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Ausgabe 3/07


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Kurzer Zwischenbericht aus Wien

Fast drei Monate als EVS-Freiwillige beim GEDENKDIENST in Wien - das sind vor allem viel tolle und interessante Menschen, ein leicht chaotischer und doch gut funktionierender Verein, viele intensive Gespräche und Diskussionen, Kaffeehäuser und Kneipen, drei Studienfahrten (zwei nach Auschwitzund eine nach Lublin), Mittwochstreffen, Team Österreich (muss man nicht verstehen), der Laminator,Vorstandssitzungen, stressige Nachbarn und natürlich die Datenbank. Also viele tolle und einige anstrengende und harte Momente.

 

Als ich mich damals im fernen Berlin entschied nach Wien zu gehen und als Freiwillige beim GEDENKDIENST zu arbeiten, meinten die meisten meiner Freunde, dass es ohnedies klar gewesen wäre, dass ich so etwas nach meinem Abitur machen würde. Mir war das eigentlich nicht so klar gewessen und doch hatte ich dann unheimlich Lust, ein Jahr lang in einer Organisation, wie dem Verein GEDENKDIENST zu arbeiten. Begründet wohl aus dem Bedürfniss heraus, die hauptsächlich theoretische Auseinandersetzung mit dem Holocaust und seinen Folgen in aktive Arbeit umzusetzen, um mir selbst dadurch auch einen besseren Umgang mit dem Thema zu emöglichen. In Berlin hatte ich mich ziemlich lange mit dem ehemaligen Frauenkonzentrationlager Ravensbrück beschäftigt. Die beste Auseinandersetzungsmethode war auch schon damals für mich, das Wissen über diesen Ort in etwas „ Praktisches“ umzusetzen. Wir taten das damals in Form einer szenischen Lesung für Schulklassen und versuchten auf diese Art Jugendlichen einen neuen Zugang zu den Themen Holocaust und Antisemitismus zu vermitteln. Dadurch auch eine neue Form der Wissensvermittlung in Schulen einzuführen und eine andere Praxis von Gedenken und Erinnern anzuregen. Das Gefühl, dass einige Schüler nach der Lesung und Disskusion mit einem tieferem Bewusstsein und einer stärkeren Sensibilisierung wieder davon gegangen sind, war eine unheimlich positive Erfahrung und war bestimmt auch mit ausschlaggebend für meine Entscheidung ein Jahr beim GEDENKDIENST zu arbeiten und mich weiterhin intensiv mit dem Holocaust auseinanderzusetzen.

 

Wie sieht also meine Arbeit beim GEDENKDIENST aus? Mir wurde von Anfang an relativ viel Freiheit in der Auswahl meiner Arbeitsgebiete gelassen, wodurch ich die Möglichkeit bekam, sehr eigenständig zu arbeiten.

 

Da der GEDENKDIENST diesen November drei Studienfahrten veranstaltete, hatte ich die Chance diese mit zu organiesieren und zu betreuen, was einen großen Teil meiner Arbeit in den letzten Monaten einnahm. Eine ziemlich harte und stressige Zeit also mit unheimlich vielen neuen Herausfoderungen, aber in nachhinnein umso bereichender für mich. Darüber hinaus bin ich dafür zuständig, die wöchentlichen Mittwochstreffen für neue Gedenkdienstinteressenten zu organisieren und zu gestalten, was hoffentlich bis jetzt auch ganz gut gelungen ist. Bei den Mittwochstreffen setzen wir uns thematisch mit dem Holocaust und weiteren Verbrechen im Dritten Reich auseinander. Hierbei werden auch die verschiedenen Einsatzstellen von ehemaligen Gedenkdienstleistenden vorgestellt.

 

Dazu kommt die alltäglich im GEDENKDIENST-Büro anfallende Arbeit, die mein Kollege Matthias und ich mit viel Spaß und oft auch seltsamer Kreativität bewälltigen. Und nicht zu vergessen: die Fertigstellung unsere neuen Adressdatenbank.

 

Daneben nehme ich an allen Vorstandsitzungen und Veranstaltungen des Vereins teil.

 

Abseits allen Stresses, den ich bezüglich meiner leicht abgedrehten Nachbarn in meiner Wohnung habe und der doch auch oft anstrengenden und chaotischen Arbeit, die so ein Verein nun mal mit sich bringt, muss ich doch sagen, dass es mir sehr gut in Wien gefällt und ich auch der wienerischen Mentalität (insoweit man sie verallgemeinern kann) doch einiges abgewinnen kann. Ich wurde super in den Verein aufgenommen und finde dort immer mehr meine Rolle. Es ist einfach spannend mit so vielen interessanten Menschen ins Gespräch zu kommen. Mein Wissensdurst wurde noch stärker geweckt und doch konnte ich schon so manches in der kurzen Zeit lernen und erleben, was ja auch eines der Hauptziele des EVS-Dienstes sein sollte. Das erste Fazit, das ich nach dieser anfänglichen Zeit ziehen kann ist: Es geht si eh alles irgendwie aus, nur ned hudeln!

 

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Lisa Schulz

EVS-Freiwillige beim Verein GEDENKDIENST seit Mitte September 2007

EVS-Volunteer at GEDENKDIENST since September 2007

 

 

 

 


A Short Interim Report from Vienna

Almost three months as an EVS Volunteer in Vienna. Above all it is lots of wonderful, interesting people, a slightly chaotic but nevertheless well-functioning organisation, lots of intensive talks and discussions, cafés and pubs, three study trips (two to Auschwitz and one to Lublin), regular Wednesday meetings, Team Austria (you are not expected to understand!), the laminator, Board meetings, stressful neighbours and of course the database. So, lots of great moments and a few more stressful, harder ones.

 

When I decided, far away in Berlin, to come to Vienna and work as a volunteer for Gedenkdienst, most of my friends said it was always clear that after my Abitur (final school exams) I would do something like this. It wasn’t quite so clear to me but nevertheless I found that I had the urge to work in an organisation such as GEDENKDIENST. I had the desire to apply the main theoretical discussions and consequences of the Holocaust actively and also to give myself a more comprehensive exposure to the topics. In Berlin I was involved for quite a long time with the women’s camp, Ravensbrück, and the best methods of discussion for me there were to put knowledge of the place into ‘practical’ use. There we had held readings for school classes and sought to introduce young people to the topic of the Holocaust and anti-Semitism. Also to develop and implement new educational material and methods for schools and encourage alternative forms of remembrance and commemoration. The idea that after a reading or discussion a student goes away with a deeper understanding and a stronger awareness was such a positive experience and an important factor in my decision to spend a year with GEDENKDIENST and involve myself further in discussions surrounding the Holocaust.

 

So what do I do at GEDENKDIENST? From the outset I was relatively free to choose the type of work I did and I have the opportunity to work independently. GEDENKDIENST had three study trips this November and I took the opportunity to help organise and see them through. A large part of my work and a large part of the last months. A somewhat hard and stressful time with lots of obstacles but stretched me. Then of course I am also responsible for the concept and organisation of the weekly Wednesday meetings for those interested in a carrying out a Gedenkdienst, which have so far seemed to go well. At the Wednesday meetings we explain and discuss aspects of the Holocaust and other crimes of the Third Reich, also the different placements are introduced by those who have been there. Then comes the everyday work that accumulates in the office and Matthias and I have great fun tackling with the utmost creativity. And then not to forget the work on the new database.

 

Apart from that I take part in all the Board meetings and events organised by the organisation. Despite the stress of my easily angered neighbours, and the sometimes arduous and chaotic work which such an organisation entails, I must say that I really like Vienna and the Viennese mentality (if one can generalise) is something I can relate well to. I was accepted into the organisation and find that there is ever more which falls into my remit. I find it very exciting to come into contact with so many interesting people and my thirst for knowledge gets ever stronger, despite having learnt and experienced so much in such a short time, which should surely be a major part of any EVS project.

 

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Lisa Schulz

EVS-Freiwillige beim Verein GEDENKDIENST seit Mitte September 2007

EVS-Volunteer at GEDENKDIENST since September 2007