AuslandseinsatzHolocaust-EducationStudienfahrtenVereinLinks
Ausgabe 1a/10


2016
2015
2014
2013
2012
2011
2010
2009
2008
2007
2006
2005
2004
2003
2002
2001
2000
1999
1998

Brief von Henry Kauders

Sehr geehrter Herr Direktor Kerbler,

 

 

mein Name ist Henry Kauders. Ich wurde am 28. Jänner 1926 in Wien geboren. Ich besuchte das Akademische Gymnasium Wien. Kurz nachdem Hitler Wien eingenommen hatte, wurde allen jüdischen Kindern mitgeteilt, dass sie die jüdische Schule Zirkusgasse im zweiten Bezirk besuchen müssten.

 

Weil ich im elften Bezirk wohnte, der sehr weit entfernt war, organisierte mein Vater, dass unser französisches Kindermädchen uns jeden Tag mit dem Familienauto zur Schule brachte und uns am Nachmittag wieder abholte. Wir taten dies, weil die Hitler-Jugend vor der Schule die jüdischen Kinder mit ihren Gürteln verprügelte. Aber meinen Bruder und mich fassten sie nicht an, weil unser Kindermädchen die französische Flagge trug, um uns zu beschützen.

 

Mein Vater wurde in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Am Tag der „Reichskristallnacht“ wurde meine Mutter gezwungen, den Gehsteig vor unserem Haus zu schrubben, um sie als jüdische Frau zu demütigen. In dieser Nacht wurde auch die Synagoge, die mein Großvater gebaut hatte, niedergebrannt.

 

Mein Vater hatte Glück, denn er war einer der wenigen, die aus Dachau freigelassen wurden. Er organisierte für meine Schwester, meinen Bruder und mich die Flucht nach Italien in einem Wasserflugzeug. Ich lebte sechs Monate in Italien und flog dann nach Israel. Doch zuvor stoppte ich in der Schweiz, um mich bei meiner Großmutter und bei meinen Onkeln zu verabschieden, dort fand auch meine Bar Mitzwa statt. Wir lebten zweieinhalb Jahre in Israel und emigrierten nach Erhalt der Visa in die USA.

 

Ich war fünfzehn Jahre alt, als ich in New York ankam. Ich sprach kein Englisch. Deshalb wurde ich in eine Klasse mit siebenjährigen Schülern gegeben. Mit 18 Jahren wurde ich in die Armee eingezogen und diente im Zweiten Weltkrieg ca. zwei Jahre. Als ich wieder zurück in die USA kam, nahm ich wieder meine Ausbildung auf und fand schnell eine Anstellung.

 

 

Liebe Grüße

Henry Kauders

 

 

Felix Korbelius, Philipp Rybczynski, Clara Simak