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Ausgabe 4/01


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Telegramm

Far from the Frontpage

 

Far from the Frontpage„And then there was failure…“. So lauten die (selbst-)kritischen Worte des ehemaligen Chefredakteurs der „New York Times“ Max Frankel. In einer Sonderausgabe vom 14. November anläßlich des 150-jährigen Jubiläums ebenjener renommierten New Yorker Tageszeitung gab er in seinem Artikel „Turning Away From the Holocaust“ zu, daß die Berichterstattung von 1939 bis 1945 über den Holocaust weit genauer hätte sein können. Die meisten Berichte und Meldungen, welche dieses Thema behandelten, wurden fern von den ersten Seiten („kleingedruckt“) veröffentlicht.

Während andere Zeitungen und Magazine wie zum Beispiel „The Post“ oder „The New Republic“ größere Beunruhigung zeigten, wurde das Thema „JüdInnen als ,Hitler‘s unique target for total annihilation’“ nur sechs Mal in sechs Jahren auf der ersten Seite behandelt, und gar nur einmal wurde in einem Leitartikel über deren Schicksal gesprochen.Es gibt keinen schlüssigen Bericht darüber, auf welche Weise die damaligen Herausgeber der „Times“ diskutierten, wie man über die Thematik berichten solle. Frankel betont aber, man sei anscheinend nach folgendem Prinzip vorgegangen: „Bringt nichts über die Notlage der Juden, und wenn ihr es doch tut, so achtet darauf, ihr Leiden dem der anderen Europäer gleichzusetzen.“

 

Warum jedoch hat die „Times“ es verabsäumt, genauer über den Leidensweg der JüdInnen im „Dritten Reich“ zu berichten, gerade wenn man bedenkt, daß die Informationen vorhanden waren. Diese Frage kann man nicht eindeutig beantworten, wohl aber gibt es so manche Theorie. Einerseits, meint Frankel, ist die „New York Times“, wie viele andere Zeitungen auch, der Regierungslinie gefolgt. Sowohl in Washington als auch in London war man nicht bereit, JüdInnen zu retten oder ihnen als Zufluchtsort zu dienen. Gründe dafür waren etwa wirtschaftliche Krisen im Jahrzehnt zuvor. Ein anderer Grund dafür, daß die Verfolgung der JüdInnen nicht hervorgehoben wurde und „in der Flut der Kriegsberichterstattung ertrank“, ist laut Frankel darin zu suchen, daß der damalige Herausgeber Arthur Hays Sulzberger – er selbst war jüdischer Abstammung – die „Times“ nicht als „jüdische Zeitung“ eingestuft sehen wollte.

 

Man kann das Blatt drehen und wenden, wie man möchte, einen schlüssigen Grund wird man nicht finden. Laut Frankel meldet sich die „New York Times“ aber heutzutage bei ethnischen Greueltaten an Orten wie Uganda, Rwanda, Bosnien oder Kosovo genau deswegen umso lauter, weil sie es im Zweiten Weltkrieg verabsäumt hat.

 

„It leaves them obviously resolved that in the face of genocide, journalism shall not have failed in vain.“

 

(mm)

 

 

Staatsbankrott in Argentinien

 

Fünf Präsidenten in zwei Wochen - Argentinien versinkt im Chaos: es zeichnet sich der größte Staatsbankrott ab, den die internationale Finanzwelt je zu bewältigen hatte. 28 Tote, hunderte Verletzte, tausende Verhaftete sind die Bilanz der vorweihnachtlichen Unruhen. „Kaum war ich mit der Lektüre von Olivers Artikeln über die Militärdiktatur in Argentinien fertig, ging ein Raunen durch die Fundación: „¡Declararon el Estado se sitio!“ „Sie haben den Ausnahmezustand ausgerufen!“ mailt uns unser Gedenkdienstleistender Philipp Mettauer ins Wiener Büro. Alle verfassungsrechtlich garantierten Bürgerechte seien suspendiert, es herrsche Ausgangssperre. Die Polizei hat Schußerlaubnis. „Jüngere Mitarbeiter fühlten sich sofort an die Zeit der Militärdiktatur erinnert, die älteren an die NS-Zeit“, beschreibt Philipp die Reaktionen an der Fundación Memoria del Holocausto. Die Situation der Gedenkdienstleistenden ist wie die aller Ausländer relativ gut: „Uns geht’s gut, wir werden in "harten" Euros bezahlt, haben einen Arbeitsplatz und können nach einem Jahr wieder heimfahren.“  An der Fundación seien die Auswirkungen des Währungsabsturzes ebenfalls zu spüren: An allen Ecken und Enden fehle Geld, Projekte würden abgesagt. Die Mitarbeiter werden mittlerweile in Patacones, dem Notgeld der Provinz (bunt bedrucktes Papier) bezahlt. Die Stimmung sei gereizt und chaotisch. Für die Gedenkdienstleistenden gibt es jedoch viel zu tun: Die Anfragen von Überlebenden und Emigranten bezügl. der Erhöhung ihrer Rente oder Wiedergutmachungszahlungen haben deutlich zugenommen. Ein oft aussichtsloses Unterfangen.

 

(jup)

 

 

Ein neuer Name...

 

Bei der Generalversammlung des Vereins, am 23. November 2001 in St. Virgil/Salzburg, wurde der neue Vereinswortlaut “GEDENKDIENST - Zivilersatzdienst - Holocaust-Education - Europäischer Freiwilligendienst” , der die neue Richtung des Vereins wiederspiegelt, beschlossen. Weiters wurde über die Erweiterung des Vorstandes von sechs auf acht Personen entschieden. Die (mehr oder weniger) neuen Vorstandsmitglieder sind: Christian Klösch (Obmann), Markus Feurstein (Obmann-Stv.), Roman Kopetzky (Kassier), Martin Kolassa (Kassier-Stv.), Florian Huber (Schriftführer), Thomas Strasser (Schriftführer-Stv.), Johannes Högl und Anton Legerer. Neben der Generalversammlung wurden bei dem zweitägigen Seminar auch die Gedenkdienstleistenden 2002/03 ausgewählt. Sie werden sich in den nächsten Wochen praktisch und inhaltlich auf ihren Zivilersatzdienst vorbereiten.

 

(mk)