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Ausgabe 3/04


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Zivildienstreform: Von der Pflicht zur Alternative und zurück?

 

Das Nachdenken über die Zukunft des Zivildienstes hat mit der Diskussion um die Bundesheerreform und der möglichen Abschaffung der Wehrpflicht begonnen. Verkürzter  Zivildienst,   Verpflichtendes Soziales  Jahr oder  Freiwilligendienst? Wie schaut der Zivildienst der Zukunft in Österreich aus? Werden die Zivildiener künftig sozial so weit abgesichert sein,   dass sie sich  Essen und Wohnen noch leisten können?

Die Position der Bundesjugendvertretung (BJV) zur Zivildienstreform ist sonnenklar. Soziale Dienstleistungen dürfen nicht von der Wehrpolitik her gestaltet werden. Die Überlegungen  müssen  vielmehr dahin gehen, wie ein qualitativ hochwertiges Gesundheits- und  Sozialsystem  auch ohne Zwangsdienste und „Naturalsteuern" gewährleistet werden   kann. Als  offizielle   Interessenvertretung   der  jungen Menschen in Österreich setzt sich die BJV massiv für eine Gleichstellung von Präsenz- und Zivildienst auf eine Dauer  von sechs Monaten ein. Und denkt einen Schritt weiter:

Österreich ohne Zivildienst? Kann das, falls er wirklich abgeschafft wird, gut gehen? Am 12. Oktober erklärte die BJV in einer Pressekonferenz mit der Caritas  und  dem   Institut für Jugendforschung wie  und warum  das funktionieren  kann. Dabei wurde das Bild eines Österreich   gezeichnet, in dem Hilfsorganisationen wie die Caritas dank Freiwilliger Sozialer Dienste auch ohne Verpflichtende Sozialdienste auskommen können. Das mehrstufige Modell der BJV sieht die Aufwertung der Freiwilligendienste, flexible Einsatzzeiten bei Auslandsdiensten, die Anrechnung bei weiteren Ausbildungen, bessere soziale Rahmenbedingungen für Freiwillig Engagierte und damit einen langsamen Ausstieg aus Verpflichtenden Sozialdiensten vor. Freiwilligkeit ist das Stichwort, denn Verpflichtende Dienste widersprechen der Europäischen Menschenrechtskonvention. Zwang ist - gerade in sensiblen Bereichen wie den Pflegeberufen - keine gute Basis für Engagement und motivierte Arbeit.

Zu Solidarität kann man niemanden verpflichten. Ziel muss es deshalb sein, eine „Kultur selbstverständlicher Freiwilligkeit" zu schaffen.

Die Bundesheer- und die jetzt eingesetzte   Zivildienstreformkommission haben eines gemeinsam: Sie beleuchten  die  geplante   Reform   nur sehr einseitig - aus dem Blickwinkel der Einsatzstellen.    Bisher   wurde   die Perspektive der eigentlich Betroffenen - der jungen  Menschen - ausgeklammert.     Nachhaltig    wirksame Lösungsstrategien   müssen  jedoch zuallererst  den   Blickwinkel  junger Menschen zum Ausgangspunkt nehmen. Die Grundfrage muss lauten: Wie kann freiwilliges Engagement attraktiver gemacht werden, um Menschen dauerhaft für Berufe im Gesundheits- und    Sozial- und  gemeinnützigem Bereich zu begeistern? In Zeiten der zunehmenden   Individualisierung   der Gesellschaft nimmtSolidaritäteinen neuen Stellenwert ein. Mit diesem Horizont soll­te die Neuordnung der Trinität Zivildiener Trägerorganisationen - Politik/Staat und  deren  unterschiedliche  Interessen sowie Rollen neu diskutiert werden.

Judith Pfeifer

Pressesprecherin der Bundesjugendvertretung.

Sie leistete 1995 Gedenkdienst am Montreal

Holocaust Memorial Center in Kanada.

 

 

Editorial

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Alles   wird   reformiert.   Nach   der Reform des  Präsenzdienstes im  letzten Sommer setzte die Regierung eine weitere Kommision ein -die Zivildienstreformkommision (ZDRK).

Bis Ende Jänner 2005 soll ein Bericht erarbeitet werden, der mitentscheidend sein wird für die Zukunft des Zivildienstes und damit auch für die Zukunft von GEDENKDIENST. Grund genug, die eigenen Vorstellungen und Wünsche von GEDENKDIENST in dieser Ausgabe zu formulieren und mit dem Vorsitzenden der ZDRK, Rotkreuz Präsidenten Fredy Mayer ein Interview zu führen.

Im Oktober ist die neue Veranstaltungsreihe von GEDENKDIENST ,Geh Denken!' angelaufen. Das Ziel der Reihe, Standpunkte in Vorträgen und Diskussionen zu schärfen, ist bei den ersten Veranstaltungen aufgegangen. So setzt sich Anton Legerer in seinem Beitrag durchaus kritisch mit dem Identitätsbegriff von GEDENKDIENST auseinander eine Weiterführung dieser Diskussion in einer der nächsten Ausgaben wäre interessant. Die Emigration über den Atlantik ist Thema des Beitrags von Martin Horvath und Philipp Mettauer. Die beiden berichten über ihre Eindrücke, die sie im Zuge der von GEDENKDIENST durchgeführten Interview-Projekte in Buenos Aires und New York gewinnen konnten.

Abgerundet wird diese Ausgabe vom GEDENKDIENST-Heimkehrer Christoph Köttl, den ich als neuen Mitarbeiter unserer Zeitung begrüßen darf.

Eine interessante Lektüre wünscht

Stephan Roth

Chefredakteur GEDENKDIENST