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Ausgabe 1/03


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„Anne Frank - Eine Geschichte für heute“

Ein Projekt an österreichischen Schulen

 

 

Seit Jänner 2002 läuft das Schulprojekt „Anne Frank – eine Geschichte für heute“ mit grossem Erfolg und wird bis Ende Mai 2003 in 14 Schulen von statten gegangen sein. Jede der am Projekt teilnehmenden Schulen wurde bisher mit Hilfe von verschiedenen öffentlichen Subventionen und einem Eigenbeitrag des Anne Frank Hauses in Amsterdam die Wanderausstellung „Anne Frank – eine Geschichte für heute“ für 2-3 Wochen gratis zur Verfügung gestellt.

 

 

Die Aufgabe der Schulen ist es, Ausstellungsbesuche anzubieten und während der Präsentationsperiode ein fächerübergreifendes Rahmenprogramm zu den Themen Nazionalsozialismus, Menschenrechte, Rassismus oder Toleranz zu erarbeiten.

 

 

Hintergrund der Ausstellung

 

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Lebensgeschichte Anne Franks. Ihre Erfahrungen, ihre Geschichten formen die Einleitung zu faktischen Informationen über die geschichtlichen und gesellschaftlichen Ereignisse ihrer Zeit. Geschichte bekommt durch die persönlichen Erfahrungen Einzelner eine eigene Dimension. Die Gestaltung der Ausstellung zielt darauf ab, BesucherInnen neugierig zu machen. In der Ausstellung wird den jugendlichen Besuchern die Thematik auf sehr verschiedene Art zugänglich gemacht: Zitate aus dem Tagebuch der Anne Frank, Fotos, begleitende Texte, Auszüge aus Dokumenten und persönliche Erlebnisse von Überlebenden führen den Besucher durch die Ausstellung. So kommt in der Ausstellung nicht nur Anne Frank zu Wort: Helfer, andere Überlebende, ihre Jugendfreundin Hanneli und ihr Vater Otto Frank lassen jugendliche Besucher ihre Erfahrungen miterleben.

 

 

Für den (jugendlichen) Betrachter, der sich in andere Menschen, in ihre Erfahrungen und Gefühle hineinversetzt, bekommen Fakten und Geschehnisse ein menschliches Maß und werden besser vorstellbar.

 

 

Die Ausstellung soll nicht nur passiv besucht werden, sondern zur vielfältigen Auseinandersetzung mit Toleranz, Menschenrechten, Demokratie und der Situation von (verfolgten oder angefeindeten) Minderheiten anregen. Sie will sensibilisieren und nicht belehren. Dieses Anliegen wird von einem vielschichtigen pädagogischen Konzept unterstützt, das vom Anne Frank Haus in Amsterdam entwickelt, und bereits in vielen Ländern umgesetzt wurde.

 

 

Das Konzept

 

Schulprojekt unter Einbindung der SchülerInnen: Diese sollen organisieren, aufbauen, durch die Ausstellung führen, den Ausstellungstransport regeln, etc.

 

 

Menschen lernen dann am besten, wenn sie das Aufgenommene anwenden müssen, wenn sie darüber sprechen und diskutieren. Die AusstellungsbesucherInnen wiederum lernen von anderen SchülerInnen und werden von Gleichaltrigen dazu motiviert über Themenbereiche nachzudenken.

 

 

Ausstellungsaufbau

 

Im Oktober 2003 wird vom Anne Frank Haus ein technischer Aufbaukurs für SchülerInnen burgenländischer Schulen durchgeführt. Diese bauen zusammen mit zwei Mitarbeitern des Anne Frank Hauses die Ausstellung in jener Schule auf, in der das Projekt als erstes gastiert. Die TeilnehmerInnen dieses Workshops sind später, wenn die Ausstellung in ihre Schule kommt, verantwortlich für den Auf- und Abbau der Ausstellung, sowie für die Organisation des Transportes der Ausstellung.

 

 

Ausstellungsbegleiterseminar

 

Ein zweitägiges Seminar dient zur Vorbereitung der AusstellungsbegleiterInnen auf ihre Aufgabe. Unter der Leitung zweier Mitarbeiter des Anne Frank Hauses wird der historische Hintergrund thematisiert, die Ausstellung vorgestellt und der Umgang mit Gruppen geübt.

 

 

Das Konzept, nach dem junge Ehrenamtliche die Begleitung für Jugendgruppen und Schulklassen in der Ausstellung übernehmen hat sich seit Jahren bewährt. Es steht also kein „Spezialist“ vor der Gruppe, der Altersunterschied ist häufig gering. Das Motto des Projektes „SchülerInnen für SchülerInnen“ und der Dialog werden zum zentralen Bestandteil der Begleitung und ermöglichen beiden Seiten Wissens- und Erfahrungsaneignung. Die Ausstellung bietet hierfür den inhaltlichen Hintergrund und gibt Raum für die Auseinsandersetzung mit den angesprochenen Themen. Für die BegleiterInnen selbst ist die verantwortliche Mitarbeit am Ausstellungsprojekt oft eine prägende Erfahrung.

 

 

Die Begleitung beschränkt sich jedoch nicht nur auf eine dialogorientierte Führung durch die Ausstellung. Auch das Vorführen eines Videofilms und das reflektierende Gespräch mit der Gruppe über das Gesehene und Gehörte sind hierbei integrativer Bestandteil.

 

 

Begleitprogramm (Schulaktivitäten)

 

SchülerInnen entwickeln in Zusammenarbeit mit ihren Lehrerkräften ein entsprechendes Begleitprogramm zur Ausstellung. Das Ausmaß dieses Begleitprogrammes hängt sehr stark vom Engagement der einzelnen SchülerInnen und Lehrkräfte, sowie von den praktischen Möglichkeiten vor Ort ab.

 

 

Die Möglichkeiten sind vielfältig:

 

  • Theateraufführungen
  • Zeitzeugengespräche
  • Einladen von ehemaligen Schülern die während des 2. Weltkrieges die selbe Schule besuchten
  • Leseabende zum Thema Toleranz bzw. Intoleranz
  • Podiumsgespräche - Organisation eines “Filmfestivals”
  • Sudienfahrten
  • Historische Spurensuche vor Ort ,… mit den gefundenen Informationen kann ein eigenes Panel der Ausstellung gestaltet werden
  • Diskussionsveranstaltungen
  • Public Relations, Pressearbeit
  • Musikalisches Programm für die Eröffnung/während der Ausstellung
  • uvm.

 

 

Pädagogisches Material für AusstellungsbegleiterInnen

 

Jeder Begleiter erhält, bereits vor Besuch des Trainings für AusstellungsbegleiterInnen, ein Materialpaket zur Vorbereitung auf die Aufgabe als Ausstellungsbegleiter. Das Material soll Hintergrundinformationen über die Ausstellung liefern und ein paar „Tips und Tricks“ vorstellen, wie man eine Begleitung gestalten kann.

 

 

Pädagogisches Material für Lehrkräfte

 

Das Begleitpacket für Leherinnen und Lehrer wird den einzelnen Schulen vor Beginn des Projektes zugesandt:

 

  • Kataloge: zur Vor- und Nachbereitung im Unterricht
  • Anne Frank Zeitungen – zur Behandlung im Unterricht, Themen: Toleranz, Faschismus, Redefreiheit, Neo-Nazis, Diskriminierung usw.
  • Videodokumentationen des Anne Frank Hauses: „Das kurze Leben der Anne Frank“, „Augenzeugen“, „Ein Buch voller Träume“
  • Internetseite „Teaching to make a difference“ (www.teachers.nl) des Anne Frank Hauses und weiteren Partnern aus sieben Ländern. Sie beinhaltet vor allem Unterrichtseinheiten zur Unterstützung der Ausstellung „Anne Frank – eine Geschichte für Heute“.

 

Anton Peterer, Gedenkdienstleistender im Anne Frank Haus, Amsterdam