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Ausgabe 1/02


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Telegramm

Round Table Gespräch zu einem Jahr Restitutionsgesetzgebung

 

Auf Initiative des Claims Conference fand am 17. Jänner 2002 ein prominent besetztes Round Table Gespräch anlässlich des Abschlusses der Restitutionsverhandlungen zwischen Österreich, den USA, jüdischen Opferorganisationen und der IKG vor einem Jahr statt. Neben Mr. Saul Kagan und Moshe Jahoda als Gastgeber nahmen auch Vertreter der US-Botschaft in Wien, Dr. Winkler und Botschafter Dr. Sucharipa seitens des österreichischen Außenministeriums sowie u.a. Hannah Lessing vom Nationalfonds, Clemens Jabloner von der Österreichischen Historikerkommission, die Abgeordnete zum Nationalrat Terezia Stoisits und der Restitutionsbeauftragte der Stadt Wien, Kurt Scholz an der Diskussion teil. Von allen TeilnehmerInnen wurde die Entkopplung der Auszahlung des Pflegegeld und anderer sozialfürsorglicher Maßnahmen an Holocaust-Überlebende von der Frage der Rechtssicherheit gefordert. Mitte Februar folgte das Österreichische Parlament dieser Empfehlung. Von Seiten des Gedenkdienstes nahmen Judith Pfeifer und Christian Klösch am Round Table Gespräch teil. Gedenkdienst forderte dabei von Seiten Österreichs die Schaffung einer Institution zur Aufarbeitung und Vermittlung der Geschichte des Holocaust an Jugendliche. (ck)

 

Unser Wien – „Arisierung“ auf österreichisch

 

In einer rund 300 Seiten starken, jüngst bei Aufbau vorgelegten Publikation geben die beiden jungen Historiker Tina Walzer und Stephan Templ einen Überblick über die sogenannte „Arisierung“ in Wien zwischen 1938 und 1945. Kernstück des Buchs ist neben einer prägnanten Darstellung des historischen Hintergrundes von Tina Walzer der von Stephan Templ erarbeitete Katalogteil, der unzählige Apotheken, Verlagshäuser, Kinos, Kaffeehäuser etc. in Wien auflistet, die „arisiert“ wurden. Darüber hinaus zeigt das Buch bis heute bestehende Versäumnisse in der Aufarbeitung auf und führt profund in die aktuelle Restitutionsdebatte ein, wodurch es allen Interessierten vollends empfohlen werden kann. (fh)

Tina Walzer/Stephan Templ: Unser Wien – „Arisierung“ auf österreichisch. Aufbau-Verlag, Berlin 2001, € 21,15.

 

Emigration in Argentinien - ein Vortrag von Alfredo Schwarcz

 

Am 27. Februar 2002 fand ein Vortrag von Dr. Alfredo Schwarcz im Literaturhaus in Wien statt. Dr. Schwarcz ist ein argentinischer Psychologe, dessen Eltern mit ihm vor den Nazis aus Wien nach Argentinien flohen. Er arbeitet vorrangig mit Emigranten, vor allem Opfern des NS – Regimes. Der Vortrag und die Diskussion hatten das Thema der jüdischen Emigranten und deren Situation in Argentinien, einst wie jetzt. Auch das aktuelle Leben der argentinische Bevölkerung fand Erwähnung. Zahlreiche Fragen aus dem Publikum zur Thematik ergänzten das Programm. Am 1. März 2002 fand, dank der Bemühungen der Regionalgruppe Steiermark, ein ähnlicher Vortrag auch in Graz statt. Im Anschluss daran leitete Dr. Schwarcz einen Workshop für Interessierte in Wien. In diesem Workshop versuchte er, gemeinsam mit seiner Gattin, den Teilnehmern die Arbeit mit Emigranten näher zu bringen. Die Problematik des Emigrierens wurde in vielen Beispielen durch die gesamte Seminargruppe dargelegt. Auch die Erwartungen der Überlebenden in Bezug auf einen Gedenkdienstleistenden wurden angesprochen. Das Feedback der Teilnehmer zeigte, dass sie durchwegs wertvolle Erfahrungen aus diesem Wochenende mitnahmen. (ar)

 

ANNE FRANK – eine Geschichte für heute: Das Ausstellungsprojekt an österreichischen Schulen

 

„Wir glauben, dass Menschen dann am besten lernen, wenn sie das Aufgenommene anwenden müssen, wenn sie darüber sprechen oder diskutieren“, so Peter Hörburger, der derzeit Gedenkdienst an der Anne Frank Stichting in Amsterdam leistet. Das Ausstellungsprojekt ANNE FRANK – eine Geschichte für heute bringt die Vergangenheit an fünf österreichische Schulen: Ab Jänner 2002 ist die Ausstellung am BG/BRG Lienz, BRG Spittal/ Drau, BORG Bad Hofgastein, BHAK St. Johann, Höhere Internatschule des Bundes Saalfelden HIB Ausstellung 2 bis 3 Wochen lang zu sehen. Weitere Schulen meldeten ihr Interesse an.

Im Mittelpunkt der Ausstellung “Anne Frank – eine Geschichte für heute” steht die Lebensgeschichte Anne Franks. Ihre Erfahrungen, ihre Geschichten formen immer die Einleitung zu faktischen Informationen über die geschichtlichen und gesellschaftlichen Ereignisse ihrer Zeit. Geschichte bekommt durch die persönlichen Erfahrungen Einzelner eine eigene Dimension. Nicht nur Anne Frank kommt in der Ausstellung zu Wort. Helfer, andere Überlebende, ihre Jugendfreundin Hanneli und ihr Vater Otto Frank lassen jugendliche Besucher ihre Erfahrungen miterleben. Wer sich in andere Menschen hineinversetzt, in ihre Erfahrungen und Gefühle, für den bekommen Fakten und Geschehnisse ein menschliches Maß und werden besser vorstellbar.

Die Gestaltung der internationalen Ausstellung zielt darauf ab, BesucherInnen neugierig zu machen. In der Ausstellung wird den jugendlichen Besuchern die Thematik auf sehr verschiedene Art zugänglich gemacht. Zitate aus demTagebuch der Anne Frank, Fotos, begleitende Texte, persönliche Erlebnisse von Überlebenden und Auszüge aus Dokumenten führen den Besucher durch die Ausstellung. Die Ausstellung soll nicht nur passiv besucht werden, sondern zur vielfältigen Auseinandersetzung mit Toleranz, Menschenrechten, Demokratie und der Situation von (verfolgten oder angefeindeten) Minderheiten anregen. Sie will sensibilisieren und nicht belehren. Dieses Anliegen wird von einem vielschichtigen Pädagogischen Konzept unterstützt, das vom Anne Frank Haus in Amsterdam entwickelt und bereits in vielen Ländern umgesetzt wurde: Die Schüler werden eingebunden, organisieren, helfen beim Aufbau, führen durch die Ausstellung, regeln den Transport etc. Ziel ist es, so viele Schüler wie möglich aktiv an den Ausstellungsprogrammpunkten zu beteiligen. Aktivitäten der Schulprojekte sind Workshops, AusstellungsbegleiterInnentraining, Pädagogisches Material, für AusstellungsbegleiterInnen und LehrerInnen. In Zusammenarbeit mit den Schülern wird ein entsprechendes Begleitprogramm zur Ausstellung entwickelt und umgesetzt. Das Ausmaß dieses Begleitprogrammes hängt sehr stark vom Engagement der einzelnen Schüler und Lehrer ab: Theateraufführungen (related topics), Zeitzeugengespräche (holocaust survivors, evtl. aus der Region), Einladungen an ehemalige Schüler die während des 2. Weltkrieges die selbe Schule besuchten, Leseabende (Gedichte), Thema Toleranz/Intoleranz, Podiumsgespräche, Organisation eines “Filmfestivals”, Studienfahrten, Erforschung und Dokumentation einer historischen Spurensuche vor Ort,… mit gefundenen Informationen selber ein Panel der Ausstellung gestalten, Organisieren von Diskussionsveranstaltungen die auf Themen der Ausstellung Bezug nehmen, Web/ Internet Gruppe, recherchieren im Internet was andere Schulen betreffend Holocaust, Menschenrechten, Toleranz, usw. gemacht haben, Internet Plattform erstellen, Musikalisches Programm für die Eröffnung/ während der Ausstellung, uvm. Nach diesen ersten fünf Schulen wird die Anne Frank Ausstellung voraussichtlich von Salzburg aus Richtung Westösterreich weiterreisen. GEDENKDIENST freut sich einen kleinen Beitrag zu diesem Projekt geleistet zu haben. (jup)