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Ausgabe 1/02


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transversal.

Zeitschrift des Centrums für Jüdische Studien Graz.

 

Seit April 2000 existiert an der Universität Graz ein eigenes Forschungsinstitut, das sich mit der Geschichte und Kultur des Judentums befasst: das David-Herzog- Centrum (DHC) für Jüdische Studien. Seine Besonderheiten liegen im interdisziplinären Ansatz und in der internationalen Ausrichtung in Forschung und Lehre.

Davon kann man sich durch einen Blick in die Zeitschrift transversal überzeugen, deren dritte Nummer kürzlich erschienen ist. Nach einer Sondernummer über die in Österreich noch kaum etablierte Disziplin der Jewish Studies (1/2000) und einer Nummer zum Thema Judentum und Männlichkeit (1/2001), ist die laufende Nummer als offenes Heft konzipiert.

Dirk Rupnow analysiert die komplexen Beziehungen zwischen Musealisierung und Vernichtung im Zusammenhang mit dem „Jüdischen Zentralmuseum“ in Prag. Parallel zur Auflösung der jüdischen Gemeinden des Protektorats und der Deportation ihrer Mitglieder in die Vernichtungslager sammelte das Zentralmuseum die anfallenden Kultgegenstände in seinen Depots. Vor diesem Hintergrund unterzieht Rupnow die These vom „Gedächtnismord“, der gemeinhin dem realen Mord an den europäischen Juden zur Seite gestellt wird, einer kritischen Revision.

Zwei weitere Beiträge beschäftigen sich mit der jüdischen Kultur um die Jahrhundertwende. Ekkehard W. Haring untersucht die Rolle des „nervösen Körpers“ im Werk von Franz Kafka. „Nervosität“ wurde um die Jahrhundertwende zu einer zentralen Metapher des modernen Lebens in der Großstadt schlechthin. Ihre Symptome, häufig als Zeichen der körperlichen Degeneration gelesen, wurden Teil eines gängigen antisemitischen Stereotypes.

Ein Beitrag von Ian Reifowitz ist dem österr. Rabbi, Journalisten und Politiker Joseph Samuel Bloch gewidmet. Bloch verfolgte das Ziel, dem zunehmenden Antisemitismus in der österr. Monarchie durch die Schaffung einer selbstbewußten jüdischen Identität entgegenzutreten.

Einen historischen Überblick über die Geschichte der steirischen Juden gibt Heimo Halbrainer.

Einige Nachträge zur „Burger- Debatte“ und ein Interview mit Carl Djerassi (die „Mutter“ der Pille), der als 15-jähriger aus Wien vertrieben wurde, runden das Heft ab.

 

Info: dhc.graz(at)kfunigraz.ac.at

 

Herwig Czech