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Ausgabe 1/10


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Offener Brief

Ersuchen


Sehr geehrte Damen und Herren!


Seit geraumer Zeit existiert auf wissenschaftlicher Ebene ein Konsens, welcher die wesentlichen Entwicklungen der Ersten Republik und den Weg in die Diktatur der Jahre 1933-1938 betrifft. Sowohl die öffentliche Debatte 2004 als auch die Diskussion rund um den 75. Jahrestag der Februarkämpfe und des Juliputsches 1934 im heurigen Jahr, haben indes einmal mehr gezeigt, wie weit wissenschaftliche Erkenntnis und öffentliches historisches Bewusstsein in dieser Frage auseinander klaffen.


Es geht uns nicht darum, aus sicherer zeitlicher Distanz zur eigenen moralischen Erbauung den Stab über anderen zu brechen. Aber wir sehen die Aufgabe einer kritischen, den Werten von Demokratie und Emanzipation verpflichteten Wissenschaft nicht zuletzt darin, historische Fehlentwicklungen klar als solche zu benennen. Je umfassender autoritäre Strömungen historisch verstanden werden, desto eher entwickeln Menschen und Gesellschaften eine Sensibilität für ähnliche Tendenzen in der Gegenwart. Die Vergangenheit kann in dieser Hinsicht Mahnung sein, sie kann aber auch Orientierung geben. So würde heute niemand ernstlich die positiven Folgen der intensiven öffentlichen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in Frage stellen. Im Gegenteil: auf politischer Ebene existiert über Parteigrenzen hinweg die Bereitschaft, eine kritische Befassung mit dem Nationalsozialismus zu fördern indem die schulische Bildung dazu intensiviert wird, aber auch, indem öffentliche Gedenk- und Erinnerungspraxen forciert werden.

 
Hingegen gibt es ungeachtet der Faktenlage immer noch kein Einverständnis über die Bewertung des Regimes Dollfuß/Schuschnigg. Als Folge dessen bleibt die Bedeutung der Jahre 1933-1938 für die weitere Entwicklung Österreichs seltsam ungeklärt.

 
Dabei ließen sich anhand der Entwicklungen in den 1920ern und 1930ern beispielhaft die Erfolgsbedingungen antidemokratischer Bestrebungen studieren. Die Beschäftigung mit dem Dollfuß/Schuschnigg-Regime könnte Anlass bieten zur Erörterung der längst überfälligen Frage nach möglichen geistigen, sozialen, wirtschaftlichen und politischen Kontinuitäten in der Zweiten Republik. Gleichzeitig könnte die Auseinandersetzung mit dem demokratischen Widerstand gegen das Regime helfen, das demokratische Bewusstsein in der österreichischen Gesellschaft zu stärken. Zu lernen wäre nicht nur aus den Fehlern der Sieger des Februar 1934, sondern auch aus der Geschichte der Besiegten.

 
Die Initialzündung für eine kritische Befassung mit Geschichte bildeten in der Vergangenheit oftmals symbolische Akte. Für einen solchen Akt wäre nunmehr die Gelegenheit gekommen. Dem Justizausschuss des Parlaments liegt gegenwärtig ein Antrag vor, der die vollständige Rehabilitierung all jener Menschen fordert, die im Gefolge der Februarkämpfe 1934 von Standgerichten des Regimes abgeurteilt wurden. Ungeachtet unserer jeweiligen politischen Haltung sind wir der Meinung, dass die Rehabilitierung der verurteilten Februarkämpfer ein längst fälliger erster Schritt im oben geschilderten Sinne wäre. Desgleichen hielten wir es für höchst erstrebenswert, dass die Republik jenen Frauen und Männern ein ehrendes Andenken bewahrt, die 1934 in einen letzten, so mutigen wie aussichtslosen Kampf um ihre demokratischen Rechte gezogen sind. Zu diesem Zweck befürworten wir die Errichtung eines würdigen öffentlichen Denkmals an zentraler Stelle in der Bundeshauptstadt.

 
Wir wenden uns mit dem höflichen Ersuchen an Sie, uns im Rahmen Ihres Amtes nach Möglichkeit zu unterstützen und verbleiben in Erwartung Ihrer geschätzten Antwort.


mit freundlichen Grüßen

 

A. o. Univ. Prof. Mag. Dr. Thomas Albrich
Institut für Zeitgeschichte, Universität Innsbruck
Univ. Prof. Dr. Rudolf Ardelt
Institut für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte, Universität Linz
Univ. Prof. Dr. Mitchell Ash
Institut für Geschichte, Universität Wien
Univ. Doz. Mag. Dr. Brigitte Bailer
Wissenschaftliche Leiterin des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes
ao.univ.-Prof. Mag. Dr. Ingrid Bauer
Fachbereich Geschichte, Universität Salzburg
Univ. Prof. Dr. Peter Becker
Institut für Geschichte, Universität Wien
Dr. Karin Berger
Regisseurin, Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien
Univ. Prof. Dr. Christoph Boyer
Fachbereich Geschichte, Universität Salzburg
Univ. Prof. Dr. Gerhard Botz
Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien
Mag. Rosemarie Burgstaller
Kulturhistorikerin, Wien
Univ. Prof. Dipl.-Bw. Dr. Ulrich Brand
Institut für Politikwissenschaft, Universität Wien
Univ. Prof. Dr. Karl Brunner
Direktor des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung
Dr. Herwig Czech
Historiker, Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes
a. o. Univ. Prof. Dr. Christian Dirninger
Wissenschaftsagentur Universität Salzburg
Univ. Doz. Dr. Johann Dvorak
Institut für Politikwissenschaft, Universität Wien
Univ. Ass. Mag. Lucile Dreidemy
Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien-Strasbourg
a. o. Univ. Prof. Mag. Dr. Friedrich Edelmayer
MAS Institut für Geschichte, Universität Wien
a. o. Univ. Prof. Mag. Dr. Peter Eigner
Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte,Universität Wien
a. o. Univ. Prof. Dr. Helga Embacher
Fachbereich Geschichte, Universität Salzburg
Mag.a Brigitte Entner
Historikerin und Lektorin an der Universität Klagenfurt
Univ. Ass. Mag. Dr. Marcel Fink
Institut für Staatswissenschaft, Universität Innsbruck
Mag. Regina Fritz
Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien
Dr. Winfried Garscha
Forschungsstelle Nachkriegsjustiz am Dokumentationsarchiv des Österr. Widerstandes
a. o. Univ. Prof. Mag. Dr. Reinhold Gärtner
Institut für Politikwissenschaft, Universität Innsbruck
a. o. Univ. Prof. Dr. Johanna Gehmacher
Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien
a. o. Univ. Prof. Dr. Margarete Grandner
Institut für Geschichte, Universität Wien
Univ. Prof. i. R. Dr. Peter Gstettner
Ehem. Prof. am Institut f. Erziehungswissenschaften, Universität Klagenfurt
O. Univ. Prof. Dr. Hanns Haas
Fachbereich Geschichte, Universität Salzburg
a. o. Univ. Prof. Dr. Sylvia Hahn
Fachbereich Geschichte, Universität Salzburg
Univ. Prof. Mag. Dr. Gabriella Hauch
Institut für Frauen- und Geschlechterforschung/Institut für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte, Universität Linz
a. o. Univ. Prof. Dr. Hans Hautmann
Institut für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte, Universität Linz
Mag. Dr. Dieter Hecht
Freier Historiker, Wien
Dr. Thomas Hellmuth
Senior Scientist, Vorsitzender und Studienpräses der Studienkommission Politische Bildung, Institut für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte, Universität Linz
Mag. Manuela Hiesmair
Institut für Gesellschafts- und Sozialpolitik, Johannes Kepler Universität
Univ. Prof. Dr. Frank Höpfel
Institut für Strafrecht und Kriminologie, Universität Wien
Univ. Prof. Dr. Robert Hoffmann
Fachbereich Geschichte, Universität Salzburg
a. o. Univ. Prof. Dr. Willibald Holzer
Institut für Geschichte, Universität Klagenfurt
Univ. Prof. Dr. Geneviève Humbert-Knitel
Département d’allemand, Université de Strasbourg
Mag. Hubert Hummer
Direktor des Wissensturms, Linz
a.o. Univ.-Prof. Dr. MartinaKaller-Dietrich
Institut für Geschichte, Universität Wien
Univ.Prof.Dr.Reinhard Kannonier
Rektor Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz
Univ. Ass. Mag. Jakob Kapeller
Institut für Philosophie und Wissenschaftstheorie, Universität Linz
A. o. Univ. Prof. Dr. Ferdinand Karlhofer
Institutsvorstand Institut für Politikwissenschaft, Universität Innsbruck
Prof. Dr. Karl Kaser
Centre for Southeast Europaen History,University of Graz
Dr. Mag. Brigitte Kepplinger
Institut für Gesellschafts- und Sozialpolitik, Johannes Kepler Universität Linz
Univ. Ass. Mag.a Marietta Kesting
Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien
Mag. Dr. Christian Klösch
Freier Historiker, Wien
a. o. Univ. Prof. Dr. Andrea Komlosy
Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Universität Wien
Univ. Prof. Dr. Helmut Konrad
Institut für Geschichte, Universität Graz
ao. Univ. Prof. Dr. Reinhard Krammer
Fachbereich Geschichts- und Politikwissenschaft, Universität Salzburg
Univ. Prof. Dr. Helmut Kramer
Institut für Politikwissenschaft, Universität Wien
Univ. Prof. Dr. Eva Kreisky
Institut für Politikwissenschaft, Universität Wien
Mag.a Katharina Kuffner
Freie Historikerin, Wien
Mag. Dr. Oliver Kühschelm
Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Universität Wien
Dr. Eveline List
Institut für Geschichte, Universität Wien
a. o. Univ. Prof. Dr. Walter Manoschek
Institut für Staatswissenschaft, Universität Wien
Univ. Doz. Dr. Siegfried Mattl
Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien
Univ. Ass. Mag. David Mayer
Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Universität Wien
Hon. Prof. Dr. Wolfgang Neugebauer
Historiker u. ehem. Wissenschaftlicher Leiter des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes
MMag. Corinna Oesch
Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien
a.o. Univ. Prof. DDr. Günther Pallaver
Institut für Politikwissenschaft, Universität Innsbruck; Vorsitzender der Südtiroler Gesellschaft für Politikwissenschaft
Univ. Prof. DDr. Paul Pasteur
Lettres et Sciences Humaines, Université de Rouen
Univ. Prof. Dr. Anton Pelinka
Professor of Nationalism Studies and Political Science, Central European University, Budapest
Univ. Doz. Dr. Bertrand Perz
Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien
Mag. Dr. Peter Pirker
Institut für Staatswissenschaft, Universität Wien
Univ. Ass. Mag. Sabine Pitscheider
Institut für Zeitgeschichte, Universität Innsbruck
Mag. Dr. Herbert Posch
Institut für Wissenschafstkommunikation und Hochschulforschung der Universität Klagenfurt/Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien
Mag. Dr. Barbara Prainsack
Senior Lecturer Centre for Biomedicine & Society (CBAS) King’s College, London
Univ. Prof. DDr. Oliver Rathkolb
Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien
Univ. Doz.in Dr.in Margit Reiter
Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien
Dr.in Lisa Rettl
Freie Historikerin, Wien-Klagenfurt
a. o. Univ. Prof.in Dr.in Ilse Reiter Zatloukal
Institut für Rechts- und Verfassungsgeschichte,Universität Wien
Univ. Prof. Dr. Sieglinde Rosenberger
Institut für Politikwissenschaft, Universität Wien
Univ.-Ass. PD Mag. Dr. Dirk Rupnow
Institut für Zeitgeschichte/Universtität Innsbruck, Institut für Zeitgeschichte/Universität Wien
Univ. Prof. Dr. Edith Saurer
Institut für Geschichte, Universität Wien
Univ. Prof. Dr. Karin M. Schmidlechner
Institut für Geschichte/Zeitgeschichte, Universität Graz
Mag. Pia Schölnberger
Historikerin, Wien
Mag. Florian Schwanninger
Historiker, Linz
Univ. Prof. Dr. Andreas Schwarcz
Institut für Geschichte, Universität Wien
Univ. Prof. Dr. sc. Phil. Dieter Segert
Institut für Politikwissenschaft, Universität Wien
Ass. Prof. Mag. Dr. Valentin Sima
Institut für Geschichte, Universität Wien
a. o. Univ. Prof. Dr. Gerald M. Sprengnagel
Fachbereich Geschichte, Universität Salzburg
Univ. Prof. i.R. Mag. Dr. Anton Staudinger
Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien
O. Univ. Prof. Dr. Rolf Steininger
Institut für Zeitgeschichte, Universität Innsbruck
Em. Univ. Prof. Dr. Karl Stuhlpfarrer (†)
Institut für Geschichte, Universität Klagenfurt
Mag. Markus Stumpf
Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien
Mag. Dr. Stephan Sturm
Research Fellow, Princeton University
Univ. Prof. Dr. Emmerich Tálos
Institut für Staatswissenschaft, Universität Wien
Univ.Ass. Mag.a Dr.in Regina Thumser
Institut für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte, Universität Linz
Univ. Prof. Dr. Karl Ucakar
Institut für Staatswissenschaft, Universität Wien
Mag. Dr.in Heidemarie Uhl
Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien
Mag. Dr. Natascha Vittorelli
Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien
A. o. Univ. Prof. Dr. Karl Vocelka
Institut für Geschichte, Universität Wien
Univ. Prof. Dr. Josef Weidenholzer
Institut für Gesellschafts- und Sozialpolitik, Universität Linz
Univ. Ass. Mag. Florian Wenninger
Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien
ao. Univ. Prof. Dr. Markus J. Wenninger
Institut für Geschichte, Universität Klagenfurt
Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Thomas Winkelbauer
Institut für Geschichte und Institut für Österreichische Geschichtsforschung, Universität Wien