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Ausgabe 1/02


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„Es ist nicht alles wurscht...“

GEDENKDIENST speziell für Frauen und Nicht-Zivildienstpflichtige

 

Anfang September begannen zwei junge Österreicherinnen und ein Österreicher im Rahmen des Europäischen Freiwilligendienstes ihren Gedenkdienst: Am Anne Frank Zentrum in Berlin und an der Anne Frank Jugendbegegnungsstätte in Frankfurt.

Seit vergangenen September arbeiten Katharina Rácek (18), Robert Parzer (23) und Johanna Moser (23) an Holocaust-Gedenkdienst in Berlin und Frankfurt.

Am Anne Frank Zentrum in Berlin und an der Anne Frank Jugendbegegnungsstätte in Frankfurt am Main können die drei wertvolle Erfahrungen sammeln und sich bei  diversen Projekten mitarbeiten. Beide Seiten profitieren davon. Die drei machen ein sogenanntes EVS-Jahr.

EVS steht für European Voluntary Service, ein von der EU-kofinanziertes Jugendaustausch-Programm für 18-25-Jährige, die sich in einem anderen EU-Land für ein Projekt ihres Interesses engagieren und Erfahrungen sammeln möchten.

Seit vergangenem Jahr bietet GEDENKDIENST erstmals offiziell zwei EVS-Stellen für Frauen und nicht-zivildienstpflichtige Männer an: Das Anne Frank Zentrum Berlin ist eine Partnerorganisation des Anne Frank Hauses in Amsterdam. Neben der Deutschland-Koordination der internationalen Wanderausstellung „Anne Frank - eine Geschichte für heute“ organisiert das Zentrum Projekte für Jugendgruppen und Schulklassen aus Berlin und Umgebung und veranstaltet Stadtrundgänge zur jüdischen Vergangenheit und Gegenwart in Berlin. Es geht darum, Brücken zur Gegenwart zu schlagen, Antworten auf die Frage zu finden, welche Botschaften das Tagebuch Anne Franks heute vermitteln kann.

Johannas Einsatzstelle, die Jugendbegegnungsstätte in Frankfurt, versteht sich als Ort für Gespräche, zum Nachdenken und Lernen, veranstaltet Seminare und bietet Studienreisen zu Gedenkstätten an. Eine Ausstellung „Anne aus Frankfurt“ erzählt etwas über die Familiengeschichte der Franks, die Geschichte des Nationalsozialismus in Frankfurt, über Annes Leben in Frankfurt und in Amsterdam, ihren Tod in Bergen-Belsen.

GEDENKDIENST entsendet seit 1992 Zivildienstpflichtige an Holocaust-Gedenkstätten ins Ausland, ist im Bereich Holocaust-Education tätig.

Die mittlerweile 23 „Männer-Gedenkdiener“ sind schon vor einigen Wochen in alle Welt geflogen, sie treten immer Mitte Juli ihren Auslandszivildienst an: In Amsterdam, Auschwitz, Berlin, Brüssel, Budapest, Buenos Aires, Westerbork, Jerusalem, London, Moskau, New York, Paris, Prag, Tel Aviv, Theresienstadt, Vilnius, Warschau und Washington kämpfen sie gegen das Vergessen.

Johanna und Kathi finden es wichtig, dass gerade bei Jugendlichen und in Schulen der Gedanken- und Erfahrungsaustausch über die Zeit des Nationalsozialismus gefördert werde. In Österreich passiere, was Vergangenheitsbewältigung und politische Bildung an den Schulen betrifft, im allgemeinen sehr wenig bis gar nichts. „In Deutschland ist in der Aufarbeitung schon mehr passiert und passiert immer noch“, meint Kathi. Zusatz: „Vielleicht ist es dadurch für uns leichter, Interesse zu wecken.“ Johanna: „Oder vielleicht gerade dadurch auch schwerer.“

Katharina sieht das Problem darin, dass „Zusammenhänge in der Schule nicht aufgezeigt werden. Die Zeit des Nationalsozialismus ist ein Kapitel von vielen. Welche Auswirkungen das für später hatte, wird nicht diskutiert. Zur Aufarbeitung nach 1945 haben wir in der Schule gar nichts besprochen, obwohl das ja vom Thema her besonders interessant wäre.“

Johanna hatte vom „nur studieren“ irgendwann genug, und begann sich politisch zu engagieren.

 „Das Erkennen, dass nicht alles wurscht ist, sondern dass man sinnvolle Sachen machen kann - das ist meine Motivation, dass ich was Sinnvolles mit Leuten mache, und mich dabei selbst weiterbringen kann...“

 

Judith Pfeifer, Politikwissenschaftlerin und Mitarbeiterin bei GEDENKDIENST