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Ausgabe 2/09


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Vom Widerstand zur Entschädigung

Die bislang erst in Ansätzen aufgearbeitete Geschichte des KZ-Verbandes wird nun zumindest für das Land Oberösterreich im Rahmen eines beim oberösterreichischen Landesarchiv angesiedelten Projektes erstmals näher beleuchtet.

 

 

Wenige Monate nachdem die Alliierten Österreich vom Nazifaschismus befreit hatten, begannen sich im Herbst 1945 die Opfer des Faschismus zu organisieren, um für das Erlittene zumindest eine geringe Entschädigung zu erkämpfen; aber auch, um im Rahmen der neu entstehenden politischen Verhältnisse nach dem Krieg dafür zu sorgen, dass die Verbrechen des Faschismus nicht vergessen und Derartiges künftig verhindert würde. Der Name dieser regional und nach Bundesländern organisierten Opferverbände variierte sowohl lokal als auch in den Jahren zwischen der offiziellen Verbandsgründung Anfang 1946 und der Auflösung des Verbandes 1948; der offizielle Vereinsname lautete schließlich „Bundesverband der ehemals politisch Verfolgten“, umgangssprachlich bürgerte sich dafür die Bezeichnung „KZ-Verband“ ein.

 

Bis 1948 organisierten sich Opfer aller politischen Richtungen im Verband, die Leitungen waren von Vertretern der drei Parteien Nachkriegs-Österreichs (SPÖ, KPÖ, ÖVP) besetzt. Von Anfang an spielten jedoch politische Auseinandersetzungen eine Rolle. Das war insofern von Brisanz, als dem Verband die zentrale Funktion zukam, den Opferstatus einer Person zu bestätigen, damit diese entsprechende Unterstützungen erhielt. Es wurde und wird immer wieder von Diskriminierungen von Personen berichtet, wobei vor allem vonseiten sozialdemokratischer und christlich-sozialer Zuständiger die Ansuchen tatsächlicher oder vermeintlicher KPÖ-Mitgliedern hinausgezögert oder behindert wurden. 1948 schließlich eskalierten die Spannungen innerhalb des Verbandes und das wichtigste Organ der politischen Opfer der faschistischen Gewaltherrschaft in Österreich wurde durch den Rückzug der SPÖ- und ÖVP-Vorstandsmitglieder 1948 aufgelöst. Dieser Schritt stand im Zusammenhang mit immer wieder geäußerten Vorwürfen, die KPÖ würde den Verband für politische Zwecke missbrauchen. Vor dem Hintergrund des beginnenden Kalten Krieges sahen sich die beiden großen Parteien veranlasst, eine überparteiliche Organisation, in der viele KommunistInnen wirkten, zu zerschlagen, um die KPÖ politisch zu isolieren. Noch dazu handelte es sich bei der Arbeit des Verbandes der politisch Verfolgten um einen national bedeutsamen und international beäugten, sensiblen Bereich.

 

Vom Großteil der Mitglieder wurde dieser parteipolitischem Kalkül geschuldete Schritt nicht akzeptiert, weshalb einige Bezirks- und Landesorganisation versuchten, trotz der Auflösung der Bundesorganisation die überparteilichen Verbandsstrukturen aufrecht zu erhalten. Dies gelang jedoch nur für kurze Zeit und mit der Gründung der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und dem sozialdemokratischen „Bund sozialistischer Freiheitskämpfer und Opfer des Faschismus“ wurde die Spaltung des überparteilichen Opferverbandes endgültig besiegelt. Jene, die diesen Schritt nach wie vor ablehnten, organisierten sich ebenfalls neu unter dem Namen „KZ-Verband – Bundesverband österreichischer Widerstandskämpfer und Opfer des Faschismus“ und behielten einen überparteilichen Anspruch bei, was de facto bedeutete, dass neben kommunistischen Opfern und WiderstandskämpferInnen in den folgenden Jahren im „KZ-Verband“ durchaus auch Personen anderer politischer Lager aktiv waren, die nach wie vor die Einheit und das gemeinsame Auftreten aller Opfergruppen für notwendig erachteten.

 

Historische Aufarbeitung

 

Die Geschichte des „Bundesverbandes der ehemals politisch Verfolgten“ ist bis dato nur in Ansätzen geschrieben. Dies ist umso erstaunlicher, als der Verband in der kurzen Zeit seines Bestehens maßgeblich zur ersten Aufarbeitung der NS-Zeit beigetragen hat. Vor allem die Funktion als Institution, die den Opferstatus einer Person offiziell bestätigen musste, damit diese in den Genuss von Entschädigungsleistungen und Opferfürsorge kam, brachte eine politisch gewichtige Rolle des Verbandes mit sich, denn hier ging es nicht zuletzt auch um die Definition dessen, wer als Opfer der NS-Herrschaft galt. Die erste Fassung des Opferfürsorgegesetzes war so formuliert, dass ausschließlich Personen, die aktiv für die Wiederherstellung eines unabhängigen Österreich gekämpft hatten, als „Opfer“ anerkannt wurden. Dies bedeutete die völlige Außerachtlassung jener, die aufgrund ihrer religiösen oder politischen Überzeugungen, aus „rassischen“ oder sexuellen Gründen verfolgt wurden, ohne aktiven Widerstand geleistet zu haben. Der „KZ-Verband“ setzte sich massiv für eine Abänderung des Gesetzes ein, doch wurden auch in der Perspektive des Verbandes bei weitem nicht alle Opfergruppen berücksichtigt.

 

Große Teile des Aktenbestandes des Bundesverbandes und seiner Unterorganisationen wurde mit der Auflösung 1948 polizeilich beschlagnahmt und unter Verschluss gehalten, was eine Aufarbeitung der Geschichte des Verbandes während der letzten Jahrzehnte fast unmöglich gemacht hatte. In den letzten Jahren kam es zur Herausgabe der Aktenbestände, und so wurde auch der Bestand des oberösterreichischen Landesverbandes ehemals politisch Verfolgter an das Landesarchiv Oberösterreich übergeben. Im Rahmen mehrerer vom Landesarchiv in Auftrag gegebener Projekte wurden diese Akten nun datenbankmäßig erfasst. In einem weiteren Schritt soll nun nach einer inhaltlichen Analyse im Laufe des nächsten Jahres ein Überblick über Entstehen und Wirken des oberösterreichischen Landesverbandes ehemals politisch Verfolgter in den Jahren 1946 bis 1948 publiziert werden.

 

Simon Loidl

hat Geschichte an der Universität Wien studiert und ist Mitarbeiter des vom Landesarchiv Oberösterreich finanzierten Projekts „Geschichte der KZ-Verbände Oberösterreichs

 

 

 


Berichtigung zum Artikel „Vom Widerstand zur Entschädigung“ in Gedenkdienst 2/2009 (Simon Loidl)

Da bezüglich meines Beitrages „Vom Widerstand zur Entschädigung“ über die Geschichte des KZ-Verbandes in Gedenkdienst 2/2009 Unklarheiten aufgetaucht sind, möchte ich kurz versuchen, diese zu bereinigen. Der Hauptteil des Beitrages ist eine knappe Darstellung der Thematik, wie sie sich aus der vorhandenen Literatur erschließt. Von dieser ausgehend analysieren Mag. Peter März und ich derzeit den am Landesarchiv Oberösterreich liegenden Aktenbestand des „Landesverbandes ehemals politisch Verfolgter“; da das Projekt erst in der Entstehungsphase ist, handelt es sich bei dem Artikel nicht etwa um eine erste Präsentation unserer Forschungsarbeit, sondern um eine kurze Skizzierung des derzeitigen Forschungsstandes. Zu dieser mangelhaften Differenzierung zwischen vorhandener Literatur zum Thema und unserem eigenen Projekt kam in dem Beitrag noch das Versäumnis, dass die von mir für die Erstellung des Gedenkdienst-Artikels verwendete Literatur nicht explizit angeführt wurde. In der Hoffnung, zur Klärung beigetragen zu haben, reiche ich einige Literaturhinweise nunmehr nach:

 

  • Bailer-Galanda, Brigitte. Die Entstehung der Rückstellungs- und Entschädigungsgesetzgebung. Die Republik Österreich und das in der NS-Zeit entzogene Vermögen. Wien, München 2003.
  • Bailer, Brigitte: Der KZ-Verband. Informationen zu einer wesentlichen Quelle des Projektes der Namentlichen Erfassung der Opfer der politischen Verfolgung. In: DÖW (Hg.): Jahrbuch 2007. Wien 2008. S. 36-49.
  • Bailer-Galanda, Brigitte: Konkurrenz - Konflikt - Spielball der Politik. Verbände der NS-Opfer in Österreich nach 1945. In: Fritz Bauer Institut (Hg.): als Akteure. Interventionen ehemaliger NS-Verfolgter in der Nachkriegszeit. Frankfurt am Main [u.a.]: 2008. S. 106-125.
  • Berger, Karin u.a.: Vollzugspraxis des Opferfürsorgegesetzes. Analyse der praktischenVollziehung des einschlägigen Sozialrechts. Wien, München 2004.
  • Maršálek, Hans: Die Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen. Dokumentation. Wien 42006.
  • Perz, Bertrand: Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen. 1945 bis zur Gegenwart. Innsbruck 2006.