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Ausgabe 1/04


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„Hallo, ich bin der Christian, ich habe auch mal Gedenkdienst gemacht..."

Gedanken zum Ausscheiden von Christian Klösch aus dem Vorstand des Vereins GEDENKDIENST

 

Diese Begrüßung leitete für viele in den vergangenen Jahren den ersten Kontakt mit GEDENKDIENST ein. Ob nun bei Mittwochstreffen, Tagung, Seminar oder bei dem ein oder anderen Bier - Christian Klösch stellte sich mit diesem Satz vor. Ein klassischer Fall von Understatement. Deutet er doch nur an, wie eng die Vereinsgeschichte mit seiner Person verbunden ist und wie intensiv er GEDENKDIENST in all sei­nen Entwicklungsphasen begleitet und prägend mitgestaltet hat. Im März 2004 zog sich Christian aus dem Vorstand zurück und nun ist es an mir, ein (vor­läufiges) Resümee seines langjährigen Engagements zu ziehen.

 

Seinen Gedenkdienst leistete Christian 1996/97 am Leo Baeck-lnstitute in New York. In Zusammenarbeit mit Martin Horvath legte er dort den Grundstein für das Austrian Heritage Collection-Projekt. Das Interviewprojekt mit österreichischen Vertriebenen macht bis zum heutigen Tag die Arbeit der Gedenkdiener in New York aus. Nach der Rückkehr aus den Staaten setzte Christian sein Engagement im Verein als Vorstandsmitglied fort. Neben Sascha Kellner, Johannes Ungar, Dominik Walch und Sina Zwettler gehör­te er zu den zentralen Personen, die sich mit der Herausforderung konfron­tiert sahen, den Verein nach dem perso­nellen Umbruch im Frühjahr 1997 struk­turell und inhaltlich neu aufzubauen und finanziell zu sanieren. In seiner Position als Kassierstellvertreter und später dann als Kassier oblag es u.a. auch ihm, die Existenz von GEDENKDIENST Christian   aber  insbesondere   inhaltlich maßgebliche Akzente.

 

Auch flössen die Ergebnisse seiner vielfältigen beruflichen Projekte u.a. für zu sichern. Dazu zählte gerade in der Anfangszeit viel administrative Arbeit und mühsames Sichten von Belegen und Unterlagen. Schon damals setzte die Exilbibliothek des Literaturhauses oder die Historikerkommission bis zum Ende seiner Vorstandstätigkeit in die Arbeit des Vereins ein. Exilkabarett oder die Person Irene Harrand haben sich so manchem erst durch Christians Auseinandersetzung näher erschlossen.

 

Nach dem Abschied von Sascha Kellner im Frühjahr 2001 wurde Christian zum Obmann des Vereins gewählt. Er läutete zusammen mit dem neu konstituierten Vorstand eine wei­tere Entwicklungsphase des Vereins ein. Dass diesem nach einem jahre­langen Provisorium endlich ein eige­nes Büro zur Verfügung steht, ist nur eine der vielen Errungenschaften, die u.a. seinem Engagement zu verdanken sind. Der Verein hat sich unter sei­ner Federführung Strukturen geschaf­fen, die ermöglichen, das Potential von GEDENKDIENST besonders im Bereich der Holocausteducation professionell umsetzen zu können. Diese Ambition wird unter dem neuen Obmann Gregor Ribarov, der Christian im Frühjahr dieses Jahres ablöste, sicherlich weiter verfolgt werden.

 

Es sind komischerweise vorherr­schend Abschiede, die zum Anlass genommen werden, Würdigungen auszusprechen. Danke, ein Wort, das bis dahin eher selten zu fallen scheint. Aber das liegt wohl in der Natur von ehrenamt­lichen Tätigkeiten. Für GEDENKDIENST einzustehen, um daraus persönliche Anerkennung zu ziehen, ist für Christian nie die Intention und treibende Kraft gewesen. So erschien es mir manchmal, als ob er die Aufmerksamkeit, die ihm als Obmann entgegengebracht wurde, in einigen Situationen als eher unange­nehm empfand. Die Verantwortung, den Verein nach außen und den Vorstand nach innen zu repräsentieren, übernahm er mit der ihm eigenen Souveränität, wobei er insbesondere in internen Konfliktsituationen eine ausgleichende Position besetzte. Ich habe Christian als eine Person kennen und schätzen gelernt, die trockenen Humor mit einer generellen Gesprächsbereitschaft und gut dosierter Offenheit kombiniert. Eine Mischung, die ihn für so manchem nicht nur in langen Tagungsnächten zu einem beliebten Gesprächspartner machte.

 

Mit Respekt verfolgte ich seinen unermüdlichen Einsatz für die „Sache". Das hohe Maß an aufgewendeter Zeit und Energie gewinnt gerade angesichts seiner Vater- und Dissertantenrolle an besonderer Bedeutung.

 

Allumfassender Dank entzieht sich meiner Meinung nach quantitativen und qualitativen Kategorien. Daher stellt sich mir nicht die Frage, ob man Christian für sein Engagement angemessen dan­ken kann. Ansonsten müsste ich auf Allgemeinplätze zurückgreifen, die in ihrer Abgegriffenheit nicht die hohe Wertschätzung und Anerkennung zum Ausdruck bringen, die sich Christian durch seine Persönlichkeit und Arbeit erworben hat, und die ihm vom Verein entgegengebracht wird. Mir bleibt alleinig die Möglichkeit simpel anmutend „danke schön" zu sagen und darauf zu vertrau­en, dir, Christian verständlich gemacht zu haben, dass deine Tätigkeiten nicht nur zur Kenntnis genommen, sondern auch gewürdigt werden.

 

Ich wünsche dir viel Erfolg für anste­hende Aufgaben und hoffe, wie viele, dass der Satz „Hallo, ich bin der Christian, ich habe auch mal Gedenkdienst gemacht" auch weiterhin noch häufig zu hören sein wird.

 

Stefanie Lucas

 

Studentin in Berlin Gedenkdienstleistende 2001/2002 in Wien