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Ausgabe 1/09


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„Jasenovac und Gradiška Stara…”

„… das ist das Haus der Schlächter von Maks“[1], lautet eine Zeile aus dem musikalischen Repertoire des unter dem Namen „Thompson“ auftretenden kroatischen Sängers Marko Perkovic[2]. Sein Konzert in Szombathely (Ungarn) am 12. Dezember 2008 fand trotzdem statt.


„Za dom spremni“[3] ertönte es auch an diesem Abend zu Beginn des Konzertes in der „Arena Savaria“ vor einer zahlreich erschienen ungarisch-kroatischen Gemeinschaft sowie im Beisein hunderter, zu  diesem  Anlass  extra  angereister Angehöriger der kroatischen Diaspora und  der  burgenländisch-kroatischen Minderheit aus Österreich. Keineswegs zufällig wurde dabei das in unmittelbarer Nähe  zur  burgenländischen  Grenze gelegene Szombathely als Aufführungsort ausgewählt, da den Veranstaltern hier die Bedingungen zur Durchführung des Konzertes  besser  erschienen  als  im   benachbarten Österreich, wo schon einmal ein Auftritt „Thompsons“ abgesagt werden musste: Auf Initiative und Einladung des damaligen Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider war während der Euro 2008 für die in Kärnten (St. Andrä/Lavanttal) weilenden kroatischen Fans – gewissermaßen als  „Gastgeschenk“ – ein  Konzert  „Thompsons“  schon  fix  geplant, ehe es  von den  zuständigen   Behörden aufgrund von massiven Sicherheitsbedenken  im  letzten  Augenblick doch noch untersagt wurde. Das Ausweichen  ins nahegelegene Ausland knapp fünf Monate später hatte nun den Hintergedanken, nicht eine zweite Absage zu riskieren und das Zielpublikum trotzdem zu  erreichen.  Die  verbilligten Vorverkaufskarten  wurden  dabei  in  einigen einschlägigen  „kroatischen“  Lokalen Wiens  angeboten,  sowie  von  Privatpersonen aus den burgenländischen Ortschaften Stinatz/Stinjaki und Nikitsch/Filez bzw. aus Graz vertrieben, wobei hier im Hinblick darauf, was in gewissen Kreisen  unter  Jugenderziehung  verstanden wird, beigefügt  sei, dass der   Eintritt  für Jugendliche unter 14 Jahren kostenlos war – wenn sie in Begleitung ihrer Eltern zu dem Konzert kamen.


Das Repertoire des von Ephraim Zuroff (Simon Wiesenthal Center Jerusalem) als „neofaschistisch“ eingestuften „Thompson“ umfasst eine ganze Reihe an  rassistischen, ultranationalistischen, antisemitischen und verhetzenden Liedern, ohne dass sich der Sänger jemals auch nur im Geringsten von deren Inhalten und dem durch sie tradierten Geschichtsbild distanziert hätte. Besonders erschreckend  ist seine Darbietung der Lieder „Jasenovac i Gradiška Stara“  und  „Evo  zore,  evo dana“, die eine perverse Verherrlichung der Morde  in dem Konzentrationslager Jasenovac während des Zweiten Weltkrieges  bei  gleichzeitiger  Verehrung kroatischer Ustaša[4]-Führer vornehmen. Zur  Illustrierung  des  Inhaltes  hier  ein  kleiner Ausschnitt aus einem der besagten Lieder, welches von Thompson noch vor wenigen Jahren „live“ aufgeführt wurde: „Jasenovac und Gradiška Stara, das ist das Haus der Schlächter von Maks (...) O Neretva,  fließe hinab und  trage die Serben in die blaue Adria (...) Ich bin ein Ustaša, wie mein Vater einer war  (...) Richte unsere Grüße dem Ante Pavelic5 aus.“


In zahlreichen Ländern der Welt, u.a. der Schweiz, den Niederlanden und Kanada, wurden Konzerte des Sängers aufgrund der  inhaltlichen Ausrichtung der Texte sowie der offenen Verherrlichung des Ustaša-Regimes durch ihn bzw. seitens seines Publikums bereits abgesagt; manche Staaten haben zudem ein generelles Aufführungsverbot  festgelegt.  In den letzten Jahren hat sich auch zunehmend in Kroatien selbst eine Debatte um den Sänger entwickelt, welche u.a. dazu führte, dass ihm einige kroatische Städte ein Auftrittsverbot erteilten und gegen ihn momentan ein von jüdischen, serbischen und antifaschistischen Vereinen eingebrachtes Verfahren wegen Volksverhetzung läuft.


Für das besagte Konzert am 12. Dezember  2008  in Szombathely  gab  es   lediglich vom Verein „Linkes Burgenland“ eine Protestnote, welche gleichermaßen die Gesinnung  „Thompsons“  und  den menschenverachtenden Gehalt seiner Musik aufzeigte und auf dieser Basis die behördliche Untersagung des Konzertes forderte. Während sich der Kroatische Akademische Klub (Hrvatski Akademski Klub, HAK) daraufhin in einer am Tag des Konzertes veröffentlichen Stellungnahme  vom Sänger deutlich distanzierte, fand  eine  solche  Sicht  innerhalb  der   burgenländisch-kroatischen Gemeinde keinesfalls allgemeinen Zuspruch. So   kamen in dem Artikel „Misstöne rund um Kroaten-Konzert“  im  „Kurier“  vom  13.   Dezember 2008 auch die beiden Personen zu Wort, welche Vorverkaufskarten im Burgenland weitervermittelt hatten.   Während  sich  Walter  Horvatits  aus   Stinjak/Stinatz von den Textzeilen „zerknirscht“ zeigte und betonte, dass er mit dem  jetzigen Wissen nicht  nochmals Karten für „Thompson“ verkaufen würde, meinte der ÖVP-Vizebürgermeister von Nikitsch/Filez und Kartenvermittler Franz Fazekas zu den Anschuldigungen, dass er es sich „von niemanden vorschreiben lassen würde, welche Konzerte er besuchen dürfe“ und dass die Texte von „Thompson“ doch bloß „Heimat liebend“ seien. Diese Art der „Heimatliebe“ kostete im Zweiten Weltkrieg etwa 55 Millionen Menschen das Leben.


[1]  Jasenovac war ein Lagerkomplex, der zwischen 
  August 1941 und Februar 1942 von Behörden 
  des „Unabhängigen Staates Kroatien“
  („Nezavisna drzava Hrvatska“, NDH) errichtet
   wurde. Bis zu seiner Befreiung im April 1945 
  ermordeten kroatische Behörden in Jasenovac
  über 66.000 Menschen: 45.000 – 52.000
  serbische EinwohnerInnen des „Unabhängigen 
  Staates Kroatien“, 8.000 – 20.000 Jüdinnen 
  und Juden, 8.000 – 15.000 Roma und Sinti sowie 
  zwischen 5.000 und 12.000 ethnische KroatInnen 
  und Muslime, die sich in (angeblicher) politischer 
  oder religiöser Opposition zum Regime befanden.  
  Gradiška Stara ist ein kroatischer Ort, in dem 
  sich ein Außenlager von Jasenovac befand.
  Vjekoslav „Maks“ Luburic (1914 – 1969) war 
  Lagerkommandant in Jasenovac.
[2]  „Thompson“ als ‚nom de guerre‘ stammt aus
  der Zeit des jugoslawischen Bürgerkriegs  
  als Perkovic zu spät zur Waffenausgabe kam
  und daher nur noch ein altes und schweres 
  Thompson-Maschinengewehr erhielt.
[3]  „Für die Heimat bereit“ – Ein faschistischer Gruß, 
  welcher unmissverständlich mit dem
  faschistischen Marionettenregime des NDH
  verbunden ist.
[4]   faschistische, separatistische kroatische
  Nationalbewegung
 5  1889 – 1959, Ustaša-Führer, 1941 – 1945
  Staatsoberhaupt des NDH

 


Dario Brentin  

unter Mitarbeit von Martin Krenn Dario Brentin hat Politikwissenschaft und Osteuropäische Geschichte, Martin Krenn Geschichte und Philosophie an der Universität Wien studiert.