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Ausgabe 1/02


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Meine Zeit als EVSlerin am Anne Frank Zentrum Berlin in Berlin

Seit Anfang September 2001 leiste ich einen sog. Europäischen Freiwilligendienst beim Anne Frank Zentrum in Berlin. Meine „Entsendeorganisation“ ist der Verein „GEDENKDIENST – Zivilersatzdienst – Holocaust Education – Europäischer Freiwilligendienst“ in Wien.

Gedenkdienst wurde 1992 als politisch unabhängige Organisation gegründet, deren vordergründiges Ziel es ist, Aufklärungsarbeit über den Holocaust zu leisten. Dabei wird besonders die Rolle von ÖsterreicherInnen in dieser Zeit zur Sprache gebracht.

Jährlich leisten über zwanzig junge Männer über den Verein einen Zivilersatzdienst an Holocaustgedenkstätten in Israel, Argentinien, den USA und Ländern in ganz Europa.

Seit Herbst 2001 gibt es drei Stellen in Deutschland (Anne Frank Zentrum in Berlin, Jugendbegegnungsstätte Anne Frank in Frankfurt/Main und  Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in Berlin), welche auch von Frauen besetzt werden können, da die Finanzierung über ein europäisches Förderungsprogramm läuft.

In Seminaren, Studienfahrten und allwöchigen Treffen wird die Möglichkeit der intensiven Auseinandersetzung mit  dem Holocaust in einem weiten Kontext geboten.

Das Anne Frank Zentrum ist die deutsche Partnerorganisation des Anne Frank Hauses in Amsterdam. Es besteht seit 1998 und hat sich von Anfang an die Arbeit mit SchülerInnen und Jugendlichen zu seiner zentralen Aufgabe gemacht.

Die einzelnen Arbeitsbereiche bzw. Projekte sind: Eine Internationale Wanderausstellung „Anne Frank – Eine Geschichte für heute“, Pädagogisches Zentrum, Interkulturelle Entwicklung/Qualifizierung, Entwicklung von neuen Ausstellungen.

Die Geschichte der Familie Frank bildet den roten Faden der Ausstellung, gleichzeitig werden Portraits anderer Opfer, die historischen Hintergründe und, wie im Titel schon erkennbar, ein starker Gegenwartsbezug dar- und hergestellt.

Im pädagogischen Zentrum werden Schulen und Jugendgruppen zweistündige Projektveranstaltungen angeboten.

In einem variablen System aus pädagogischen Bausteinen wird durch die Geschichte Anne Franks eine Annäherung an den Holocaust mit seinen Ursachen und Folgen versucht. Aktuelle Themen wie Rassismus, Rechtsextremismus und Zivilcourage werden thematisiert und in Zusammenhang mit der Geschichte gebracht, ohne dabei vorschnelle Analogien zu ziehen. Junge Leute werden dazu angeregt, das Erfahrene in Bezug zu ihrem eigenen Handeln zu stellen.

Interkulturelle Entwicklung und Qualifizierung ist der jüngste Arbeitsbereich des Anne Frank Zentrums, welcher sich an Bildungseinrichtungen und Betriebe wendet. Anhand von Fortbildungsangeboten, Antidiskriminierungscodes und interkulturellen Lernpaketen für Kinder und Jugendliche soll der positive Umgang mit kulturellen Diversitäten gefördert werden. Seit einigen Monaten befasst sich dieser Bereich mit der Entwicklung einer neuen Anne-Frank-Ausstellung, welche ständig in Berlin und in Frankfurt/Main zu sehen sein wird und in Zukunft den Kern der pädagogischen Arbeit vor Ort bilden soll. Es gibt hier eine enge Zusammenarbeit zwischen MitarbeiterInnen des Anne Frank Hauses in Amsterdam, der Anne Frank Jugendbegegnungsstätte in Frankfurt/Main und dem Anne Frank Zentrum.

Seit nunmehr 6 Monaten bin ich als Europäische Freiwillige in der pädagogischen Abteilung des Anne Frank Zentrums tätig. Gemeinsam mit der Leiterin, Maria

Kaneva-Moser, bin ich für den Betrieb dieser Abteilung zuständig. In den ersten Wochen machte ich mich mit der Büroorganisation vertraut und setzte mich intensiv mit der praktisch-pädagogischen Arbeit auseinander.

Bald begann ich, Schulklassen und Jugendgruppen zu begleiten. Wir haben ein Team von ca. 25-30 jungen freien MitarbeiterInnen. Für diese bin ich Ansprechpartnerin. Einmal pro Monat findet ein Treffen statt, bei dem sowohl organisatorische, als auch inhaltliche Dinge besprochen werden. Bei einer Studienfahrt im Oktober konnte ich, gemeinsam mit einigen der freien MitarbeiterInnen, das Anne Frank Haus in Amsterdam kennen lernen und viel über deren pädagogische Arbeit erfahren.

Im März werde ich ein AusstellungsbegleiterInnenseminar in Ústí nad Labem, Tschechien durchführen, wo die internationale Wanderausstellung „Anne Frank – Eine Geschichte für heute“ (natürlich in tschechischer Sprache) gezeigt wird.

Für die nächste Studienfahrt nach Amsterdam bin ich intensiv in die Vorbereitungen involviert. Ich konnte in diesen Monaten sehr viel über mögliche Wege eines Umgangs mit, bzw. einer Annäherung an den Holocaust in einem weiten Kontext lernen.

 

Katharina Rácek, Maturantin und EVS-Freiwillige