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Ausgabe 1a/10


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Brief von Heinz Langsam

Sehr geehrter Herr Magister,

 

 

durch den Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus habe ich Nachricht von Ihrer Arbeit erhalten. Ich war letzten Oktober einige Tage in Wien. Es ist nicht leicht gewesen, sodass ich dies nicht wiederholen kann, da es sehr kostspielig ist und ich selbst nicht mehr der Jüngste bin (85 Jahre alt).

 

Was mich betrifft: Wir verließen Wien im September 1938 offiziell nach Mexiko. Wir blieben aber zehn Monate in Frankreich auf Durchreise, da ein Visum nach Mexiko gar nicht existierte. In Paris bekam mein Vater aber ein Visum nach Chile, wo wir am 31. August 1939 ankamen.

 

Nun kann ich behaupten, dass Chile uns mit offenen Armen empfangen und uns quasi adoptiert hat. Ich hatte die Möglichkeit, ein komplettes Studium als Elektroingenieur zu machen und mir und meiner Familie einen guten Lebensstandard zu ermöglichen. Meine Eltern verstarben in hohem Alter (91 und 99 Jahre) und ich bin mit einer Wienerin (Dorrit Schloss) verheiratet.

 

Von meinen Kollegen aus dem Akademischen Gymnasium weiß ich leider nicht viel. Ich habe Walter Wortsmann gefunden (lebte in New York und starb vor vielen Jahren) und hatte damals Kontakt mit Ernst Brüll aus Buenos Aires, hörte aber später nichts mehr von ihm. Hier in Chile lebt ein guter Freund, der 1938 fünf Jahre alt war: Alfred Gerstmann. Sein Vater war Mathematikprofessor an der Universität. Und das wäre dann auch alles.

 

 

Mit besten Grüßen

Heinz Langsam

 

 

Dominik Dobosz