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Ausgabe 2/04


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Die Heimwehren

Österreichische Heimatschutz (auch „Heimatwehr" oder „Heimwehr") ist nach dem Ersten Weltkrieg in den österreichi­schen Alpenländern entstanden - laut Eigendefinition als „Selbstschutzverband zur Wahrung der Ordnung und zur Abwehr äußerer Feinde". Nach Zerfall der sozi­aldemokratisch-christlichsozialen Regie­rungskoalition am 22. Oktober 1922, mit dem eine innenpolitische Radikalisierung einherging, sah die Heimwehr ihre Haupt­aufgabe in der Bekämpfung der Sozialde­mokratie (von ihr als „Austrobolschewis-mus" bezeichnet).

Eine ähnliche Entwicklung machte auch die 1920 gegründete „Frontkämpfer­vereinigung" durch. Sie mündete ebenso wie die steirischen Heimwehren am Be­ginn der Dreißiger Jahre im Nazismus. Der deutsche Rechtsradikale Waldemar Pabst (Reichswehrmajor, beteiligt an der Ermordung von Karl Liebknecht und Ro­sa Luxemburg sowie am Kapp-Putsch) war lange Zeit Stabschef der Heimwehr, deren Führung nach dauernden Rivali­tätskämpfen 1930 an Ernst Rüdiger Star­hemberg überging. Dessen wesentlichste Gegenspieler waren vorher und nachher der Tiroler Heimwehr-Chef Richard Steid-le, Walter Pfrimer, Führer der steirischen Heimwehr, der enge Kontakte zu den Na­zis unterhielt und Emil Fey. Fey, Führer der Wiener Heimwehr gehörte zu den Initi­atoren des Februar 1934 und spielte beim Juli-Putsch der Nazis im Juli des selben Jahres eine äußerst zwielichtige Rolle.

Die Heimwehr - von „Bundesführer" Starhemberg in seinen Memoiren als „be­zahlte Prätorianergarde" bezeichnet-trat 1930  ") in Erscheinung, die acht National­ratsmandate errang. Sie hatte sich zuvor demonstrativ zum Faschismus bekannt (im Rahmen des berühmt-berüchtigten

„Korneuburger Eid"), und im September 1931        scheiterte die steirische Heimwehr unter der Führung Pfrimers mit einem Putschversuch, den die übrigen Landes­verbände nicht mitmachten.

Nach Jahren politischer Konflikte und des permanenten Kleinkrieges auf der Straße mit „marxistischen" Gegenkräften trieb die Heimwehr nach der Liquidierung der politischen Demokratie durch Bun­deskanzler Engelbert Dollfuß im März 1933 zum faschistischen Staatsstreich.

  Dieser erfolgte nach einem Arrangement zwischen Dollfuß und Mussolini, der die Heimwehr finanziert und ausgerüstet hat­te um auf diesem Wege Einfluss auf die österreichische Innenpolitik zu gewinnen. Der Staatsstreich ging in mehreren Etap­pen vor sich: Seit der Ausschaltung des Parlaments im März 1933 regierte Dollfuß autoritär, erst ein knappes Jahr später ließ er mithilfe der Heimwehr die Sozial­demokratie in einem dreitägigen Bürger­krieg mit Waffengewalt niedermachen. Mit der oktroyierten „Verfassung" vom 1. Mai 1934 ging die paramilitärische Heimwehr bald mit den übrigen bewaffneten Verbän­den und faschistischen Organisationen, wie die „Ostmärkischen Sturmscharen" und der antisemitische „Freiheitsbund" in der „Frontmiliz" jener „Vaterländischen Front" auf, die von Dollfuß und Starhem­berg 1933 als faschistische Einheitspartei geschaffen worden war.

Die Heimwehrführer, die vorerst wichti­ge Regierungsfunktionen ausübten (Star­hemberg, Fey und andere), schieden im weiteren Verlauf aus dem Machtgefüge des sogenannten „Ständestaates" aus: Fey, nach seiner zweifelhaften Rolle wäh­rend des Naziputsches im Juli 1934, und Starhemberg zwei Jahre später, im Som­mer 1936, nachdem sich Kurt Schusch­nigg, der Nachfolger des im Juliputsch getöteten Dollfuß, mit Hitler zu arrangie­ren versucht hatte. Als Vermittler dieses unsauberen „Deutschen Friedens" hatte Franz v. Papen, Hitlers Vizekanzler von 1933, fungiert.

Mussolini, der 1935/36 in Afrika einen Kolonialkrieg führte und mit Nazideutschland 1936 im spanischen Bürgerkrieg in­tervenierte, hatte seine Schirmherrschaft über die Heimwehr und in weiterer Fol­ge über den gesamten Austrofaschismus zugunsten einer Allianz mit Hitler aufge­geben. Die linke Warnung „Faschismus bedeutet Krieg" war angesichts des her­aufziehenden Zweiten Weltkrieges in den Wind gesprochen.

Hugo Pepper

Volksbildner