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Ausgabe 3/07


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EVS… Ein Überblick aus der Sicht der österreichischen Nationalagentur

Ein Interview mit Melanie Jacobs

 

Seit wann existiert der Europäische Freiwilligendienst (EFD) und wie ist es dazu gekommen?

 

M. J. Der EFD hat als Pilotphase 1996 angefangen und wurde 1998 zu einem regulären Austauschprogramm. 2000 wurde es schließlich im „Programm Jugend“ aufgenommen und jetzt eben weitergeführt in „Jugend in Aktion“ von 2007 bis 2013.

 

Es hat seitens der Europäischen Kommission begonnen, um junge Menschen – also eigentlich aus ganz Europa – eine Möglichkeit zu geben, in anderen Ländern Arbeitserfahrung zu sammeln, aber auch Europa kennen zu lernen. Und man hat versucht, diesen Begriff „Europa“ ein biβchen runter zu brechen – sprich: Jetzt nicht zu meinen, Europa sei Brüssel, sei Bürokratie oder sei weit weg, sondern, dass Europa auch heißt, jemanden aus Schweden kennen zu lernen oder ein halbes Jahr nach Greichenland zu fahren.

 

Und diese Idee ist eigentlich konstant die gleiche geblieben. Also: Wirklich, einfach um jungen Menschen zu ermöglichen, Europa kennen zu lernen und auch um Organisationen, also NGOs, die Möglichkeit zu geben, von diesen jungen Menschen neue Ideen zu bekommen, neue „inputs“ aus dem Ausland zu kriegen.

 

Das sind eigentlich so die Hauptargumente. Wichtig ist noch, dass die Zielgruppe für den Europäischen Freiwilligendienst ein biβchen anders als bei den übrigen Mobilitätsprogrammen der EU ist: Also es gibt eben ja auch Erasmus oder Leonardo oder Grundtvig oder alle möglichen Programme. Der EFD bildet eigentlich die einzige Möglichkeit für junge Menschen, die nicht in einem normalen Bildungsprogramm drinnen sind. Das heißt, es ist wichtig, dass es sozusagen auch für Jugendliche möglich ist, die arbeitslos sind, die die Schule abgebrochen haben oder die sonst nicht im Rahmen einer Ausbildung sind, auch einfach so auch ins Ausland gehen zu können.

 

Im Allgemeinen: Welche Länder oder andere Organisationen sind daran beteiligt?

 

M.J. Also an jedem EFD ist immer eine Sendeorganisation involviert, eine Aufnahmeorganisation und ein/e Freiwillige/r. Dass ist mal so das magische Drieck vom EFD. Dahinter stehen dann in jedem Land eine Nationalagentur, also in einem Entsendeland und eben einem Aufnahmeland. Diese gewährleistet, dass Freiwillige vorbereitet werden und die einfach auch im Aufnahmeland ein Auge darauf behält, ob alles in Ordnung ist, ob es dem/der Freiwilligen gut geht. Dahinter steht EVS… Ein Überblick aus der Sicht der österreichischen Nationalagentur Ein Interview mit Melanie Jacobs dann auch noch die Europäische Kommission, der das Program untersteht und die Fördermittel vergibt. Das sind so die wichtigsten Akteure.

 

Welche Art von Projekt können Freiwillige leisten?

 

M.J. Eigentlich alle möglichen Projekte. Es gibt nicht wirklich eine Eingrenzung. Also, das es geht vom Umweltbereich über Jugendarbeit, Arbeit mit Kindern oder Menschen mit Behinderungen... aber zum Beispiel auch so etwas wie ein Gedenkdienst. Das passt genau so gut da rein. Wichtig ist immer, dass die Einsatzstelle eine nicht gewinntragende Organisation ist. Das sozusagen sichergestellt ist, dass Freiwillige nicht zur Vergrößerung des Gewinns einer Firma beitragen.

 

Was sind die erwünschten Effekte für Organisation und Freiwillige/n?

 

M.J. Da ist einmal für den Freiwilligen, glaube ich, prinzipiell die Erfahrung ins Ausland zu gehen und damit Selbstständigkeit zu gewinnen, sich selbst kennen zu lernen, naturlich auch eine neue Sprache zu erlernen, Arbeitserfahrung zu sammeln und einfach mal was Neues auszuprobieren. Ich glaube für Aufnahmeorganisationen ist es spannend einmal Jugendliche aus einem ganz anderen Land und mit einem anderen Hintergrund aufzunehem, die den Standard normaler Arbeit neu sehen und neue Ideen einbringen. Dann auch zu lernen, jemanden zu betreuen, der kommt und jetzt noch keinen sozialen Rahmen hat. Also diese soziale Kompetenz ist da, glaube ich, auch sehr wichtig.

 

Können Sie mehr über die praktischen Aspekte wie etwa die Bezahlung sagen?

 

M.J. Es ist so, dass für den Freiwilligen selber keine Kosten anfallen. Die Kosten, die anfallen, werden von der Europäischen Union und von der Aufnahmeorganisation übernommen. Und: Die/der Freiwillige hat eine ganze Liste an Leistungen, die er oder sie kriegen soll. Es gibt also auf jeden Fall ein „Taschengeld“, dass nach Lebensstandard des Landes adaptiert ist. Die Organisation soll Unterkunft und Verpflegung zur Verfügung stellen. Es soll ein Sprachkurs zur Verfüllung gestellt werden, sofern das notwendig ist, um das Projekt gut ins Laufen zu bringen. Die/der Freiwillige ist versichert: Krankenversicherung ist dabei, Unfallversicherung, Haftpflichtversicherung und lokale Transportkosten sind ebenso inkludiert wie auch die Anund Abreise. Also einmal, um ins Land zu kommen und einmal, um wieder zurück nach Hause zu gelangen.

 

Zum Projekt: Welche Pflichten hat die Aufnahmeorganisation und welche die/der Freiwillige?

 

M.J. Die Aufnahmeorganisation ist einmal dafür verantwortlich, dass diese ganzen Rahmenbedingungen da sind. Also: Unterkunft, Verpflegung und die ganzen technischen Begebenheiten. Dann ist wichtig, dass am Projekt ein Projektverantwortlicher da ist oder eine Person, die die Anleitungen geben kann: Also, dass die/der Freiwillige eine Ansprechperson für konkrete Fragen zur Arbeit hat und die Arbeit auch planen kann. Wichtig ist auch, dass ein Mentor oder eine Mentorin zu Verfühlung gestellt wird, die idealerweise nicht direkt in der Aufnahmeorganisation involviert ist, damit ein biβchen Distanz zur tatsächlichen Arbeit vorhanden ist. Man soll natürlich auch schauen, dass einfach genug Arbeit da ist, aber auch nicht zu viel. Also einfach, dass das ein bisschen im Rahmen bleibt.

 

Für die Freiwilligen ist es wichtig, dass er oder sie sich einfach an Abmachungen hält: Arbeitszeiten, die ausgemacht sind, oder Arbeitsaufgaben, die ausgemacht waren; dass er oder sie aber auch Fragen stellt, wenn er oder sie nicht weiter weiß, dass er/sie verantwortungsvoll mit seiner/ihrer Aufgabe umgeht und sich einfach auch für den Erfolg des Projekts bemüht – das gilt eigentlich für beide Seiten.

 

Wie lange können Projekte dauern?

 

M.J. Das geht eigentlich von zwei Wochen bis zwölf Monaten. Der Großteil der Einsätze ist – zwischen sechs und zwölf Monaten – Langzeiteinsätze. Aber vor allem für Jugendliche, die aus gesundheitlichen Gründen oder sozialen Gründen – oder welchen Hintergründen auch immer – nicht länger können, die nur kürzer als sechs Monate können, da ist es auch möglich, dass sie nur zwei Wochen oder zwei Monate einen EFD machen.

 

Wer kann einen EFD machen?

 

M.J. Eigentlich alle zwischen achtzehn und dreißig. Also es ist einmal für jeden offen, aber bei der Vergabe von den Fördergeldern wird immer ein Schwerpunkt auf Jugendliche gesetzt, die eben sonst keine Möglichkeit haben, ins Ausland zu gehen. Das heißt: Wenn jetzt ein Antrag gestellt wird von einem Studenten, der das Studium schon fast fertig hat und jemandem, der die Schule abgebrochen hat, dann kriegt die Person, die die Schule abgebrochen hat eben auch die Priorität bei der Fördermittelvergabe.

 

Wie lange dauert es von der Entscheidung einen EFD machen zu wollen bis zum Dienstantritt?

 

M.J. Das ist schwierig zu sagen. Ich würde ein halbes Jahr als Richtlinie nennen. Also manchmal kann es ein bisschen schneller gehen, aber nachdem es immer eine gewisse Zeit gibt, die man einhalten sollte und Antragsfristen, die man berücksichtigen sollte, würde ich sagen, dass ein halbes Jahr ein guter Richtwert ist.

 

Es gab in letzter Zeit einige Veränderungen beim EFD. Was sind hierbvei die Hauptpunkte?

 

M.J. Die Freiwilligen haben vier Trainings beim EFD. Das vierte Training ist jetzt neu und auch verpflichtend. Es gibt ein „Pre-departure-Treffen“, ein „midterm-“ und auch ein „Evaluationstreffen“ nach Rückkehr im Lande. Also, das ist sicherlich etwas, das Freiwillige auch wissen sollten, dass das ebenfalls Teil des Programms ist.

 

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Melanie Jacobs

ist Koordinatorin der Österreichischen Nationalagentur von Jugend in Aktion

is the Austrian National Agency’s Youth in Action Coordinator

 

IZ | Bacherplatz 10, 1050 Vienna | www.iz.or.at

 

 

 

 


EVS… An overview from Austria's National Agency

An interview with Melanie Jacobs

 

Why was EVS started and when?

 

M.J. EVS started as a pilot project in 1996 I think and by 1998 was a regular exchange programme. In 2000 the programme was affiliated with the “Youth Programme” and now from 2007 until 2013 with “Youth in Action”. It was started by the European Commission in order to give young people from all over Europe the opportunity to gain work experience, but also to get to know Europe and to challenge existing perceptions of “Europe” – for example that Europe is Brussels, is bureaucracy or is far away, but Europe can mean getting to know someone from Sweden or to spend six months in Greece.

 

And this idea has remained constant: simply that young people be given the chance to engage with Europe and also that organisations, NGOs, are given the possibility to get the ideas and input of these young people from abroad.

 

Yes, so they are the main arguments. Also important is the fact that the target group for EVS is a little different from other such programmes of the EU like Erasmus, Leonardo or Grundtvig. EVS is perhaps the only opportunity for young people that aren’t already participating in normal training programmes. Simply put, it means that it is possible for young unemployed people, people not involved in training or those who didn’t complete school to take part and spend time abroad.

 

Who is involved in terms of the countries or different organisations on a more general level?

 

M.J. Every EVS - when correctly realized – has always a sending organisation, a host organisation and a volunteer. That’s the ‘triangle’ of EVS. Behind that there is a National Agency in every country, so in both the sending and host countries, which ensure that everything is running smoothly and the volunteer is well. Behind that again is the European Commission who have the project in overview and manage funding. So those are the main players.

 

What kind of projects can people do?

 

M.J. Virtually any kind of project, there are not really any limits. Therefore, environmental through to youth work, working with children or people with disabilities. But another good example is something like GEDENKDIENST. That also fits perfectly. What is important is that the placement is for a non-profit organisation. Then it can be ensured that the volunteer is not there to increase the profits of a firm.

 

What are the main intended outcomes for both the host organisation and the volunteer?

 

M.J. That is a difficult question because it is so broad. Firstly I feel it is to give the volunteer the experience of going abroad and gain independence, to learn more about themselves and, of course, to learn languages. I think for the host organisation it is exciting to work with young people from completely different countries and backgrounds who can look at the work through different eyes and bring new ideas to the table. Also, learning to supervise someone who has no social framework yet, so this social capacity is also very important I think.

 

What about the more practical aspects? Such as the pay?

 

M.J. It is arranged so that the volunteer is not liable for any costs. The costs are met by the European Union and the host organisation. The volunteer has a whole list of benefits that they should receive. In every case there is the ‘pocket money’ which is adapted to the living standard of the country. The organisation will provide for accommodation and food. A language course is provided when it is vital to the realisation of the project. The volunteer is insured; health insurance, accident insurance, liability insurance are included, as are local transport costs and travel to and from the host country.

 

The Project. What are the responsibilities of the host organisation and what are the responsibilities of the volunteer?

 

M.J. The host organisation is therefore responsible that these basic conditions are met so, accommodation, maintenance and all these technical aspects. Then it is important that during the project there is somebody who can give guidance and instruction. The volunteer should have a contact who plans the work and answers any of their queries. It is important that a mentor is available, someone not necessarily directly involved in the host Organisation or the actual work of the volunteer. They are the main points. It is also to be ensured that the work is adequate – not too little or too much – simply that the work is in proportion. For the volunteer it is important that they keep to the conditions; work times or tasks arranged for them, that they ask questions when they are at a loss, act responsibly with the tasks allotted to them and simply try to make the project as successful as possible – that goes for both sides.

 

How long do projects last?

 

M.J. Projects are anywhere between 2 weeks and 12 months. The majority are between six months and 12 months in length. But for those young people who – due to health reasons, on social grounds or other considerations – are unable to participate for longer periods it is possible to carry out an EVS lasting only 2 weeks, or two months.

 

Who can do an EVS-project?

 

M.J. Virtually anybody between 18 and 30. It is open to everybody but in the allocation of funds it is stressed that those with less opportunity to go abroad be considered foremost. That means that when an application is recieved from a student about to finish their studies or somebody who did not finish school, then the latter would be seen as a priority by the person allocating the funds.

 

How long does it take from deciding that you would like to do an EVS to being able to actually go and do it?

 

M.J. It is difficult to say. I would say as a guideline about six months. Sometimes it can be quicker, but there is always to consider the time between requesting a project, getting an answer etc. So I would say six months as an approximate time.

 

EVS has changed recently – what are the main alterations?

 

M.J. The volunteers have four training meetings now with EVS, previously it was three. There is the pre-departure meeting, an on-arrival and a mid-term training and an evaluation meeting after returning home. That is something that the volunteer should be aware is part of the programme.

 

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Melanie Jacobs

ist Koordinatorin der Österreichischen Nationalagentur von Jugend in Aktion

is the Austrian National Agency’s Youth in Action Coordinator

 

IZ | Bacherplatz 10, 1050 Vienna | www.iz.or.at