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Ausgabe 1/02


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Steffi bei GEDENKDIENST

oder: Wie man gleichzeitig drei Telefonate führt, ein e-mail beantwortet, Akten ordnet und trotzdem die Übersicht behält...

 

Seit September 2001 arbeitet eine neue europäische Freiwillige im Büro von Gedenkdienst. Stefanie Lucas ist 23 Jahre alt und studiert derzeit Museumskunde in Berlin. Für GEDENKDIENST sprach Florian Huber mit ihr.

 

Was hat dich dazu bewogen dich für ein freiwilliges Jahr bei Gedenkdienst zu entscheiden?

Im Rahmen meines Studiums der Museumskunde in Berlin bin ich ohnehin verpflichtet ein Praktikumssemester zu absolvieren. Mein einjähriges Studium der Geschichte, Politik und der Jüdischen Studien in Halle erweckte die Neugier und den Wunsch, mich näher und intensiver als bisher mit diesem Teil der europäischen Geschichte auseinanderzusetzen.

 

Welche Rolle nimmt diese Auseinandersetzung in deinem Leben ein?

Die nationalsozialistische Vergangenheit ist bei uns nach wie vor ein vieldiskutiertes Thema, das allerdings oft nur sehr verkrampft und ohne die meiner Meinung nach wichtige historische Distanz angegangen wird. Diese Distanz ermöglicht erst einen objektiveren Zugang ohne eine Verklärung der historischen Tatsachen. In Deutschland aber lässt das vorhandene Empfinden einer kollektiven Schuld im seltensten Fall eine unbeeinflusste Vermittlung zu. Die prägendsten Eindrücke gewann ich während meines Aufenthaltes in einem Kibbuz, wo ich das erste Mal direkt mit Überlebenden des Holocaust in Kontakt kam. Dieser Eindruck verstärkte sich durch einen Besuch in Yad Vashem. Überhaupt wurde mir in Israel meine deutsche Identität sehr intensiv bewusst gemacht.

 

Gibt es denn in Österreich nach deinen Erfahrungen eine andere Herangehensweise an das Thema Holocaust?

Man kriegt sehr schnell mit, dass sich Österreich im Unterschied zu Deutschland noch immer in der Rolle eines Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft gefällt. Jedenfalls empfinde ich es als enorm spannend, mehr über die österreichische Aufarbeitung der Geschichte und die Bestrebungen die eigene Rolle aktiv zu hinterfragen, zu erfahren. Dass diese Auseinandersetzung aber genauso hier stattfindet, beweisen doch Projekte wie Gedenkdienst, oder?

 

Florian Huber, Judaistikstudent und Schriftführer des Vereins GEDENKDIENST