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Ausgabe 1/06


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50 Jahre diplomatische Beziehungen Österreich-lsrael

„Die längste Zeit wur­de Österreich geprie­sen oder verdammt, aber es kommt dar­auf an, es zu entdecken", meinte der österreichische Schriftsteller und Li­teraturkritiker Karl-Markus Gauß ein­mal. Ganz in diesem Sinn versucht das Österreichische Kulturforum in Tel Aviv Österreich auch in Israel entdeckbar zu machen und vorgefasste Meinungen mit konkret Erlebbarem zu konfrontie­ren.

 

Seitdem das österreichische Gene­ralkonsulat in Tel Aviv im Jahr 1956 in eine Gesandtschaft umgewandelt wur­de, bestehen diplomatische Beziehun­gen zwischen Israel und Österreich. Die österreichisch-israelischen Beziehun­gen waren, vor allem zu Beginn, von der Erinnerung des Holocausts sowie der Vertreibung oder Ermordung der österreichischen Juden überschattet.

 

Ein halbes Jahrhundert - und ei­nige Hochs und Tiefs - später kann man sagen, dass heute ein herzliches Gesprächsklima besteht und die bila­teralen Beziehungen von einer offenen Haltung und einer freundschaftlichen Atmosphäre geprägt sind.

 

Im Gegensatz zu den historisch vor­belasteten politischen Beziehungen konnten die kulturellen Beziehungen von Anfang an kontinuierlich positiv wei­terentwickelt werden. Die enge kulturel­le Verbindung der beiden Staaten hat ihre Wurzeln unter anderem im enor­men Einfluss den der österreichische Kulturexodus - vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts - auf die kulturelle Landschaft Israels hatte.

 

Insbesondere im Jahr 2006, anläss­lich des 50-jährigen Jubiläums der di­plomatischen Beziehungen, während der EU Präsidentschaft, im Mozart- und im Sigmund Freudjahr, werden Kontak­te in den Bereichen Kunst und Kultur, Wissenschaft, Forschung, Jugend- und Studentenaustausch mit zahlreichen öffentlichen und privaten Partnern ge­pflegt und ausgebaut. Die Präsenta­tion österreichischer zeitgenössischer Kunst und Kultur und moderner kultu­reller Ausdrucksformen ist hierbei dem Kulturforum ein vorrangiges Anliegen.

 

Neben dem laufenden bilateralen Kultur- und Wissenschaftsaustausch werden im Jahr 2006 ca. 40 Veranstal­tungen in Israel stattfinden, die unter dem Motto „50 Jahre diplomatische Be­ziehungen" stehen. Für Highlights wie die Konferenz „Von Wien nach Jerusalem und wieder zurück: Österreichisch­israelische Wechselbeziehungen in Wissenschaft und Kunst (1956-2006)" am Center for Austrian Studies an der Hebrew University Jerusalem, Öster­reichische Tanztage, Galaveranstaltun­gen in der Israelischen Oper (Rosen­kavalier, Zauberflöte), die Herausgabe einer englischsprachigen Publikation „Österreichische Gerechte unter den Völkern", die Unterstützung des Festi­vals for Independent Electronic Music and Critical Media Art im August 2006 in Jerusalem, die Teilnahme am 11. Internationalen Studenten Film Festival an der Tel Aviv Universität, Buchprä­sentationen und Diskussionen zum jüdisch-christlichen Dialog u.v.a konnten Partner wie das Bundeskanzleramt, das BMBWK, die Stadt Wien, das Land Niederösterreich sowie zahlreiche pri­vate Partner und Sponsoren gewonnen werden. Weiterführende Informationen finden Sie auf der Webseite der Öster­reichischen Botschaft (s. Link „Kulturfo­rum"): www.austrian-embassy.org.il

 

Mario Vielgrader

 

Direktor des Österreichischen Kulturforums Tel Aviv,

 

leistete 2000/01 Gedenkdienst

 

am Spiro Institute in London

 

Editorial:

Liebe Leserin! Lieber Leser!

 

Mit der ersten Ausgabe des Jahres 2006 halten Sie, werte Leserinnen, auch eine letzte Ausgabe in Händen - keine Angst GEDENKDIENST steht nicht vor der Einstellung. Nach drei Jahren als Zeitungskoordinator habe ich mich entschlossen, diese Tätigkeit, die mir große Freude bereitet hat aber zeitlich nicht mehr zu bewerkstelligen ist, zu beenden. In meinem ersten Editorial (Ausgabe 3/03) habe ich die Aufgabe des Chefredakteurs mit der eines Dompteurs verglichen; nun gut der Dompteur ist müde und will nicht gefres­sen werden. Ab der nächsten Ausgabe wird ein neues Team unter der Leitung von Sebastian Markt die Zeitung betreu­en. Inhaltlich wird sich einiges ändern und auch das seit der Ausgabe 3/98 in Gebrauch befindliche Layout wird über­arbeitet - also eine letzte Ausgabe im doppelten Sinne.

 

In dieser Ausgabe von GEDENKDIENST dreht sich alles um Israel. Der Bogen spannt sich vom Thema Erinnerungspolitik über inneris­raelische Historikerdebatten bis zu österreichisch-israelischen Verbindungen.

 

Den Anfang macht Mario Vielgrader, derzeitiger Direktor des Österreichischen Kulturforums Tel Aviv und ehemaliger Gedenkdienstleistender in London, der in seinem Kommentar auf 50 Jahre diplomatische Beziehungen Österreich-Israel eingeht. Sebastian Markt führ­te mit Prof. Frank Stern ein Interview über Erinnerungskulturen in Israel; und Florian Wenninger berichtet wie eine israelische Historikerdebatte aus den 1980er Jahren seit dem Ausbruch der Alaksa-lntifada eine unvermutete Neuauflage erlebt.

 

Für GEDENKDIENST ist Israel seit jeher von zentraler Bedeutung. Yad Vashem zählt zu jenen fünf Arbeitsstellen, die seit 1992 beschickt werden, das Anitta Müller-Cohen Elternheim in Tel Aviv kam 1996 hinzu. Nikolaus Wildner und Julian Zechner berichten aus Israel über ihre an diesen Einrichtungen gewonnenen Erfahrungen. Der bemerkenswerten Lebensgeschichte der aus Wien stam­menden Anita Müller-Cohen - Gründerin und Namensgeberin des bereits erwähn­ten Elternheims, geht Dieter Hecht in seinem Beitrag nach. Vor fünf Jahren wurde das Österreichisch-lsraelisches Dialogforum von „Gedenkdienst-Veteran" Anton Legerer gegründet - eine lesenswerte Bilanz über den ambitionierten Diskussionsclub, der sich dem­nächst in die Österreichisch-lsraelische Gesellschaft einbringen wird.

 

Stephan Roth

 

Chefredakteur GEDENKDIENST