organisation der Jugend (EON) sowie mit Hilfe von Repressionen und der Unterdrückung der kommunistischen Partei blieb Metaxas bis zu seinem Tod im Januar 1941 an der Macht. Nur wenige Monate später besetzten deutsche Truppen gemeinsam mit italienischen und bulgarischen Streitkräften Griechenland. Die Metaxas-Diktatur steht damit zwischen der turbulenten Zwischenkriegszeit und der Besatzung Griechenlands gefolgt von einem blutigen BürgerInnenkrieg, der bis 1949 andauerte. Im Vortrag soll die Diktatur in Zusammenhang mit den politischen Ereignissen in Griechenland davor und danach interpretiert werden. Zentrale Fragen werden sein: Wie ist die Metaxas-Diktatur im Vergleich zu den faschistischen Diktaturen Europas interpretierbar? Gibt es personelle und inhaltliche Kontinuitäten der Metaxas-Diktatur nach 1941? Welche Rolle spielt das Regime des Vierten August in der griechischen Erinnerungskultur bis heute?

 

Nathalie Patricia Soursos, Historikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Byzantinistik und Neogräzistik der Universität Wien.

 

 

 


80 años no es nada – Die Aktualität des Spanischen BürgerInnenkriegs

WANN: Mittwoch, 25. Jänner 2017, 19 Uhr

WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Mehr als achtzig Jahre sind seit dem Beginn des spanischen BürgerInnenkriegs (1936–1939) vergangen, doch ist er bis heute ein Thema, das heftige soziale und politische Debatten zu provozieren imstande ist. Einerseits haben die fast vierzig Jahre der Franco-Diktatur eine Geschichtsversion des Kriegs festgeschrieben, die in breiten Teilen der Bevölkerung immer noch unhinterfragt übernommen wird. Andererseits liegen auch heute noch mehr als 114.000 Überreste von ermordeten RepublikanerInnen in den Massengräbern oder an den Straßenrändern, wo sie im BürgerInnenkrieg verscharrt worden waren. Der lange Prozess aus der Diktatur über die sogenannte transición, den Übergang zu einer monarchistischen Demokratie, bis in die Gegenwart macht zahlreiche Spannungen deutlich, die in bestimmten Momenten aufbrechen und zeigen, dass die Spaltung der Gesellschaft, die im BürgerInnenkrieg auf äußerst gewaltsame Weise aufbrach, bis heute nicht tatsächlich überwunden ist.

 

Georg Pichler ist Professor für Deutsche Sprache und Literatur an der Universidad de Alcalá in Madrid. Buchveröffentlichung zum Thema: Gegenwart der Vergangenheit. die Kontroverse um den Bürgerkrieg und die Diktatur in Spanien (2013).

 

 


Vergangene Termine:


Semesterschwerpunkt: Stigmatisiert – Marginalisiert

Das aktuelle Semesterprogramm widmet sich dem Thema Stigmatisiert– Marginalisiert. Die ReferentInnen setzen sich mit Gruppen von im Nationalsozialismus verfolgten Menschen auseinander, deren Erfahrungswelten lange Zeit und teilweise bis heute marginalisiert und diese Menschen dadurch gleichsam doppelt stigmatisiert wurden. Dabei fokussieren die Vorträge sowohl auf die Verfolgungs- und Vernichtungspraktiken während der NS -Zeit als auch auf den persönlichen, gruppenkollektiven und gesellschaftlichen Umgang mit diesen Erfahrungen nach 1945. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit setzen sich die Vortragenden daher mit ZeugInnen Jehovas, homosexuellen Opfern des NS -Regimes sowie mit dem Schicksal ,Krimineller‘ in der NS -Zeit und nach 1945 auseinander. Ein Bericht aus der Tätigkeit des Vereins ESRA macht den Auftakt in unser Programm.

 

 

 


Die ,Berufsverbrecher‘ des KZ Mauthausen – Täter, Opfer, Täteropfer?

WANN: Donnerstag, 02. Juni 2016, 19 Uhr
WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Mehr als ein Viertel der österreichischen Deportierten des KZ Mauthausen stellten sogenannte ,Berufsverbrecher‘ dar. Als ,Berufsverbrecher‘ Etikettierte hatten bei ihrer Verhaftung kein Delikt begangen, sondern wurden per Erlass zu Tausenden einzig aufgrund ihrer Vorstrafen von der Kriminalpolizei ,vorbeugend‘ in Lager deportiert. Meist fehlen sie in der Aufzählung von Opfergruppen. Tauchen sie doch auf, dann beinahe ausschließlich negativ konnotiert – als ,degenerierte Kriminelle‘ und ,Raubtiere‘, als ,animalische‘ und ,dumme‘ Mithäftlinge und sprichwörtlich ,verlängerter Arm der SS ‘. Doch bestand die Schicht der Funktionshäftlinge tatsächlich mehrheitlich aus ,Berufsverbrechern‘? Welche Vor- und Verfolgungsgeschichten hatten sie – und wie wichtig war diese Vorgeschichte für das soziale Handeln unter Extrembedingungen im KZ?

 

Andreas Kranebitter, Soziologe und Politikwissenschaftler, wissenschaftlicher Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte Mauthausen/mauthausen memorial und am Institut für Soziologie der Universität Wien.

 

 


Homosexuellenverfolgung in Österreich. Geschichte und Nachgeschichte im 20. Jahrhundert

WANN: Donnerstag, 12. Mai 2016, 19 Uhr
WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Das Totalverbot weiblicher und männlicher Homosexualität blieb im österreichischen Strafrecht bis 1971 bestehen und wurde erst durch die ,Kleine Strafrechtsreform‘ aufgehoben. Gleichzeitig wurden neue Sonderbestimmungen wie etwa ein Werbeverbot für Homosexualität und eine Einschränkung der Publikations- und Vereinsrechte für Homosexuelle strafrechtlich verankert.

 

Der Themenabend widmet sich mit NachwuchswissenschaftlerInnen der Universität Wien angesichts der 45 Jahre zurückliegenden Reform 1971 der Geschichte und Nachgeschichte der Homosexuellenverfolgung in Österreich aus drei verschiedenen Blickwinkeln: So werden die Kontinuitäten und Brüche der Verfolgung im 20. Jahrhundert, die politischen Debatten um 1970 sowie die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen um Wiedergutmachung und Gedenken an homosexuelle NS -Opfer thematisiert.

 

Roman Birke, Historiker, Universitätsassistent (prae-doc) am Institut für Zeitgeschichte.

 

Elisa Heinrich, Historikerin, wissenschaftliche Projektmitarbeiterin am Institut für Zeitgeschichte.

 

Johann Karl Kirchknopf, Historiker, uni:docs-Fellow am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte.

 

Barbara Kraml, Politologin und Juristin, Universitätsassistentin am Institut für Strafrecht und Kriminologie.

 

 


Die Verfolgung der Zeugen Jehovas (Ernsten Bibelforscher) in Österreich 1933–1945

WANN: Mittwoch, 13. April 2016, 19 Uhr
WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Der Vortrag behandelt die Geschichte der Zeugen Jehovas in Österreich, beginnend mit Versuchen der Institutionalisierung der Religionsgemeinschaft als Verein in den späten 1920er-Jahren, die zu ersten Konflikten mit den Behörden führten. Unter der Regierung Engelbert Dollfuß‘ verschlechterte sich die Situation für die Gemeinschaft, da das Regime in Durchsetzung des katholischen Religionsmonopols die Glaubenspraktiken und Publikationen der Zeugen verbot. Mit dem ,Anschluss‘ im Jahr 1938 wurde die Verfolgung intensiviert: Die NationalsozialistInnen verfolgten die ZeugInnen Jehovas und internierten

sie in Gefängnissen und Konzentrationslagern mit dem Ziel, die Organisation vollständig zu zerstören und den Glauben der einzelnen Mitglieder zu brechen. Zwischen 1938 und 1945 wurden 154 österreichische ZeugInnen Jehovas von den NationalsozialistInnen

und ihren HelferInnen ermordet. Durch Fallbeispiele werden einzelne Aspekte der Verfolgung nochmals auf lebensgeschichtlicher Ebene untersucht.

 

Timon Jakli, studierte Germanistik, Geschichte und Soziologie und war 2012/2013 DOC-Stipendiat an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien.

 

 

 


Leben im Land der TäterInnen. Die psychosozialen Folgen der NS-Verfolgung

WANN: Donnerstag, 03. März 2016, 19 Uhr
WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

In der Zweiten Republik wurden die Opfer der NationalsozialistInnen, die nach Österreich zurückkehrten oder im Untergrund überleben konnten, mit ihren traumatischen Erfahrungen von staatlicher Seite allein gelassen. Die psychischen Folgen von Vertreibung, Deportation und dem Verlust von Familien und FreundInnen wurden nicht berücksichtigt, das Leiden der Opfer ignoriert. Dies änderte sich erst im Jahr 1994, als die Psychiater Alexander Friedmann und David Vyssoki sowie Elvira Glück das psychosoziale Zentrum ESRA als Verein in Wien gründeten. ESRA bietet seit Jahren psychosoziale Hilfe für Menschen, die durch Verfolgung, Folter, Migration, Misshandlung, Katastrophen oder anderer schwerwiegender Ereignisse traumatisiert wurden. Schwerpunkte der Arbeit von ESRA sind Angebote für Überlebende der NS -Verfolgung und ihre Angehörigen sowie die Funktion als Anlaufstelle für die Wiener jüdische Bevölkerung.

 

Der Vortrag setzt sich mit der Entstehung von ESRA Anfang der 1990er-Jahre auseinander, erörtert Gründungsmotive und ihren politischen Kontext sowie die aktuelle Arbeit des psychosozialen Zentrums.

 

Klaus Mihacek, Psychiater und Neurologe, seit 2011 ärztlicher Leiter des Psychosozialen Zentrums ESRA.

 

Peter Schwarz, seit 1996 Mitarbeiter von ESRA, seit 1998 als Geschäftsführer Teil des dreiköpfigen ESRA-Leitungsteams.

 

 

 


Semesterschwerpunkt: Gehen und Bleiben nach 1945. Migration nach dem Ende der NS-Herrschaft

Das aktuelle Semesterprogramm widmet sich der Frage nach Migration aus und nach Österreich, die vor dem Hintergrund der Verfolgungs- und Vertreibungsgeschichte des Landes diskutiert werden soll. Die Vortragenden setzen sich mit Themen wie dem Umgang mit sogenannten Besatzungskindern, der Migration von sowjetischen Jüdinnen und Juden nach und durch Österreich sowie der Bedeutung von Scheinehen in Vergangenheit und Gegenwart auseinander. Eine Kooperationsveranstaltung mit Momentum-Geschichte thematisiert die Rückholung von jüdischen Überlebenden nach Ungarn. In einer abschließenden Veranstaltung wird im Kontext aktueller Debatten über das Thema Flucht und Asyl die historische Verantwortung Österreichs im Hinblick auf die Vertreibungsgeschichten vieler Österreicher­Innen diskutiert. Beispiele aus der Arbeit mit Menschen, die nach Österreich geflohen sind, sollen die bestehenden Handlungsmöglichkeiten von Aktivist­Innen und die aktuelle Frage nach dem Gehen und Bleiben beleuchten.

 

 


Berichte aus der praktischen Arbeit mit Asylsuchenden

WANN: Donnerstag, 28. Jänner 2016, 19 Uhr
WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

 

Als Abschluss der Vortragsreihe Gehen und Bleiben bietet ein Podiumsgespräch Einblicke in aktivistische Perspektiven auf die gegenwärtige Arbeit mit Asylsuchenden. Nach einem kurzen Impulsreferat des Diakonie Flüchtlingsdienstes über die historische Entwicklung der Asylgesetzgebung in Österreich berichten drei PraktikerInnen aus ihren Erfahrungen. Verena Stern fasst den Protest somalischer Flüchtlinge im Jahr 2012 zusammen und skizziert die Möglichkeiten sowie Beschränkungen politischer Teilhabe von AsylwerberInnen. Johanna Griesmayr wird aus der Arbeit des Vereins Homebase Wien berichten. Idee des Projektes ist es, eine Wohnung für eine Flüchtlingsfamilie anzumieten und zu renovieren, um die Ankunft in Österreich zu erleichtern und sich mit ähnlichen Initiativen zu vernetzen. Knorri (Karin Pertl) von Queer Base – Welcome and Support for LGBTIQ Refugees stellt das Netzwerk aus LGBTIQ Menschen mit und ohne Fluchterfahrung vor, das seit einigen Monaten an einer Verbesserung der Situation von Flüchtlingen arbeitet, die aufgrund ihrer Sexualität oder ihrer Geschlechtsidentität verfolgt wurden. Ausgehend von der Türkis Rosa Lila Villa entsteht eine ‘queere Basis’, auf der
Menschen sicher ankommen und von der sie neu aufbrechen können.
Schwerpunkt von Queer Base ist die gegenseitige Unterstützung und gemeinsamer Aktivismus.

 

Podiumsgespräch mit:

 

Christoph Riedl
Geschäftsführer des Diakonie Flüchtlingsdienstes

 

Verena Stern
Doktorandin und Projektmitarbeiterin am Institut für Politikwissenschaft
an der Universität Wien, Forschungsschwerpunkt Proteste für Flüchtlinge

 

Johanna Griesmayr
Verein Homebase Wien

 

Knorri (Karin Pertl)
Queer Base – Welcome and Support for LGBTIQ Refugees

 

 


Scheinehe als Fluchtstrategie

WANN: Dienstag, 12. Jänner 2016, 19 Uhr
WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

 

Durch das NS-Regime verfolgte Frauen konnten mittels einer Eheschließung mit einem Ausländer in Exilländer ausreisen und waren dort aufgrund der neuen Staatsbürgerschaft vor einer Rückschiebung ins Deutsche Reich sicher. Manche dieser Ehen waren Scheinehen, sie bestanden nur auf dem Papier, wurden in unterschiedlichen Netzwerken arrangiert und teilweise bezahlt. Da nur Ehefrauen automatisch die Staatsbürgerschaft ihres Mannes erhielten, stellten Scheinehen eine weibliche Flucht- und Überlebensstrategie dar. Bei den bisher aus (Auto-)Biografien überlieferten rund 70 Fällen von Scheinehen handelte es sich meist um jüdische Frauen aus der Mittel- und Oberschicht mit internationalen Kontakten. Doch wie können Quellen über Scheinehen abseits der bekannten Fälle gefunden werden? Welche Hinweise liefern die Archive in Exilländern, in denen die Fremdenbehörden versuchten, Scheinehen zu verhindern oder als solche zu überführen?

 

Irene Messinger
Politikwissenschaftlerin, Lehrbeauftragte an der Universität Wien und der Fachhochschule für Sozialarbeit; Forschungsprojekt Scheinehen in der NS-Zeit, finanziert vom Zukunftsfonds der Republik Österreich und Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus.

 

 


Wien als Transitstadt. Sowjetisch-jüdische Migration via Österreich

WANN: Mittwoch, 16. Dezember 2015, 19 Uhr
WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

 

Zwischen Anfang der 1970er-Jahre bis 1989 verließen über 300.000 Jüdinnen und Juden die Sowjetunion mit Ausreisevisa für Israel. Fast alle von ihnen reisten über Wien. Als die Anzahl der ,Drop Outs‘ – d.h. derjenigen, die nicht wie vorgesehen nach Israel, sondern in andere Länder auswanderten – stieg, befanden sich die österreichischen Behörden in einer prekären Situation. Einerseits wurden sie von Seiten Israels und zionistischer jüdischer Organisationen dazu gedrängt, die EmigrantInnen schnell nach Israel weiter zu schicken; andererseits wollte man den Betroffenen die Ausübung ihres Rechts auf freie Wahl des Einreiselandes gewährleisten. Gleichzeitig fand sich eine Gruppe von sowjetisch-jüdischen Remigrant*innen in Wien ein. Unzufrieden mit ihrer Lage in Israel waren sie an ihren ersten Transitort zurückgekehrt, in der Hoffnung, in die Sowjetunion remigrieren zu können. Der Vortrag befasst sich mit transnationalen Dynamiken von Wien als Transitstadt jüdischer Migration zwischen Ost und West.

 

Ruth Orli Moshkovitz
Studierte in Wien, Berlin und Budapest Geschichte mit dem Schwerpunkt Frauen- und Geschlechtergeschichte und verfasst derzeit ihre Masterarbeit zur Entstehung der bucharisch-jüdischen Gemeinde in Wien im Kontext sowjetisch-jüdischer Remigration.

 

 


Diskriminiert, adoptiert, vergessen? Der behördliche Umgang mit Kindern afroamerikanischer GIs und österreichischer Frauen nach 1945

WANN: Dienstag, 24. November 2015, 19 Uhr
WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

 

Das Schicksal sogenannter Besatzungskinder wurde in der Zweiten Republik lange Zeit ausgeblendet und verschwiegen. Besonders stark marginalisiert wurden jene Kinder, die Beziehungen zwischen Österreicherinnen bzw. Displaced Persons und US-amerikanischen GIs mit schwarzer Hautfarbe entstammen. Der Vortrag setzt an dieser Forschungslücke an und präsentiert erste Ergebnisse des Projektes Lost in Administration. Der Fokus wird dabei auf den behördlichen Umgang mit den Kindern afroamerikanischer GIs nach 1945 gelegt. Es wird nach dem Schicksal der meist unehelichen Kinder in Pflegfamilien, Kinderheimen oder bei Adoptiveltern gefragt. Besondere Aufmerksamkeit wird in diesem Zusammenhang den behördlichen Diskussionen und der Praxis der Adoptionsvermittlung von österreichischen Kindern afroamerikanischer Soldaten in die USA geschenkt.

 

Philipp Rohrbach
Historiker, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI) und Projektmitarbeiter an der Universität Salzburg.

 

 


Repatriierung der ungarischen Deportierten 1945–1946

WANN: Donnerstag, 15. Oktober 2015, 19 Uhr
WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

 

Im Frühjahr 1945 reiste der Leiter des ungarischen Palästinabüros der Jewish Agency, Sándor Náthán, in die Tschechoslowakei und nach Polen. Seine Aufgabe bestand darin, Information über den Aufenthaltsort jener hunderttausenden ungarischen Jüdinnen und Juden zu sammeln, die seit dem Frühjahr 1944 aus Ungarn deportiert worden waren. Nach seiner Rückkehr verfasste er zwei umfang­reiche Berichte, welche die Situation in den beiden kriegszerstörten osteuropäischen Ländern sowie die verschiedenen Herausforderungen, welche die Versuche der Repatriierung begleiteten, dokumentierten. Tatsächlich häuften sich ab dem Frühjahr 1945 Pressemeldungen über das schleppende Vorgehen des Staates bei der Rückholung der im Ausland befindlichen ungarischen StaatsbürgerInnen und die oft unzureichende Versorgung der HeimkehrerInnen nach ihrem Grenzübertritt nach Ungarn. Im Vortrag wird über die Gründe für diese Verzögerungen diskutiert und die Bemühungen von Repatriierungen in einem internationalen Kontext analysiert.

 

Regina Fritz
Historikerin, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Editionsprojekt Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945.

 

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit Momentum-Geschichte statt.

 

Momentum-Geschichte hat es sich zum Ziel gesetzt, über die Generationen hinweg, jene GeisteswissenschaftlerInnen miteinander zu vernetzen, die in ihrer Arbeit einen kritisch-politischen Ansatz verfolgen. Seit 2012 organisieren wir vierteljährlich öffentliche Diskussionen zu historischen Themen.

 

Siehe auch: www.facebook.com/MomentumGeschichte

 

 

 


Neue Struktur, neue Chancen? Die geplante Bundesanstalt KZ-Gedenkstätte Mauthausen/mauthausen memorial und die Zukunft der Erinnerung in Österreich

WANN: Mittwoch, 24. Juni 2015, 19 Uhr
WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Die sowjetische Militärbehörde übergab 1947 das ehemalige Konzentrationslager Mauthausen an die Republik Österreich. Damit verpflichtete sich der Staat, die Überreste als Denkmal an die Ermordeten und Überlebenden zu erhalten. Seit ihrer Eröffnung 1949 ist die KZ-Gedenkstätte Mauthausen/mauthausen memorial in der Verantwortung
und Verwaltung des Bundesministeriums für Inneres.

 

Nach fast 70 Jahren soll nun der größte und wichtigste österreichische
Ort der Erinnerung an die Opfer der Nati-onalsozialisten und Nationalsozialistinnen durch die Schaffung einer Bundesanstalt aus der direkten staatlichen Verantwortung ausgegliedert werden. Was genau bedeutet die Schaffung dieser neuen eigenständigen Bundesanstalt für die KZ-Gedenkstätte/mauthausen memorial und ihre vielseitigen Aufgaben, wie sie im heuer vorgelegten Gesetzesentwurf angestrebt wird? Welche Herausforderungen und Chancen eröffnen sich der Erinne-rungsarbeit, dem
Vermittlungsanspruch und der wissenschaftlichen Auseinandersetzung? Wie sehen Überle-bende und Opferverbände die bevorstehenden Veränderungen?
Und welche Bedeutung hat die Ausgliederung der KZ-Gedenkstätte Mauthausen/mauthausen memorial aus direkter staatlicher Obhut für den
Umgang mit dem Nationalsozialismus in Österreich?

 

Der Verein GEDENKDIENST versteht sich als Plattform um
erinnerungspolitische Entwicklungen in der Vergangenheit, Gegenwart und
Zukunft zu erörtern und lädt zur Podiumsdiskussion ein. Es sprechen dazu
Expertinnen und Experten aus wissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Bereichen der österreichischen und europäischen Vergangenheitspolitik.

Diskussion mit:
Barbara Glück
Leiterin der KZ-Gedenkstätte Mauthausen/mauthausen memorial

Willi Mernyi
Vorsitzender Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ)

Bertrand Perz
Historiker am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien

Axel Schacht
Vermittler_inneninitiative an der KZ Gedenkstätte Mauthausen-Gusen

Cornelia Siebeck
Historikerin an der Ruhr Universität Bochum und Humboldt Universität Berlin

Harald Walser
Nationalratsabgeordneter und vergangenheitspolitischer Sprecher der Grünen

Moderation: Adina Seeger
Historikerin, Verein GEDENKDIENST

Die Veranstaltung des Vereins GEDENKDIENST wird in Kooperation mit der
Österreichischen Gesellschaft für Zeitgeschichte durchgeführt.
Eintritt frei!

 

Konzept und Organisation:

Linda Erker, Nikolina Franjkic, Jutta Fuchshuber, Lukas Meissel, Magdalena Neumüller

 

 


Semesterschwerpunkt: Neue/alte Debatten der österreichischen Zeitgeschichte

Die österreichische Zeitgeschichte ist ein umkämpftes Feld. Dies zeigt sich beispielhaft an den jahrzehntelangen Debatten um ein Museum der österreichischen Geschichte. Der Verein GEDENKDIENST greift diese nun wieder aufflammenden Diskussionen auf und setzt diese in einen europäischen Kontext. Davon ausgehend reflektiert das aktuelle Geh Denken!-Programm auch den eigenen Anspruch als zeitgeschichtliche Veranstaltungsreihe. So sollen nicht nur neueste Entwicklungen in der österreichischen Zeitgeschichteforschung präsentiert, sondern auch die eigene Arbeit des GEDENKDIENST zur Diskussion gestellt werden, ausgehend von der Frage, wohin mit dem Gedenken? Das Programm wird abgerundet durch die Thematisierung eines lange Zeit unerforschten Feldes der Geschichte des Nationalsozialismus in Österreich: der Geschichte der TäterInnen.

 

 


Neue Trends in der europäischen Erinnerungskultur

WANN: Dienstag, 09. Juni 2015, 19.00 Uhr

WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

 

Die Shoa als der negative Referenzpunkt europäischer Geschichte im 20. Jahrhundert ist mittlerweile fast zu einem Stehsatz im Repertoire europapolitischer Diskurse geworden. Zugleich wird die Bezugnahme auf die nationalsozialistischen Verbrechen auch als Begründung für die Notwendigkeit des ‚Friedensprojekts EU‘ herangezogen. Über die Problematik, die diese Instrumentalisierung mit sich bringt, wurde ebenfalls schon einiges gesagt und geschrieben. Vor diesem Hintergrund rückt der Vortrag aktuelle Tendenzen europäischer Gedächtnispolitiken und Erinnerungskulturen in den Blick, ein Schwerpunk liegt auf deren diskursiver und visueller Präsentation auf nationaler sowie europäischer Ebene. Neuere Projekte der Musealisierung (online und offline), Gedenken als Teil der Eventkultur und die Frage nach einer möglichen Entpolitisierung der Erinnerung stehen im Zentrum.

 

 

Karin Liebhart, Politologin an der Universität Wien und Mitarbeiterin der NGO Gesellschaft für politische Aufklärung. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen Europäische politische Kulturen, Memory Politics und Visual Studies.

 

 


Zwischen Zwangssterilisationen und reproduktiven Rechten: Globale Bevölkerungspolitiken und Menschenrechte nach 1945

Geh Denken! Spezial

 

 

WANN: Mittwoch, 20. Mai 2015, 19.00 Uhr

WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

 

(Zwangs-)sterilisationen wurden historisch immer wieder als Mittel der Bevölkerungspolitik genutzt. Die Begründungen hierfür waren vielseitig. Standen in der Zwischenkriegszeit und im Nationalsozialismus eugenische Aspekte im Vordergrund, ging es nach 1945 primär um eine Reduktion globaler Fertilitätsraten. Menschenrechte spielten in der Diskussion um Bevölkerungspolitiken in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer wieder eine Rolle. Nicht nur, um entsprechende Eingriffe abzuwehren, sondern auch, um sie zu legitimieren. Im Jahr 1976 rechtfertigte etwa Indira Gandhi die Zwangssterilisationen während des Ausnahmezustandes in Indien mit einem „Menschenrecht der Nation auf Entwicklung“. Der Vortrag nimmt diese zunächst paradox wirkende Begriffsverwendung zum Ausgangspunkt einer Analyse globaler Bevölkerungspolitiken nach 1945. Bedeutungsveränderungen menschenrechtlicher Bezüge werden dabei auch anhand aktueller bevölkerungspolitischer Eingriffe diskutiert, die unter dem Titel reproduktiver Gesundheit oder reproduktiver Rechte verhandelt werden.

 

 

Roman Birke, Zeithistoriker, Universitätsassistent am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien am Forschungsschwerpunkt Wissen–Macht–Geschlecht; Dissertation zu menschenrechtlichem framing globaler Bevölkerungspolitiken nach 1945.

 

 

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit Momentum-Geschichte statt.

 

Momentum-Geschichte hat es sich zum Ziel gesetzt, über die Generationen hinweg, jene GeisteswissenschaftlerInnen miteinander zu vernetzen, die in ihrer Arbeit einen kritisch-politischen Ansatz verfolgen. Seit 2012 organisieren wir halbjährlich öffentliche Diskussionen zu historischen Themen. Im Frühling 2015 wollen wir unser Programm unserem Selbstverständnis entsprechend erweitern und gemeinsam mit dem Verein GEDENKDIENST abwechselnd sowohl etablierte als auch ForscherInnen am Anfang ihrer Karriere einladen, ihre Arbeiten im Rahmen der Vortragsreihe Geh Denken! zu präsentieren.

Siehe auch: www.facebook.com/MomentumGeschichte

 

 


Das Haus der Geschichte Österreichs

WANN: Mittwoch, 13. Mai 2015, 19.00 Uhr

WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Bereits 1945 entstanden auf Initiative von Bundespräsident Karl Renner erste Pläne für ein Museum der Ersten und Zweiten Republik Österreich in der Wiener Hofburg. Seit damals geschah – abgesehen von teilweise lautstark geführten und oft parteipolitisch gefärbten Debatten – hinsichtlich der Errichtung eines österreichischen Zeitgeschichtemuseums sehr wenig. Besonderen Schwung gewannen die Debatten 1996, als sich Leon Zelman vehement für ein Haus der Toleranz im Wiener Ringstraßenpalais Epstein einsetzte und ein weiteres Mal 2006, als die Verwirklichung des Hauses Geschichte Österreichs im Heeresgeschichtlichen Museum Wien vor ihrer unmittelbaren Umsetzung zu stehen schien. Allerdings wurden in den eineinhalb Jahrzehnten, die seitdem vergangen sind, alle Konzepte und Machbarkeitsstudien ad acta gelegt, sodass wieder Gras über die Sache wuchs. Umso überraschender kam die Ankündigung des Kulturministers im Herbst 2014, bereits im Jahr 2018 das Haus der Geschichte Österreichs in der Neuen Burg eröffnen zu wollen. Seitdem reißen die Debatten über die grundsätzliche Notwendigkeit, dessen Standort, Programm und Inhalte nicht ab. Der Vortrag skizziert den langen Weg zum Haus der Geschichte Österreichs von 1945 bis in die Gegenwart.

 

Stephan Neuhäuser, Historiker, er befasste sich seit den späten 1980er-Jahren mit dem Haus der Geschichte Österreichs.

 

 


Die Lager-SS Mauthausen

WANN: Donnerstag, 23. April 2015, 19.00 Uhr

WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Die Geschichten von SS-Angehörigen, die in nationalsozialistischen Konzentrationslagern tätig waren, sind bisher nur lückenhaft untersucht worden. Ein Forschungsprojekt am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien widmete sich dieser historiographischen Leerstelle der TäterInnengeschichte am Beispiel des KZ-Komplex Mauthausen. Die Mauthausener Lager-SS bestand aus dem mehrere hundert Personen umfassenden, in sechs Abteilungen gegliederten Kommandanturstab sowie aus den Wachmannschaften mit fast zehntausend Soldaten. In der Endphase verfügte das KZ Mauthausen über den höchsten Personalstand im gesamten KZ-System und das Lagerpersonal kam aus allen Teilen der Gesellschaft. Vor allem Angehörige des Kommandanturstabes standen nicht nur dienstlich in engem Kontakt mit lokalen Behörden, sondern waren in einem hohen Ausmaß in die örtliche Gesellschaft integriert. Der Vortrag zielt darauf ab, die Mauthausener Lager-SS als Gruppe historisch zu fassen und die Bedeutung von TäterInnengeschichte für das Verständnis der Geschichte des KZ Mauthausen zu betonen.

 

Magdalena Frühmann und Christian Rabl, MitarbeiterInnen am FWF-Projekt Die Lager-SS Mauthausen (2011–2013) und Doktorandin/Doktorand am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien.

 

Die Veranstaltung musste letztes Semester kurzfristig abgesagt werden und wird nun nachgeholt.

 

 

 


GEDENKDIENST – quo vadis?

WANN: Donnerstag, 12. März 2015, 19.00 Uhr
WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

Erinnerungskultur und Geschichtspolitik in Österreich haben sich in den letzten rund zwanzig Jahren stark verändert. Spätestens mit der Rede Franz Vranitzkys 1991 vor dem Nationalrat, in der er auf die Mitschuld von ÖsterreicherInnen an den NS-Verbrechen hingewiesen hat, veränderte sich schrittweise das historische Bewusstsein in Österreich – zumindest auf einer symbolischen staatspolitischen Ebene. Doch obwohl kritische Geschichtswerkstätten und -initiativen aus der Zivilgesellschaft heraus entstanden, erstarkten rechtsextreme Parteien und Bewegungen.

Der Verein GEDENKDIENST hat sich seit seiner Gründung 1992 als kritische NGO mit dem Anspruch positioniert, die erinnerungspolitische Landschaft
Österreichs mitzuprägen.

Doch wie ist es möglich, in Zeiten von oberflächlicher populärwissenschaftlicher Medialisierung, ewiggestrigen Forderungen nach einem Schlussstrich sowie inhaltsleeren Gedenkritualen einen kritischen Diskurs zur Geschichte, den Vorbedingungen und Nachwirkungen der NS-Herrschaft in Österreich zu gestalten?

Vor dem Hintergrund eines bevorstehenden zweifachen Generationenwechsels – nur mehr wenige ZeitzeugInnen können von ihren Erlebnissen berichten
und gleichzeitig rückt eine neue Generation von HistorikerInnen, PädagogInnen und AktivistInnen nach, um aktiv Erinnerungsorte und -projekte zu gestalten – werden aktuelle Aufgaben, Handlungsfelder und Ziele des Vereins diskutiert.

 

 

 


Schwerpunkt: Lager. Geschichte und Erinnerung

Repressive Lagersysteme waren zentrale Elemente der national­sozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungspolitik. Neue Studien des United States Holocaust Memorial Museum zeigen, dass zwischen 1933 und 1945 über 42.000 unterschiedliche Lager im Einflussbereich des ‚Dritten Reichesʻ erbaut wurden. Für die Mehrheit dieser Lager fehlt bis heute eine wissenschaftliche Auseinandersetzung, sei es im Bezug auf deren Funktionen innerhalb des NS-Lagersystems oder den Umgang und die Erinnerung an diese Lager nach 1945.

 

Der Semesterschwerpunkt der Reihe Geh Denken! widmet sich der Geschichte und Erinnerung an diese ‚vergessenen Lagerʻ, aber auch einzelnen Aspekten von Lager- und TäterInnengeschichten, die bisweilen in der Öffentlichkeit wenig beachtet wurden und derzeit Gegenstand historischer Forschungen sind.

 

Die Veranstaltungsreihe wird dieses Semester in Kooperation mit der Studienrichtungsvertretung Geschichte an der Universität Wien und dem Zukunftsfonds der Republik Österreich veranstaltet.

 

den aktuellen Bildungsprogrammfolder des Verein GEDENKDIENST im PDF-Format ansehen

 

 


Mauthausen in Groß-Wien

WANN: Donnerstag, 22. Jänner 2015, 19.00 Uhr

WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Von 1943 bis 1945 entstanden im nationalsozialistischen ‚Groß-Wienʻ an acht Standorten KZ-Außenlager und -Kommandos, in denen KZ-Häftlinge aus dem Hauptlager Mauthausen inhaftiert waren. Mehrere tausend Menschen aus ganz Europa wurden in diesen Lagern in Floridsdorf, Hietzing, Hinterbrühl, Schwechat, Simmering und Wiener Neudorf inhaftiert und zur Arbeit gezwungen. Die Existenz der Lager, die sich inmitten oder am Rande des Stadtgebiets befanden, ist heute kaum bekannt. Im Rahmen einer für das Jahr 2016 geplanten Ausstellung sollen die Geschichte dieser Außenlager und der dort inhaftierten Menschen wieder mehr ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden. AkteurInnen sollen benannt, die Verbindung zwischen den Lagern und ihrem regionalen, sozialen und wirtschaftlichen Umfeld verdeutlicht werden.

 

Ein Projekt vom Verein für Gedenken und Geschichtsforschung in österreichischen KZ-Gedenkstätten. Assoz.Prof. Dr. Bertrand Perz (Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien) und Mag. Robert Vorberg (KZ-Gedenkstätte Mauthausen/Verein für Gedenken und Geschichtsforschung in österreichischen KZ-Gedenkstätten) stellen in diesem Vortrag das Vorhaben und die Ziele des Projektes vor.

 

 


SS-Fotografien aus dem Konzentrationslager Mauthausen

WANN: Dienstag, 13. Jänner 2015, 19.00 Uhr

WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Im KZ Mauthausen existierte eine eigene Abteilung, die für Fotografien auf dem Lagergelände verantwortlich war – der sogenannte Erkennungsdienst. SS-Angehörige hatten die Aufgabe unterschiedliche Ereignisse in der Geschichte des Lagers fotografisch zu dokumentieren. Einer Gruppe spanischer Häftlinge gelang es in einem Akt von Widerstand, einige hundert dieser Fotos während der NS-Zeit zu verstecken. Diese heute noch erhaltenen Aufnahmen stellen einen einzigartigen Bestand zur Geschichte Mauthausens dar, insbesondere zur TäterInnengeschichte. Lukas Meissel wird sich in seinem Vortrag mit den Funktionen der Fotografien für die SS, den Motiven der Aufnahmen sowie den Überlieferungs- und Nachgeschichten der Fotos auseinandersetzen.

 

Lukas Meissel, Historiker, Mitarbeiter des Archivs der Israelitischen Kultusgemeinde Wien und Guide an der KZ-Gedenkstätte Mauthausen.

 

 

 


"Noch eine kontaminierte Landschaft" Strasshof an der Nordbahn

WANN: Donnerstag, 4. Dezember 2014, 19.00 Uhr

WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

In Strasshof wurden die lokalen Ereignisse der Jahre 1941 bis 1945 lange marginalisiert. Erst im Jahr 2009 wurde begonnen, die Ortsgeschichte und damit die Geschichte des Lagerkomplexes Strasshof, einem sogenannten Durchgangslager für ZwangsarbeiterInnen, wissenschaftlich systematisch zu erarbeiten. Irene Suchy forschte im Rahmen des von ihr gegründeten Vereins Arbeitsgruppe Strasshof an diesem unliebsamen Kapitel der Regionalgeschichte bis 2012, bis zur Vorlage einer Publikation. Neben den nachweislich fast 2.000 Ermordeten des Ortes ist die Art und Weise der Zwangsarbeit Thema, was zu einem großen Kreis der MittäterInnen führte: 40 'Arbeitgeber' in Wien, fast 200 im Raum Niederösterreich, darunter Kloster- und fürstliche Betriebe, Land- und Kriegswirtschaft. Die Forschung an Strasshof verkehrt die Verhältnisse von 'Judenreinheit', reicht in die Bahn- und Medizingeschichte und in die tabuisierte Geschichte der Kollaboration der Retter mit dem NS-Regime.


Irene Suchy arbeitet rund um den Sehnsuchtsort Musik und kommt ausgehend von ihm zur feministischen Musikologie, zur NS-verfemten Musik, zur Zeitgeschichte. Sie ist Ö1-Redakteurin, Ausstellungsmacherin, Autorin musikwissenschaftlicher, zeitgeschichtlicher und literarischer Werke.

 

 

 


Die Lager-SS Mauthausen

ACHTUNG: Die für Mittwoch 26.11. geplante Veranstaltung "Die Lager-SS
Mauthausen" muss leider abgesagt werden. Wir werden uns selbstverständlich bemühen, einen Ersatztermin für den Vortrag zu finden. Sobald ein Alternativtermin feststeht werden wir diesen umgehend hier veröffentlichen.


WANN: Mittwoch, 26. November 2014, 19.00 Uhr

WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Die Geschichten von SS-Angehörigen, die in nationalsozialistischen Konzentrationslagern tätig waren, sind bisher nur lückenhaft untersucht worden. Ein Forschungsprojekt am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien widmete sich dieser historiographischen Leerstelle der TäterInnengeschichte am Beispiel des KZ-Komplex Mauthausen. Die Mauthausener Lager-SS bestand aus dem mehrere hundert Personen umfassenden, in sechs Abteilungen gegliederten Kommandanturstab sowie aus den Wachmannschaften mit fast zehntausend Soldaten. In der Endphase verfügte das KZ Mauthausen über den höchsten Personalstand im gesamten KZ-System und das Lagerpersonal kam aus allen Teilen der Gesellschaft. Vor allem Angehörige des Kommandanturstabes standen nicht nur dienstlich in engem Kontakt mit lokalen Behörden, sondern waren in einem hohen Ausmaß in die örtliche Gesellschaft integriert. Der Vortrag zielt darauf ab, die Mauthausener Lager-SS als Gruppe historisch zu fassen und die Bedeutung von TäterInnegeschichte für das Verständnis der Geschichte des KZ Mauthausen zu betonen.

 


Magdalena Frühmann und Christian Rabl, MitarbeiterInnen am FWF-Projekt zur Lager-SS Mauthausen (2011–2013) und Doktorandin/Doktorand am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien.

 

 

 


Zeitzeugengespräch mit Rudolf Gelbard

Filmvorführung und Gespräch

Ein Geh Denken! Spezial

 

WANN: Montag, 20. Oktober 2014, Einlass: 18.00 Uhr, Beginn: 18.30 Uhr

WO: SPÖ 6*7, Lindengasse 64, 1070 Wien (Nähe U3 Neubaugasse)

Um Anmeldung wird gebeten unter: martinmarenich@yahoo.com

 

Die PES Activists Vienna, SPÖ Neubau, Sektion 8 Alsergrund und der Verein GEDENKDIENST freuen sich, Sie zur Filmvorführung mit anschließender Publikumsdiskussion mit Prof. Rudolf „Rudi“ Gelbard einzuladen.
Rudolf Gelbard wurde 1930 in eine jüdische Großfamilie geboren, er verbrachte seine Kindheit in Wien, welche 1938 mit dem Einmarsch der Nationalsozialisten schlagartig zu Ende ging. 1942 wurde er gemeinsam mit seinen Eltern ins Ghetto Theresienstadt/Terezín deportiert. Seit seiner Befreiung 1945 setzt er sich unermüdlich für die Aufklärung der nationalsozialistischen Verbrechen ein. Der Kampf gegen das Vergessen prägte als Mitglied der Sozialdemokratischen FreiheitskämpferInnen sein weiteres Leben. Er ist bis heute in der Kultur- und Bildungsarbeit tätig und geht keiner Auseinandersetzung mit Holocaust-LeugnerInnen und Rechtsextremismus aus dem Weg.
Derzeit tourt Rudi mit der ausverkauften Burgtheater Wien Produktion Die letzten Zeugen durch Deutschland. „Wir sind die Letzten“, begründete er neulich bei einem Diskussionsabend seine unerschütterliche Motivation, auch bis Mitternacht dem Publikum seine Geschichte zu erzählen und die vielen Fragen zu beantworten.

 

18:30 Vorstellung von Prof. Rudolf Gelbard
18:40 Filmvorführung Der Mann auf dem Balkon – Rudolf Gelbard, KZ-Überlebender–Zeitzeuge–Homo politicus
19:30 Pause
19:45 Vortrag Die 17 Hauptverbrechen der Nazi (Gelbard)
20:15 Publikumsdiskussion

 

Wir bitten ausdrücklich um Verständnis, dass an diesem Abend die Erinnerung und das Gedenken im Vordergrund stehen und daher keine aktuellen und tagespolitischen Fragen behandelt werden.

 

 


Die Wiener Flaktürme als Erinnerungs- und Fundorte

WANN: Dienstag, 14. Oktober 2014, 19.00 Uhr

WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Die Flaktürme in Wien sind architektonische Zeugnisse der Machtrepräsentation des Nationalsozialismus und historische Orte der Zwangsarbeit in der Mitte der Stadt. Das Wissen um den massiven Einsatz von ZwangsarbeiterInnen und Kriegsgefangenen aus vielen Ländern Europas und der ehemaligen Sowjetunion auf den Flakturmbaustellen, im Betrieb des ehemaligen Leitturms im Augarten sowie in Produktionsstätten in den Türmen, ist bisher noch wenig verbreitet, ein öffentliches Bewusstsein für diesen Aspekt der NS-Stadtgeschichte fehlt bislang. Ute Bauer-Wassmann beschäftigte sich mit den Flaktürmen als Erinnerungsorten am Beispiel des ehemaligen Leitturmes im Wiener Arenbergpark und leitet derzeit ein Projekt, in welchem sie historische Überreste im Inneren eines der Türme im Augarten dokumentiert und sicherstellt. In ihrem Vortrag wird sie auf die Geschichte der Flaktürme und die Erinnerung an dieses, abseits von Luftkrieg und Bombardements, kaum rezipierte Thema österreichischer Zeit­geschichte eingehen.

 


Ute Bauer-Wassmann, Obfrau des Interdisziplinären Forschungszentrum Architektur und Geschichte, Projektleiterin Fundort Flakturm - Fundbergung und Sicherung im ehem. Leitturm Augarten und Herausgeberin von Erinnerungsort Flakturm. Der ehemalige Leitturm im Wiener Arenbergpark, Phoibos Verlag, Wien 2010.

 

 

 


Schwerpunkt: Sportgeschichte(n)

Im Rahmen der Reihe Geh Denken! wird im Sommersemester 2014 ein Fokus auf ein Themengebiet der österreichischen Zeitgeschichte gelegt, das bis dato in der Geschichtswissenschaft nur marginal behandelt wurde: auf die Sportgeschichte.

 

Im Mittelpunkt der Vortragsreihe stehen die Geschichten von drei traditionsreichen, österreichischen Sportvereinen. Vor dem Hintergrund der (Selbst-)Gleichschaltung des Sport- und Vereinswesen nach dem 'Anschluss' Österreichs an das Deutsche Reich und der Auflösung bzw. Überführung der Verein in den Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen befassen sich die ReferentInnen in ihren Darstellungen mit einem Zeitabschnitt, der bis heute in der Historiografie zahlreicher Vereine weitgehend tabuisiert wird. Thematisiert werden u.a. der Ausschluss jüdischer AthletInnen sowie die Verstrickung der Sportvereine und/oder der FunktionärInnen in das NS-System. Der Vortrag über den Mythos und Fußballer Matthias Sindelar soll die Reihe um eine Täterbiografie erweitern.

 

Die aktuelle Vortragsreihe stellt ein Forschungsfeld vor, das sich dem Erinnern und Gedenken an Täter und Opfer des Nationalsozialismus aus dem Sportbereich widmet.

 

den aktuellen Bildungsprogrammfolder des Vereins GEDENKDIENST im PDF-Format ansehen

 

 

 


Hakoah Wien. Zur wechselvollen Geschichte des jüdischen Sportvereins

WANN: Mittwoch, 11. Juni 2014, 19.00 Uhr

WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion mit Susanne Helene Betz und Monika Löscher

 

Der jüdische Sportklub Hakoah wurde 1909 in Wien gegründet - als Signal eines steigenden national-jüdischen Selbstbewusstseins, zionistischer Politisierung von sportlicher Betätigung sowie als Reaktion auf den gesellschaftspolitisch akzeptierten Antisemitismus. Er entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Vereine Österreichs. Durch die Auflösung des Vereins und die Verfolgung sowie Vertreibung seiner Mitglieder nach dem 'Anschluss' Österreichs an das Deutsche Reich im Jahr 1938 fand diese Erfolgsgeschichte ein jähes Ende. Nach der gewaltsamen Zerstörung der Infra- und Mitgliederstruktur konstituierte sich der Verein 1945 neu und kehrte erst knapp 100 Jahre nach seiner Gründung an seine frühere Wirkungsstätte im Wiener Prater zurück.

 

Susanne Helene Betz, Studium der Geschichte, Ur- und Frühgeschichte, Soziologie und Politikwissenschaft an der Universität Wien sowie Ottawa, Sydney und Paris. Seit 2002 als verantwortliche Historikerin der Schiedsinstanz für Naturalrestitution beim Allgemeinen Entschädigungsfonds tätig.

 

Monika Löscher, Studium der Geschichte und Romanistik. Seit 2009 im Auftrag der Kommission für Provenienzforschung im Kunsthistorischen Museum tätig.

 

 

 


Auschwitz, wie im Film?

 

Buchpräsentation und Diskussion

Ein Geh Denken! Spezial

 

WANN: Donnerstag, 22. Mai 2014, 19.00 Uhr

WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Was nehmen BesucherInnen von Gedenkstätten wie Auschwitz-Birkenau oder Mauthausen während ihres Rundgangs wahr und welchen Stellenwert haben ihre visuellen Eindrücke für das deutende Verstehen der Vergangenheit? Die semiotische Kraft dieser Orte ist heute eine Ausdrucksfläche für universale und partikulare Bildnarrative. Halböffentliche mediale Praktiken, wie sie im Fotografieverhalten an Gedenkstätten zum Ausdruck kommen, werden die Zukunft der Erinnerung entscheidend mitprägen.

 

Till Hilmar: Storyboards der Erinnerung. Eine empirische Fallstudie zu Geschichtsbildern und ästhetischer Wahrnehmung beim Besuch der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, Wien, New Academic Press 2014

 

Mit freundlicher Unterstützung des Nationalfonds der Republik Österreich für die Opfer des Nationalsozialismus und des Zukunftsfonds der Republik Österreich.

 

Es diskutieren:

Till Hilmar, PhD-Student und Junior Fellow, Center for Cultural Sociology (Yale University) und Helga Amesberger, Institut für Konfliktforschung (Wien) und Mitherausgeberin der Dokumentation zu SchülerInnenfotografien in Mauthausen Mauthausen Revisted (2012).

 

 

 


Zwischen Überlebenskampf und Triumph. Der Wiener Eislauf-Verein und der Nationalsozialismus

WANN: Mittwoch, 14. Mai 2014, 19.00 Uhr

WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien)

 

Vortrag und Diskussion mit Agnes Meisinger

 

Der Wiener Eislauf-Verein (WEV) hat sich seit seiner Gründung im Jahr 1867 als feste Einrichtung im Sport- und Gesellschaftsleben der Stadt etabliert. Mit zeitweise knapp 10.00 Mitgliedern und zahlreichen Erfolgen von VereinsathletInnen bei internationalen Wettbewerben im Eislaufsport war und ist der WEV einer der ältesten, größten und erfolgreichsten Sportvereine weltweit. Während der Zeit des Nationalsozialismus bewegte sich der Wiener Eislauf-Verein in einem Spannungsfeld zwischen Überlebenskampf und Triumph. Der Vortrag wirft ein Licht auf die Geschichte des WEV während der NS-Zeit und erörtert Fragen, ob und in welcher Form NS-Ideologie und Rassismus im Vereinsleben praktiziert wurden und wie die Aufrechterhaltung des Betriebs während der Kriegsjahre gelingen konnte.

 


Agenes Meisinger, Zeithistorikerin, Forschungsprojekt zur Aufarbeitung der Geschichte des Wiener Eislauf-Vereins am Institut für Zeitgeschichte an der Universität Wien.

 

 

 


Papier ist geduldig. Matthias Sindelar: Fußballstar, 'Ariseur', Legende

WANN: Mittwoch, 9. April 2014, 19.00 Uhr

WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion mit David Winterfeld

 

Der Fußballstar Matthias Sindelar, Star der Wiener Austria und des Wunderteams, war bereits zu Lebzeiten eine Legende, sein Tod im Jahr 1939 machte ihn endgültig zu einem Mythos. Der Papierene wurde zur wichtigsten Symbolfigur für Opfer- und Widerstandslegenden im österreichischen Fußballgedächtnis. Erst ab 2003 wurde seine Rolle im Nationalsozialismus - er hatte 1938 ein Kaffeehaus um einen Schnäppchenpreis 'arisiert' - kritisch gesehen. Doch die Debatten um seine Person reißen nicht ab.

 


David Winterfeld (geb. Forster) ist Historiker im Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG), Initiator der Serie Fußball unterm Hakenkreuz im Fußballmagazin ballesterer und Co-Herausgeber von Fußball unterm Hakenkreuz in der Ostmark (erscheint 2014 im Verlag Die Werkstatt).

 

 

 


Spezialrundgang "Grün-Weiß unterm Hakenkreuz"

WANN: Freitag, 28. März 2014, 18.30 Uhr

TREFFPUNKT: Rapideum, 1140 Wien, Keißlergasse 6

 

Der Verein GEDENKDIENST lädt gemeinsam mit dem Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) zum Spezialrundgang Grün-Weiß unterm Hakenkreuz mit dem Kurator Domenico Jacono durch das Rapideum - das Museum des SK Rapid ein.

 

 

Welche Rolle nahmen der Fußballverein Rapid, die Funktionäre und Spieler in der NS-Zeit ein? Der Rundgang gibt einen Überblick über die sportliche und politische Geschichte Rapids in den Jahren 1938 bis 1945. Ausgehend von der Vereinsgeschichte zur Zeit des Nationalsozialismus wird auch ein Bogen in die Gegenwart gespannt und die Auseinandersetzung des Vereins mit Rechtsextremismus thematisiert. Nach dem Rundgang gibt es die Möglichkeit, die gesamte Ausstellung des Rapideum eigenständig zu erkunden.

 

 

Der Kurator des Vereinsmuseum Rapideum, Domenico Jacono, war nicht nur hauptverantwortlich für die Planung des Museums, sondern veröffentlichte unter anderem auch das Buch Religion Rapid, das die Geschichte der Fans über ein Jahrhundert hinweg widerspiegelt.

 

Teilnahmebetrag: MKÖ-Mitglieder kostenlos / Nicht-Mitglieder: 5 €

Anmeldung unter bauer(at)mkoe.at (Christa Bauer, Mauthausen Komitee Österreich). Es gilt das Prinzip first-come, first-serve (beschränktes Platzangebot).

 

 

 


Der Österreichische Gebirgsverein stellt sich der Vergangenheit

WANN: Mittwoch, 26. März 2014, 19.00 Uhr

WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion mit Gunnar Mertz

 

Im Österreichischen Gebirgsverein setzte sich politischer Antisemitismus schon vor dem 'Anschluss' 1938 durch. Bei der Eingliederung in den Deutschen Alpenverein waren die meisten Funktionen bereits durch Nationalsozialisten besetzt. Nach 1945 gelang den ehemaligen Angehörigen der NSDAP die soziale Reintegration im Vereinsleben. In der vereinsinternen Erinnerung wurde der Nationalsozialismus verdrängt, bis die Hauptversammlung beschloss, die Aufarbeitung mit einer historischen Studie einzuleiten. In seinem Vortrag gibt Gunnar Mertz anhand seiner Forschungsarbeiten hierzu einen ersten Überblick.

 

 

Gunnar Mertz, Politologe, Forschungsprojekt zur Aufarbeitung der Geschichte des Österreichischen Alpenvereins.

 

 

 


"[A]n uns sind Umerziehung, Trauerarbeit und Betroffenheit...fast völlig spurlos vorbeigezogen." Burschenschaftliche Vergangenheitsbewältigung

WANN: Mittwoch, 15. Jänner 2014, 19.00 Uhr

WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion mit Bernhard Weidinger

 

Der Vortrag beschäftigt sich mit der Frage, wie Burschenschaften in Österreich ihre NS-Erfahrung nach 1945 verarbeitet und welche Folgen diese Verarbeitung für sie und letztlich für die Republik hatte bzw. bis heute hat. Illustriert werden die Ausführungen durch Beispiele burschenschaftlicher Gedenkpolitik von der Nachkriegszeit bis heute.

 

Bernhard Weidinger ist Politikwissenschafter und hat sich in seiner Dissertation mit Burschenschaften und Politik in Österreich nach 1945 befasst.

 

 

 

 


Grauer Wolf im Schafspelz

WANN: Dienstag, 17. Dezember 2013, 19.00 Uhr

WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion mit Christian Schörkhuber

 

Türkischer Rechtsextremismus ist ein in der österreichischen Öffentlichkeit kaum besprochenes politisches und jugendkulturelles Phänomen. Christian Schörkhuber wird sich in seinem Vortrag mit den sogenannten Grauen Wölfen auseinandersetzten, die derzeit stärkste türkische rechtsextreme Gruppierung. Die Entstehung der Gruppierung im Kontext der Geschichte des türkischen Faschismus sowie ihre derzeitigen Aktivitäten und Strategien bilden den inhaltlichen Rahmen der Veranstaltung. Der Fokus wird dabei speziell auf der österreichischen Situation liegen.

 

Christian Schörkhuber, Geschäftsführer der Volkshilfe Flüchtling- & MigrantInnenbetreuung in Oberösterreich, Koautor von "Grauer Wolf im Schafspelz" (erschienen 2012 in Franz Steinmaßl-Verlag).  

 

 

 


Rechtsextreme FPÖ?

ACHTUNG NEUER TERMIN

 

WANN: Mittwoch, 11. Dezember 2013, 19.00 Uhr*

WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion mit Nina Horaczek

 

In der österreichischen Medienlandschaft wird die Freiheitliche Partei Österreichs zumeist als rechtspopulistisch charakterisiert. Trotz zahlreicher in der Öffentlichkeit thematisierter Skandale um Rechtsextremismus im Umfeld der Partei werden diese oftmals als Einzelfälle verharmlost und rechtsextreme Einstellungen nicht als inhärenter Bestandteil der Ideologie der FPÖ interpretiert. Im Vortrag wird anhand einer Analyse des FPÖ-Nationalratswahlkampfes 2013 der Frage nachgegangen, ob die FPÖ als rechtsextreme Partei einzustufen ist. Forderungen und Zielsetzungen der FPÖ werden ebenso thematisiert wie die handelnden AkteurInnen der Partei.

 

Nina Horacezk, Journalistin der Wiener Wochenzeitung Falter, Ko-autorin von "HC Strache. Sein Aufstieg, seine Hintermänner, seine Feinde" (erschienen 2009 im Ueberreuter Verlag) und "Handbuch gegen Vorurteile" (erschienen 2011 im Czernin Verlag).

 

*Aufgrund von Krankheit musste der Vortrag von Nina Horaczek am 22. Oktober 2013 entfallen und wird am 11.Dezember 2013 nachgeholt.

 

 


Rechtsextremistische und neonazistische Themen im Internet

WANN: Mittwoch, 13. November 2013, 19.00 Uhr

WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion mit Uwe Sailer

 

Der Vortrag thematisiert rechtsextreme Aktivitäten im Internet von Beginn der ersten digitalen Kommunikation bis heute und setzt sich mit Formen der Verbreitung rechtsextremer Botschaften in Österreich auseinander: Wie treten Rechtsextreme und Neonazis im Netz auf und welche Sparten der digitalen Präsentation und Kommunikation sind bei ihnen beliebt? Darüber hinaus werden Möglichkeiten der Enttarnung von neonazistischen Auftritten im Internet behandelt. Es wird auf die Rolle des österreichischen Verfassungsschutzes sowie den - oft mühsamen - Weg der rechtlichen Verfolgung eingegangen.

 

Uwe Sailer, ausgebildeter Kriminalbeamter und Datenforensiker, für seinen Kampf gegen Rechtsextremismus wurde er mit dem Elfriede-Grünberg-Preis 2011 und dem Ute-Bock-Preis für Zivilcourage 2013 ausgezeichnet.

 


Österreich vor Gericht. Wer war schuld am 'Anschluss' Österreichs an das 'Deutsche Reich'?

Die für den 12. Juni 2013 geplante Geh Denken!-Veranstaltung muss aufgrund der zeitgleich stattfindenden Verleihung des Leon Zelman-Preises an den Verein GEDENKDIENST abgesagt werden.

 

WANN: Mittwoch, 12. Juni 2013, 19.00 Uhr

WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion mit Magdalena Neumüller

 

Eine Frage, die für Sprengstoff sorgt - bis heute existieren dazu polarisierende Interpretationen: Während die einen eine 'österreichische' Verantwortung an Einzelpersonen festmachen oder die Geschichte erst mit dem 12. März 1938 zu erzählen beginnen, erklären andere die Schuld- zu einer Systemfrage und sehen den Austrofaschismus als Wegbereiter für den Nationalsozialismus in Österreich.

 

1947 wurde dem austrofaschistischen Staatssekretär für Äußeres, Guido Schmidt, in einem Hochverratsprozess vor einem österreichischen Volksgericht die Schuld am 'Anschluss' angelastet. Die Diskussion, war dies geschah, wie der Prozess gegen Guido Schmidt geführt und weshalb er freigesprochen wurde, erlaubt nicht nur Einblicke in die politische Situation Österreichs vor 1938, sondern auch vor allem in der Zeit ab 1945 und zeigt die bis heute anhaltende politische Brisanz des Themas.

 

 

Magdalena Neumüller ist Politikwissenschaftlerin und wissenschaftliche Projektmitarbeiterin am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien.

 

 


Buchpräsentation: Das Dollfuß/Schuschnigg-Regime 1933-1938 - Vermessung eines Forschungsfeldes

WANN: Freitag, 3. Mai 2013, 19.00 Uhr

WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion mit Florian Wenninger und Lucile Dreidemy

 

Die Diktatur Dollfuß/Schuschnigg 1933-1938 ist bis heute eine der umstrittensten Phasen der österreichischen Geschichte. In insgesamt 23 Beiträgen eines neu erschienenen Bandes, herausgegeben von Florian Wenninger und Lucile Dreidemy, unternehmen WissenschafterInnen nun den Versuch, eine Bilanz der bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu ziehen und Perspektiven künftiger Forschungsarbeit zu entwickeln. Von Interesse sind dabei offene Fragen ebenso wie methodische Ansätze und bislang vernachlässigte Quellen. Behandelt werden neben politischen und sozialen Aspekten auch ökonomische, militärische und regionale Themen.

 

Programm:

Begrüßung: Adalbert Wagner (Verein GEDENKDIENST) / Univ. Prof. DDr. Oliver Rathkolb (Institut für Zeitgeschichte Wien)

 

Einleitung: a.o. Prof.in Dr.in Johanna Gehmacher, Institutsvorständin des Instituts für Zeitgeschichte Wien

 

Präsentation des Bandes durch die Herausgeberin und den Herausgeber: DDr.in Lucile Dreidemy / Mag. Florian Wenninger

 

Moderation: Mag.a Linda Erker (Institut für Zeitgeschichte Wien / Verein GEDENKDIENST)


Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Böhlau Verlag statt. Nähere Informationen zum Buch finden Sie unter: www.boehlau-verlag.com/978-3-205-78770-9.html.

 

 

 


Das 'Anhaltelager' Wöllersdorf

WANN: Dienstag, 9. April 2013, 19.00 Uhr

WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion mit Pia Schölnberger

 

Ein wichtiges Element der Repressionsmaßnahmen gegen politisch Oppositionelle im Austrofaschismus stellten die 'Anhaltelager' dar, deren größtes im September 1933 auf dem Gelände der ehemaligen k. u. k. Munitionsfabrik Wöllersdorf (NÖ) eingerichtet wurde. Mithilfe einer Regierungsverordnung konnten Parteiangehörige der KPÖ, NSDAP und - nach den Februarkämpfen 1934 - auch der SDAP aufgrund verbotener politischer Betätigung 'vorbeugend' interniert werden. Vor dem Hintergrund politischer sowie rechtlicher Rahmenbedingungen beschäftigt sich der Vortrag mit den Lagerstrukturen, dem Alltag im 'Anhaltelager', den Häftlingskollektiven sowie der Entwicklung des 'Anhaltelagers' bis zu dessen Auflösung infolge des 'Anschlusses' 1938.

 

Pia Schölnberger ist derzeit als Provenienzforscherin im Auftrag der Kommission für Provenienzforschung in der Albertina tätig. 2012 hat sie ihre Dissertation über das 'Anhaltelager' Wöllersdorf abgeschlossen.

 

 

 


Austrofaschismus und Arbeiterschaft

WANN: Freitag, 15. März 2013, 19.00 Uhr

WO: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion mit Emmerich Tálos

 

Der Austrofaschismus endete 1938 in einem politischen und sozialen Desaster. Die Arbeiterschaft war von beiden besonders betroffen. Im Vortrag werden zum einen die materiellen und sozialen Bedingungen der Arbeiterschaft, zum anderen die weitgehend erfolglos gebliebenen Integrationsbemühungen der austrofaschistischen Diktatur aufgezeigt.

 

Emmerich Tálos studierte Katholische Theologie und Geschichte in Wien und Tübingen und ist Postgraduate der Politikwissenschaft am Institut für Höhere Studien Wien. Seit 1983 war er Professor für Politikwissenschaft am Institut für Politikwissenschaft bzw. am Institut für Staatswissenschaft der Universität Wien und ist seit Oktober 2009 offiziell im Ruhestand.

 

 

 


Vom Waldheim-Holzpferd bis zum Galopp gegen den Burschschafterball. Zivilgesellschaftlicher Protest gegen Geschichtsverleugnung, Antisemitismus und Rassismus seit 1986

Wann: 9. Jänner 2013, 19.00 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion mit Doron Rabinovici

 

Die Auseinandersetzung rund um Kurt Waldheim markierte einen Wendepunkt in Österreich. Was vor über zwanzig Jahren das Land umtrieb, wirkt bis heute weiter. Im selben Jahr begann der Aufstieg der Freiheitlichen unter Jörg Haider. War Kurt Waldheim ein Auslaufmodell und ein Symbol der einstigen Mitläufer gewesen, wurde Haider zum Prototyp eines rechtsextremen Populismus. Gleichzeitig entstand damals der Nukleus einer zivilgesellschaftlichen Bewegung, die seither dem Ressentiment entgegentritt. Der Vortrag soll einen historischen Abriss dieser zivilgesellschaftlichen Bewegung besonders im Hinblick auf die Protestbewegung gegen die schwarz-blaue Regierung bieten.

 

 

 

 


GEDENKDIENST im Gespräch mit Franz Vranitzky

WEGEN VERHINDERUNG DES VORTRAGENDEN MUSS DIESER TERMIN LEIDER ABGESAGT WERDEN.

 

Wann: 12. Dezember 2012, 19.00 Uhr  

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Gespräch und Diskussion mit Franz Vranitzky, Bundeskanzler a.D.

 

Die öffentliche Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte in Österreich wandelte sich in den letzten zwanzig Jahren stark. Der sogenannte "Opfermythos" der Zweiten Republik wich einer differenzierten Positionierung des offiziellen Österreichs. In dieser Entwicklung waren zwei Reden des damaligen Bundeskanzler Franz Vranitzky von zentraler Bedeutung. In diesen Reden vor dem österreichischen Nationalrat und der israelischen Knesset ging er explizit auf eine österreichische Mitverantwortung ein.                            

Dr. Vranitzky wird in seinem Vortrag Vor- und Nachgeschichte dieser beiden Reden darstellen und anschließend für Fragen offen stehen.

 

 

 

 


Europa und die gemeinsame Erinnerung - eine Antithese?

Wann: 14. November 2012, 19.00 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Podiumsdiskussion mit:

Meena Land (Europa for Citizens Point Austria)

Karin Liebhart (Institut für Politikwissenschaften der Universität Wien)

Till Hilmar (Verein GEDENKDIENST)

 

Blickt man auf die unterschiedlichen Erinnerungslandschaft in Europa, so zeichnet sich bald das Bild eines "Kampfes" um die Erinnerung zwischen west- und osteuropäischen Gesellschaften ab, vor allem im Hinblick auf die Deutung der Jahre 1945 und 1989. Wie lassen sich europäische Integrationsbemühungen um eine "gemeinsame Vergangenheit" verstehen und welche Rolle spielen aktuelle Erinnerungsprojekte darin? Welche Logik von Zentrum und Peripherie ordnet das europäische Gedächtnis und wo beginnt die "Politik mit der Erinnerung" (Peter Reichel) auch wissenschaftliche und pädagogische Zugriffe auf die Vergangenheit neu zu orientieren?

 

 

 

 


Buchpräsentation: Flucht aus dem Todesblock

Wann: 10. Oktober 2012, 19.00 Uhr  

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion mit Matthias Kaltenbrunner

 

Die "Mühlviertler Hasenjagd" -  der Massenausbruch von etwa 500 sowjetischen Offizieren aus dem "Todesblock" des KZ Mauthausen am 2. Februar 1945 - war die einzige Massenflucht aus einem nationalsozialistischen KZ. Matthias Kaltenbrunners versucht die Geschichte der Opfer und wenigen Überlebenden anhand umfangreicher Quellenbestände aus österreichischen, deutschen, russischen und ukrainischen (Privat-)Archiven nachzuzeichnen und analysiert die Hintergründe der "Aktion Kugel", durch welche vor allem widerständige sowjetische Offiziere im KZ Mauthausen ermordert werden sollten. Für die inneren Verhältnisse im "Todesblock" und die Organisation der Massenflucht sind die handschriftlichen Aufzeichnungen der acht bekannten Überlebenden, welche hier erstmals publiziert werden, die einzige Quelle. Darüber hinaus wird auch die schwierige juristische, publizistische und künstlerische Auseinandersetzung mit diesen Ereignissen in der Sowjetunion und Österreich ausführlich behandelt.

 

 

 

 


Die Rehabilitierung der Opfer des Austrofaschismus

Wann: 13. Juni 2012, 19 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion mit Florian Wenninger

 

Nach dem das Thema Austrofaschismus seit den 1980ern durch die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus stark in den Hintergrund getreten war, erfährt es in den letzten Jahren ein neu erwachtes Interesse, sowohl wissenschaftlich als auch politisch. Im Jänner 2012 beschloss der österreichische Nationalrat nach zweijährigen, zähen Verhandlungen zwischen den Regierungsparteien einstimmig die Rehabilitierung der Opfer des Austrofaschismus. Damit wurde eine Forderung, die im Parlament erstmals in den 1950ern erhoben wurde, zu einem Zeitpunkt umgesetzt, da von den Betroffenen kaum noch jemand am Leben war. Worin die geschichtspolitischen Schwierigkeiten bestanden, die einen solchen Schritt erst jetzt und gegen bedeutende Widerstände möglich machten, erläutert Florian Wenninger in seinem Vortrag.

 

Florian Wenninger, geboren 1978, Assistent am Institut für Zeitgeschichte in Wien, ab 2010 wissenschaftlicher Berater beim Ausarbeitungsprozess des Rehabilitierungsgesetzes.

 

 

 


Zeitzeugengespräch mit Pavel Stránský

Ein Geh Denken!-Spezial

 

Wann: 24. April 2012, 19 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Pavel Stránský wurde 1921 in Prag geboren. Als junger Mann wurde er 1941 von den Nazis als Teil des "2. Aufbaukommandos" in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Zwei Jahre später, im Dezember 1943, wird Stránský weiter in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau verschleppt, wo er in dem als "Theresienstädter Familienlager" bezeichneten Lagerteil im Kinderblock als Betreuer eingesetzt wird. Im Juli 1944 folgt eine weitere Deportation in das Konzentrationslager Schwarzheide, von wo aus er am Ende des Krieges auf einem Todesmarsch wieder nach Theresienstadt kommt, wo Pavel Stránský schließlich die Befreiung erlebt.

 

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit erinnern.at statt.

 

 

 


Heldenplatz. Ein österreichischer Erinnerungsort

Wann: 2. Mai 2012, 19 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion mit Dr.in Heidemarie Uhl

 

Der Heldenplatz ist ein zentraler Erinnerungsort in Bezug auf österreichische Zeitgeschichte. Bezeichnend sind die beiden Gedenkräume beim Haupttor zum Platz: Auf der einen Seite wird u. a. den österreichischen Gefallenen des Zweiten Weltkrieges gedacht, auf der anderen Seite den österreichischen WiderstandskämpferInnen. Dieser "Clash" an Narrativen spiegelt sich auch in der öffentlichen Gedenkkultur wieder. So fanden am 8. Mai 2011 zwei Gedenkveranstaltungen am Heldenplatz parallel statt: Eine von deutschnationalen Burschenschaften organisierte Trauerkundgebung an die Soldaten und die "Niederlage", sowie eine antifaschistische Befreiungsfeier - beide Veranstaltungen wurden durch Polizeiabsperrungen von einander getrennt.

 

Heidemarie Uhl wird in ihrem Vortrag auf die Geschichte des Heldenplatzes und seine Bedeutung als Erinnerungsort in der österreichischen Gedenklandschaft eingehen und ihre Thesen anschließend zur Diskussion stellen.

 

 

 


20 Jahre Gedenkdienst - Einblick und Ausblick

Wann: 11. April 2012, 19 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion mit Adalbert Wagner

 

In den letzten 20 Jahren hat sich das Tätigkeitsfeld des Verein GEDENKDIENST in viele Richtungen weiterentwickelt: Über seine Funktion als Entsendeorganisation für Freiwillige hinausgehend, organisiert der Verein Projekte zu historisch-politischer Bildungsarbeit, entwickelt neue Studienfahrtenkonzepte und Workshopangebote und beteiligt sich aktiv an der österreichischen Vergangenheitspolitik. Darüber hinaus organisierte der GEDENKDIENST wissenschaftliche Veranstaltungen und Tagungen, ermöglichte zwei Sammelbände und thematisiert aktuelle vergangenheitspolitische Themen im Rahmen der monatlichen Geh Denken! Veranstaltungen. Ebenso setzt der Verein GEDENKDIENST regelmäßig politische Intervention wie dieses Jahr im Rahmen der Gedenkwoche zum 27. Jänner.

 

Die Veranstaltung zum Jubiläum des Verein GEDENKDIENST beleuchtet seine zahlreichen und vielschichtigen Tätigkeitsfelder und thematisiert Fragen nach der Perspekive und Zukunft des GEDENKDIENST in der vergangenheitspolitischen Landschaft Österreichs.

 

 

 


Tatort: Versöhnung

Wann: 14. März 2012, 19 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion mit Dr. Anton Legerer

 

Anton Legerers Vortrag beschäftigt sich mit der Entstehung der beiden deutschen Organisationen Aktion Sühnezeichen bzw. Aktion Sühnezeichen Friedensdienst im Hinblick auf deren Verständnis von "Versöhnungsarbeit" vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Geschichtspolitiken der BRD und DDR. Unterschiedliche Konzepte und Ansprüche an die Arbeit sowie die schlußendliche Fusionierung der beiden Organisationen werden im historischen Kontext dargestellt. Des Weiteren wird ein besonderer Schwerpunkt des Vortrages die Geschichte des Verein GEDENKDIENST darstellen, der nach dem Vorbild der beiden deutschen Organisationen Anfang der 1990er in Österreich gegründet wurde.

 

Anton Legerer ist Zeithistoriker, Publizist und Psychologe in Wien.
Er ist Mitherausgeber von "Jenseits des Schlussstrichs. Gedenkdienst im Diskurs über Österreichs nationalsozialistische Vergangenheit" und Autor von "Tatort: Versöhnung. Über die Aktion Sühnezeichen, Friedensdienste in der BRD sowie in der DDR und Gedenkdienste in Österreich".

 

 

 

 


Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim - Perspektiven und Herausforderungen

Wann: 11. Jänner 2012, 19 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion mit Mag.a Irene Leitner

 

2003 wurde der Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim mit der Gedenkstätte für die Opfer der NS-,Euthanasie‘ und der Dauerausstellung Wert des Lebens eröffnet. Als Lern- und Gedenkort nimmt Schloss Hartheim unterschiedliche Aufgaben und Funktionen wahr: Es ist Ort des historischen Mordes und Leidens und daraus resultierend ‚Ort der Erinnerung und des Gedenkens‘/Friedhof, aber auch ‚Ort der Dokumentation‘ und ‚Lernort‘. Alle drei Aspekte mit den damit verbundenen, gegenwärtigen Herausforderungen sollen im Zuge des Vortrags näher beleuchtet werden – die verbindende Frage dafür lautet: Was kann und soll an solch einem historischen Ort im 21. Jahrhundert geschehen?

 

 

 

 


Die nationalsozialistischen Krankentötungen in Österreich

WEGEN ERKRANKUNG ABGESAGT

 

Wann: 14. Dezember 2011, 19 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion mit Dr. Herwig Czech

 

Die Geschichte der deutschen und österreichischen Psychiatrie im 20. Jahrhundert ist untrennbar mit der Ermordung von zehntausenden ihrer Patientinnen und Patienten während des Nationalsozialismus verknüpft. Schloss Hartheim und die fünf anderen Tötungsanstalten der ,Aktion T4‘ stellten die ersten Institutionen der Geschichte dar, die der massenhaften, serienmäßigen Vernichtung von Menschen dienten. Zur selben Zeit wurden in Pommern und den besetzten Gebieten Polens und der Sowjetunion ganze Heil- und Pflegeanstalten regelrecht leergemordet, meist um Platz für Unterkünfte und Lazarette zu schaffen. Nach dem Abbruch der ,Aktion T4‘ Ende August 1941 durch Hitler verlagerten sich die Tötungen von den Vernichtungszentren in die psychiatrischen Anstalten selbst, wobei sich erhebliche regionale Unterschiede in Abhängigkeit von örtlichen Gegebenheiten und individuellen Initiativen ergaben. Als weiterer Komplex ist die ‚Kindereuthanasie‘ zu nennen, organisiert vom ,Reichsausschuss zur wissenschaftlichen Erfassung erb- und anlagebedingter schwerer Leiden‘, mit der die Tötung unerwünschter Kinder dauerhaft in die öffentliche Jugendfürsorge integriert werden sollte. Der Vortrag bietet einen Überblick über die Geschichte der NS-Krankentötungen in Österreich, wobei auch der Umgang nach 1945 eine angemessene Berücksichtigung fndet.

 

 

 

 


The Holocaust Atlas of Lithuania

Coordinates of mass execution sites: Project presentation by the Vilna Gaon State Jewish Museum (Vilnius, Lituania) and Verein GEDENKDIENST (Vienna, Austria)

 

 

Day/Time: December 6, 2011, 7pm

Place: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

 

Speakers of the evening:
Milda Jakulytė-Vasil, Vilna Gaon State Jewish Museum
Werner Dreier, erinnern.at
Adalbert Wagner, Verein GEDENKDIENST

 

 

In between the World Wars approximately 240,000 Jews lived in Lithuania. During the Holocaust the Germans and their collaborators killed – mainly by shooting about 94 percent of the Lithuanian Jewish community. These mass killings were carried out place locally - in the neighborhoods, villages and towns inhabited by the victims.
The Holocaust Atlas addresses the need to collect, organize and present information about the mass murder of Jews in Lithuania in a single venue. It not only contains maps with precise geographical coordinates of each killing site but also historical facts about each site and a bibliography to assist further research. Where applicable, the Atlas also informs about monuments and memorials and their history.
The program for the evening will consist of a short lecture on the Holocaust Lithuania by Adalbert Wagner, head of Verein GEDENKDIENST, the presentation of the Atlas by Lithuania project coordinator Milda Jakulytė-Vasil followed by a discussion of its possible applications in the field of Holocaust education by Werner Dreier, head of erinnern.at. This event offers a rare chance to learn about the mass killings of Lithuanian Jews, hear about the experiences of the people involved in the project “The Holocaust Atlas of Lithuania” and further discuss the educational possibilities such a project holds.

 

Language: English (no translation offered)

 

 

 

 


Das System der NS-"Euthanasie"-Morde an ausländischen ZivilarbeiterInnen

Wann: 2. November 2011, 19 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion mit Mag. Markus Rachbauer

 

Der Vortrag beschäftigt sich mit dem System der NS-,Euthanasie‘-Morde an ausländischen ZivilarbeiterInnen – mit Schwerpunkt auf dem ‚Gau Oberdonau‘. Die Tötung von psychisch und (das Sterben lassen von) physisch kranken ausländischen ZivilarbeiterInnen ist ein Aspekt des nationalsozialistischen Massenmordes an den sogenannten ‚Ballastexistenzen‘ und ‚unnützen Essern‘. In ‚Oberdonau‘ wurden psychisch kranke ZivilarbeiterInnen in der Tötungsanstalt Schloss Hartheim und in der Heil- und Pflegeanstalt Niedernhart in Linz zu Opfern der ‚Euthanasie‘, in einem ZwangsarbeiterInnenlager in Linz (‚Durchgangslager 39‘) kamen hunderte physisch Kranke – offenbar aufgrund von Unterversorgung – zu Tode. Kinder von Zwangsarbeiterinnen starben an der mangelhaften Versorgung in ,fremdvölkischen Kinderheimen‘.

 

 

 


"Euthanasie". Geschichte und Erinnerung

Wann: 12. Oktober 2011, 19 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Podiumsdiskussion mit:

Dr. Wolfgang Neugebauer  (Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands), 

Univ.-Prof. Dr. Eberhard Gabriel (Otto-Wagner-Spital),

Mag. Florian Schwanninger  (Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim),

Mag. Alexander Zanesco (Stadt-archäologie Hall i.T.) [angefragt],

Dr.in Veronika Hofer  (MedUni Wien)


Diese Podiumsdiskussion zum Thema der NS-,Euthanasie‘, ihrer Aufarbeitung und Erinnerung in Österreich, soll Auftakt zum Geh Denken! Themenschwerpunkt NS-,Euthanasie‘ im Wintersemester 2011/12 sein. Personen aus verschiedenen Feldern – von Medizin bis hin zur pädagogischen Vermittlung – werden in dieser Podiumsdiskussion umreißen, wo noch offene Fragen in der historischen Forschung liegen, welche Verbrechen noch aufgearbeitet werden müssen und wie sich der Stand der Erinnerung an das ‚Euthanasie‘-Programm des ‚Dritten Reichs‘ in Österreich momentan gestaltet.

 

 

 


Zeitzeuginnengespräch mit Ceija Stojka

Wann: 8. Juni 2011, 19 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Zeitzeuginnengespräch mit Prof. Ceija Stojka

Moderation Andreas Peham, Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes

 

Die Schriftstellerin, Malerin und Musikerin Ceija Stojka wurde als Kind von den Nazis verfolgt, weil sie Romni ist. Ein Großteil ihrer Familie wurde ermordet, sie selber in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, danach in das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück und von dort nach Bergen-Belsen deportiert. Nach dem Krieg wohnte sie in Wien, in den 1980ern begann sie sich literarisch mit ihrer Verfolgungsgeschichte auseinanderzusetzen.

In einem moderierten Zeitzeuginnengespräch wird Ceija Stojka über ihre Erfahrungen und Erinnerungen sprechen, sowohl in den Jahren der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik als auch im Österreich der Nachkriegszeit.

 

 

 


Das Mädchenkonzentrations- und spätere Vernichtungslager Uckermark

Filmvorführung des Verein GEDENKDIENST gemeinsam mit den Referaten für Menschenrechte und Gesellschaftspolitik sowie für feministische Politik der ÖH Bundesvertretung

 

Das Mädchenkonzentrations- und spätere Vernichtungslager Uckermark“
Dokumentarfilm, D 2005/2006

Regie und Schnitt: Andrea Behrendt mit dem FrauenLesbenTransgender Baucamp 2005
und der Lagergemeinschaft Ravensbrück/ Freundeskreis e. V.

Wann: 12. Mai 2011, 19:30 Uhr
Wo: Hörsaal 2, NIG, Universitätsstraße 7, 1010 Wien

Das ehemalige Konzentrationslager Uckermark, das sich in unmittelbarer Nähe des Konzentrationslagers Ravensbrück befand, ist bis heute ein weitgehend unbekannter Ort. 1942 auf Weisung Heinrich Himmlers als „Jugendschutzlager“ für Mädchen* und junge Frauen* geplant und errichtet, wollte die SS hier vor allem als „Asozial“ oder „Kriminell“ kategorisierte Personen internieren. In Uckermark wurden Mädchen* und junge Frauen* wegen ihrer "sexuellen Verwahrlosung“, ihrem Widersetzen gegen nationalsozialistische Regeln und Normen oder ihrem widerständigen Engagement inhaftiert. Die Häftlinge des ehemaligen KZ Uckermark wurden – wie andere als „Asoziale“ oder „Kriminelle“ verfolgte Personen – nach der Befreiung meist nicht als NS-Opfer anerkannt. Ihre gesellschaftliche Ächtung setzte sich in anderer Form fort. Aus Angst vor erneuter Diskriminierung verschwiegen die Verfolgten häufig ihre Inhaftierung.

Dem Vergessen dieser Geschichte wollen sich die Filmarbeiten von Andrea Behrendt entgegensetzen, die im Rahmen des 60. Jahrestages der Befreiung und des FrauenLesbenTransgender Baucamps 2005 als Projekte begonnen wurden.

 

* Wir möchten mit * darauf hinweisen, dass diese Begriffe auf konkreten Geschlechtervorstellungen basierende Zuschreibungen sind. Wir sind der Meinung, dass Geschlecht auch in der Vergangenheit eine gemachte Kategorie war und als solche gekennzeichnet werden soll. Vor allem im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus sind Überschreitungen von Geschlechtergrenzen und nicht geschlechtskonformes Verhalten oft ein Grund für Ausgrenzung, Verfolgung und Gewalt gewesen.

 

 

 


Der Genozid an den österreichischen "Zigeunern"

Wann: 11. Mai 2011, 19 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion mit Univ. Doz. Dr. Florian Freund

 

Die Verfolgung der von den Nationalsozialisten als »Zigeuner« definierten Personengruppe radikalisierte sich nach dem so genannten »Anschluß« Österreichs im gesamten Deutschen Reich. Die Phasen des ersten Teiles des Vernichtungsprozesses - Definition, Registrierung, Konzentration - liefen in Österreich praktisch gleichzeitig ab. Der in weiterer Folge stattfindende Entscheidungsprozess über Deportation von Juden aus dem Gebiet Deutschlands ist eng verknüpft mit jenem, der die Deportation von »Zigeunern« vorbereitete. Der Vortrag soll u.a. auf diese Themenkomplexe eingehen sowie die Prozesse der Verfolgung und Vernichtung der so genannten »Zigeuner« im österreichischen Kontext beleuchten.

 

 

 


Rechtsextremismus heute – Auftreten, Organisationsformen und Selbstverständnis rechtsextremer Gruppen

Wann: 13. April 2011, 19 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion mit Christa Bauer und Wille Mernyi (MKÖ)

 

In der rechtsextremen Szene hat eine Identitätenmischung stattgefunden. Es ist nicht immer einfach zu erkennen, wer zur rechten Szene gehört. Die Kleidung wird "cooler" -- modische Accessoires und Mainstream-Produkte statt Schläger-Outfits. Christa Bauer und Willi Mernyi vom Mauthausen Komitee Österreich widmen sich in einer neuen Publikation mit diesen Entwicklungen: Das Buch "Rechtsextrem" bietet allgemeingültige Hintergründe zu rechtsextremen Jugendkulturen und liefert Informationen zu rechtsextremer Musik, Kleidung, Symbolen, zu Codes, Begriffen und Abkürzungen sowie rechtsextremen Organisationen und Bewegungen. Die beiden Autor_innen werden das Buch und die Arbeit des MKÖ vorstellen, abschließend wird es eine Diskussionsrunde geben.

 

 

 


Liebe Geschichte

Filmvorführung des Verein GEDENKDIENST gemeinsam mit den Referaten für Menschenrechte und Gesellschaftspolitik sowie für feministische Politik der ÖH Bundesvertretung

Liebe Geschichte
Dokumentarfilm, 98 MIN, A 2010,

Regie: Klub Zwei - Simone Bader und Jo Schmeiser, Bildgestaltung: Sophie Maintigneux, Schnitt: Karin Hammer, mit: Helge Hofbauer, Dietlinde Polach, Jeanette Toussain, Katrin Himmler, Patricia Reschenbach, Maria Pohn-Weidinger und Lenka Reschenbach

Wann: 12. April 2011, 19:30 Uhr
Wo: Filmhauskino, Spittelberggasse 3, 1070 Wien

"Liebe Geschichte" ist ein Film über die Nachwirkungen des Nationalsozialismus und der Shoah im Leben der weiblichen Nachkommen von Täter_innen und Mitläufer_innen. Wie gehen Frauen in Österreich und Deutschland mit der Rolle ihrer Familie im Nationalsozialismus um? Was tun sie mit dem Wissen um deren Beteiligung an der Vernichtung der Juden und Jüdinnen? Wie setzen sie sich heute als Frauen und Feministinnen zu ihrer Familiengeschichte in Bezug? Welche 'historischen' Prägungen können sie an sich selbst beobachten - in ihren Beziehungen, in der Liebe und Sexualität, in ihrem politischen Engagement?

Um eine Karte zu bekommen, schreibt bitte eine Mail an mere(at)oeh.ac.at . Ihr bekommt dann eine Bestätigungsmail, welche eure Kartenreservierung bestätigt. Die Anmeldung ist verbindlich, der Eintritt gratis.

 

 

 


Die soziale Lage der Roma und Sinti in Österreich vor und nach dem Zweiten Weltkrieg und ihre Quellen

Wann: 9. März 2011, 19 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion mit Dr. Mag. Gerhard Baumgartner

 

Der Vortrag soll die soziale Lage der Roma und Sinti im Burgenland vor dem so genannten »Anschluß« sowie die Veränderung dieser Lage durch die Vernichtungs- und Verfolgungspolitik der Nationalsozialisten behandeln. Auch soll der Vortrag auf die Frage eingehen, mit welcher Situation und welchen Veränderungen sich die Gruppe der Roma und Sinti in Österreich nach dem Ende des Krieges und der Befreiung durch die Alliierten konfrontiert sah. Besondere Aufmerksamkeit wird auch den Quellen zu diesem Thema zukommen: Von den Berichten der Polizei und Fürsorge bis hin zu den fotographischen Quellen.

 

 

 


Argumentationstraining gegen Stammtischparolen




"Alle Schwarzen sind Drogendealer!"

"Frau am Steuer: Ungeheuer!"

"Wir brauchen wieder einen starken Mann!"

 

Wer kennt solche Sprüche und Parolen nicht? Sie werden vorwiegend (aber nicht nur) am Stammtisch geäußert. Was ist ihnen entgegenzusetzen? Wieso fallen uns die besten Argumente meistens erst hinterher ein?

 

Das Argumentationstraining gegen Stammtischparolen sucht Antworten auf Stammtischparolen und bietet einen Übungsraum für Gegenstrategien und Redegewandtheit.

 

 

Die 2tägige Trainer_innenausbildung wird vom Verein Gedenkdienst in Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung  angeboten und findet am 28.02.2011 und 01.03.2011 von 9:00 bis 17:00 in den Räumlichkeiten des Verein Gedenkdienst statt.

 

Maximale Teilnehmer_innenanzahl: 20 Personen

 

Anmeldeschluß: 10.02.2011

Bei der Anmeldung bitte vollen Namen und Postanschrift nennen.

 

ANMELDUNG bei Linda Erker

 

In Zusammenarbeit mit: www.politischebildung.at

 

 


Die "Pädagogisierung" der Erinnerung?


Wann: 31. Jänner 2011, 19 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Geh Denken!-Spezial:

 

Diskussionsveranstaltung mit Heidemarie Uhl (Österr. Akademie der Wissenschaften),

Nora Sternfeld (Büro trafo.K),

Florian Wenninger (Universität Wien),

Till Hilmar (GEDENKDIENST).

 

Die Veranstaltung ist zugleich die Buchpräsentation des neuen GEDENKDIENST-Sammelbandes: Hilmar, Till (Hg.): Ort, Subjekt, Verbrechen. Koordinaten historisch-politischer Bildungsarbeit zum Nationalsozialismus, Wien: Czernin 2010.

 

Zum Inhaltsverzeichnis des Buches

 

Vor 66 Jahren wurde Auschwitz befreit. Heute ist der Ort ein Ort des Gedenkens, des Tourismus und ein Ort, an dem „gelernt“ werden soll. Das „Lehren der Vergangenheit“ entwickelt sich zunehmend zur Fachdisziplin, die viele Fehler des Schulunterrichts auf diesem Gebiet aufdeckt. Muss aber die Vergangenheit erst didaktisch aufbereitet werden, um zugänglich zu sein? Inwiefern kann Pädagogik hier eine individuelle Auseinandersetzung mit Geschichte fördern, inwiefern wird sie zur Selbstläufer_in?

 

 

 

 


Erfahrungen im Gedenkdienst

Anmerkungen zur überfälligen Diskussion um Qualitätssicherung und -entwicklung am Einsatzort KZ-Gedenkstätte.

 

Wann: 12. Jänner 2011, 19 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion mit Doreen Cerny (Erziehungswissenschafterin, Salzburg)

 

Gedenkdienst an KZ-Gedenkstätten setzt bei einem zentralen gesellschaftlichen Phänomen an: Der Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Geschichte, mit den Fragen zum Umgang mit der Vergangenheit und zugleich dem politischen Bewusstsein für Gegenwart und Zukunft in einem gemeinnützigen Zusammenhang. Im Vortrag wird eine Studie vorgestellt, in der Gedenkdiener(_innen) zu ihren Motiven für dieses Engagement und deren Erfahrungen vor Ort untersucht wurden. Es ergaben sich Erkenntnisse, die die Frage nach dem Potenzial als auch den Grenzen des Lernfelds KZ-Gedenkstätte und damit nach Perspektiven für biographisch relevante Bildungsprozesse eröffnen.

 

 


NS-Täter im Film. Ein Perspektivenbouquet

Wann: 1. Dezember 2010, 19 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

mit:

Drehli Robnik, Filmwissenschafter, Wien

Nora Sternfeld, Geschichts- und Kunstvermittlerin, Wien

Renée Winter, Historikerin, Wien

Christian Cargnelli, Filmwissenschafter, Wien

 

Im Zentrum der filmischen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in den Nachfolgestaaten des Dritten Reiches standen seit 1945 Opfer und WiderstandskämpferInnen. Auch das US-amerikanische kommerzielle Kino setzte bis zur Verfilmung von Bernhard Schlinks "Vorleser" vor allem auf Publikumssympathie für Verfolgte. Wer beschäftigte sich filmisch mit TäterInnen? Welche Trends und Stereotypen, aber auch welche Unterschiedlichkeitensind feststellbar? Vier WissenschafterInnen präsentieren einander und dem Publikum einschlägige Filmsequenzen.

 

 


Erzwungene Emigration. Jüdische Lebensgeschichten zwischen Österreich und Argentinien

Wann: 10. November 2010, 19 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Buchpräsentation mit Philipp Mettauer (Historiker, Wien)

 

 Anhand von Interviews mit ÖsterreicherInnen, die während der NS-Zeit vertrieben worden waren stellt Mettauer die individuellen Erfahrungen der Emigration nach Argentinien dar, gewissermaßen den »Alltag des Exils«. Schwerpunkte der präsentierten Untersuchung sind neben der Sozialisation der interviewten Personen in Österreich und dem Leben bis zum »Anschluss«die Beraubung und Vertreibung, die Emigrationsvorbereitungen, die Flucht sowie schließlich die Ankunft und Akkulturation in Argentinien. Ein weiterer Fokus beinhaltet die nicht erfolgte Remigration. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage nach der persönlichen Identität durch die Lebensgeschichten, die unweigerlich in der einen oder anderen Form mit dem Herkunftsland Österreich verbunden sind.

 

 

 

 


Muhammed Amin al-Husayni, der Großmufti von Jerusalem

Wann: 13. Oktober 2010, 19 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion mit Johannes Breit (Regisseur und Historiker)

 

Als einer der bekanntesten und meist umstrittenen außereuropäischen Kollaborateure des Dritten Reiches, wurde der Muhammed Amin al-Husayni, besser bekannt als der Großmufti von Jerusalem, in den letzten Jahren immer mehr zum Objekt der historischen Forschung. Trotz dieses erhöhten Interesses scheinen viele Details und Interpretationen noch umstritten oder unklar: Welchen Wert hatte al-Husayni für die Nazis? Dirigierte er wirklich von Deutschland aus den arabischen Nationalismus? Wie viel wusste der Mufti von der Vernichtung der Juden, beteiligte er sich und wie weit ging seine Beteiligung? Auf diese und einige andere Fragen möchte ich in meinem Vortrag eingehen und hoffe, einige klärende Details präsentieren zu können

 

 

 


ZeitzeugInnengespräche an Schulen

Seit über 17 Jahren organisiert das London Jewish Cultural Centre ZeitzeugInnengespräche von Holocaustüberlebenden an Schulen, Universitäten und anderen Institutionen, um deren Erlebnisse an jüngere Generationen weiterzugeben. Jährlich hören dadurch – sozusagen aus „erster Hand“ - mehr als 15.000 Jugendliche in England die Berichte der Holocaust-Überlebenden.

 

Unsere langjährigen Erfahrungen haben gezeigt, wie wichtig für SchülerInnen der Kontakt mit Zeitzeugen ist, nicht nur im Sinne eines fundierten Geschichtsunterrichtes, sondern auch um Antisemitismus und Rassismus vorzubeugen.

 

Am 16. und 17. Juni 2010 werden vier Holocaustüberlebende, die heute in England leben, an Wiener Schulen Vorträge halten. 

 

Finanziert wird das Projekt vom österreichischen Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, sodass für Ihre Schule keine Kosten anfallen werden.

 

Anmelden können sich die Schulen im Büro des Verein GEDENKDIENST per mail oder Telefon.

 

 

 


Der Krieg im Volkskörper. Zwangssterilisationen in Wien 1940-1945

Wann: 9. Juni 2010, 19 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion mit Claudia Spring, Historikerin

Einleitende Worte von Monika Löscher, Historikerin

 

Auf Basis des nationalsozialistischen "Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" wurden zwischen 1934 und 1945 schätzungsweise 400.000 Menschen zwangssterilisert, davon mindestens 6.000 in der "Ostmark" und 1.200 in Wien. In ihrem 2009 erschienenen Buch beschreibt Claudia Spring den medizinisch-wissenschaftlichen Kontext dieser Verbrechen sowie deren Institutionen und Akteure. Wie vollzog sich der Übergang von der Sozialpolitik der Zwischenkriegszeit zur NS-Selektionspolitik? Welche Maßnahmen dienten der Verfolgung von als "minderwertig" kategorisierten Menschen und welche Möglichkeiten hatten die betroffenen Frauen und Männer, sich dagegen zur Wehr zu setzen? Der Vortrag beleuchtet dabei nicht nur die NS-Zeit, sondern auch den Umgang mit den Opfern und Tätern in der Zweiten Republik.

 

Weitere Infos zur Thematik finden sich unter: www.plattform-eugenik.at

 

 

 


Geschichte und öffentlicher Raum. Die Politik der Wiener Straßenbenennungen

Wann: 12. Mai 2010, 19 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion mit Birgit Nemec, Historikerin

 

In ganz Wien existieren zahlreiche Initiativen zur Umbenennung von Straßen und Plätzen, von der Arnezhofer Gasse über den Dr.-Karl-Lueger-Ring bis zur Anschlußgasse. So engagiert und scheinbar gut vernetzt die ProponentInnen der Umbenennung auch sein mögen - etwa die Universität Wien - so erfolglos war ihr Unterfangen bisher. Von den politisch Verantwortlichen sind stets dieselben Argumente zu hören: Zu teuer, mit zuviel Aufwand für die AnrainerInnen verbunden und obendrein ob des "denkmalstürmenden Charakters" abzulehnen. War das immer so? Unter welchen Bedingungen erfolgten in den letzten hundert Jahren nach Maßgabe welcher Kriterien tatsächlich Umbenennungen? Und welche gesellschaftlichen und politischen Akzente wurden dabei jeweils eingeschrieben?

 

 

 


„Eine unerhörte Diskriminierung“? Zu Geschichte und rechtlicher Bedeutung der Habsburger-Gesetze

Wann: 14. April 2010, 19 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion mit mit Ilse Reiter-Zatloukal (Juristin, Institut für Rechtsgeschichte, Universität Wien) und Ronald Faber (Jurist, Verfassungsdienst des Bundeskanzleramtes)

 

Im Zuge des aktuellen Präsidentschaftswahlkampfes wurde einmal mehr die Frage nach der Zeitmäßigkeit der Habsburger-Gesetze aufgeworfen. Kurzfristig schien über alle Parteigrenzen hinweg Einigkeit über die notwendige Streichung des entsprechenden Passus zu herrschen, doch inzwischen formiert sich Widerstand. Wir möchten uns inmitten des großen Getöses Zeit nehmen, uns in Ruhe mit dem die Habsburger betreffenden Gesetzeskomplex auseinander zu setzen. Fragen nach historischem Kontext und juristischem Gehalt beantworten zwei ausgewiesene ExpertInnen der Materie. Die daraus resultierenden politischen Schlussfolgerungen müssen wir selbst ziehen.

 

 

 


Die Jüdischnationale Partei in Österreich 1906-1938

Wann: 10. März 2010, 19Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion

Dieter J. Hecht, Historiker und Herausgeber

Bei den ersten Wahlen in der Republik im Jahr 1919 erzielte die Jüdischnationale Partei unter ihrem Parteiobmann Robert Stricker ein Mandat im österreichischen Nationalrat und drei Mandate im Wiener Gemeinderat. In den folgenden Jahren entfaltete die Partei enorme Aktivitäten. Im Mittelpunkt jüdischnationaler Politik standen die Forderungen nach Gleichberechtigung der Juden und ihrer Anerkennung als Nation sowie die Schaffung eines Judenstaates in Palästina/Eretz Israel. 90 Jahre danach liegt nun eine Publikation über die Jüdischnationale Partei vor, die erstmals eine Gesamtdarstellung ihrer Geschichte in Österreich bietet. Die Ergebnisse der umfangreichen wissenschaftlichen Forschungen dieses Bandes gehen über konkrete jüdischnationale Politik hinaus und machen einen lange ignorierten Teil jüdischer Lebensentwürfe sichtbar.

 


Die Übernahme des Manfred-Weiss-Konzerns und die paradoxe Deutschlandpolitik Salazars

Wann: Mittwoch, 14. Oktober 2009, 19 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion mit António Louçã, Historiker, Lissabon

 

Um sich vom traditionellen Bündnispartner, dem übermächtigen Großbritannien zu emanzipieren, näherte sich die Salazar-Diktatur ab Mitte der 1930er dem Dritten Reich an. Das letzte Kapitel dieser außenpolitischen Ära bildete die stillschweigende Unterstützung der portugiesischen Behörden, als sich die SS während der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung Ungarns den Manfred-Weiss-Konzern aneignete, im Gegenzug aber die Familie der jüdischen EigentümerInnen mit falschen Papieren ins neutrale Portugal ausreisen ließ.

 

HINWEIS: Der Vortrag findet im Rahmen der Präsentation der aktuellen Ausgabe der „Theresienstädter Studien und Dokumente“ (TSD) durch die Mitherausgeberin Anna Hájková statt. Gedenkdienstleistende arbeiten seit 2003 an diesem Projekt mit.

 

 

 

 

 


Holocausterinnerung in Ungarn - zwischen Tabuisierung, Opferkonkurrenz und Aufarbeitung

Wann: Mittwoch, 11. November 2009, 19 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion mit Regina Fritz, Historikerin, Wien-Budapest

 

Ungarn muss sich gleich mit drei verschiedenen „rechtsdiktatorischen Vergangenheiten“ auseinandersetzen – mit der autoritär-konservativen Regierung unter Miklós Horthy, den faschistischen Pfeilkreuzlern unter Ferenc Szálasi und mit der Okkupation durch das Dritte Reich. Dies führte seit 1945 zu zahlreichen vergangenheitspolitischen Debatten, wobei die Erinnerung an den Holocaust und das Horthy-Regime nach einer kurzen demokratischen Übergangsphase (1945-1948) durch eine neuerliche Diktaturerfahrung in Form des Kommunismus gebrochen wurde. Die zusätzliche Komplexität, die das Thema Holocaust dadurch erfuhr, schlägt sich heute in der Konkurrenz von Erinnerungen und miteinander verwobenen Täter- und Opferdiskursen nieder.

 

 

 

 

 


NachRichten aus der Vergangenheit?

Wann: Mittwoch, 9. Dezember 2009, 19 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion mit Fritz Hausjell (Kommunikationswissenschafter, wissenschaftlicher Leiter) und Sandra Paweronschitz (Chefredakteurin)

 

Die Kontroversen um das Projekt NachRichten/Zeitungszeugen
Zum Gedenkjahr 2008 startete in Österreich das Projekt NachRichten. Dabei wurden Original-Zeitungen aus der Zeit zwischen 1938 und 1945 nachgedruckt und mit Erläuterungen versehen. Ziel war, den "Nachgeborenen" zu vermitteln, mit welchem publizistischen Umfeld die Menschen im Dritten Reich konfrontiert waren und dieses kritisch zu hinterfragen. In Österreich verlief das Projekt erfolgreich und löste keine größeren Diskussionen aus. 2009 wollte das Herausgeberteam dieses Modell mit der Publikation "Zeitungszeugen" auch in Deutschland umsetzen und sorgte für einen veritablen öffentlichen Skandal. Es folgte eine hitzige Diskussion, ob das Projekt NS-Propaganda verbreite und ob Missbrauchsgefahr bestehe.

 

 

 

 

 

 


„Warum werden wir heute geschliffen?“ - Die NAPOLAS in Österreich 1938-45

Wann: Mittwoch, 13. Jänner 2010, 19 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion mit Sebastian Pumberger, Historiker und Journalist, Wien

 

Wie im Deutschen Reich ab 1933 wurden in Österreich zwischen 1938 und 1945 Nationalpolitische Erziehungsanstalten (Napolas) errichtet. Drill, vormilitärische Übungen und ein straffer Anstaltsalltag kennzeichneten diese „Ausleseschulen“, deren Einrichtung eng verknüpft war mit der antiklerikalen NS-Politik, die schließlich Kirche und Orden aus dem Bildungswesen, zum Teil auch aus den Klöstern verdrängte. Insgesamt wurden in Österreich neun Napolas errichtet, in denen im Jahr 1942 etwa 1200 SchülerInnen erzogen wurden. Zu den Zöglingen gehörten mehrere Prominente der Zweiten Republik.

 

 

 

 

 

 


Der Staat im Bett: Kontrolle von Sexualität und Fruchtbarkeit im Nationalsozialismus. Vorgeschichte, Praxis, Folgen

Wann: Mittwoch, 10. Juni 2009, 19 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion mit Christian Fiala und Susanne Krejsa vom Museum

 

Die Bevölkerungspolitik des Dritten Reiches war auf eine „rassische Aufwertung des Volkskörpers“ angelegt: Etwa ein Viertel der ReichsbürgerInnen galt den NS-Machthabern als „minderwertig“ und sollte sich möglichst nicht fortpflanzen. Die als wertvolles Menschenmaterial Klassifizierten wurden dagegen durch eine Reihe von Vergünstigungen, aber auch durch die strenge Ahndung von Verhütung und Schwangerschaftsabbrüchen dazu angehalten, die germanische Kopfzahl zu erhöhen. Der Vortrag behandelt den gesellschaftlichen, historischen und medizinischen Kontext dieser Politik ebenso wie ihre Langzeitfolgen.für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch.

 

HINWEIS: Als Follow-Up zur Diskussion findet am Mittwoch, dem 17. Juni eine Führung durch das Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch statt. Nähere Informationen und Anmeldung unter office@Gedenkdienst.at oder unter 01-581 04 90.

 

 

 

 

 


Weiter leben. Der Holocaust und die Israelische Gesellschaft

Wann: Mittwoch, 13. Mai 2009, 19 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Leider muss die Veranstaltung verschoben werden. Wir werden sie im Herbst nachholen.

 

Vortrag und Diskussion mit Doron Rabinovici (Autor und Historiker)

 

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, bis weit hinein in die 1950er Jahre war die Geschichte des NS-Massenmordes in Israel öffentlich kaum Thema. Auch die Gründung der nationalen Gedenkstätte Yad Vashem 1953 änderte daran zunächst wenig, fokussierte sie zunächst doch vor allem auf den Aspekt des Widerstandes und weniger auf den Genozid als solchen. Wandlungen und Brüche in der Erinnerung waren in den folgenden Jahrzehnten untrennbar verknüpft mit aktuellen Ereignissen.

 

 

 

 

 


Annäherungen an das Unfassbare

Das Vermittlungskonzept der Gedenkstätte Mauthausen

 

Wann: Mittwoch, 11. März 2009, 19 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Vortrag und Diskussion mit Yariv Lapid (KZ-Gedenkstätte Mauthausen)

 

Hunderte Schulklassen besuchen jährlich die KZ-Gedenkstätte Mauthausen. Über die Sinnhaftigkeit dieses Unterfangens gibt es geteilte Meinungen, da Gedenkstätten keine „antifaschistischen Durchlauferhitzer“ (Günther Morsch) sind, keine „Besserungsanstalt“, deren Besuch automatisch Empathie für den Holocaust garantiert. Für eine sinnvolle und angemessene Auseinandersetzung mit der Thematik an Gedenkstätten bedarf es schlüssiger und abgestimmter Vermittlungskonzepte, die in Mauthausen bislang fehlten.

 

Der Vortrag beschäftigt sich mit der Geschichte der Gedenkstätte und den Herausforderungen der Erarbeitung eines umfassenden Vermittlungskonzeptes.

 

Yariv Lapid ist Historiker und Leiter der Vermittlung an der Gedenkstätte Mauthausen.

 

 

 

 


Ikone der Rechten: Das Phänomen HC Strache

Wann: Mittwoch, 08. April 2009, 19:30 Uhr

Wo: Café 7*Stern, Siebensterngasse 31, 1070 Wien

 

Buchvorstellung und Diskussion mit Nina Horaczek und Claudia Reiterer

 

Bei den letzten Nationalratswahlen hat die FPÖ mit einer aggressiv-kulturkämpferischen Linie, kombiniert mit Sozialthemen knapp 20 Prozent der österreichischen WählerInnen für sich gewonnen. Die Journalistinnen Nina Horaczek und Daniela Reiterer haben in ihrem neuen Buch "HC Strache. Sein Aufstieg, seine Hintermänner, seine Feinde" (Ueberreuter) Hintergründe dieses Wahlsieges beleuchtet und sich auf die Suche nach dem Kontext des FP-Frontmannes HC Strache gemacht: Wie wurde er sozialisiert, an wem orientiert(e) er sich inhaltlich, wie reorganisierte sich die FPÖ nach der Abspaltung des BZÖs und wie wirkt sich der Tod seines Mentors und schärfsten Konkurrenten Jörg Haider auf das Dritte Lager aus?

 

 

 

 


1938. Auftakt der Shoah in Österreich. Orte – Bilder – Erinnerungen

Vortrag und Diskussion mit Dieter J. Hecht

 

Wann: Mittwoch, 14. Januar 2009, 19 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Der Vortrag basiert auf dem Projekt „1938. Auftakt der Shoah in Österreich. Orte – Bilder- Erinnerungen“, welches die Erfahrungen der jüdischen ÖsterreicherInnen vom „Anschluss“ im März bis zum Ende des Jahre 1938 nachzeichnet.

 

Der „Anschluss“ Österreichs im März 1938 hatte eine Radikalisierung der nationalsozialistischen Verfolgungspolitik gegen die jüdische Bevölkerung im gesamten Deutschen Reich zur Folge. Auf die Misshandlungen und Demütigungsrituale sowie die Plünderungen und die Verhaftungen des „Anschluss“-Pogroms folgten die rasche wirtschaftliche, berufliche und gesellschaftliche Ausgrenzung durch „Arisierungen“, Berufsverbote, die Einschränkung der Bildungsmöglichkeiten und unzählige behördlich verordnete Beschränkungen. Das Novemberpogrom bildete den vorläufigen Höhepunkt der NS-Verfolgungspolitik. Das Projekt wählt bewusst die Perspektive der jüdischen Verfolgten. Nach 1945 fand die Erinnerung an die mehr als 65.000 österreichischen Opfer der Shoah lange Zeit kaum Eingang in das österreichische Geschichtsbewusstsein: Denn die Zweite Republik stellte sich selbst als „erstes Opfer“ des Nationalsozialismus dar. Den Jüdinnen und Juden, die durch das NS-Regime verfolgt, vertrieben und ermordet wurden, eine Stimme zu geben, dem Gedächtnis an die Opfer der Shoah im Gedenkjahr 2008 Präsenz zu verleihen, ist ein Ziel dieses Projektes.

 

Dieter J. Hecht, Historiker und Mitarbeiter der Kommission für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

 

 

 

 


„Der größte Lump im ganzen Land ist und bleibt der Denunziant“ – Denunziation im Nationalsozialismus

Vortrag und Diskussion mit Heimo Halbrainer

 

Wann: Mittwoch, 10. Dezember 2008, 19 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Der Vortrag geht neben der Beschäftigung mit den Denunzianten und ihren Motiven sowie den Auswirkungen der Denunziation der Frage nach, was nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft mit den Denunzianten geschah.

 

„Der größte Lump im ganzen Land ist und bleibt der Denunziant“ – das wusste schon Hoffmann von Fallersleben, als er diesen Satz Mitte des 19. Jahrhunderts niederschrieb. Seit damals hat sich der üble Beigeschmack, der dem Denunzianten anhaftet, nicht geändert. Selbst zur Zeit des Nationalsozialismus galt die Denunziation – ein in allen politischen Systemen auftretendes Alltagsverhalten, das zumeist von privaten Motiven dominiert wird – als unehrenhaft. Dennoch war sie ein wichtiger Bestandteil der nationalsozialistischen Herrschaft. Erst durch Denunzianten konnte ein Großteil des abweichenden Verhaltens der Bevölkerung verfolgt werden. Obwohl viele der vorgeblich aus „Pflichtbewusstsein“ heraus erstatteten Anzeigen verwerfliche Motive hatten, war das nationalsozialistische System auf Anzeigen aus der Bevölkerung angewiesen, um das Private öffentlich zu machen.

 

Heimo Halbrainer, Historiker und Leiter von CLIO Graz – Verein für Geschichts- und Bildungsarbeit

 

 

 

 

 


Das Novemberpogrom 1938 in Zeugenberichten von Überlebenden des Holocaust

Vortrag und Diskussion mit Veronika Zangl

 

Wann: Mittwoch, 12. November 2008, 19 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Der Vortrag widmet sich der Frage, in welcher Weise und ab wann die Novemberpogrome in Zeugenberichten von Überlebenden des Holocaust erzählt werden und ab wann den Novemberpogromen auch im öffentlichen Raum Aufmerksamkeit zukommt.

 

Obwohl die so genannte Kristallnacht in Geschichtswerken zur Vernichtung der europäischen Juden und Jüdinnen einen fixen Platz einnimmt, wird sie zumeist als eine Art „Vorspiel“ der Vernichtung interpretiert. In diesem Sinne mag es nicht verwundern, dass etwa in Zeugenberichten von deutschen EmigrantInnen in die Niederlande, die vom NIOD (Niederländisches Institut für Kriegsdokumentation) in den Jahren 1945 bis etwa 1950 protokolliert wurden, zwar hin und wieder die Flucht aus Deutschland mit 1938 angeführt wird, allerdings wird nur in einem einzigen Bericht die Kristallnacht erwähnt. In frühen Publikationen von Überlebenden des Holocaust beginnt der Bericht zumeist unmittelbar mit der Deportation und endet mit der Befreiung. Erst ab den 1960er-Jahren weichen Zeugenberichte von dieser Struktur ab, wodurch auch die Zeit der Verfolgung Raum erhält.

 

Veronika Zangl, Studium der Deutschen Philologie und Theaterwissenschaft in Wien. 2004 Dissertation „Poetik nach dem Holocaust“. Seit 2005/06 Forschungen zu frühen Zeugenberichten des Holocaust am Netherlands Institute for War Documentation. Seit 2006 Lehrbeauftragte am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft sowie am Institut für Germanistik der Universität Wien.

 

 

 

 


Gedenken 2008: ein Rück- und Ausblick

Podiumsgespräch mit Heidemarie Uhl

Gesprächsleitung: Susanne Üblackner (Verein GEDENKDIENST)

 

Wann: Montag, 6. Oktober 2008, 19 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Das Gedenkjahr 2008 neigt sich dem Ende zu: Im Gespräch mit der Zeithistorikerin Heidemarie Uhl von der Akademie der Wissenschaften wird das Gedenkjahr nochmals nachgezeichnet und die zentrale Frage gestellt: Welchen nachhaltigen Einfluss wird das Jahr 2008 auf die Österreichische Gesellschaft nehmen?

 

Die Gedenkfeiern gingen im März und April mehr oder weniger routiniert über die Bühne. 70 Jahre "Anschluss" Österreichs an Hitlerdeutschland wurden ebenso durch offizielle Veranstaltungen erinnert wie 75 Jahre Parlamentsausschaltung durch Dollfuß. Wie das Gedenkjahr 1988 im Schatten der Affäre Waldheim bewies, verrät der Umgang mit Geschichte nicht nur viel über die Vergangenheit, sondern auch einiges über die Gegenwart. Mit welchen Geschichtsbildern operieren die vergangenheitspolitischen AkteurInnen? Welche Strategien in der Interpretation von Geschichte verfolgen sie? Und welche Zukunft, welche Gesellschaftsmodelle versuchen sie über diesen Rückgriff auf die Vergangenheit zu gestalten?

 

Heidemarie Uhl, Studium der Geschichte und Germanistik an der Universität Graz. Historikerin an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (Kommission für Kulturwissenschaften)

 

 

 


Letzte Chance? Zum Umgang der österreichischen Justiz mit NS-KriegsverbrecherInnen

Podiumsgespräch mit Dr. Oliver Scheiber (Justizministerium) und Dr. Winfried Garscha (DÖW/Forschungsstelle Nachkriegsjustiz). Moderation: Florian Wenninger (Verein GEDENKDIENST)

 

Wann: Mittwoch, 11. Juni 2008, 18.30 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

2007 setzt das Justizministerium Prämien für Hinweise auf den verbleib mehrer NS-TäterInnen aus. Sofern sie noch leben, sind diese heute weit jenseits der 90 Jahre alt. Wie erklärt sich dieser Wandel im Verhalten der österreichischen Justiz?

 

Welche Strategien der Auseinandersetzung verfolgt sie? Welche Sinnhaftigkeit steckt dahinter, alte Menschen mit ihrer Vergangenheit zu konfrontieren? Und welche Schlüsse kann die österreichische Gesellschaft aus der Befassung mit ihrer Täterrolle ziehen?

 

Dr. Oliver Scheiber ist Ministersekretär für Strafrecht, Menschenrechte und Fortbildung. Dr. Winfried Garscha arbeitet im Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands und ist wissenschaftlicher Ko-Leiter der Zentrale österreichische Forschungsstelle Nachkriegsjustiz.

 

 

 


Marzabotto: Ein Massaker im italienischen Gedächtnis.

Vortrag und Diskussion mit Marzia Gigli

 

Wann: Mittwoch, 12. März 2008 - 18:30 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Spätestens seit dem Reder-Handschlag 1985 ist Marzabotto in Österreich ein Begriff: Am 1. Oktober 1944 richtet dort die SS-Panzergrenadierdivision „Reichsführer SS“ ein Massaker unter der örtlichen Bevölkerung an und tötet hunderte Menschen, darunter einen Großteil Kinder. Von 2006 bis 2007 werden zehn ehemalige deutsche und österreichische Soldaten zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Ein symbolischer Akt, denn sie werden nicht ausgeliefert...

 

Marzia Gigli berichtet zur Verortung Marzabottos im italienischen Gedächtnis. Sie forscht zu Vergangenheitspolitik und Konstruktion öffentlicher Erinnerung in der Region. In ihrem Vortrag beschäftigt sie sich mit den widerstrebenden Effekten auf das private Gedächtnis, den Konflikten zwischen individueller und öffentlicher Erinnerung, dem Widerspruch zwischen dem Wunsch, um die Opfer privat zu trauern und dem Bedürfnis, die Opfer des Massakers in eine nationale Form der Gedenkkultur überzuführen.

 

Marzia Gigli ist Historikerin und Leiterin der Abteilung für historische Bildung der Peace School in Monte Sole (Marzabotto). www.montesole.org

 

 

 


(K)ein Bild? Das Image Österreichs in Israel

Vortrag und Diskussion mit Michal Levertov

 

Wann: Mittwoch, 9. April 2008 - 19:00 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

„Die Deutschen waren exzellente Nazis, aber schlechte Antisemiten. Die Österreicher waren schlechte Nazis, aber exzellente Antisemiten“ (ein österreichischer Überlebender des Holocaust in einem Interview mit der Londoner Times“)

 

In einem Land, auf dem der Schatten des Holocaust liegt, beurteilen die meisten Israelis andere Nationen zumeist über deren Verhalten während des Zweiten Weltkriegs. Eine interessante Ausnahme ist Österreich. Die israelische Haltung zu Österreich liegt irgendwo zwischen Nichtbeachtung und leichter Abneigung – der Name Waldheims fällt des öfteren oder man besinnt sich der zuckersüßen Erinnerung namens „The Sound of Music“. Nicht einmal annähernd ist das Bild Österreichs in Israel so emotional besetzt wie der Blick auf Deutschland.

Aber warum? Wie kann ein Land, das einst eine so wichtige Rolle in der jüdischen Geschichte spielte, das Heimat berühmter jüdischer KünstlerInnen, DenkerInnen und Visionäre war und einen tiefgreifenden Einfluss auf den Zionismus nahm, im heutigen Israel beinahe ignoriert werden?

 

Diesen Fragen widmet sich Michal Levertov. Sie ist Medienberaterin sowie Journalistin in Israel. Sie schrieb für Haaretz und war Kolumnistin für die Website des Time Magazine. Derzeit arbeitet sie als Kolumnistin und Autorin für das British Jewish Chronicle und lebt in Tel Aviv.

 

 

 


Warum normale Menschen morden. Täter und Täterinnen im Nationalsozialismus

Vortrag und Diskussion mit Michaela Christ

 

Wann: Mittwoch, 14. Mai 2008 - 19:00 Uhr

Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

 

Millionen Menschen wurden während des Nationalsozialismus ermordet. Inzwischen geht man in der TäterInnenforschung davon aus, dass die TäterInnen im Nationalsozialismus weitgehend freiwillig töteten. Wenn diese Männer und Frauen weder durchweg radikale Antisemiten noch krankhafte Sadistinnen waren, wenn sich kein Befehlsnotstand feststellen lässt, also bei einer Weigerung sich am Morden zu beteiligen, keine Gefahr für eigenes Leib und Leben bestanden hat, wenn diese Männer und Frauen „ganz normal“ waren, warum haben sie dann jüdische Männer, Frauen und Kinder und andere Unliebsame getötet? Warum haben sie sich, ohne für uns heute nachvollziehbare Not, für die Gewalt, für das Morden entschieden?

 

Die Soziologin Michaela Christ geht diesen Fragen anhand von ZeitzeugInnenberichten überlebender Opfer und Selbstzeugnissen der TäterInnen nach und gibt Einblick in die aktuelle Diskussion über die unterschiedlichen Handlungsmotivationen der TäterInnen.

 

Michaela Christ promoviert am Essener Institut for Interdisciplinary Memory Research/ Kulturwissenschaftliches Institut über den Holocaust in der Ukraine und hat an Harald Welzers Studie „Täter. Wie aus ganz normalen Männern Massenmörder werden“ mitgearbeitet. (www.kwi-nrw.de)