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Ausgabe 4/07


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Gedenkstätte Steinhof: Ende eines Provisoriums

Im April 2002 eröffnete das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes im Auftrag der Stadt Wien die „Gedenkstätte Steinhof“, die in einem Nebengebäude des heutigen Otto-Wagner-Spitals (OWS, früher „Heil- und Pflegeanstalt Am Steinhof“) die Aufklärung über die nationalsozialistischen Medizinverbrechen vorantreiben sollte. Anlass war das Begräbnis der sterblichen Überreste von hunderten von Opfern der Euthanasieanstalt „Am Spiegelgrund“, die über Jahrzehnte zu Forschungszwecken aufbewahrt worden waren. Kern der Gedenkstätte ist die Ausstellung „Der Krieg gegen die Minderwertigen: Zur Geschichte der NS-Medizin in Wien“, die die Krankenmorde in der Psychiatrie in den breiten Zusammenhang der damaligen Gesundheitspolitik und ihrer verbrecherischen Praktiken einordnet. Die 2002 von der Stadt Wien zur Verfügung gestellten Mittel reichten allerdings nur für eine als Wanderausstellung konzipierte, provisorische Lösung. In den fünf Jahren seit der Eröffnung wurde das ursprüngliche Provisorium auf Dauer gestellt. Zwar stieg das Interesse vor allem von Seiten der Schulen ständig an, die stets prekäre Finanzierung verhinderte aber eine langfristige Planung und eine professionelle pädagogische Betreuung.

 

Umso erfreulicher ist es, dass die Stadt Wien gemeinsam mit dem Österreichischen Nationalfonds nunmehr im Hinblick auf das Gedenkjahr 2008 die Finanzierung einer Neugestaltung und Erweiterung der Gedenkstätte zugesagt hat. Damit sollte es möglich sein, auf einer geringfügig erweiterten Fläche eine überarbeitete Dauerausstellung einzurichten und die Aufklärungsarbeit über die nationalsozialistische Gesundheitsund Rassenpolitik an einem wichtigen Schauplatz unter wesentlich verbesserten Rahmenbedingungen fortzusetzen. Nähere Informationen zur Gedenkstätte sowie eine umfassende Online- Dokumentation zum Thema finden sich unter www.gedenkstaettesteinhof.at.

 

 

Herwig Czech,

Historiker am Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes; 2002/03 Gedenkdienst am Centre de Documentation Juive Contemporaine in Paris.