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Ausgabe 3/09


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Advokaten 1938

Nachtrag

 

Für die GEDENKDIENST - Zeitungsausgabe 03/2005 verfasste ich einen Artikel über das 2004 gegründete Projekt “Servitengasse 1938“, das neben anderen Gedenkinitiativen in der Servitengasse im neunten Wiener Gemeindebezirk auch eine Gedenktafel für die vertriebenen und ermordeten BewohnerInnen des Hauses Servitengasse Nr. 6 aufstellte. Diese Gedenktafel konnte allerdings nicht wie zunächst geplant am Haus selbst angebracht werden, da sich die auseigentümerin dagegen wehrte. Aus diesem Grund wurde vor dem Haus, auf öffentlichem Grund, ein Denkmal aufgestellt.


In meinem Artikel schrieb ich fälschlicherweise, dass auch die Hausverwaltung Weiss-Tessbach, Benn-Ibler dem Projekt gegenüber negativ eingestellt war. Diese war aber der Hausbesitzerin gegenüber weisungsgebunden, vertrat also lediglich, was ihre Mandantin verlangte und hatte hinsichtlich des Projekts selbst keineswegs Bedenken.


Im Gegenteil: Dr. Benn-Ibler, der damalige Hausverwalter, ist Präsident der Österreichischen Rechtsanwaltskammer, die nun gemeinsam mit den regionalen Rechtsanwaltskammern ein Projekt gestartet hat, das die eigene Geschichte aufarbeiten soll. Der „Verein zur Erforschung der anwaltlichen Berufsgeschichte der zwischen 1938 und 1945 diskreditierten Mitglieder der österreichischen Rechtsanwaltskammern“ versucht, die Berufsgeschichte der vom Berufsverbot des Nationalsozialismus betroffenen und vertriebenen Rechtsanwälte nachzuvollziehen und somit einen Teil der österreichischen Anwaltsgeschichte im Rahmen einer Publikation nachzuzeichnen.


Unzähligen RechtsanwältInnen wurde der Beruf aus rassischen und politischen Gründen untersagt – nach dem „Anschluss“ waren nur mehr 771 von 2.605 Anwältinnen und Anwälte in die Liste der Rechtsanwaltskammer eingetragen. Der von der Österreichischen Rechtsanwaltskammer gegründete Verein stellt nun die Fragen: „Woher sind diese Kollegen gekommen?, Was ist ihre persönliche Anwaltsgeschichte? Wie war ihr weiteres Schicksal?“. Die Publikation zu ihrem Projekt soll „zugleich Gedenkschrift und kritische Auseinandersetzung“ sein.


Die Initiatoren dieses Projekts baten uns, einen Aufruf zu veröffentlichen: Wenn Sie Informationen über RechtsanwältInnen haben, die von dem Berufsverbot betroffen waren, treten Sie bitte in Kontakt mit:


verein(at)advokaten1938.com


Thomas Rennert


Links:
www.advokaten1938.com
www.servitengasse1938.at