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Ausgabe 4/09


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Gedenkstätte als Illustration

Den Themenschwerpunkt dieser Ausgabe begleiten Illustrationen zu Fragen der Gedenkstättenarbeit. Die Fragen, die den Umgang mit Comics über den Holocaust begleiten sowie Vorteile und Möglichkeiten dieses Mediums lassen sich so, im wörtlichen Sinne illustrieren. Sie behandeln, wie Comics für den Unterricht, distanziert über Metaebenen, hier durch einen Rundgang in der Gedenkstätte Auschwitz,das eigentliche Thema. Die Illustrationen verbildlichen dabei selbst solche Aspekte.


In einer Form, die nicht als realistisch wahrgenommen wird, wird das Behandeln von „großen Themen“ die leicht oberflächlich oder sperrig wirken, er-leichtert. Fragen können von Comicfiguren einfacher gestellt werden und „dürfen naiver“ bzw. direkter formuliert sein, die Beschäftigung mit den Fragen ver-liert dadurch jedoch nicht an Tiefe. Es handelt sich dabei um eine art „Socken-
puppenspiel“, bei dem stark auf den Inhalt und weniger auf die Form reduziert
wird. Eine fiktionale Figur, konfrontiert mit einer realen Behauptung bringt den/die BetrachterIn unweigerlich dazu sich zu der Aussage und der Reaktion der Figur positionieren zu müssen. Ein bloßes zitieren einer Aussage lässt den/die LeserIn hingegen eher in Passivität.


Text muss schon aus formalen Gründen kurz gehalten werden und erhöht somit die Prägnanz des Gezeigten. Was nicht in kurzen Sätzen ausgedrückt werden kann, fällt weg oder muss durch graphische Elemente ersetzt werden. Das Ergebnis ist sowohl für den/die AutorIn als auch den/die KonsumentIn eine Herausforderung. Das Wesentliche muss freigelegt und durch die Reduktion des Textes klarer benannt werden, der/die LeserIn hingegen muss mehr Einfühlungsvermögen aufbringen um die offen-sichtlichen Leerstellen auszufüllen. Nicht nur für jugendliche ergibt sich daraus ein spannender und kurzweiliger Umgang.

 
Die Verfremdung zur Graphik erzielt einen ähnlichen Effekt. Das Bild muss bewusster und zielgerichteter aufgebaut werden, wenn es „erdacht“ bzw. transformiert wird. Ebenso ist beim Betrachten des Bildes klarer, dass die einzelnen Teile der Abbildung gezielt ausgesucht wurden. Eine Abstraktion schafft zusätzliche Freiräume um sich selbst einzubeziehen, während eine realistische Abbildung oder Beschreibung immer Vollständigkeit vortäuscht. Das Unabbildbare“ also die Grauen der Konzentrationslager, innere, persönliche Vorgänge bis hin zur Schuld von Tätern erfährt dadurch sogar einen pietätvolleren Umgang, als durch naturalistische Darstellung, bildlicher oder schriftlicher Art.


Das selbe gilt auch für die Darstellung „aufgeladener“ Motive, wie zum Beispiel
des Schriftzuges „Arbeit macht frei“ in der Gedenkstätte des ehemaligen Kon-
zentrationslagers Auschwitz. Eine graphische Darstellung und die Reduktion auf wesentliches eröffnet Raum für eine differenziertere Auseinandersetzung mit einem ohnehin bekannten Motiv. Die Wortlosigkeit einer fiktiven Figur spricht auf einer emotionalen Ebene an, was durch nüchternen Text nur schwer ausdrückbar wäre.

 

C.F.