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Ausgabe 4/04


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Hans Schafranek, Klaus Tuchel (Hg.): Krieg im Äther. Widerstand und Spionage im Zweiten Weltkrieg.

Picus Verlag Wien 2004.

 

Die wissenschaftliche Aufarbei­tung der Rolle der Geheim­dienste im Wider­stand ge­gen den Nationalsozialis­mus gilt als schwie­rig, liegt es doch im Wesen geheimdienstlichen Tätigkeit sich gegen jedwede kritische Annäherung zu sperren.

 

Erste Resultate der Erforschung dieses schwierigen Kapitels der NS-Geschichtsschreibung liegen nun in einem von Hans Schafranek und Klaus Tuchel im Picus Verlag herausgegebenen Sammelband vor.

 

Das Buch versammelt Beiträge einer 2001 von der Gedenkstätte Deutscher Wi­derstand und dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes veran­stalteten Tagung, die ein Forschungsprojekt über Fallschirmagenten der UDSSR im Zweiten Weltkrieg zum Gegenstand hatte. Dementsprechend ist etwa die Hälf­te des Bandes der wissenschaftlichen Be­trachtung sowjetischer Nachrichtendienste gewidmet, der Beiträge über die Aktivitä­ten westlicher Geheimdienste gegenüber stehen.

 

Das hohe fachliche Niveau der Publika­tion erschließt sich über ihre Konzeption.

 

Den Beschreibungen ausgewählter Spionageaktivitäten korrespondieren Bei­träge, die zentrale Themen für die Analy­se dieser Fallstudien beleuchten. Positiv hervorzuheben sind insbesondere die Be­trachtung des NS-Terrorsystems in Öster­reich von Wolfgang Neugebauer und der einführende Beitrag von Peter Steinbach über den sogenannten Widerstand „von außen".

 

Dass ein solches Tagungsthema nach wie vor neben seiner historischen auch po­litische Relevanz besitzt, wird am teils bis heute bestehenden Konflikt zwischen den Regimegegnern im Innern und den emig­rierten Widerstandskämpfern deutlich.

 

Letztere wurden häufig als Vaterlands­verräter tituliert, die scheinbar heimatliche Interessen verraten und nur aus Feigheit ihren Widerstand ins Ausland verlagert hatten.

 

Es ist vielleicht das größte Verdienst des Buchs diese Gruppe einer ausführlichen kritischen Betrachtung zu unterziehen und sie dadurch wesentlich zu rehabilitieren, ohne die Konfliktmarken in der Auseinandersetzung mit diesem noch immer kom­plexen Themenkreis nivellieren zu wollen.

 

Florian Huber

 

Leistete 2000/01 Gedenkdienst in der Gedenkstätte Theresienstadt. Lebt zumeist in Wien