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Ausgabe 3/02


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Telegramm

Brno - Eine Jugendbegegnung

 

 „Die Minderheit der Roma in Tschechien“ – zu diesem Thema trafen sich 25 Jugendliche im tschechischen Brno (Brünn). Die TeilnehmerInnen kamen aus Tschechien, Polen, Deutschland, den Niederlanden, Österreich, Spanien und Brasilien.

Grundgedanke und Motivation für diese Jugendbegegnung war die Überzeugung, dass „Nachdenken nach Auschwitz“ nicht auf Konferenzen stattfinden soll – auf einem Vorbereitungsseminar für eine solche hatte sich ein Teil der Gruppe im November 2001 getroffen – sondern auch an ganz konkreten und gegenwärtigen Themen arbeiten kann. Wir wollten uns mit Roma und Sinti beschäftigen, mit der letzten großen Minderheit Europas, den Holocaust an ihr thematisieren, genauso wie die vielfältigen Diskriminierungen denen sie heute ausgesetzt sind. In Tschechien leben 250.000 bis 300.000 Roma und gerade dort schien uns ihre Lage prekärer als anderswo, der alltägliche Rassismus offener, wohl hauptsächlich, weil sie einen so großen Anteil an der gesamten Bevölkerung haben. Wir fanden Unterstützung beim Museum für Roma- Kultur in Brno und so verbrachten wir die Woche vom 27. Oktober bis zum 2. November in der Hauptstadt Mährens.

Von Anfang an hatte diese Zeit etwas Kurioses, Provisorisches, Chaotisches. Erst zwei Wochen zuvor hatten die niederländischen TeilnehmerInnen zugesagt, als einzige Roma und Sinti in der Gruppe waren sie eine große Bereicherung. Sie zeigten uns im Seminaralltag was uns verbindet und was uns trennt. Auch im Wissen, dass es für uns Nicht- Roma vielleicht leichter gewesen wäre ohne sie.

Am deutlichsten wurde dies wohl bei unserem Besuch im ehemaligen Roma- Konzentrationslager Hodonín nahe Brno. Das gesamte Lagergelände wird heute als Hotelanlage genutzt, zwei der KZ-Baracken stehen noch, eine davon dient den Hotelgästen als Bar. So war das Gesehene für uns alle schwer einordenbar und bizarr, für die Enkel von Überlebenden war es dennoch eine gänzlich andere Erfahrung.

Das Programm war dicht und vielseitig. Wir hörten Vorträge über Geschichte und Lebensweise der Roma, über tschechisches Minderheitenradio oder die Arbeit von Spolu, einer internationalen NGO. Unter Einbindung der Brünner Roma konnte ein neues Wohnprojekt geschaffen werden um die prekären Wohnverhältnisse vieler Familien zu verbessern. Wir sprachen mit einer Überlebenden des Zigeunerlagers Lety und besuchten Roma- Familien, die in containerartigen Ausweichquartieren auf neue Wohnungen warten und zu fünft oder zu acht auf 20 m2 leben. Auf unseren Wegen durch die alt-österreichischen Gründerzeitbauten der Bratislavská ulice konnten wir in so manchen Hinterhof blicken. Oft genug waren wir die Kuriosität.

Daneben blieb auch Zeit für Brno, für seine wunderbaren Gassen, Bierhallen und Kellerbeisl, genau so wie für jene häßliche Vierundzwanzig- Stunden- Spielbar nahe unserer Herberge. Die war ein ArbeiterInneninternat im Stil anderer Zeiten, unser Frühstück nahmen wir dafür im Interspar- Restaurant. So begann jeder Tag mit einem früh morgendlichen Kulturschock.

Es war eine sehr intensive Woche. Und ich denke, gerade weil wir uns in dieser Zeit auch so stark mit unseren eigenen Rollen als Roma oder als Nicht-Roma beschäftigen mussten sind wir uns als Gruppe sehr nah gekommen. Vieles davon war an unserem Abschiedsabend zu spüren, wo wir im Roma- Museum auf ein Konzert eingeladen waren. Und auch wenn der letzte Tag zu chaotisch gewesen war um über Perspektiven und zukünftige Projekte zu sprechen, war mir beim Klang des Zimbals klar: Diese Geschichte ist noch nicht zu Ende.

 

Matthäus Rest

 

 

Studienfahrt Terezín

 

Von 23.-27.10.2002 fand diesmal die alljährliche Studienfahrt für Gedenkdienst- InteressentInnen nach Theresienstadt statt.

12 Teilnehmer beschäftigten sich in Form von Führungen, Diskussionen und einem Zeitzeugengespräch mit einem Ort, der durch seine wechselreiche Geschichte als österreichische und tschechische Garnisonsstadt, Konzentrationslager und jüdisches Ghetto entscheidend geprägt wurde.

All diese Veränderungen hinterließen Spuren, die mithilfe der erhalten gebliebenen dokumentarischen und künstlerischen Zeugnisse sich noch heute teilweise nachvollziehen lassen.

Dementsprechend lag der Schwerpunkt des Studienfahrtprogramms auf der kritischen Beschäftigung mit den Medien Film und Literatur.

Neben der Lektüre von in Theresienstadt verfassten Texten und der Analyse eines 1944 im Ghetto gedrehten Propagandafilmes wurden vor allem auch neuere Arbeiten und deren Verwendung und Verwertung in Betracht gezogen, die vor allem die Frage der Authentizät diskutieren halfen.

Der Besuch des jüdischen Viertels in Prag (Josevov) rundete, als neuer Programmpunkt, die Studienfahrt ab.

 

Florian Huber

 

 

Bruno-Kreisky-Anerkennungspreis für das politische Buch 2002

 

Das Renner-Institut hat den Bruno Kreisky-Anerkennungspreis für das politische Buch 2002 an „Jenseits des Schlussstrichs. Gedenkdienst im Diskurs über Österreichs nationalsozialistische Vergangenheit“ herausgegeben von Martin Horváth, Anton Legerer, Judith Pfeifer und Stephan Roth (Löcker) vergeben. Den mit 5.000 Euro dotierten Hauptpreis erhielt der amerikanische Nobelpreisträger Joseph Stiglitz für sein Buch "Die Schattenseiten der Globalisierung" (Siedler-Verlag). Sonderpreise für ihr publizistisches Gesamtwerk erhielten George Tabori und Gerhard Roth.

Weitere Anerkennungspreise vergab die prominente Jury unter dem Vorsitz des Europaabgeordneten und Vorsitzenden der Bildungsorganisation der SPÖ, Hannes Swoboda an: Susanne Feigls Dohnal- Biografie "Was gehen mich seine Knöpfe an?" (Ueberreuter), Ursula Mitterlehners "Hausarbeit zum Nulltarif" (Leykam), Manfred Scheuchs "Das größere Europa. Polen, Ungarn, Tschechien, Slowakei, Slowenien und die Baltischen Staaten in Geschichte und Gegenwart" (Brandstätter), "Grüß Gott und Heil Hittler. Katholische Kirche und Nationalsozialismus in Österreich" (Picus) von Stefan Moritz.

 

Judith Pfeifer