AuslandseinsatzHolocaust-EducationStudienfahrtenVereinLinks
Ausgabe 2/08


2016
2015
2014
2013
2012
2011
2010
2009
2008
2007
2006
2005
2004
2003
2002
2001
2000
1999
1998

Kurznotizen

Der Mezei-Fonds. Beitrag zur Feminisierung eines Männerbundes?

 

Der Verein GEDENKDIENST – ein Männerbund? Selbst die schärfsten KritikerInnen einer solchen Aussage werden nicht umhin kommen, die männliche Dominanz im Verein zu bemerken. Abgesehen von einigen engagierten Frauen, die sich ihren Gedenkdienst selbst finanzierten oder EVS absolvieren, sucht man vergeblich nach dem weiblichen Geschlecht. Das widerspricht nicht nur dem Gleichheitsgrundsatz, sondern offensichtlich der Grundidee von GEDENKDIENST: nach der viel zu spät und unzureichend einsetzenden Auseinandersetzung Österreichs mit dem Nationalsozialismus ein Zeichen an Überlebende des NS-Terrors und ihre Nachkommen zu setzen. Frauen und Männer müssen dies gleichermaßen tun können.

 

Mittlerweile kümmert sich der Verein intensiv um die staatliche Finanzierung des Gedenkdienstes für Frauen – analog der Leistungen an zivildienstpflichtige Männer. Eine Lösung scheint nach wie vor in weiter Ferne, zudem rutscht diese Diskussion leicht ins Fahrwasser der Forderung „Wehr-/Zivildienstpflicht für beide Geschlechter“ ab, die auf jeden Fall abzulehnen ist.

 

Als Übergangslösung richtete der Verein GEDENKDIENST im Herbst vergangenen Jahres einen Fonds ein, der nach den Geschwistern Ilse und Kurt Mezei benannt ist und Parteien, Verbände und Privatpersonen dazu aufruft, Mittel zur Entsendung von Frauen bereitzustellen. Einige sind dem nachgekommen und so ist es im Jahrgang 2008/2009 möglich, drei Frauen zu den gleichen Rahmenbedingungen wie jenen der Männer Gedenkdienst zu ermöglichen: Clara Trischler, Valerie Bosse und Janine Zettl.

 

So positiv dies ist, muss unser Anspruch die Bereitstellung adäquater Mittel von staatlicher Seite sein. Nur so kann gewährleistet werden, dass aus unseren Provisorien beständige Strukturen wachsen, die Gleichberechtigung schaffen. Darf unser ernst gemeintes Bekenntnis zur Vergangenheit ein männliches sein, das Frauen nur unter eingeschränkten Rahmenbedingungen in vordefinierten Bereichen ein Zeichen setzen lässt? Unsere Antwort muss lauten: unter keinen Umständen! Unser Bemühen muss es sein, auf die durch die Politik verursachte prekäre Lage von weiblichen Gedenkdienstleistenden aufmerksam zu machen, um auch im nächsten Jahrgang Frauen eine gerechte Teilhabe unter gleichen Voraussetzungen zu ermöglichen.

 

Susanne Üblackner

 

 

 

 

Yom HaShoa

 

„Holocaust-Gedenktag“ erstmals mit österreichischer Beteiligung

 

Der 1. Mai stand in Israel heuer im Zeichen des Gedenkens an den Holocaust, Yom HaShoa. Wie jedes Jahr ist Yom HaShoa geprägt von Gedenkfeierlichkeiten im ganzen Land. Um 10 Uhr Ortszeit heulen die Sirenen: Der Verkehr steht still, Menschen erheben sich zum Gedenken an die durch die Nazis und ihre HelferInnen ermordeten Jüdinnen und Juden.Ein zentrales Element der nationalen Feierlichkeiten stellt die Kundgebung in der Jerusalemer Gedenkstätte Yad Vashem dar, an der über 120 Delegationen aus aller Welt, Überlebende mit ihren Familien und traditionell auch die gesamte israelische Staatsspitze teilnimmt. Aus Rücksicht auf die Überlebenden werden zu dieser Veranstaltung offizielle VertreterInnen Deutschlands und Österreichs nicht eingeladen.

 

Der Verein GEDENKDIENST, der seit 1993 jedes Jahr Freiwillige nach Israel entsendet, war bisher informell an der Feier beteiligt. Auf Initiative des aktuellen Freiwilligen in Yad Vashem übernahm heuer die Österreichische Botschaft erstmals die Kosten für einen Kranz, der während der Feier von den Freiwilligen Christoph Fischer, Luis Orsini-Rosenberg und Christian Paar niedergelegt wurde.

 

 

 

 

Zum Widerstand

unSICHTBARES im Gedenkjahr

 

Widerstand passt nicht so recht zum Jahr 1938 und das damit verknüpfte Opferdenken. Während das offiziell-politische Gedenken an den „Anschluss“ vom 12. März 1938 subtil daran schraubte, die Opferrolle Österreichs zu verfestigen und die TäterInnen über groß angelegte „Erinnerungsprojekte“ hinter einem nebulösen Schleier zu verstecken, blieben jene, die mit dem Nationalsozialismus nicht einverstanden waren, größtenteils unsichtbar. Sie wurden auch in den offiziellen Ansprachen des Jahre 2008 hinter einem samtenen Vorhang versteckt. Man warf den einen oder anderen Brocken in Richtung jener „im Widerstand“ Gewesenen, die ernstgemeinte Auseinandersetzung blieb aber aus.

 

Eine vom Verein GEDENKDIENST unterstützte Ausstellung in Strobl am Wolfgangsee (Salzburg) widmet sich unter dem Titel „unSICHTBAR – widerständiges im salzkammergut“ der Vorgeschichte des Widerstands im Salzkammergut, den Leistungen jener, die im Kampf gegen Austrofaschismus und Nationalsozialismus tätig waren sowie vor allem deren Stellenwert in der Zweiten Republik.

 

Die Ausstellung zielt darauf ab, Schlaglichter auf die regionalspezifische Geschichte des Widerstands und seiner Rezeption in der Zweiten Republik vor dem Hintergrund gesamtösterreichischer Entwicklungen zu werfen und umfasst sowohl einen umfangreichen zeitgeschichtlichen Teil als auch eine breite künstlerische Auseinandersetzung.

 

Ausstellung noch bis 2. November 2008 geöffnet

 

Die Ausstellung „unSICHTBAR – widerständiges im salzkammergut“ ist noch bis 2. November in der Deutschvilla in Strobl am Wolfgangsee täglich von 9 bis 18 Uhr zu sehen. Für Schul- und Jugendgruppen werden altersspezifische Vermittlungsprogramme und Führungen angeboten. Alle Informationen zur Ausstellung und zum Begleitprogramm unter www.strobl2008.at.