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Ausgabe 2/06


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Fragen an 10 (ehemalige) Gedenkdienstleistende in Vilnius

Markus Ebenhoch,

 

29 Jahre alt, 19 bei GD 96/97, lebt in Klaus, Vbg.

 

Beruf:

 

•  vor GD: HAK Feldkirch

 

•  danach: Theologie- und Religionspä­dagogikstudium in Wien, Birmingham/ Großbritannien und San Salvador/EI Salvador. Spanischstudium in Wien.

 

•  seit 2005 wissenschaftlicher Mitarbei­ter für Lehre und Forschung an der Universität Salzburg.

 

Mit welchen Erwartungen

 

bist du nach Vilnius gekommen?

 

Zunächst herrschte bei mir eine gewisse Unsicherheit vor, mich in einem fremden Kontext (Sprache, Kultur, Religion, Alter) wieder zu finden. Die herzliche Aufnah­me durch die Mitarbeiterinnen und die Unterstützung durch die Baltikumgruppe (Samuel Laster u. .a.) erleichterten mei­nen Einstieg. Die intensive Zeit in Litau­en und Israel zählt sicherlich zu den Hö­hepunkten meines bisherigen Lebens.

 

Hast du neben dem Museumsalltag noch andere Projekte angestrebt und umgesetzt?

 

Ursprünglich wollte ich vermehrt Kontakt zu litauischen Lehrerinnen aufnehmen,

 

um in den Schulklassen über den Ho­locaust mit den Schülerinnen zu disku­tieren. Leider ließ sich dieses Vorhaben nicht so realisieren, wie ich es mir vorge­stellt hatte.

 

•  Geglückte Kooperation mit UNITED, dem europäischen Netzwerk für Anti-rassismus- und Antisemitismusarbeit in Europa.

 

•  Theaterprojekt „Ghetto" von Joshua Sobol.

 

•  Vorbereitung für Ausstellungskoopera­tionen mit Wien, Amsterdam, Essen, Warschau.

 

Was hast du für dich persönlich mitgenommen?

 

•  Freundschaften

 

•  Einblicke in jüdisches Leben heute

 

•  Pädagogische Erkenntnisse aufgrund der angebotenen Museumsführungen

 

•  Fragen über meine eigene Identität und Religion aufgrund der erlebten Al-teritätserfahrung

 

Tipps für zukünftige GD:

 

•  Nach einem langen Arbeitstag abschal­ten können. Ich merkte nämlich mit den Monaten, wie mich die Aufarbeitung des Holocausts innerlich beschäftigte und teilweise auch aufzehrte.

 

•  Nie eine Einladung zum Teetrinken von  den  Museumsmitarbeiterinnen ausschlagen. Sie haben immer inter­essante (Alltags)Geschichten zu er­zählen.

 

•  Warme Wintermäntel...

 

 

Johannes Thaler,

 

27 Jahre alt, 18 bei GD 97/98, lebt in Wien

 

Beruf:

 

vorher Schüler, nachher Geschichtestu­dium, derzeit Fremdenführer im österrei­chischen Parlament

 

Erwartungen?

 

Ich war mir bewusst, dass es sehr inter­essant, aber nicht einfach werden wür­de, als einziger Fremder im Museum zu arbeiten. Ich wusste den Gestaltungs­spielraum, der einem bei der Arbeit ge­lassen wurde, sehr zu schätzen, hatte jedoch auch einmal meine große Krise, als mir meine Position im Betrieb unklar wurde.

 

Andere Projekte neben dem Museumsalltag?

 

Ich habe insbesondere eine Reihe von Ausstellungen (mit-)organisiert: Jacques Lipchitz (Fotos seiner Kunstwerke), Joyce Rohrmoser (Fotoausstellung), Anne Frank. Weiters bemühte ich mich eine Datenbank aller überlebenden li­tauischen Juden zu erstellen, was je­doch im Sand verlief. Ich wirkte auch bei der Organisation der internationalen Chaim-Soutine-Künstlerkonferenz in Vil­nius mit.

 

Was hast du für dich persönlich mitgenommen?

 

•  Menschliche Bereicherung durch die Mitarbeiter des Museums und den an­deren meist alten Mitgliedern der Jü­dischen Gemeinde.

 

•  Kennen lernen eines Landes mit sei­ner Kultur

 

•  gute Freunde

 

•  politische und geschichtliche Bildung

 

•  Organisatorische Fähigkeiten und Bü­roorganisation

 

Tipps für zukünftige GD:

 

Gut, dass Ihr Euch für Vilnius entschie­den habt!

 

 

Wolfhardt Freinbichler,

 

33 Jahre alt, 25 bei GD 98/99, lebt in Wien

 

Beruf:

 

Student / wissenschaftlicher Mitarbeiter i. A. Technische Universität Wien

 

Erwartungen?

 

Ich hatte kaum Erwartungen. Die Umset­zung des Projekts „Anne Frank a History for Today" war mein - nicht geplantes - Hauptprojekt.

 

Projekte neben dem Museumsalltag?

 

Siehe oben

 

Was hast du für dich mitgenommen?

 

Erfahrungen im Projektmanagement, 2 Fremdsprachen, viele gute Freundinnen und viele schöne Erinnerungen

 

Tipps für zukünftige GD:

 

Das GD Netzwerk für eigene Projekte nutzen

 

 

Sepp R. Brudermann,

 

30 Jahre alt, 25 bei GD 00/01, lebt in London

 

Beruf:

 

Vorher Umherirrender Danach Filmregisseur

 

Erwartungen?

 

Erwartungen? Ostblock! Aber was ist der „Ostblock"? Ruta hat mich einmal gefragt ob ich schon mal im „Ostblock" gewesen sei. Auf meine Antwort „Ost-Berlin" kam nur ein Lächeln, „Sepp, that's not the East - now you are in the Soviet Union." Da ich also scheinbar keinerlei anre­chenbare Ost-Erfahrung vorzuweisen hatte, waren meine Erwartungen auch keine konkreten. Wie dem auch sei, sie wurden nicht enttäuscht. Das Schönste am Museum sind die wundervollen La-dies, die ich kennen lernen und mit de­nen ich zusammenarbeiten durfte. Nur um Missverständnisse auszuschließen, sollte man vielleicht erwähnen, dass die meisten von ihnen im Alter meiner Großmutter sind. Sehr klug, sehr wach, warmherzig und umarmend. Man muss

 

sich das Museum eher wie eine Familie vorstellen. Ist man einmal in diese Fami­lie aufgenommen, gibt es auch kein Aus­treten mehr, und zwar auf Lebenszeit. Die Arbeit im Museum hat sich für mich in 2 Teile gegliedert: den Teil, der mir in Wien schon angekündigt wurde, also Führungen, Büroarbeit, etc. und den Teil, der mich oft bis spät in die Nacht hat arbeiten lassen, der mich gefesselt und bis heute nicht losgelassen hat (siehe nächster Punkt).

 

Projekte neben dem Museumsalltag?

 

Ja, nur wo anfangen? Zunächst war da ein Theaterprojekt mit litauischen und jüdischen Jugendlichen. Das Ganze wurde von einer englischen Theaterre-gisseurin geleitet, welche ich im Zuge dieses Projekts sozusagen besser ken­nen lernen durfte (siehe Frage: Was hast du persönlich vom GD mitgenommen). Diesen Prozess (das Theater!) habe ich gemeinsam mit Niko Mayr (GD Anne Frank Haus) auf Video dokumentiert und ein Educational-Video („Opening Up") daraus gemacht, das in ganz Litauen an Schulen verteilt worden ist. Danach hab ich (wieder mit Niko Mayr) einen weiteren Film in Litauen gemacht: „Surviving Ostland" ein Film über 5 Frau­enschicksale während des Holocausts in Litauen. Filmemachen ist sehr intensive Arbeit und mit Sicherheit kein 9-5 Job, weshalb ich sehr froh war, dass es in Ordnung war, wenn ich manchmal etwas später zur „regulären" Arbeit erschienen bin. Zuletzt habe ich noch die Paneele zur neuen Ausstellung „Jewish Life in Lithuania" entworfen, wofür ich nach dem Ende meiner Dienstzeit noch einige Wochen länger in Vilnius geblieben bin. Aber vielleicht war das auch nur eine Ausrede, vielleicht war es auch einfach nicht leicht zu gehen.

 

Was hast du für dich persönlich mitgenommen?

 

Persönlich habe ich mehreres von mei­ner Tätigkeit mitgenommen. Erstens mal die Erfahrungen, die ich im Museum gemacht habe, die Menschen, die ich kennen lernen durfte; auch Ruta, die in meinem Alter war und mit der ich ge­meinsam gearbeitet habe und mit der ich 2 Jahre nach meinem GD noch einen weiteren Film i n Litauen gemacht habe, und die Museumsfamilie, der ich nun für immer angehöre und die für immer in meinem Herzen ist.

 

Dann muss ich sagen, dass sich mein Leben während meiner GD Zeit grundle­gend verändert hat. Als ich nach Vilnius gekommen bin, hatte ich gerade zuvor mein Kunststudium abgeschlossen, wusste aber noch nicht so recht wohin es gehen sollte. In Vilnius habe ich ange­fangen Filme zu machen und auf einmal war alles glasklar, Film - that's it! Gleich­zeitig habe ich während meiner GD Zeit jene englische Theaterregisseurin ken­nen gelernt. Und damit war der nächste Schritt klar; ich muss nach England, und ich muss dort Film studieren. Und ge­nau das hab ich auch getan. Nach dem Studium habe ich dann meine eigene Produktionsfirma in London gegründet, wo ich auch heute noch lebe. Die Regis­seurin sehe ich nicht mehr so oft, Filme mach ich noch immer.

 

Tipps für zukünftige GD:

 

Augen auf! Ohren auf! Herz auf!

 

 

Alex Gruber,

 

32 Jahre alt, 27 bei GD 01/02, lebt in Wien

 

Beruf:

 

vorher: Student der Politikwissenschaft/ Geschichte

 

nachher: Historiker beim „Allgemeinen Entschädigungsfonds für Opfer des Na­tionalsozialismus"

 

Erwartungen?

 

Ich hatte aufgrund der Erzählungen mei­ner Vorgänger eine vage Vorstellung über meine Aufgaben und meinen Ar­beitsbereich im Museum. Gleichzeitig je­doch war die Vorstellung von Vilnius und meiner Arbeit dort im Vorhinein von einer großen Unbekannten gekennzeichnet, die aber in den ersten Wochen, in de­nen ich sehr schnell bestimmte Aufga­ben von meinem Vorgänger übernahm, einer zunehmenden Vertrautheit mit der Materie wichen.

 

Zu meinem Tätigkeitsbereich gehörte neben den obligatorischen Aufgaben - Erledigen der internationalen Korre­spondenz, Führungen durch die Shoah-Ausstellung des Museums sowie durch das ehemalige Ghetto - die Betreuung der Wanderausstellung „Jewish Life in Lithuania". Dieses Tätigkeitsfeld reichte von organisatorischen Angelegenheiten wie der Eruierung von (potentiellen) Aus­stellungsorten, der Organisierung der Ausstellungseröffnungen u. ä. bis hin zu unmittelbar praktischen wie dem Aufbau der Ausstellungspanele vor Ort.

 

Projekte neben dem Museumsalltag?

 

Ich ging Rachel Kostanian bei der Her­ausgabe Ihres Buchs „Spiritual Re­sistance in the Vilna Ghetto" zur Hand. So übernahm ich die Einarbeitung der Überarbeitungs- und Verbesserungsvor­schläge sowie das Endlektorat.

 

Was hast du für dich persönlich mitgenommen?

 

Neben der tiefergehenden Kenntnis der Geschichte des litauischen Judentums im Allgemeinen und der Geschichte der Shoah in Litauen im Speziellen war es vor allem die persönliche Begegnung mit Überlebenden und Zeitzeugen, die mich nachhaltig geprägt hat. So war ich auch außerhalb des Museums während einiger Interviews zu dem Film „Survi-ving Ostland" dabei und erhielt dadurch einen tiefen und ganz persönlichen Ein­blick in die Verfolgungs- und Überle­bensgeschichte der jeweiligen Personen

 

-  eine unschätzbare Erfahrung. Diese Vermittlung von allgemeinen Begriffen der Geschichtsforschung - die aus der theoretischen Beschäftigung erwuchsen

 

-  und individueller Erfahrung hat einen ganz entscheidenden Beitrag zu meiner weiteren Beschäftigung mit der Thema­tik geleistet.

 

Tipps für zukünftige GD:

 

Man sollte die Bereitschaft mitbringen, sich in einigermaßen chaotische Ver­hältnisse einzuarbeiten und sich nicht entmutigen zu lassen. Es gilt vielmehr, diese Verhältnisse - aller „Verrückthei­ten" und Unabwägbarkeiten zum Trotz, die sich daraus ergeben können - als

 

das Charakteristikum der Stelle und als ihren ganz besonderen Charme anzuer­kennen.

 

 

Philipp Herzog,

 

29 Jahre alt, 25 bei GD 02/03, lebt in Wien

 

Beruf:

 

Student - Doktorand (zur baltischen Zeitgeschichte)

 

Erwartungen?

 

Dadurch, dass ich schon während meines Studienaufenthalts in Estland einen Ab­stecher ins Jüdische Museum Vilnius machen konnte, wusste ich bei meinem Antritt relativ gut darüber Bescheid, was auf mich zukommen würde. Wirkliche Überraschungen oder Probleme gab es keine, auch der besondere Flair Osteu­ropas war damals schon weitgehend der neo-kapitalistischen Realität gewichen, zumindest in Vilnius.

 

Projekte neben dem Museumsalltag?

 

Den beständigsten Beitrag zur Arbeit des Museum stellt sicher mein sog. „Touris-ten-Attraktivierungs-Plan" dar - ein Pro­gramm, um zusätzliches Geld in die leeren Kassen des Museums zu bringen. Hauptbestandteil war die Erstellung von T-Shirts und Postkarten für das Muse­um. Beide Komponenten verkaufen sich bis heute sehr gut. Ein dritter Schwer­punkt konnte leider aus Zeitmangel nicht fertig gestellt werden: Eine Publikation zu litauisch-jüdischem Alltagsleben vor

 

dessen Vernichtung. Touristen sollte die Möglichkeit geboten werden durch au­thentische Kochrezepte, Noten mit Tex­ten und Gitarrenbegleitung, eventuell einer CD mit litauisch-jüdischer Musik, Alltagsgeschichten aus der Vorkriegszeit - von Überlebenden erzählt - einen per­sönlicheren Zugang zu dem zu finden, was mit dem Holocaust verloren ging, als das durch einen Museumsbesuch möglich ist.

 

Was hast du für dich persönlich mitgenommen?

 

Obwohl ich mir schon vor meinem Ge-denkdienst-Antritt der Aufarbeitungs­problematik bewusst und allgemein ein politisch interessierter Mensch war, hat dieses Jahr bzw. die 14 Monate meinen Blick doch sehr geschärft - und das nicht nur für jüdische bzw. Holocaust-bezoge-ne Themen, sondern vor allem für all­gemeine gesellschaftliche und soziale Fragen bzw. Probleme. Um es überspitzt zu formulieren: "Ich bin ein besserer Demokrat geworden."

 

Tipps für zukünftige GD:

 

Geduld bewahren, kreativ sein und sich nicht aus der Ruhe bringen lassen.

 

 

Felix Prechtl,

 

27 Jahre alt, 23 bei GD 03/04, lebt in Wien

 

Beruf:

 

Vordem Gedenkdienst habe ich v.a. Han­delswissenschaften studiert. Nach dem Gedenkdienst Rechtswissenschaften und dann Gerichtsjahr. Jetzt bin ich As­sistent am Institut für Bürgerliches Recht und Handelsrecht auf der WU Wien.

 

Erwartungen?

 

Ich rechnete damit, in einer größeren und weniger persönlichen Museumsein­heit, als es das „grüne Haus" ist, zu ar­beiten und stellte mich darauf ein mir Ak­zeptanz und Vertrauen erst „verdienen" zu müssen. Tatsächlich hat man aber als neuer Gedenkdiener Vorschussvertrau­en, fühlt sich schnell integriert und wohl.

 

Projekte neben dem Museumsalltag?

 

In meiner Zeit haben wir die Ausstellung „Jewish Life in Lithuania" noch in ca. 7 litauische Städte gebracht, bevor wir sie im Juli 2004 endgültig im „Tolerance Center" installierten. Außerdem habe ich noch ein Buch des Museums übersetzt, für das sich ein deutscher Verleger ge­funden hatte.

 

Was hast du für dich persönlich mitgenommen?

 

Eine lebhafte Erinnerung an die Arbeits­kollegen. Ein besseres Verständnis für geschichtliche Zusammenhänge.

 

Tipps für zukünftige GD:

 

Zwar den jeweiligen Vorgänger vor Dienstantritt mit Fragen zur besseren Vorbereitung auf den Gedenkdienst zu löchern, aber sich das endgültige Bild über die Stelle erst später vor Ort selbst zu bilden.

 

 

Johannes Langer,

 

21Jahrealt, 19 bei GD 2004/05, lebt in Wien

 

Beruf:

 

HAK-Matura in Salzburg, dann Gedenk­dienst. Seither studiere ich an der Uni­versität Wien Politikwissenschaft und Geschichte.

 

Erwartungen?

 

Erwartungen in eine gewisse Richtung waren nicht wirklich vorhanden. Ich woll­te aus der Situation, die anzutreffen war, das Beste machen. In dem Sinn ist mir das großteils gelungen.

 

Projekte neben dem Museumsalltag?

 

Mein Hauptprojekt war sicherlich das educational project, mit dem ich im Früh­jahr 2005 startete. Mit diesem Projekt besuchte ich Schulen in ganz Litauen und gab Vorträge in interaktiver Weise über Antisemitismus, Holocaust und vor allem Toleranz.

 

Was hast du für dich persönlich mitgenommen?

 

Meine Gedenkdienst-Zeit war eine un­glaubliche Lebenserfahrung. Insbeson­dere das Zusammenarbeiten mit Leuten von so verschiedenen Hintergründen im Museum war spannend. Aber auch allgemein den Transformationsprozess,

 

den Litauen derzeit durchmacht, selbst mitzuerleben war herausfordernd. Vor allem der damit verbundene besonders schwierige Umgang mit einer kritischen Aufarbeitung der eigenen Geschichte.

 

Tipps für zukünftige GD:

 

Versuche deine eigenen Ideen zu entwi­ckeln und auch tatsächlich umzusetzen. Den nötigen Freiraum dafür bekommst du bestimmt! Aber sei finanziell bei dei­nem Projekt immer unabhängig vom Mu­seum.

 

 

Stefan Pierer,

 

21 Jahre alt, 20 bei GD 05/06, lebt in Wien und Obergreith

 

Beruf:

 

vor GD Schüler, nach GD Student.

 

Erwartungen?

 

Ich hatte keine sehr konkreten Vorstel­lungen über den Arbeitsablauf im Jü­dischen Museum in Vilnius, war dann aber doch überrascht. Einerseits von der Herzlichkeit/Fürsorge der Mitarbeiter im Grünen Haus - an die von Großmüt­tern grenzend - andererseits von den in vieler Hinsicht schwierigen und kom­plizierten Arbeitsbedingungen in einem staatlichen Museum eines ehemaligen Ostblockstaates.

 

Projekte neben dem Museumsalltag?

 

Neben den üblichen Arbeiten im Mu­seum führte ich das Ausbildungsprojekt meines Vorgängers weiter: Ich hielt 32 Vorträge mit anschließender Diskussi-

 

on über Holocaust, Antisemitismus und Toleranz an litauischen Schulen. Außer­dem arbeitete ich als 10. Gedenkdiener im Jüdischen Museum an der Organisa­tion des „Gedenkdienst-Symposiums" im September 2006 mit.

 

Was hast du für dich persönlich mitgenommen?

 

Alle Erfahrungen, alles Gelernte und Erlebte in einige Wörter zu packen ist unmöglich; jedenfalls eine richtungwei­sende, wunderbare, im Nachhinein als notwendig anzusehende Zeit.

 

Tipps für zukünftige GD:

 

Ruhe, Beständigkeit, Elan.

 

 

Michael Kleber,

 

20 Jahre alt, dzt. GD in Vilnius, lebte zuvor in Röthis, Vbg.

 

Beruf:

 

HAK-Absolvent. Was nach dem GD kommt, steht noch in den Sternen.

 

Erwartungen?

 

Von Litauen oder Vilnius selbst habe ich mir ursprünglich ein etwas östlicheres Flair erwartet, zwar kein wirkliches Ost-block-Leben mehr, aber dennoch etwas weniger Angleichung an Westeuropa. Diesbezüglich hat sich in den letzten Jahren aber wahrscheinlich zu schnell zu vieles verändert. So ist - zumindest

 

Vilnius - heute so westlich wie jede an­dere westeuropäische Stadt. Ein paar Reliquien aus früheren Jahren finden sich zwar noch, vom „Wilden Osten" kann aber kaum mehr die Rede sein. Was meine Aufgaben betrifft, habe ich mir die Arbeit ungefähr so vorgestellt. Ich hätte mir zwar zuweilen weniger Bü­rokratie erwartet, andererseits aber auch nie mit einem derart familiären Arbeitskli­ma gerechnet.

 

Projekte neben dem Museumsalltag?

 

Bisher noch nicht. Pläne gibt es schon. Was sich davon realisieren lässt, wird sich zeigen.

 

Was hast du für dich persönlich mitgenommen?

 

Das werde ich am Ende meines Ge-denkdiensts wissen.

 

Tipps für zukünftige GD:

 

Ein dickes Fell (auch auf die Tempe­raturen im Museum bezogen), innere Ruhe und Motivation mitbringen.

 

Zusammengestellt von Michael Kieber,

 

derzeit GDIer in Vilnius