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Ausgabe 1a/10


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Buchpräsentation: "The Expendable Spy; A Tale of World War II"

(Der überflüssige Spion: Ein Märchen vom 2. WK)

von Maximilian Lerner

 

 

Maximilian Lerner hat sein Schicksal auch in einem Roman verpackt. Es ist zwar „a work of fiction“, also ein Roman, aber die Hauptperson, Kurt Auster, trägt autobiographische Züge von M. Lerner, obwohl Kurt bei der Vertreibung aus der Schule bereits 18 Jahre alt war und Maximilian erst 14 Jahre. Die Beschreibung der Verhältnisse in Wien nach dem „Anschluss“ und der Vertreibung der jüdischen Schüler aus dem Akademischen Gymnasium sind wahrheitsgetreu:

 

 

Kurt Auster erinnert sich an seinen 18. Geburtstag als jene Zeit, zu der er zum letzten Mal richtig glücklich war. Es war ein typischer Februartag in Wien. Am Abend wurde sein Geburtstag mit großem Aufwand gefeiert. Seine Mutter kochte ihm sein Lieblingsessen: Marillenknödel, die er so liebte. Sein Vater öffnete eine Flasche Wein; als Geburtstagsgeschenk bekam er ein Paar neue Ski, die er sich gewünscht hatte. Er sollte aber keine Gelegenheit mehr haben, die Ski zu verwenden, da drei Wochen später die deutschen Truppen in Österreich einmarschierten.

 

Professor Schmidt hatte alle jüdischen Schüler des Akademischen Gymnasiums, eine der renommiertesten Schulen in Wien, in die Versammlungshalle rufen lassen, um ihnen ihren „neuen Status“ zu erklären. Sie dürften sich nicht länger als Bürger dieses Landes betrachten. Es ging ein Raunen durch den Raum. Zu lange schon hätte die bösartige jüdische Rasse dominiert. Der Führer, Adolf Hitler, wäre heimgekommen und würde nun die deutsche Seele gegen die fremden Einflüsse verteidigen. „Ihr seid nicht länger Schüler an dieser Schule. Das Akademische Gymnasium rühmt sich seiner langen Geschichte. Es ist die Schule, die Franz Schubert, Hugo von Hofmannsthal und viele andere berühmte Deutsche unterrichtete. In der letzten Generation wurde sie von Juden heimgesucht. Nicht mehr. Diese Schule wird zu ihrer Aufgabe zurückkehren und deutsche Männer unterrichten.“, sagte Professor Schmidt. „Ihr werdet in euer Zuhause zurückgehen, aber zuerst wird euch gezeigt, wo ihr hingehört.“ Jeder Schüler erhielt eine Zahnbürste und einen Kübel mit Lauge und musste dann die Gehsteige rund um die Schule schrubben, die durch die Juden verschmutzt worden wären und zwar so lange, bis alle Spuren der jüdischen Verseuchung verschwunden wären. Kurt konnte gar nicht glauben, dass Schmidt ein Nazi war. Er war doch immer so freundlich gewesen. Als sie den Raum verließen, waren sie von der uniformierten Hitlerjugend umgeben. In dieser Gruppe erkannte Kurt einige seiner nichtjüdischen Klassenkollegen. Vor der Schule waren viele Schaulustige, unter ihnen auch ein Polizist. Kurt blickte flüchtig zu ihm. Sein ganzes Leben brachten ihm seine Eltern bei, dass man das Gesetz und die Polizei, die es vollstreckt, respektieren solle. Und nun hilft die Polizei bei der Judenverfolgung. Kurt fühlte Panik. In einem unbemerkten Augenblick konnte Kurt fliehen und schlich sich nach Hause. Seine Eltern warteten schon auf ihn. Kurt erzählte ihnen von dem Erlebnis. Seine Mutter war erschüttert, aber sein Vater war überzeugt, dass Hitler nun erreicht habe, was er wollte, und jetzt die Wirtschaft verbessern und als respektierter Staatsmann angesehen werden wolle. Sein Vater war sicher, dass alles gut werden würde.

 

Zwei Monate nach dem Anschluss war in Wien eine Atmosphäre von Freude und patriotischer Leidenschaft zu spüren. Wien war schön. Überall blühten Blumen in diesem schönsten Mai aller Zeiten. „Einige Außenseiter“ konnten sich aber an dem allgemeinen Wohlgefallen nicht beteiligen. Einige der 200.000 Juden Wiens mussten die Gefahr der Straße riskieren, da sie Besorgungen machen mussten, um zu überleben. Einer von ihnen war Kurt. Als er eines Tages wieder einmal auf dem Heimweg war, sah er schon von der Ferne, dass zwei Männer in Uniform zwei lange, eingehüllte Objekte aus dem Haus trugen und respektlos in einen Lastwagen warfen. Eine Vorahnung erfasste Kurts Herz. Zuhause öffnete er die Wohnungstür und sah, dass im besten Stuhl seines Vaters dessen Vorarbeiter Maresch saß, mit einer Flasche Schnaps in der Hand und total betrunken. Kurt wollte wissen, was passiert sei und wo seine Eltern seien. Maresch sagte ihm, dass beide ermordet worden seien und bedauerte immer wieder, dass er das nicht gewollt habe. Kurt müsse flüchten, da auch er in Gefahr sei.

 

Kurt floh aus Österreich mit dem brennenden Wunsch nach Rache. Er wurde britischer Agent, war an zahlreichen Missionen gegen den deutschen Feind beteiligt und jagte zur gleichen Zeit nach dem Mörder seiner Eltern, einem SSOffizier.

 

 

Marcus Hübsch, Matthäus Leidenfrost