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Ausgabe 4/02


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Editorial

Liebe Leserin!

Lieber Leser!

 

Diese Ausgabe von Gedenkdienst widmet sich den Kärntner Slowenen. An der Zehn-Jahrestagung von Gedenkdienst im Mai nahmen auch die beiden Kärntner Zeithistorikerinnen Brigitte Entner und Heidi Wilscher teil. Damals wurde gerade der Ortstafelentscheid des Obersten Gerichtshofs heftig in der Öffentlichkeit diskutiert. Die beiden Zeithistorikerinnen, die auch im Rahmen der Österreichischen Historikerkommission am Projekt zur Erforschung der Vertreibung und des Vermögensentzugs der Kärntner SlowenInnen in der NS-Zeit mitgearbeitet haben, erklärten sich bereit, einen Schwerpunkt zur Geschichte, aber auch zur aktuellen Situation der slowenischen Volksgruppe in Kärnten zu gestalten. Kaum jemand aus dem „restlichen“ Österreich hat eine wirkliche Vorstellung und ein tiefergehendes Verständnis von dem, was in Kärnten vor und während des „Abwehrkampfs“, der „Aussiedlung der Slowenen“ und des Kampfs der „Tito-Partisanen“ passierte. Dem Kampf um die Zurückdrängung des Slowenischen folgte der nicht weniger heftige alltägliche Assimilationsdruck. Immer wieder wurde suggeriert, dass das Slowenische im Vergleich zur „deutschen“ Kultur „minderwertig“ sei. Die slowenische Kultur Süd- und Ostkärntens, der im 19. Jahrhundert noch ein Drittel der Kärntner Bevölkerung angehörte, droht ins Reservat subventionierter Folklore- und Brauchtumspflegegruppen gedrängt zu werden.

Das Titelbild dieser Ausgabe und das Bild auf Seite 9 werden zum ersten Mal in einer Zeitschrift veröffentlicht. Es handelt sich dabei um einen „Faschingsscherz“ deutschsprachiger Kärntner, die die zweisprachige Ortstafel von Podgrad in der Gemeinde Ludmannsdorf/Bilcovs im Fasching 1995 „feierlich“ abmontiert und „eingeäschert“ haben. Von dieser „Aktion“ existieren nur diese zwei Bilder die später am gleichen Tag heimlich aufgenommen wurden.

Mit der zweisprachigen Ausgabe wollen wir ein Signal setzten, um dem Slowenischen jene Wertschätzung zu geben, die ihm zukommt. Die Übersetzungen ins Slowenische stammen von Erwin Köstler, der zuletzt die Erinnerungen Lipej Koleniks „Für das Leben gegen den Tod. Mein Weg in den Widerstand“ (Drava Verlag, 2001) ins Deutsche übersetzt hat.

 

Eine interessante Lektüre wünscht Ihnen

 

Christian Klösch, Obmann Verein GEDENKDIENST

 

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