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Ausgabe 4/07


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Die Vergangenheitspolitik des BSA

Nachlese zu einem Vortrag von Georg Appl

 

 

Am 14. März 2007 sprach im Rahmen eines von Gedenkdienst organisierten Vortrags Georg Appl, Generalsekretär des Bunds Sozialistischer Akademiker (BSA), zur „Vergangenheitspolitik politischer Bewegungen. Das Beispiel BSA“.

 

Der Bund Sozialistischer Akademiker (BSA) wurde 1946 als Vorfeldorganisation der SPÖ gegründet. Die Ausgangslage für die Mitgliederrekrutierung war schwierig: aufgrund der zwölf Jahre, welche die Sozialdemokratie in der Illegalität hatte verbringen müssen, und wegen der vielen emigrierten oder auch ermordeten AkademikerInnen. Initiativen zur Rückholung der Vertriebenen setzte man keine, sondern entschied sich für einen anderen Weg: 700.000 bis 800.000 ehemalige Mitglieder der NSDAP, darunter nicht wenige Akademiker/-innen, warteten auf ihre Reintegration in Staat und Gesellschaft. Dieses Potential wollte man nicht dem politischen Gegner überlassen.

 

Zum öffentlichen Thema wurde die Großzügigkeit des BSA gegenüber „Ehemaligen“ erst mit dem Fall des Psychiaters und Neurologen Heinrich Gross, der im Tötungspavillon der Spiegelgrund-Klinik sein Unwesen getrieben hatte. Der BSA machte trotz der klaren Faktenlage lange Zeit keine Anstalten, Gross auszuschließen. Somit galt der BSA allmählich als Verein, „der nichts anderes tut als Nazis zu verstecken“. Diese Wahrnehmung erschwerte es zusehends politische Anliegen zu vertreten. Ab 2001 wurde im Verein diskutiert, die Aufarbeitung der Vergangenheit offensiv anzugehen. Die Gegner des Vorhabens sahen darin primär politische Munition für den politischen Gegner – die ÖVP hat sich ja bis heute ihren braunen Flecken nicht gestellt. Im BSA behielten die Befürworter einer Aufarbeitung die Oberhand und man einigte sich darauf, diese im Rahmen einer wissenschaftlichen Untersuchung durchführen zu lassen.

 

2005 wurde das Buch Der Wille zum aufrechten Gang publiziert. Das mediale Aufsehen, das „plötzliche im Blitzlichtgewitter Stehen“ beunruhigte viele Mitglieder des BSA. Hannes Androsch bezog öffentlich gegen das Projekt der Aufarbeitung Stellung, Leopold Gratz war deswegen aus dem BSA ausgetreten. Eine Diskussionsveranstaltung mit dem Titel „Mut zu Mut und Dummheit“ sollte den Mitgliedern die Notwendigkeit nochmals nahe bringen, sich der Vergangenheit zu stellen. Appl zieht eine positive Bilanz: Die Mehrheit der Mitglieder habe die offensive Linie letztlich mitgetragen, lediglich acht Personen hätten dezidiert als Gegner der Aufarbeitung den Verein verlassen.

 

 

Markus Rief