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Ausgabe 2/06


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Gedenkdienst am Jüdischen Museum in Vilnius

Das jüdische Museum in Vilnius wur­de 1989 von Holocaustüberlebenden wieder eröffnet und wird bis heute maß­geblich von diesen getragen. Insgesamt arbeiten mehr als 80 Personen im Muse­um, allerdings verteilt auf drei Gebäude, die zum jüdischen Museum gehören. Eines davon ist das grüne Haus, ein kleines charmantes, nur schwer auffind­bares Holzhaus. In eben diesem befin­det sich die Holocaustausstellung sowie im oberen Stockwerk der Arbeitsplatz der Gedenkdienstleistenden.

 

In Anbetracht der über 80 Mitarbeiter müsste man eigentlich meinen, das Ar­beitsverhältnis zwischen Gedenkdienst­leistenden und den Mitarbeitern des Mu­seums sei nicht sehr persönlich. Das Gegenteil ist der Fall. Was das Museum in Vilnius ausmacht, ist nicht die exakte, wissenschaftliche Arbeitsweise, viel­mehr seine Einzigartigkeit im Baltikum und die äußerst familiäre Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Gleich zu Be­ginn wird man herzlich in diese Familie aufgenommen und gehört auch lange Zeit nach Ableistung des Gedenkdiensts noch dazu.

 

Rachel Kostanian, eine der Gründe­rinnen des Museums, ist sozusagen Vor­gesetzte und Großmutter in einem. Die Arbeit der Gedenkdienstleisten wird sehr geschätzt und ihnen enormes Vertrauen entgegen gebracht. Der Gedenkdienst­leistende ist zuständig für die gesamte Online-Korrespondenz von Rachel Kos­tanian. Fast alle bisherigen Gedenk­dienstleistenden haben zudem sehr eng mit Ruta Puisyte, einer litauischen Historikerin, zusammengearbeitet. Da Ruta selbst noch sehr jung ins Museum ein­trat, sie daher ungefähr im selben Alter wie die meisten Gedenkdienstleistenden war, funktionierte die Kommunikation sehr gut. Der Kooperation mit Ruta sind einige Projekte zu verdanken. Mittler­weile arbeitet sie zwar nicht mehr im Museum, sondern hat eine Stelle am Jid­dischen Institut an der Universität, den­noch steht man als Gedenkdiener immer wieder mit ihr in Kontakt. Die Position von Ruta am Museum übernahm Vilma Gradinskaite, eine litauische Kunsthisto­rikerin, mit der mein Vorgänger Stefan Pierer erstmals zusammen arbeitete.

 

Um das Tätigkeitsfeld kurz zu um­reißen: Neben der Büroarbeit führt der Gedenkdienstleistende Touristen durch das Museum und die ehemaligen Ghet­tos, unterstützt das Museum bei kurz­weiligen Projekten oder Publikationen. Danben hat man meist Zeit, um eigene Interessen zu entfalten. Davon zeugen die zahlreichen von Gedenkdienstleis­tenden initiierten Projekte, die in Vilnius bereits durchgeführt wurden.

 

Ob und inwiefern sich in den nächsten Jahren am Museum, auch durch den Eintritt einer neuen Generation junger Litauern, etwas verändert und ob die familiäre Atmosphäre dadurch erhalten bleibt, wird sich zeigen. Zu hoffen bleibt es jedenfalls....

 

Michael Kieber

 

Derzeit Gedenkdienst in Vilnius