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Ausgabe 1/09


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vor.gelesen | rezensionen

90 Jahre Republik Österreich – eine Erfolgsgeschichte?

 

Stefan Karner, Lorenz Mikoletzky (Hrsg.): Österreich. 90 Jahre Republik. Beitragsband zur Republikausstellung im Parlament. Studienverlag, Innsbruck/Wien/Bozen, 636 Seiten,  29,90 €

 

Am 12. November 1918 wurde die Republik Deutsch-Österreich ausgerufen. Viele Entwicklungen in Österreich sind nur mit dem Blick auf die Anfänge der Ersten Republik nachvollziehbar. Die Republikausstellung im Parlament – Modellversuch für das umstrittene „Haus der Geschichte“ – und der begleitende Sammelband setzen sich zum Ziel, diese Entwicklungslinien bis in die Gegenwart nachzuzeichnen. Beide schinden Eindruck mit einer Fülle von Material und wirken dennoch erstaunlich lückenhaft.

 

Die Republikausstellung ist in eine österreichische Ereignisgeschichte und einzelne Themenblöcke strukturiert, die sich eingehend mit Sachbereichen von Wirtschaft bis hin zur Religion auseinandersetzen. Die Erzählung beginnt mit der Gründung der Republik, setzt mit deren Anfängen und ihrem Auseinanderbrechen fort und stellt abschließend das Zusammenwachsen Europas und die Verortung Österreichs innerhalb der internationalen Staatengemeinschaft dar. Vergleichsweise marginal wird die Zeit des Nationalsozialismus behandelt: Der „Anschluss“ und seine Vorgeschichte kommen zu kurz, Verfolgung, Widerstand, TäterInnen und Vergangenheitsbewältigung werden lediglich angeschnitten. Im Gegensatz zu dem kleinen Bereich, der den Opfern der NS-Verfolgung gewidmet ist, wirkt die Grafik über österreichische Kriegsopfer im Zweiten Weltkrieg überproportional. Der Ausstellungsband zeigt in seiner Gesamtheit eine ähnliche Schwerpunktsetzung.

 

Mit dem stattlichen Umfang von 636 Seiten versammelt der Band 54 Beiträge zumeist renommierter Namen aus Wissenschaft und Gesellschaft. Dementsprechend breit sind auch die Beiträge angelegt, die in ihrer Heterogenität mitunter eine gemeinsame Linie vermissen lassen. Das vorgelegte Spektrum garantiert allerdings auch die Auseinandersetzung mit spezifischen Themen wie die Anschlussbestrebungen der Bundesländer, ein Beitrag von Hellwig Valentin. Zudem wird Österreichs Geschichte auch aus dem Blickwinkel des Auslands charakterisiert. Der Band ist in Anlehnung an die Ausstellung in neun Kategorien gegliedert: Politik und Demokratie – als umfangreichstes Kapitel, Territorialfragen, Wirtschaft, Soziales/Bildung/Wissenschaft, Kirchen und Religionsgemeinschaften, Kunst und Kultur, das Militär in Politik und Gesellschaft, Österreich im internationalen Gefüge, Identität und Erinnerung.

 

Die folgenschweren Auseinandersetzungen in der Ersten Republik fallen zugunsten einer konsensualen Darstellung unter den Tisch. Auch die Zeit nach 1938 wird dürftig behandelt. Unter den Beiträgen sind nur zwei AutorInnen, die sich explizit mit dem Nationalsozialismus und seiner Bewältigung auseinandersetzen: Der Artikel von Brigitte Bailer-Galanda behandelt das Thema Verfolgung und Widerstand in diesen Jahren, Winfried R. Garschas Beitrag beschreibt die Entnazifizierung, Volksgerichtsbarkeit und die „Kriegsverbrecherprozesse“ der sechziger und siebziger Jahre. Zumeist wird das Thema jedoch in Rahmen von Längsschnittdarstellungen abgehandelt. Das Kapitel „Identität und Erinnerung“ böte Platz für eine Auseinandersetzung mit der spezifisch österreichischen Erinnerungskultur und dem Umgang mit dem Nationalsozialismus, ein nicht unwesentliches Kapitel in der Identitätsfindung der Zweiten Republik, das Thema bleibt jedoch bedauernswerterweise ausgespart. Der Beitrag über die Entwicklung der Symbole der Republik von Peter Diem beschränkt sich auf Insignien wie die rot-weiß-rote Fahne oder das Staatswappen. Die Wirkmacht eines brennenden Stephansdoms hingegen, der in der Ausstellung groß abgebildet ist, wird nicht kritisch analysiert. Dort steht das Bild, das im Bildgedächtnis als Ikone des Bombenkrieges gegen Österreich gilt und Österreich als Opfer stilisiert, leider völlig unkommentiert.

 

Kurzum, ein neuer Sammelband zur Geschichte Österreichs, der sich bemüht ein facettenreiches Bild der beiden Republiken mit dem Referenzdatum 1918 zu zeichnen. Eine gute Gelegenheit, sich in „90 Jahre Republik“ zu vertiefen. Der griffige Titel suggeriert Linearität – die Brüche durch Austrofaschismus und Nationalsozialismus werden damit ausblendet.

 

Ulrike Fleschhut

 

 

Geteilte Erinnerung: Die deutsch-tschechischen Beziehungen und die sudetendeutsche Vergangenheit

 

Samuel Salzborn, Peter Lang Verlag, 2008

 

Samuel Salzborn hat ein Buch geschrieben. Thematisch steigt er  mit  dem  schmalen  Band  zurück zu den Anfängen seiner wissenschaftlichen Publizistik Zwei Standardwerke verfasste er 2000 und 2001 zur Genese der  (deutschen) Vertriebenenverbände. Beide sind späte Meilensteine  einer Beschäftigung mit politischen Konzepten und Ideen  der  häufig  ganz  rechts stehenden Heimatvertriebenen. Im neuen Buch setzt er die dort gewonnenen Erkenntnisse mit  jenen zusammen, die er unter dem Titel „Ethnisierung der Politik“ im Jahre 2005 zur Veröffentlichung brachte. Seinen Fokus legt er beim vorliegenden Text auf die Geschichte der deutschen Bevölkerungsteile  innerhalb  der  ersten Techoslowakischen Republik und auf die mediale sowie außenpolitische Ausrichtung einer Politik der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL) in Deutschland.


„Geteilte Erinnerung“ zeigt sich im Wesentlichen als eine  logische  Zusammenstellung  von  geschichts- politischen Aufsätzen, die zur Hälfte  im Jahr 2002/3, also kurz nach der enormen neueren Diskussion der Beneš-Dekrete und zur anderen Hälfte im Jahr 2006 in verschiedenen Fachzeitschriften erstmals veröffentlicht wurden.


70 Jahre nach der Zerstörung der ersten Cechoslowakischen Republik durch sudetendeutschen Terror erscheint  die  Arbeit  als  Band  3  der  Reihe  „Die Deutschen und das östliche Europa. Studien und Quellen“, herausgegeben von Eva Hahn und Hans Henning Hahn. Samuel Salzborn  lehrt derzeit Politikwissenschaften an der Universität Giessen und ist Fellow des Vidal Sassoon  International Center  for  the Study of   Antisemitism  (SICSA)  an  der Hebrew University  of   Jerusalem.


Was meint „Geteilte Erinnerung“? Zuerst scheint der Titel eben die übliche Rede von zwei Nationen mit zwei unterschiedlichen  Erinnerungen  an  eine  gemeine konfliktreiche Geschichte zu bezeichnen. Samuel Salzborn  skizziert auch nur  zwei  „große Narrative  der  deutsch-tschech(oslowak)ischen Geschichte, die sich historisch ausschließen: die sudetendeutsche und die tschech(oslowak)ische Erzählung, [...]“ (S. 8), bemerkt allerdings, wie sehr es „zum Allgemeingut wissenschaftlicher Forschung geworden  ist, dass die sudetendeutsche Sicht auf die gemeinsame Vergangenheit nur sehr wenig mit der historischen Realität korrespondiert“ (S. 9).


Im Verhältnis von kritisch-reflexivem Erinnern und identitärer Sinnstiftung,  so Salzborn, werde die geschichtspolitische Kernfrage verhandelt, ob Geschichte adäquat interpretiert oder  lediglich verwertet werden soll. Dass die Landsmannschaften sich zur Reflexion eher  unwillig  bis  unfähig  verhalten,  zeigt  Samuel Salzborn in zahlreichen Textpassagen und in der Analyse zweier Diskussionen zum Thema Beneš-Dekrete bzw. dem Zentrum gegen Vertreibungen.


Indem er sich mit der Volksgruppenkonzeption der Sudetendeutschen Landsmannschaft und dem „Volksgruppenrecht“ auf europäischer Ebene befasst, verdeutlicht er, dass klare Grenzen in Wissenschaft und Politik zwischen extrem rechter Ideologie und einem liberaleren  Selbstverständnis  manchmal  nicht  existieren. Sogenannte Völkerrechtler  liefern seit der Zwischenkriegszeit die Konzepte für ein Volkstum, das sie selbst meist auch ganz praktisch begleiten. Die Erfindung des Sudetendeutschtums ab 1918 haben sie wesentlich mitgestaltet.


Die Veröffentlichung von Samuel Salzborn verdeutlicht, wie sehr der Komplex „Flucht und Vertreibung“ einen scharfen politischen Blick nötig hätte. Nahezu alle deutschen Worte, die  in diesem Zusammenhang Verwendung  finden – vom Heimatrecht, über die Beneš-Dekrete bis zur Vertreibung – wurden von den Vertriebenenverbänden geprägt und arbeiten weiterhin für ihre politischen Ziele und Geschichtsbilder.


Es kann nur bedauert werden, dass  in Österreich niemand bis heute in ähnlich systematischer Weise zum Geschichtsbild, zur Geschichtspolitik und zu außenpolitischen Konzepten der Vertriebenenverbände geforscht hat. Gar interessante Einzel- und Absonderheiten stünden zu erforschen. Bis dahin sollten nur Sudetendeutsche Samuel Salzborn weiterhin ungelesen wissen.


Tomáš Schoiswohl

 
war Gedenkdienstleistender am Institut  
der Theresienstädter Initiative in Prag 2001/02

 

 

Kreisky-Haider: Bruchlinien österreichischer Identität

 

Anton Pelinka, Hubert Sickinger, Karin Stögner: Kreisky - Haider. Bruchlinien österreichischer Identitäten. Braumüller, Wien:, 256 Seiten, 24.90 €

 

Obwohl sich österreichische und jüdische Identitäten theoretisch keineswegs ausschließen, ist ihr Verhältnis in der Praxis sehr komplex. In der österreichischen Geschichte war und ist es nicht selbstverständlich, „jüdischer Österreicher“ oder „österreichische Jüdin“ zu sein. Viel mehr wurde man oft in eine der beiden Identitäten hineingedrängt und der Versuch, beide vereint zu leben, führt auch heute noch zu Kontroversen.

 

Um dieses Spannungsfeld zu untersuchen, bedarf es einer genauen Analyse, was die „österreichische“ oder „jüdische“ Identität tatsächlich ausmacht und wie sie konstruiert wird. Dieser Fragestellung gehen die Politikwissenschafter Anton Pelinka und Hubert Sickinger sowie die Sozialwissenschafterin Karin Stöger im 2008 erschienenen Buch „Kreisky – Haider. Bruchlinien österreichischer Identitäten“ anhand von Fallstudien der beiden wohl markantesten Politiker der Zweiten Republik nach.

 

Bruno Kreisky, Ikone der Sozialdemokratie und Opfer des Nationalsozialismus und Jörg Haider, der das rechtspopulistische, nationale Lager wieder salonfähig machte und „immer wieder die auch die NSDAP und das NS-Regime mit einschließende Tradition dieses Lagers positiv hervorkehrte, standen für gegensätzliche Pole der österreichischen Geschichte“. Trotz klaren, grundlegenden Differenzen, gab es dennoch Ähnlichkeiten: Kreisky unterstützte den SS-Offizier Friedrich Peter und übte an Simon Wiesenthal deutlicher Kritik, als es Haider je vermocht hätte.

 

„Kreisky – Haider“ ist eine Analyse zweier Politiker, die für zwei gegensätzliche Zugänge zu österreichischer Geschichte und österreichischer Identität stehen, anhand derer die Geschichte des österreichisch-jüdischen Verhältnisses verständlich nachgezeichnet wird.

 

Thomas Rennert

 

 

Fahnenfluchten, Deserteure der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg – Lebenswege und Entscheidungen


Magnus Koch, Ferdinand Schöningh Verlag, 2008


Über hundert deutsche und österreichische Wehrmachtssoldaten flohen offiziellen Statistiken zufolge bis August 1942  in die neutrale Schweiz, sechs Lebenswege und Biographien zeichnete der deutsche Historiker Magnus Koch für sein Buch „ Fahnenfluchten“ nach. Anhand  dieser Fallstudien wird  untersucht, welche Erfahrungen, Beweggründe und Brüche Deserteure zu ihrer Entscheidung brachten, kritisch werden diese  als Eigenkonstrukte und Selbstrechtfertigungen reflektiert.


Das reiche und akribisch recherchierte Quellmaterial, von  den  Vernehmungsprotokollen  des  Schweizer Geheimdienstes,  über  NS-Haftbefehle,  Briefe  und Autobiographien bis zu  lebensgeschichtlichen  Interviews,  zeigt  beeindruckend,  in wie weit  sich  diese Selbstdeutungsmuster  und  Rechtfertigungen  bei zunehmender Distanz  verschieben  und  verändern.   Zentral stellt Koch die Frage, wie Deserteure ihr Eigenbild  als Soldat  überwanden  und  letztlich mit  damit verbundenen Männlichkeitsbildern  brachen.  Dabei werden durchaus Persönlichkeiten vorgestellt, die nicht unbedingt dem Klischee des Deserteurs entsprechen, das Brechen mit dem Kriegsdienst wird nicht unmittelbar mit dem Bruch mit der NS-Ideologie gleichgestellt. Die angegebenen Motive reichen von Kriegsmüdigkeit und Todesangst, über soziale Abgeschiedenheit von der  „Truppe“ bis zur Enttäuschung über gebrochene Versprechen der Nazis. Besonders wird hier die von den Nazis propagierte Gleichheit aller Soldaten  im Widerspruch zur Kriegsrealität als Entscheidungsgrund hervorgehoben. Ohne zu werten oder zu  idealisieren werden sechs Biographien denkbar unterschiedlicher Charaktere  lesbar  und  kritisch  aufbereitet  und  in einen gut strukturierten Vergleich gesetzt. Das Buch zeigt die Geschichte der Querdenker, Sturköpfe und Querulanten als spannende Lebenswege und mutige Entscheidungen.


Christoph Fischer

 

 

Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager


Wolfgang Benz und Barbara Distel (Hg.), Band 8: Riga. Warschau. Kaunas. Vaivara. Plaszów. Klooga. Chelmo. Belzec. Treblinka. Sobibor, C.H. Beck, 2008


Benz  und Distel  legen  den mittlerweile achten – und vorletzten – Band ihrer großangelegten lexikalischen Abhandlung über das nationalsozialistische Lagersystem vor und schließen damit  ihre chronologische Abhandlung aller deutschen Konzentrationslager ab. Somit steht nun  ein  umfassendes  Nachschlagewerk auf mehr als 4.000 Seiten zur Verfügung, an dem besonders die Akribie in der Beschreibung der Außen- und Nebenlager beeindruckt. So  finden sich manche von diesen erstmals  in einer wissenschaftlichen Publikation. Immer wieder wurde im Rahmen des Erscheinens der Vorgängerbände in Fachkreisen die Kritik laut, dieses Projekt biete keinen systematischen und vergleichenden Überblick über die vorgestellten Lager, die strikt chronologische Reihung der Lager wurde bemängelt. Dieser Einwand mag berechtigt  sein,  doch  fordert  er  etwas  von  dieser   Publikation, wofür sie nur ein Ausgangspunkt sein kann. So  notwendig  eine Hinwendung  zu  einer  strukturgeschichtlichen, komparativen Betrachtung der verschiedenen Teile des Systems der Konzentrationslager ist, braucht ein solches Vorhaben Literatur, die den aktuellen  Forschungsstand  in  seiner  Gesamtheit darstellt. Genau das leistet die vorliegende Reihe und gerade deshalb wird  sie  zu einem unentbehrlichen Nachschlagewerk  für  zukünftige  Forschungs-  und Erinnerungsarbeit werden. Zu wünschen wäre allerdings eine Taschenbuchausgabe, der Preis von 60 Euro pro Band ist einer breiten Rezeption wohl nicht zuträglich.


Matthäus Rest ^

 

 

Nazis auf der Flucht. Wie Kriegsverbrecher über Italien nach Übersee entkamen.

 

Gerald Steinacher: Nazis auf der Flucht. Wie Kriegsverbrecher über Italien nach Übersee entkamen. Innsbrucker Forschung zur Zeitgeschichte – Band 26, Studien Verlag, Innsbruck/Wien/Bozen, 2008, 380 Seiten, 29,90 €

 

Stellenweise liest sich Gerald Steinachers Habilitationsschrift wie ein Agententhriller. Hauptschauplatz ist Südtirol, einzelne Szenen spielen in Westösterreich und Rom. Die Akteure sind NS-Kriegsverbrecher, die in erster Linie ihre Haut retten und nach Übersee fliehen möchten, wobei sie von Vertretern der katholischen Kirche und des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes - teils im vollen Bewusstsein ob der Vergangenheit der Hilfesuchenden, teils naiv ahnungslos - und vom amerikanischen Geheimdienst, der sich ihre Dienste sichern möchte, unterstützt werden. Der Plot ist aber keine Fiktion, sondern historische Realität, die zum ersten Mal in diesem Umfang aus den bislang weggesperrt gewesenen Quellen erschlossen wird. Diese Quellen hat Steinacher - Universitätsdozent in Innsbruck und München und Archivar am Südtiroler Landesarchiv in Bozen - in einschlägigen Archiven weltweit, die erst kürzlich ihre Bestände zugängig gemacht haben, akribisch recherchiert und in packender Weise die Fluchtwege von Josef Mengele, Adolf Eichmann und vielen anderen NS-Verbrechern nachgezeichnet. Dabei räumt der Autor mit Mythen von obskuren Organisationen wie etwa „Odessa“ auf. Die historischen Begebenheiten, die Steinacher zu Tage befördert, erscheinen stellenweise beinahe noch unglaubwürdiger, etwa der todgeglaubte SS-Offizier Karl Hass, der in Viscontis „Die Verdammten“ (Italien 1969) sich selbst spielt. Steinacher rekonstruiert gekonnt die oft sehr vielschichtigen Beziehungsgeflechte einzelner Personen untereinander und zu verschiedenen Organisationen, wodurch er auch der Komplexität historischer Verantwortlichkeit gerecht wird. Das Aufsehen, das das Erscheinen dieses Bandes in der Fachwelt nach sich gezogen hat und ebenso die positiven Kritiken erscheinen angesichts dieser gelungenen historischen Rekonstruktion eines bislang im Dunklen gebliebenen Kapitels europäischer Nachkriegsgeschichte gerechtfertigt.

 

Johann Kirchknopf