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Ausgabe 1a/10


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"Der Mathematiklehrer war gemein zu mir"

Alfred Mayer emigrierte nach dem „Anschluss“ nach England, wo er später an den Universitäten Birmingham und London studierte. Gegenwärtig lebt er in New Jersey. Vor 14 Jahren besuchte er erstmals wieder das Akademische Gymnasium.


Waren Sie gut in der Schule und was haben Sie später studiert?
Ich war bei den oberen zehn Prozent im Akademischen Gymnasium. Meine Lieblingsfächer waren Chemie und Physik. Später studierte ich an den Universitäten von Birmingham und London Chemie, Geografie und Englisch.


Was waren Ihre Eltern von Beruf?
Fabrikanten. Nachdem mein Vater gestorben war, wurde meine Mutter Partnerin in unserer Fabrik, die sich auf die Fertigstellung von Leinen und Kunstseide spezialisiert hatte.


Wie haben Sie den „Anschluss“ erlebt?
Mein Vater starb 1937, meine Mutter und unsere Verwandten schienen zu wissen, dass der „Anschluss“ kommen wird, nachdem die österreichische Regierung gefallen war. Wir wussten alle, dass viele Österreicher Nazi-Parteimitglieder waren. Unser nächster Schritt war es, auszuwandern und herauszufinden, welches Land uns aufnehmen würde und welche Dokumente dafür benötigt werden würden.


Wie wurde Ihnen mitgeteilt, dass Sie die Schule verlassen mussten?
Ich glaube, es war der Mathematikprofessor, der der ganzen Klasse sagte, dass wir uns vor der Schule zu versammeln haben. Dann mussten alle Juden auf den Stufen stehen. Jemand gab mir ein Stück Toilettenpapier, um die „Hundescheiße“ aufzuwischen.


Was war Ihr schönstes Erlebnis in der Schule?
Gute Freunde zu finden. Mit vielen Schülern habe ich später wieder Kontakt aufgenommen.


Was war Ihr schlimmstes Erlebnis?
Der Mathematiklehrer war gemein zu mir.


Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie das Akademische Gymnasium vor 14 Jahren besucht haben?
Es war für mich ein wenig seltsam zu sehen, dass jetzt auch Mädchen dort zur Schule gehen. Meine Frau war beeindruckt von dem Gebäude.


Hannah Riedler