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London Jewish Cultural Centre



Lang Nicolas

JW3 (vormals London Jewish Cultural Centre) und Holocaust Memorial Day Trust (HMDT)

 

Die/der Gedenkdienstleistende in London arbeitet an der Einsatzstelle JW3, ist jedoch im Rahmen einer Kooperation auch im großen Ausmaß für HMDT aktiv. Beide Organisationen befinden sich in London. Im Folgenden werden die beiden Organisationen jeweils kurz beschrieben und die Aufgaben der/des Gedenkdienstleistenden skizziert.

 

Die Institutionen

JW3

Der Name ist eine Anlehnung an die in London omnipräsenten postcodes. JW3 liegt im Nordwesten Londons, wurde im Oktober 2013 eröffnet und ist somit eine relativ junge Organisation. 2015 fusionierte JW3 mit dem London Jewish Cultural Centre, der bisherigen Gedenkdienst-Einsatzstelle in London, womit auch der Gedenkdienstleistende vom Holocaust Education & Anti-Racism Department des LJCC zu JW3 wechselte. Heute versteht sich JW3 als das kulturelle und soziale Zentrum der jüdischen Gemeinde Londons. Kurse zur jüdischen Geschichte, über jüdischen Film, Literatur und Musik, die das JW3 neben Sprach-, Tanz- oder auch Kochkursen anbietet, erfreuen sich einer ständig wachsenden Zahl an TeilnehmerInnen. Lesungen, Konzerte, Ausstellungen und auch größere Veranstaltungen aller Art ziehen ein Publikum jeden Alters an. Alleine Ende 2014 haben schon 225.000 Menschen das Kulturzentrum besucht, darunter auch in der Umgebung wohnende Holocaust-Überlebende, dessen Betreuung eine der Hauptaufgaben der/des Gedenkdienstleistenden ist. All dies macht das JW3, zu einem sozialen und kulturellen Fixpunkt in der jüdischen Gemeinde.

 

Website: https://www.jw3.org.uk

 

HMDT

Holocaust Memorial Day Trust (HMDT) ist eine von der britischen Regierung im Jahre 2005 ins Leben gerufene Charity. Im Fokus der Organisation steht der Holocaust Memorial Day, welcher jährlich am 27. Jänner am Jahrestag der Befreiung des ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau stattfindet. Menschen im ganzen Land gedenken den Opfern des Nationalsozialismus und erfahren von Überlebenden ihre Lebensgeschichte. Es wird nicht nur an den Holocaust erinnert, sondern auch an die Genozide in Kambodscha, Ruanda, Bosnien, und Darfur. HMDT unterstützt interessierte Schulen, Organisationen und Gruppen mit kostenlosen Materialien, um ihre eigene Gedenkveranstaltung zu organisieren. Im Jahr 2016 wurden 5.590 lokale Veranstaltungen in Schulen, Bibliotheken, Gefängnisse, Synagogen, Kirchen und an vielen anderen Orten abgehalten. Viele ZeitzeugInnen sowie zahlreiche Prominente werden jedes Jahr zu der offiziellen HMDT-Gedenkveranstaltung eingeladen.

 

Website: hmd.org.uk

 

Aufgabengebiete der/des Gedenkdienstleistenden

 

Gedenkdienstleistende bei JW3 sind als Holocaust educator im Holocaust Department tätig. Zu den Hauptaufgaben gehört das Organisieren von Events für eine große Gruppe an Holocaust-Überlebenden, die in London und Umgebung leben. Auch wenn JW3 ein breit gefächertes Angebot an Programmen und Kursen bietet, beschränkt sich die Arbeit der/des Gedenkdienstleistenden auf das Holocaust Department. Weitere Aufgaben sind das Zusammenstellen eines Newsletters für die ZeitzeugInnen sowie das Beantworten diverser Anfragen und regelmäßiger persönlicher Kontakt. Da das Holocaust Department bei JW3 recht klein ist, kommen sehr verschiedene Aufgaben auf die/den Gedenkdienstleistenden zu: das Kontaktieren von Überlebenden per Post oder Telefon, administrative Aufgaben wie das Bestellen von Büromaterial oder die Organisation von Taxis für Überlebende und die persönliche Betreuung bei Veranstaltungen vor Ort, um nur einige Beispiele zu nennen.

Bei HMDT werden Gedenkdienstleistende in ein vielfältiges Angebot an Aufgaben involviert, da mit dem gesamten Team gearbeitet wird und man somit überall mithelfen kann. Die/der Gedenkdienstleistende hilft bei der Organisation des Holocaust Memorials Days mit, womit nicht nur die zeremonielle große Gedenkfeier gemeint ist, sondern alle damit verbundenen Programme und Events, die in verschiedenen Teilen des Landes stattfinden. Beispielsweise erwähnt seien nur Gespräche mit ZeitzeugInnen, Bildungsworkshops und Kunstprojekte. Dabei muss gesagt werden, dass es durchaus Möglichkeiten gibt, eine leitende Funktion im HMDT-Team einzunehmen.

 

 

Hauptanforderungen

 

Da man unweigerlich auf verschiedene Akzente und Dialekte trifft und sich gelegentlich auch formeller Sprache bedienen muss, benötigt die/der Gedenkdienstleistende sehr gute Englischkenntnisse. Kontaktfreude, gute soziale Umgangsformen und Teamfähigkeit sowie ein sicheres Auftreten sind genauso wichtig wie Offenheit gegenüber anderen Kulturen, Religionen und politischen Ansichten.

Weiters muss sie/er in der Lage sein, sowohl bewährte Verwaltungsabläufe aufrecht zu erhalten, als auch etwaige Probleme kreativ und diplomatisch zu lösen. Dazu gehören auf jeden Fall ein gewisses Organisationstalent und keine Scheu vor Schreibtischarbeit sowie die Fähigkeit und Bereitschaft eigenständig und eigenverantwortlich zu arbeiten. Grundkenntnisse in Microsoft Word, Outlook und Excel sind für die alltägliche Büroarbeit empfehlenswert.

 

Wohnungssituation und Lebenshaltungskosten

 

London ist eine der teuersten Städte der Welt, das bei der Bewerbung bedacht werden muss. Es wird keine Unterkunft von der Einsatzstelle bereitgestellt. Aufgrund der enorm hohen Mietkosten sind Wohngemeinschaften sehr verbreitetet.. Das Angebot an WG-Zimmern ist groß, die Suche aber langwierig, da Internetbörsen täglich eine Vielzahl an neuen Angeboten bieten und die Qualität der Wohnungen stark variiert. In der Vergangenheit konnte manchmal das WG-Zimmer von dem/der VorgängerIn übernommen werden.

Mit über 8 Millionen Menschen (bzw. 13,7 Millionen im Großraum) und der mehr als dreifachen Fläche von Wien ist London eine sehr große Stadt und das Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln ist zwar dicht, aber teilweise unübersichtlich und vor allem teuer. Deshalb empfiehlt es sich, genau zu überlegen, wie weit die Wohnung vom Arbeitsplatz entfernt ist, um lange Anfahrtswege zu vermeiden.

 

Vorbereitung und Literatur

 

Als Vorbereitung ist Lektüre empfehlenswert, die generelles Wissen über das ͵Dritte Reichʹ und den Holocaust vermittelt. Wissen über das System der Ghettos, Vernichtungs- und Konzentrationslager und die Kindertransporte nach Großbritannien sowie Formen des Widerstandes sind nützlich im Kontakt mit den Überlebenden und bei inhaltlichen Aufgaben. Vorteilshaft wäre auch Wissen über den historischen Verlauf der NS-Vernichtungspolitik und deren theoretisches Gerüst. Sehr zu empfehlen ist Literatur zum Leben nach der Flucht bzw. dem Holocaust, insbesondere in Großbritannien und zu den psychologischen Folgen für die Überlebenden. Die/der Gedenkdienstleistende hat im Rahmen der Arbeit auch mit historischen Inhalten zu tun und arbeitet mit den unterschiedlichsten Überlebenden – nicht ausschließlich des Holocaust – zusammen; deshalb sollte man von alldem auf jeden Fall solide Grundkenntnisse besitzen.

 

Literatur:

 

• Wolfgang Benz, Der Holocaust. München, 2005.

• Wolfgang Benz, Geschichte des Dritten Reiches. München, 2003.

• Wolfgang Benz/Pehle/Walter H., Hg., Lexikon des deutschen Widerstandes. Frankfurt am Main, 2001.

• Raul Hilberg, Die Vernichtung der europäischen Juden. 3 Bände, Frankfurt am Main, 1999.

• Wolfgang Benz, Feindbild und Vorurteil. Beiträge über Ausgrenzung und Verfolgung, München, 1996.

• Wolfgang Benz, Hg., Legenden, Lügen, Vorurteile. Ein Wörterbuch zur Zeitgeschichte, München, 2002.

• Wolfang Benz/Claudia Curio/Andrea Hammel, Die Kindertransporte 1938/39: Rettung und Integration. Frankfurt am Main, 2003.

• Werner Bergmann, Geschichte des Antisemitismus. München, 2004.

 

Die/der Gedenkdienstleistende ist für ein Jahr Teil einer jüdischen Gemeinschaft und daher wäre ein Wissen über jüdische Bräuche, Religion, Geschichte und Kultur von Vorteil.

 

Nähere Literaturhinweise:

 

• Johann Maier, Jüdische Geschichte in Daten. München, 2005.

• Kurt Schubert, Jüdische Geschichte. München, 2002.

• Günter Stemberger, Jüdische Religion. München, 2002.

 

Einige der ZeitzeugInnen, mit denen die/der Gedenkdienstleistende zusammenarbeitet, haben ihre Erlebnisse publiziert. Es folgt eine kleine Auswahl dieser Bücher, wobei leider manche dieser ZeitzeugInnen bereits verstorben sind.

 

• Margot Barnard, "Ich sehe Dich nie wieder!". Bonn, 2009.

• Martha Blend, Ich kam als Kind. Erinnerungen, Wien, 1998.

• Mia Kanner/Eve Kugler, Shattered Crystals, 1997.

• Freddie Knoller, Desperate Journey. Vienna-Paris-Auschwitz, London, 2002.

• Freddie Knoller, Living with the Enemy. My Secret Life on the Run from the Nazis, London, 2005.

• Trude Levi, Eine Katze namens Adolf, Witzenhausen, 1997.

• Trude Levi, Did you ever meet Hitler, Miss?: A Holocaust Survivor Talks to Young People, London, 2002.

• Lewis Cirla, Cirla's Story. 2008.

• Helga Wolff, Backdrop London and other stories. Kindle ebook, 2008

 

 

 

Post aus... London (von Moritz Wieser)

 

 


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