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Ausgabe 1a/07


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Interview mit einem Flüchtling aus Syrien

Im Rahmen des Lehrausgangs zum Caritas-Flüchtlingsheim in der Robert-Hamerling-Gasse hatten wir die Möglichkeit, einen Herrn aus Syrien, der seit einem Jahr und vier Monaten in Österreich ist (und anonym bleiben möchte), zu interviewen:


Warum sind Sie geflüchtet?

In Syrien gibt es viele politische Probleme mit Kurden – und da ich Kurde bin, habe ich mir gesagt: „Ich muss nach Europa!“ und da bin ich nach Österreich gegangen.


Weshalb gerade nach Österreich?

Ich habe mich erkundigt, welches Land in Ordnung ist. Im Grunde genommen war es mir egal – Hauptsache weg von Syrien.


Gab es bei der Flucht Schwierigkeiten?

Es war sehr schwierig von Syrien wegzukommen! Ich bin zu einem Flughafen in den Libanon gefahren, weil mit meinem Pass hätte ich nicht einfach zum syrischen Flughafen gehen können. Es hätte zu viele Probleme gegeben. Vom libanesischen Flughafen aus bin ich nach Minsk geflogen. Dort war ich drei Tage und dann bin ich weiter nach Wien geflogen.


Was war Ihr erster Eindruck von Österreich?

Zuerst war ich im Flüchtlingsheim Traiskirchen in Niederösterreich. Dort habe ich nicht sehr viel gesehen, aber in Wien finde ich alles sehr gut und die Leute sind sehr nett!


Wie fühlen Sie sich in diesem Heim?

Ich finde Einrichtungen wie dieses Caritas-Flüchtlingsheim sehr gut und Wien gefällt mir auch sehr. Außerdem habe ich jetzt Asyl bekommen – das heißt, dass ich jetzt in ganz Europa herumfahren kann, aber ich verlasse Österreich nicht. Österreich empfinde ich als sehr positiv.


Haben Sie Angehörige in Österreich oder im Ausland?

Meine Eltern und der Großteil meiner Familie sind in Syrien, aber zwei Brüder und eine Schwester von mir sind in Deutschland.


Wollen Sie die österreichische Staatsbürgerschaft haben?

Ich habe jetzt einen Reisepass und positives Asyl - was soll ich mir noch wünschen? Aber natürlich möchte ich gerne österreichischer Staatsbürger werden, doch das dauert noch lange – mindestens vier Jahre.


Sind Sie mit der Einstellung der Österreicher gegenüber Flüchtlingen zufrieden?

Alle Österreicher, die ich bis jetzt getroffen habe, waren sehr nett, aber ich habe noch nicht sehr viele Kontakte außerhalb
des Heims.


Haben Sie Kontakt zu anderen Kurden in Österreich?

Ich habe natürlich zu allen möglichen Österreichern Kontakt, aber vor allem zu Kurden, weil Kurdisch ist meine Muttersprache. Als ich hergekommen bin, konnte ich überhaupt kein Deutsch, aber ich habe neun Monate lang einen Deutschkurs gemacht und auch hier im Caritas-Heim lerne ich Deutsch.


Vielen Dank für das Interview.


Jakob Andraschek, Judith Engel, Amon Maly